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Wo und wie unseren Atommüll lagern?

Medienmitteilung 8. April 2020

Fraktion der CSU und der GRÜNEN haben Stellung bezogen

Wo und wie unseren Atommüll lagern?

„Wie soll unser Atommüll für die zum Abklingen der tödlichen Strahlung notwendige Zeit von über 1 Million Jahre sicher isoliert gelagert werden?“ hat die Bürgerinitiative von Deutschlands Ort mit dem am Abstand meisten Atommüll die Fraktionen CSU, FDP, FW, GRÜNE und SPD im Bayerischen Landtag gefragt.

Nachdem wir im April 2019 und im November 2019 von den Fraktionen der CSU und der Freien Wähler Absagen auf unsere Einladungen zur öffentlichen Diskussion der Atommüllfrage bekommen hatten, hatten jetzt beim dritten Anlauf wieder die GRÜNEN und erstmals auch die CSU und die FW für eine Veranstaltung am 7. April zugesagt (FDP und SPD haben nicht reagiert). Da diese Veranstaltung ausfallen muss, haben die CSU-Fraktion durch Ihre Abgeordnete Dr. Petra Loibl und die GRÜNEN durch ihren Abgeordneten Martin Stümpfig schriftlich Stellung bezogen. Die FW wollten sich nicht schriftlich festlegen. Im Anhang die zwei Stellungnahmen:

Vorgeschichte und Einordnung

Eine aktuelle Lehre vom Staatsversagen

In diesen Wochen erleben wir, wie eine Gesellschaft leiden muss, wenn man sich auf eine absehbare Katastrophe nicht vorbereitet. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat schon mit einer Risikoanalyse im Jahr 2012 auf unsere Bedrohung durch eine „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ hingewiesen. Es wurde damals der Verlauf einer „Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plausibel ist“ (Risikoanalyse Drucksache 17/12051 S.5). Das Ergebnis wurde dem Bundesinnenministerium und dem Bundestag und den Bundesländern übermittelt. Doch die für den Katastrophenschutz verantwortlichen Länder haben nicht gehandelt und beispielsweise Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte für diesen wahrscheinlichen Katastrophenfall bevorratet. Und hatten keine Pläne ausgearbeitet, wie die Infektionswege schnell unterbrochen werden können.

Atommüll: Eine absehbare Katastrophe in Bayern

Der Atommüll entsteht durch die Spaltung von Uran. In Bayern begann die deutsche Atommüllproduktion 1957 im Forschungsreaktor Garching. Es ging im Jahr 1961 weiter mit der Inbetriebnahme des Versuchs-AKW im unterfränkischen Kahl am Main. Der CSU-Politiker Strauß sagte hierzu: „Die friedliche Nutzung der Atomenergie bedeutet denselben Einschnitt in die Menschheitsgeschichte wie die Erfindung des Feuers.“ Und auch das erste bundesdeutsche Groß-AKW wurde in Bayern gebaut und eingeschaltet: Der Block A des AKW Gundremmingen im Jahr 1966. Bayern hat von allen deutschen Bundesländern den meisten Atommüll erzeugt. Bis heute wurde nicht ein Kilogramm entsorgt. Alles wird nur gefährlich oberirdisch zwischengelagert.

Im schwäbischen Gundremmingen, das zwischen Augsburg und Ulm liegt, lagert, wenn man die Radioaktivität als Maßstab nimmt, mit Abstand mehr Atommüll als an jedem anderen Ort in Deutschland. Das oberirdische Zwischenlager ist nicht sicher. So hat es nur eine Wandstärke von 85 Zentimetern und eine Deckenschwäche von 55 Zentimetern. Das ist unverantwortlich gefährlich, wie das Beispiel des Zwischenlagers Lubmin (Greifswald) an der Ostsee zeigt. Das dortige Zwischenlager hat 70 cm dicke Wände und ebenfalls eine 55 cm dicke Decke. Jetzt soll es neu gebaut werden, mit 180 cm dicken Wänden und ebenso dicker Decke. Nachdem wir hierauf den für die Aufsicht des Gundremminger Zwischenlagers verantwortlichen Umweltminister Glauber (FW) hingewiesen haben, hat er uns nur nichtssagend antworten lassen.

Unsere rund 800 Mitglieder starke Bürgerinitiative bedankt sich, dass auch die CSU-Fraktion Stellung bezogen hat. Die Stellungnahme halten wir jedoch für offensichtlich widersprüchlich und insbesondere nicht zielführend. So wird es uns nicht gelingen, den Atommüll weniger gefährlich endzulagern. und die absehbare Katastrophe für unsere Kinder und Enkel zu vermeiden.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

Foto: Klartext.LA