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WALD IM WANDEL — Geschichte des Forstes der Hl. Geistspitalstiftung — Bernhard Thalhammer führt OB Putz und Stadträte durch den Kumhauser Forst

 

Waldbegehung am 15.06.2017

Waldort: Distrikt VI Kumhauser Forst

Wald im Wandel – Ansprüche an den Wald der Zukunft

 

Exkursionsführer Bernhard Thalhammer

1. Die Geschichte der Hl. Geistpitalstiftung

Das Hl. Geistspital Landshut wird erstmals in einer Urkunde des Papstes Innozenz III. vom 22.06.1208 erwähnt. Zeitpunkt und Art der Gründung sind bis heute noch un-geklärt. Sicher ist, dass das Hl. Geistspital von Anfang an sozialen Zwecken im wei-testen Sinne gedient hat. Berechtigte Hinweise sprechen für den damaligen Landes-herrn, Herzog Ludwig I. den Kelheimer, als den Gründer des Hl. Geistspitals. Dieses wurde vom Orden der Hl. Geistbrüder geführt und stand als Pilger- und Siechenhaus jedermann zur körperlichen und geistigen Labung offen.

Auch nach der Verbürgerlichung, Mitte des 14. Jahrhunderts hat es ausschließlich sozialen Zwecken, vor allem der Kranken- und Armenfürsorge gedient. In der Neuzeit diente es bedürftigen, alten Bürgern und stellte ein Bürgerhospital dar, welches einer-seits als Vorläufer eines modernen Altenheimes, aber auch eines Krankenhauses be-zeichnet werden kann. Zurzeit dient es als Alten- und Pflegeheim im Herzen von Landshut.

Der Stadtrat Landshut hat mit Beschluss vom 31.01.1975 die Zustiftung des bisheri-gen städtischen Altersheimes „Magdalenenheim”, ab dem 01.10.1975 zur Hl. Geist-spitalstiftung beschlossen. Die Zustiftung erfolgte, um die Zahl der Heimplätze der Stiftung, die aufgrund einer beabsichtigten Modernisierung des Hl. Geistspitals stark reduziert werden mussten, wieder aufzustocken.

Die Stiftung ist seit jeher mit dem Wald verbunden. Frühe Urkunden und Urbarbücher lassen uns wissen, dass bereits Anfang des 13. Jahrhunderts, dem Hl. Geistspital so-genannte „Hayhölzer” zur Verfügung standen. Die ersten Urkunden über Zustiftungen stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Der Kumhauser Forst gehört mit zu den ältesten Waldungen der Stiftung. Ende des 15. Jahrhunderts besaß die Stiftung um Götzdorf vier Höfe, dabei lag auch ein Hayholz. („Item nochardt dabey Zw Götztorff hatt die heilig geist ain hayholzt und li-get zwischen götztorff und gangkoffen, praucht das spital Zw seiner notturf und sünst niemand” Urbarbuch von 1510).

Die Exkursions-Teilnehmer kämpft sich durch den Wald

 

2. Die Waldgeschichte

Bis etwa um das Jahr 600 n. Chr. war Bayern zu etwa 70% mit dichten Buchenwäl-dern bedeckt. Von da an begann der Mensch Wald zu Roden und den Boden land-wirtschaftlich zu nutzen. Bis zum Ende des Hochmittelalters (1050 -1250) hatte sich die Waldfläche in Bayern mehr als halbiert. Im Mittelalter war der Rohstoff Holz von immenser Bedeutung. Die gesamte Energieversorgung basierte auf dem Rohstoff Holz (Brenn-, Werk- und Bauholz, Holzkohle, Gerbstoffe, Harz, Pottasche und andere Waldprodukte). Des Weiteren wurde das Vieh zur Mast in die Wälder getrieben. Bis ins späte Mittelalter fand die Holznutzung so gut wie ungeregelt statt.

Im 14. Jahrhundert verschafften Hungersnöte und Pestwellen dem Wald eine „Atem-pause”. Die Bevölkerungszahl schrumpfte, Wüstungen entstanden, der Wald eroberte einen Teil des verlorengegangenen Terrains zurück.

