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Weihnachtsfeier der Freiwilligen Feuerwehr Landshut am 21.12.2014

Ansprache des 2. Vorsitzenden des Feuerwehrvereins Landshut e.V., Andreas Kei, im Rathaus-Prunksaal (Bildmitte):

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Feuerwehr Kameradinnen und Kameraden,

verehrte Ehrengäste

das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu und wir feiern in ein paar Tagen

das ersehnte Weihnachtsfest.

Von Hans Christian Andersen stammt der Ausruf :

Wie leide ich vor Sehnsucht ! Wäre es doch Weihnachten !

Dieser Satz spricht sicher vielen Menschen aus der Seele:

Wäre es doch Weihnachten! Ein paar Tage frei. Endlich ausschlafen.

Und dann die knusprige Weihnachtsgans!

Ist das Weihnachten?

Wegen ein paar freier Tage und eines Gänsebratens sehnen wir uns so nach

diesem Fest ?

Wohl kaum! Denn gut essen und freie Tage haben wir doch immer wieder.

So sehnsüchtig, wie wir Weihnachten sagen, so sehnsüchtig sagen wir nicht

Fronleichnam oder Ostern.

Warum ist das so ?

Ein kluger Mann hat einmal gesagt :

Sehnsucht ist die nach vorn gebeugte Erinnerung.

Die meisten von uns sehnen sich nach Weihnachten, weil wir dieses Fest aus

unserer Kindheit in so guter Erinnerung haben.

Wir empfinden dieses Fest als ein ganz besonderes und ein jeder hat

eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie sein Weihnachtsfest aussehen muss.

Sind es also die Rituale, die Weihnachten ausmachen ?

Nun, unsere Vorstellung von der Weihnachtszeit ist noch immer geprägt von Ruhe

und Besinnlichkeit, von Gemütlichkeit.

Das Haus ist festlich geschmückt mit Tannenzweigen, es duftet nach Kerzen,

und nach selbstgebackenen Plätzchen.

Ich glaube aber nicht, dass dies das Wichtigste ist.

Das Wichtigste ist das was vor über 2000 Jahren geschehen ist.

Etwas, das unser Abendland verändert hat bis zum heutigen Tag.

Es ist ein Versprechen, eine Verheißung, die Verheißung des Friedens.

Leider schleicht sich im Alltag immer wieder die Hektik ein, die in den

Adventswochen eigentlich nichts mit dem Weihnachtsfest und dem

Versprechen zu tun hat.

Im Büro stehen Präsente von Firmen auf den Schreibtischen,

die auf bessere Zeiten und Aufträge hoffen.

Zu Hause quillt der Briefkasten über von Spendenaufrufen mit

Überweisungsvordrucken.

In den Firmen und Büros wird mit Volldampf auf den Jahresabschluss hingearbeitet.

Dennoch ist es wichtig, sich des Versprechens „Frieden auf Erden“ zu erinnern.

Der Frieden auf Erden ist kein Geschenk, das einfach so unter dem

Weihnachtsbaum liegt, verpackt mit roter Schleife.

Nein, zur Erfüllung dieses Versprechens müssen wir selbst beitragen.

Wir müssen uns den Frieden selbst verdienen.

Frieden, das ist ein kleines Wort mit einer großen Idee dahinter.

Frieden mit sich selbst zu machen heißt für mich, der Stimme des eigenen

Gewissens zu folgen, sich anständig zu verhalten und andere so behandeln,

wie man selbst behandelt werden möchte.

Frieden mit der Natur zu machen heißt, sich umbesinnen.

Müssen es wirklich 3 Autos in einer Familie sein ?

Warum nicht mal mit Bus oder Fahrrad fahren, statt jeden Weg mit dem PKW

zurückzulegen ?

Und Frieden in der Welt zu machen heißt, die Solidarität weiter zu fassen und

darüber nachzudenken, warum zwei Drittel der Menschheit in Armut, Elend und

Hunger lebt. Wenn man dort nichts ändern, wird die Völkerwanderung der

Armutsflüchtlinge sich weiter ausbreiten.

Der Frieden, so haben wir gelernt, und so müssen wir es begreifen, ist in jeder

Hinsicht zu unserem eigenen Wohl.

Die Bibel erzählt eine eindrucksvolle Geschichte, und ihre Botschaft betrifft und

berührt uns alle :

„Macht endlich Frieden auf Erden und liebt eure Nächsten wie euch selbst !“

Könnte es in unserer Zeit eine aktuellere Botschaft geben als diese ?

