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Volkstrauertag 2016 in Landshut-Frauenberg

Die Veranstaltung vor dem Mahnmal fand unter Beteiligung der Frauenberger Blasmusik, der Organisation des Löschzuges Frauenberg und des Krieger- und Soldatenvereins Wolfsteinerau statt. Erfreulich war ebenfalls die Anwesenheit der Katholischen Landjugend.

 

Volkstrauertag 2016                                                Landshut, Frauenberg 13. November 2016

 

Sehr geehrter Herr Pfarrer Rödl, Herr Vorsitzender und Herr Zugführer,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Zwei Wochen vor dem ersten Advent stehen wir erneut am Tag der nationalen Trauer, wie der Volkstrauertag seit 1952 auch heißt, zusammen und gedenken aller Opfer von Krieg und Gewalt.

Vor einem Jahr waren wir geschockt von den Ereignissen in Paris. Mittlerweile hat der Terror und die Gefahr Bayern erreicht und mehrfach Opfer gefordert.
Was vor einem Jahr noch nicht öffentlich vermutet oder ausgesprochen werden durfte, ist heute leider beklemmende Realität.

Was ermöglicht diese Gewalt und warum ist es möglich sogar aus unserer Gesellschaft schon wieder Nachwuchs für eine menschenverachtende Ideologie zu rekrutieren?
Die Ursachen für dieses Verhalten sind vielfältig. Aber die Muster sind erschreckend ähnlich, wenn wir sie auf die Ereignisse zurückbinden, an die
wir im Rahmen des Volkstrauertages erinnern, insbesondere an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals wie heute sind es neben fehlender Empathie und ideologischer Verblendetheit auch Menschenverachtung, die den Nährboden für die Gewaltexzesse bilden.

Nutzen wir die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, damit wir uns unserer Werte versichern, damit wir Orientierung finden, damit wir solidarisch und in Verantwortung miteinander und für einander handeln: nicht irgendwann, sondern hier und heute.
Gemeinsam trauern ist wichtig, weil es uns alle gemeinsam daran erinnert, wie kostbar Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und Frieden sind.

Seit 1945 wird am Volkstrauertag auch den zivilen Opfern des Krieges gedacht.
So treten neben die toten Soldaten auch die Frauen, Kinder und Männer, die in den besetzten Ländern und in Deutschland zu Opfern von Krieg und Gewalt geworden waren.

Leider noch nicht in Landshut. Mein Eintreten für ein Mahnmal für die Opfer der Bombenangriffe auf unsere Stadt wurde von Mitgliedern des Stadtrates bewusst fehlinterpretiert und für eine unwürdige politische Agitation missbraucht. Um diesen moralischen Tabubruch nicht weiter eskalieren zu lassen zogen es der Oberbürgermeister und ich vor, diese Angelegenheit zunächst ruhen zu lassen.
Vor wenigen Tagen hat meine Stadtratskollegin und Landtagsabgeordnete Jutta Widmann eine Plenaranfrage gestellt. Darin ersucht sie um Auskunft, ob es am Rathaus oder am Bahnhof für die Bombenopfer in Landshut im 2. Weltkrieg eine Gedenktafel oder eine Dokumentation gibt und ob die Stadt eine solche Gedenktafel plant. Ich wünsche Ihr, dass sie mehr Erfolg hat als ich es hatte und dieses Mal würdig, angemessen und objektiv mit dem Thema umgegangen wird.

Heute gedenken wir gemeinsam all den Menschen unseres Volkes, die durch Krieg und Vertreibung, durch Gewalt und Gewaltherrschaft ihr Leben lassen mussten. Und wir denken ebenso an die Menschen, die wegen ihrer Überzeugung, Religion oder Rasse verfolgt, geschunden und ermordet wurden.

Aber auch jenen, die in Ausübung Ihres Dienstes und im Ehrenamt geschädigt wurden oder ihr Leben verloren haben.

Wir denken ebenso an die Opfer der innerdeutschen Grenze und der deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges, die in Kriegsgefangenschaft durch einen geplanten Tod umgekommen sind.

Die beispiellose Zahl der zivilen Opfer der Weltkriege mahnt uns dauerhaft keine Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele einzusetzen.

Das Gedenken an die Toten, an die Opfer, bedeutet für uns Lebende

die Verpflichtung für den Frieden immer und überall einzutreten.

Rudolf Schnur, Stadtrat