Ab Mitte des 15. Jahrhunderts setzte die demographische Expansion wieder ein. Der Nutzungsdruck stieg erneut. Zahlreiche Wälder mussten nun neben den Ansprüchen der lokalen Bevölkerung verstärkt regionale oder überregionale Bedürfnisse befriedi-gen (Flößerei- Holzkohle, Schnittholz, Ziegel, gebrannter Kalk usw.).

Bäuerliche Schichten nutzten, die durch den hohen Holzbedarf entstandenen Markt-chanen und weckten dadurch Begehrlichkeiten bei den Grundherren. Diese versuch-ten über ihre Verordnungen regulierend einzugreifen, auf das verkaufte Holz Abga-ben zu erheben oder den Verkauf selbst in die Hand zu nehmen.

Im 17. Jahrhundert sind durch übermäßige Holzentnahme, Überweidung, Verbiss und kurzzeitigen Waldfeldbau in siedlungsnahen Wäldern zahlreiche Kahlflächen entstan-den. Weite Teile glichen einer Savanne. Für die massive Verschlechterung des Wald-zustandes gab es ein ganzes Bündel von Ursachen. Der ununterbrochene Bevölke-rungsanstieg ließ die Zahl der Verbraucher stetig steigen. Die Einführung stehender Heere bzw. ihr Bedarf an Ausrüstung und die umfangreiche Bautätigkeit von Kirche und Staat steigerten die Nachfrage nach Produkten der „holzfressenden” Gewerbe (Metallverhüttung und Verarbeitung, Glasherstellung, usw.). Die prachtvollen Hofjag-den erforderten einen stark überhöhten Wildbestand und sorgten damit für enorme Verbissschäden.

Der schlechter werdende Zustand der Wälder und das Schrumpfen der Holzvorräte rief im 18. Jahrhundert aufgeklärte Beamte und Wissenschaftler auf den Plan.

Im Jahr 1713 beschrieb Hans-Carl-von-Carlowtiz, ein sächsischer Bergmann, das erste Mal das Prinzip der Nachhaltigkeit (Sylvicultura oeconomica). Es dürfe nicht mehr genutzt werden als wieder gepflanzt bzw. gesät wird.

Die angestrebte Nachhaltigkeit erforderte Voraussetzungen, die es erst einmal zu Schaffen galt. Unabdingbar war die genaue Kenntnis des Vorhandenen. Die Wälder mussten vermessen, kartiert und mittels eines Netzwerks von Wegen oder Geräum-tern (Schneisen) in Einheiten unterteilt werden.

Im Jahre 1752 begründete Kurfürst Max III die Bayerische Forstverwaltung.

Um den Holzbedarf zu decken, wurde der Anbau von Nadelholz (Fichte und Kiefer) propagiert. Nach und nach wurden Mischbestände in Nadelholzmonokulturen umge-baut.

Die im 18. Jahrhundert eingeleiteten Maßnahmen wären gescheitert, wäre der Wald nicht im 19. Jahrhundert von Ansprüchen, die er bis dahin erfüllen musste, entlastet worden. Die Umstellung der Metallverhüttung von Holz- auf Steinkohle war für den Wald ein Segen. Die modernisierte Landwirtschaft (Fruchtfolgewirtschaft) verbannte das Vieh aus dem Wald. Außerdem wurden viele Waldprodukte (Pottasche, Gerb-stoffe usw.) durch synthetische Produkte ersetzt.

Eigentlich sollte es mit dem Wald von nun an bergauf gehen, jedoch entstand auf weiten Flächen eine neue „Art von Wald”. Der Wald wurde wie ein Acker behandelt, nur dass die Produktionszyklen sich nicht auf ein Jahr beschränkten, sondern „Um-triebszeiten” von 80, 100 oder mehr Jahren umfassten. Diese Veränderung markiert einen ähnlich tiefen Einschnitt in das Verhältnis Mensch-Wald wie der Übergang zum Ackerbau in der Jungsteinzeit.

Diese Nadelholzmonokulturen entsprachen zwar den Bedürfnissen der rasch wach-senden Industrien und Städte, erwiesen sich aber in ihrer Artenarmut als ökologisch höchst labil. Massenhafter Schädlingsbefall und Windwürfe richten in ihnen bis heute immer wieder immense Schäden an. Diese beeinträchtigen nicht nur die Holzproduk-tion, sondern auch die anderen „Waldfunktionen”.