Aber wie weit sind wir damit gekommen ?

Sozialwissenschaftler sprechen heute für unseren Teil auf der Erde von einer

Freizeitgesellschaft, von wachsendem Egoismus, vom Verfall der Werte, die eine

Gemeinschaft zusammenhalten, von einer Entsolidarisierung im Alltag.

Das mag für den Alltag stimmen, aber es stimmt nicht, wenn außergewöhnliche

Ereignisse Solidarität erfordern.

Denn im Alltag sind die meisten Menschen solidarisch und hilfsbereit.

Ein weiser Spruch lautet : Kleinigkeiten entfernen die Menschen voneinander,

Katastrophen bringen sie einander näher.

Und das gilt nicht nur in Notzeiten.

Besonders in der Not müssen wir zusammenrücken.

Und dass wir das können und tun, beweisen wir von der

Freiwilligen Feuerwehr Landshut ja täglich.

Das haben wir letztes Jahr beim Hochwasser und heuer bei den vielen Einsätzen

eindrucksvoll bewiesen.

Es wird von den meisten aber als Selbstverständlichkeit angesehen,

obwohl es das nicht ist.

Den Hirten von damals hätte es wahrscheinlich ihren schlecht bezahlten Job kosten

können, als sie Ihre Herden verließen, um die Friedensbotschaft weiterzugeben.

Warum haben die das nur gemacht ?

Sicherlich wussten sie, das schon seit dem Regierungsantritt des Kaisers Augustus

im ganzen römischen Weltreich der Krieg vorbei war ?

Viele profitierten davon.

Nur die Menschen in den eroberten Provinzen, Ausländer mit einer fremden Religion

wie die Hirten, standen weiter mit der Besatzungsmacht auf Kriegsfuß, und zwar weil

sie ungerecht behandelt und unterdrückt wurden.

Vielleicht spürten sie was viel später ein holländischer Philosoph in Worte fasste :

Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg.

Frieden ist eine Tugend und eine Geisteshaltung.

Eine Neigung zu Güte, Vertrauen und Gerechtigkeit.

Zu allen Zeiten haben sich die Menschen nach diesem für alle guten und gerechten

Frieden gesehnt.

Die einen träumen vom Paradies, die anderen vom Schlaraffenland oder vom

goldenen Zeitalter. Und immer aufs Neue entstanden Friedensbewegungen, um

diese Vorstellung endlich zu verwirklichen.

Und doch war und ist auf unserer Welt Krieg. So leistet sich jeder Staat ein

kostspieliges Kriegsministerium, um sich auf immer neue Kriege vorbereiten zu

können, heute sagt man aber lieber „Verteidigungsministerium“.

Der Durchschnittsmensch hatte darauf keinerlei Einfluss. In vielen Ländern lernt

man schon in der Schule, das es ehrenvoll und cool sei, für sein Vaterland in den

Krieg zu ziehen und gegebenfalls zu sterben.

Haben wir nicht alle genug zu tun mit unseren eigenen Problemen und Konflikten ?

Die Hirten zu Betlehem haben versucht die Weihnachtsbotschaft vom Frieden

auf den Weg zu bringen.

Und auch wir haben viele Möglichkeiten, sie in die Praxis umzusetzen.

Niemand erwartet von uns das wir uns um die ganze Welt kümmern

und unsere eigenen Probleme unter den Teppich kehren.

Wo Menschen sich bemühen, freundlich, vertrauensvoll und fair miteinander

umzugehen, überall da ereignet sich Weihnachten, und das nicht nur zur

Weihnachtszeit.

Ein Sprichwort lautet:

„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun,

können sie das Gesicht der Erde verändern“.

Das ist doch ein tröstlicher und ermutigender Gedanke.

Aber den letzten Intelligenztest müssen die Menschen noch bestehen,

nämlich die Gradwanderung zwischen Leben und Leben lassen zu schaffen.

Liebe Feuerwehrkameradinnen und Kameraden ich möchte mich

bei euch allen für euer Engagement des vergangen Jahres ganz besonders

bedanken, und hoffe darauf, das wir auch nächstes Jahr wieder einen kleinen Teil

dazu beitragen können das Solidarität und Hilsbereitschaft nicht uncool wird.

Ich wünsche nun Ihnen und Ihren Familien eine frohe und gesegnete Weihnacht,

und schon heute ein glückliches, gesundes und friedliches neues Jahr 2015.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Andreas Kei




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