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“Warum wir die Ochsenau erhalten sollten“ – Naturwissenschaftlicher Verein stellt neue Erkenntnisse vor

Auloh (20.4.2018)

In einer Bürgerinformationsveranstaltung des Ortsverbandes Landshut-Ost der CSUhaben Rudolf Boesmiller und Dr. Stefan Müller-Kroehling vom Naturwissenschaftlichen Verein Landshut (NVL) am 20.4.2018 im voll besetzten Cafe Betz in Auloh ihre aktuellen Erkenntnisse von der Panzerwiese des ehemaligen Standortübungsplatzes präsentiert. Bekanntlich macht sich der NVL für einen Erhalt der Ochsenau stark und plädiert dafür, geplante Bebauungen in weniger wertvollen und nicht derart einmaligen Gebieten durchzuführen. Boesmiller berichtete von Pilzfunden stark gefährdeter und bayernweit vom Aussterben bedrohter Pilze wie dem Blauen Rötling und anderen Rötlingen und Saftlingen, die von überregional tätigen Experten als eindeutige Zeiger für die wertvollsten Magerrasengebiete deutschlandweit bezeichnet worden seien. Manche dieser Arten genössen deutschlandweiten Schutz, betonte Boesmiller. Auch die von Müller-Kroehling vorgestellten Ergebnisse aus der Welt der Insekten sprechen dieselbe Sprache. Trotz bisher nur sehr extensiver Erhebungen sind doch bereits eine ganze Reihe von Arten entdeckt worden, die in Südbayern äußerst selten und aus dem weiteren Raum Landshut nur aus dem Gebiet der ehemaligen Panzerwiese bekannt sind. Darunter sind Arten wie der Heide-Wicht, der Heide-Marienkäfer und die Kleine Diebsameise, Deutschlands kleinste Ameisen Art. Diese Insekten sind wie der Blaue Rötling an Magerrasen gebunden. Müller-Kroehling betonte, dass man noch viel zu wenig über die in der ehemaligen Panzerwiese der Ochsenau vorkommenden, „charakteristischen Arten“ der Kalkmagerrasen wisse und auch noch nicht gründlich genug berechnet habe, welche Flächengröße für deren langfristiges Überleben notwendig sei. Dabei, so Boesmiller, habe die Stadt doch zwanzig Jahre Zeit dafür gehabt, genau dies zu tun.

Genau so lange, nämlich weitere mindestens 20 Jahre, würde es selbst laut der von der Stadt beauftragten Planung dauern, um Magerrasen neu anzulegen, bis diese auch nur den maximal „halben Wert“ der gewachsenen, vorhanden Flächen erreichen könnten. Boesmiller und Müller-Kroehling betonten jedoch, dass eine Neuanlage und ein „Verfrachten auf die Hochfläche“, wo völlig andere Boden- und Klimabedingungen herrschten, überhaupt nicht dem „Stand des Wissens und der Technik“ entsprächen. Das vorliegende Ausgleichsflächenkonzept sei zum Erhalt des speziellen Wertes und der Einmaligkeit der Ochsenau ungeeignet, waren sich beide Wissenschaftler einig. Die Ochsenau sei als die „Landshuter Heide“ der größte Kalkmagerrasen des Isartals und in Südbayern einmalig, und daher für die Artenvielfalt der gesamten Region unentbehrlich. Manche der vorkommenden Arten wie der Steppengrashüpfer sind auf ganz Südbayern bezogen „reine Landshuter“, so der Referent. Diesen Fakten müssten auch die Planungen angemessen Rechnung tragen. Hierzu seien auch viel mehr Erhebungen notwendig, wie etwa die vom NVL zusammen mit der TU München und unterstützt von der Zoologischen Staatssammlung München vorgeschlagenen, zweijährigen Aufnahmen. Müller-Kroehling warf die Frage auf, ob die Stadt Landshut als „Biodiversitätskommune“ es sich wirklich leisten könne, das Angebot solcher Erhebungen auszuschlagen, nur, weil man über den speziellen Wert der eigenen Flächen gar nicht so genau Bescheid wissen wolle.

Einige Zuhörer zeigten sich sehr erbost über erfolgte Abholzungen und andere Naturzerstörungen und Eingriffe, und dass diese auch noch als Ausgleichsmaßnahmen bezeichnet würden.

Im Anschluss an den Vortrag wurde gemeinsam mit den anwesenden Stadträten Ludwig Graf und Rudolf Schnur diskutiert, warum eine Bebauung von 40% der ehemaligen Panzerwiese sich sehr negativ auf den Gesamtwert des Naturschutzgebietes, aber auch auf die Lebensqualität der Menschen in Auloh auswirken würde. Anwesende Vertreter der ehemaligenBürgerinitiative zum Schutz der Ochsenau kündigten an zu prüfen,das Bürgerbegehren speziell auch im Lichte der neuen Erkenntnisse mit neuem Leben füllen zu wollen. Gerade auch das Insektensterben habe der Öffentlichkeit die Augen geöffnet, dass man nicht so weiter machen könne, wie bisher, und manche Dinge noch einmal überdenken müsse. In diesem Zusammenhang sollten auch die Bürger ein Mitspracherecht über die Flächen in städtischem Eigentum haben. Die beiden Stadträte wiesen auf einige Ungereimtheiten in Bezug auf die Fläche hin, wie den bisher nicht vorgelegten Text des so genannten „Kompromisses“ und die offene Frage, welche Personen derzeit überhaupt über diese Fläche das Sagen haben.

Mit vielen neuen Erkenntnissen, aber ebenso vielen offenen Fragen und zugleich auch neuen Impulsen schloss die mehrstündigeVortrags- und Diskussionsveranstaltung in Auloh.