Was aus dem Wald verbannt und industrialisiert wurde, kehrt in den Wald in Form von Luftschadstoffen und Belastungen im Grundwasser zurück. Auf die seit den 1980er Jahren zu beobachtenden neuartigen Waldschäden und die Klimaerwärmung reagiert die moderne Forstwirtschaft mit einem Rückbau der Nadelholzmonokulturen in naturnahe Mischwälder.

Der schlechter werdende Zustand der Wälder und das Schrumpfen der Holzvorräte rief im 18. Jahrhundert aufgeklärte Beamte und Wissenschaftler auf den Plan.

Im Jahr 1713 beschrieb Hans-Carl-von-Carlowtiz, ein sächsischer Bergmann, das erste Mal das Prinzip der Nachhaltigkeit (Sylvicultura oeconomica). Es dürfe nicht mehr genutzt werden als wieder gepflanzt bzw. gesät wird.

Die angestrebte Nachhaltigkeit erforderte Voraussetzungen, die es erst einmal zu Schaffen galt. Unabdingbar war die genaue Kenntnis des Vorhandenen. Die Wälder mussten vermessen, kartiert und mittels eines Netzwerks von Wegen oder Geräumtern (Schneisen) in Einheiten unterteilt werden.

Im Jahre 1752 begründete Kurfürst Max III die Bayerische Forstverwaltung.

Um den Holzbedarf zu decken, wurde der Anbau von Nadelholz (Fichte und Kiefer) propagiert. Nach und nach wurden Mischbestände in Nadelholzmonokulturen umge-baut.

Die im 18. Jahrhundert eingeleiteten Maßnahmen wären gescheitert, wäre der Wald nicht im 19. Jahrhundert von Ansprüchen, die er bis dahin erfüllen musste, entlastet worden. Die Umstellung der Metallverhüttung von Holz- auf Steinkohle war für den Wald ein Segen. Die modernisierte Landwirtschaft (Fruchtfolgewirtschaft) verbannte das Vieh aus dem Wald. Außerdem wurden viele Waldprodukte (Pottasche, Gerb-stoffe usw.) durch synthetische Produkte ersetzt.

Eigentlich sollte es mit dem Wald von nun an bergauf gehen, jedoch entstand auf weiten Flächen eine neue „Art von Wald”. Der Wald wurde wie ein Acker behandelt, nur dass die Produktionszyklen sich nicht auf ein Jahr beschränkten, sondern „Um-triebszeiten” von 80, 100 oder mehr Jahren umfassten. Diese Veränderung markiert einen ähnlich tiefen Einschnitt in das Verhältnis Mensch-Wald wie der Übergang zum Ackerbau in der Jungsteinzeit.

Diese Nadelholzmonokulturen entsprachen zwar den Bedürfnissen der rasch wach-senden Industrien und Städte, erwiesen sich aber in ihrer Artenarmut als ökologisch höchst labil. Massenhafter Schädlingsbefall und Windwürfe richten in ihnen bis heute immer wieder immense Schäden an. Diese beeinträchtigen nicht nur die Holzproduk-tion, sondern auch die anderen „Waldfunktionen”.

Was aus dem Wald verbannt und industrialisiert wurde, kehrt in den Wald in Form von Luftschadstoffen und Belastungen im Grundwasser zurück. Auf die seit den 1980er Jahren zu beobachtenden neuartigen Waldschäden und die Klimaerwärmung reagiert die moderne Forstwirtschaft mit einem Rückbau der Nadelholzmonokulturen in naturnahe Mischwälder.

 

3. Wald im Wandel – Ansprüche an den Wald von Heute

Wie bereits oben beschrieben ändern sich die Ansprüche an den Wald im Lauf der Zeit ganz erheblich. In der heutigen Zeit sind die Ansprüche an den Wald zwar aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr so hoch, jedoch haben sich andere, neue Ansprüche an das Ökosystem Wald ergeben. Ein Großteil der Bevölkerung, nutzt den Wald hauptsächlich als Ort der Erholung, der Entspannung oder zur Ausübung verschiede-ner Freizeitaktivitäten. Auch der Naturschutzaspekt des Waldes gewinnt in der öffent-lichen Wahrnehmung an Bedeutung. Der Wald hat jedoch noch viele andere Funktio-nen zu erfüllen, z.B. Emissionsschutz, Wasserschutz, Objektschutz, Kohlenstoffspeicher uvm..

