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Vor dem Verfall gerettet: ein neues Dach für den „Uiderl-Hof“

Die Vertreter der Zunft der Zimmerer, Markus Mandel und Simon Schober (v. l.) beim Richtspruch für den Uiderl-Hof

Richtfest am denkmalgeschützten Anwesen in Bödldorf

Scherben bringen Glück – diese Hoffnung äußerten auch die Gäste des Richtfestes am „Uiderl-Hof“ in Bödldorf in der Gemeinde Kröning. Nachdem die Dachinstandsetzung abgeschlossen worden ist, kamen Eigentümer, Vertreter der durchführenden Firma Tectum Holzbau und des beauftragten Architekturbüros sowie der Gemeinde Kröning, des Landkreises Landshut und des Landesamtes für Denkmalpflege in Bödldorf zusammen, um einen ersten Meilenstein der umfangreichen Sanierung dieses überregional bedeutenden Baudenkmals zu feiern.

Besonders gedachten die Anwesenden dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Vilsbiburg und langjährigen Kreisheimatpfleger Peter Barteit, der sich beharrlich für den Erhalt des Uiderl-Hofs eingesetzt hat: „Er ist war der Motor dieses Vorhabens.“

Der Uiderl-Hof in Bödldorf gehört zu den bedeutendsten bäuerlichen Anwesen in Altbayern

Gerade seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass dieses besondere Bauprojekt angegangen worden ist: In einer Video-Konferenz hat er versucht, zwischen den Beteiligten zu vermitteln, da während der Corona-Zeit keine persönlichen Treffen möglich waren. Barteit ist vor knapp einem Jahr verstorben.

Auch der Zimmerermeister Andreas Stuckenberger, der an diesem geschichtsträchtigen Objekt gearbeitet hatte, ist zwischenzeitlich verstorben – seine Zunftkollegen Simon Schober und Markus Mandel gedachten ihn in ihrem Richtspruch posthum.

Der Freistaat Bayern, die Gemeinde Kröning und der Landkreis Landshut unterstützen die Sanierung des besonderen Anwesens mit hohen Summen, erklärte Bürgermeister Konrad Hartshauser: „Der Uiderl-Hof ist der Mittelpunkt von Bödldorf, und das müssen wir unbedingt erhalten.“ Vor allem die überregionale Bedeutung als Hafnerdorf spricht für diesen Einsatz, meinte der Bürgermeister.

Bei dem Gebäude handelt es sich nach Auskunft des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege um eines der bedeutendsten bäuerlichen Anwesen in Altbayern. Der Hof diente dem letzten Kröninger Hafner als Werkstätte. Er ist heute das letzte sichtbare Zeugnis dieses Handwerks, das den südlichen Landkreis seit dem Beginn des späten Mittelalters bis in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich prägte und – durch den Lehmabbau der Hafner – auch landschaftlich formte. Schließlich war der Kröning seit dem 14. Jh. das Zentrum der Geschirrherstellung in Bayern. Rund um die Ortschaften Kröning, Jesendorf, Dietelskirchen und Dirnaich an der Bina produzierten in der Blütezeit des Handwerks, Mitte des 18. Jahrhunderts, mehr als 120 Meister hochwertiges Gebrauchsgeschirr sowie Ofenkacheln, die weit über die Grenzen Bayerns hinaus gehandelt wurden. Um 1800 wurden im Jahr etwa eine Million Stück Geschirr hergestellt.

Der Uiderl-Hof ist ein sogenannter Mittertennbau. Er stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde seit über 30 Jahren nicht mehr bewohnt. In den letzten Jahren verfiel das Gebäude zusehends und war schließlich einsturzgefährdet.

Wie Landrat Peter Dreier berichtet, erhält die jetzt in einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller Beteiligten durchgeführte Notsicherung des Daches nicht nur ein wichtiges Zeugnis altbayerischer Kulturgeschichte, sondern ein Stück Heimatgeschichte für künftige Generationen. Sie wird beim Spaziergang durch die Ortschaft Bödldorf sichtbar. Der Ort steht mit seinen Hafner-Höfen unter Ensembleschutz und lässt den Besucher auf einmalige Weise ein niederbayerisches Bauerndorf des 19. Jahrhunderts erleben. 

Der Uiderl-Hof in Bödldorf gehört zu den bedeutendsten bäuerlichen Anwesen in Altbayern
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