Was aus Sicht der Forstwirtschaft zum Problem wird, ist, dass die Nutzung des nach-haltigen Rohstoffes Holz von der Bevölkerung oft als „Waldzerstörung” angesehen wird. Dabei ist der Sektor Forst und Holz für Bayern immer noch ein wichtiger Wirt-schaftszweig. Etwa 200.000 Menschen in Bayern sind in diesem Sektor beschäftigt.

Um den Spagat zu schaffen und alle Waldfunktionen gut zu erfüllen sind Förster be-müht eine naturnahe Forstwirtschaft, mit modernen Bewirtschaftungskonzepten, zu betreiben. Um diese Ziele zu erreichen, müssen wie in einem Uhrwerk viele kleine „Zahnräder” ineinandergreifen. Als solche „Zahnräder” sind zu nennen: Waldbaukon-zepte, Baumartenwahl, Holzernte, Holzvermarktung, Waldpädagogik, Besucherlen-kung, Naturschutz und die Jagd. Für den Laien erscheint die Jagd nur als kleiner Baustein, jedoch ist sie das entscheidende Bauteil zum Erfolg. Ohne die Regulierung der Wildbestände auf ein waldverträgliches Maß, sind die oben genannten Ziele nicht oder nur mit einem immensen finanziellen Aufwand zu erreichen.

Auch hier im Kumhauser Forst ist die Jagd der Baustein, welcher das Uhrwerk ins Stocken bringt. Aus Sicht der Stiftungsforstverwaltung sind die Wildbestände deutlich zu hoch.

Seit Jahren wird der Umbau von Nadelholzbeständen in stabile Mischbestände durch Pflanzung abertausender Laubbäume vorangetrieben. Jedoch werden viele Jung-pflanzen verbissen und fallen deshalb in ihrer Entwicklung zurück oder sterben ab. Um für spätere Generationen auch finanziell wertvolle Wälder (Werthölzer) aufbauen zu können, muss Laubholz in einem engen Verbund aufwachsen.

Das Holz vermarktet die Stiftung selbst und kann daher die Marktlage optimal ausnutzen. Es wird auch versucht, Holz an kleine regionale Sägewerke zu vermarkten.

Auch dem Naturschutz schenkt die Stiftung große Bedeutung. Wir erhalten alte, dicke Bäume als Biotopbäume. Diese bieten Lebensraum für viele Tiere, Insekten und Pilze. Auch die Gelbbauchunke, eine streng geschützte Art, findet man in den Wäldern der Stiftung. Diese wird gezielt durch die Anlage von Laichplätzen gefördert.

 

4. Trassenverlauf B15neu – Variante 1a

Der Trassenverlauf der Variante 1a würde den Kumhauser Forst auf einer Länge von gut einem Kilometer durchschneiden. Aus forstfachlicher Sicht ist dieser Trassenver-lauf aus mehreren Gründen abzulehnen.

Der Kumhauser Forst ist mit das größte zusammenhängende Waldgebiet des südli-chen Landkreises Landshut. Auf Grund seiner Stadtnähe ist der Kumhauser Forst im Waldfunktionsplan als Erholungswald ausgewiesen. Durch die Trasse würde die Er-holungsfunktion deutlich vermindert. Für die Hl. Geistspitalstiftung wäre ein solcher Einschnitt mit vielen sehr negativen Folgen verbunden. Die Trasse hat eine Breite von bis zu 120m und würde die wertvollen Altholzbestände zerschneiden. Durch diese Zerschneidung wäre mit massiven Folgeschäden durch Windwurf und Borken-käfer zu rechnen. Des Weiteren wird durch die Teilung des Waldgebietes die Bewirt-schaftung logistisch (Holzabfuhr, usw.) sehr erschwert.

Auch Naturschutzfachlich spricht einiges gegen den geplanten Trassenverlauf. Der Kumhauser Forst beherbergt eines der bedeutendsten Vorkommen der Gelbbauchunke in unserer Region. Die Art ist nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat Richt-line (FFH-RL) streng geschützt (Anhang II und IV Art). Zusätzlich ist die Gelbauchunke auch durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) streng geschützt und befindet sich in Deutschland auf der Roten Liste.

 

Bernhard Thalhammer

 

Bilder: Lodermeier