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Volkstrauertag 2015 in Auloh

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Volkstrauertag 2015                                                      Landshut, Ortsteil Auloh

 

Sehr geehrter Herr Pfarrer Rödl, Herr Vorsitzender und Herr Zugführer,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

 

Der Samstagabend in einem Konzert, das Tingeln durch die Clubs am Wochenende – für die meisten Jugendlichen in Europa gehört das zum unbeschwerten Leben. Umso unverständlicher sind ihnen Tanzverbote zu Anlässen wie (der Nacht vor) dem Volkstrauertag.

Die Lebenswelt der Generation Zukunft blendet belastende Ereignisse der Vergangenheit aus.

Lähmende Ereignisse wie die in den vergangenen Tagen in Paris allerdings entstauben auf brutalste Weise vermeintlich überkommene Traditionen. Bestürzt und schockiert müssen wir feststellen, dass der Volkstrauertag kein Relikt aus vergangenen Zeiten ist, sondern unvorhersehbar aktuell: weil Vergangenheit zur Gegenwart wird.

Das Grauen wiederholt sich ohne Vorwarnung und wir erkennen erneut: Ein Anschlag kann immer wieder kommen, wenn wir nichts an den Ursachen ändern!

Bedeutet Frieden und Sicherheit sich passiv zu verhalten, auf selbsttätige Besserung der Lage zu hoffen und andere für sich in Einsätze zu entsenden?

Berthold Brecht wurde oft im umgekehrten Sinn zitiert indem seine eigentliche Aussage gekürzt vorgetragen wird:

„Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!“ wurde in den achtziger Jahren von der Friedensbewegung skandiert.

Tatsächlich warnt Brecht aber:

Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt

Und lässt andere kämpfen für seine Sache

Der muss sich vorsehen; denn

Wer den Kampf nicht geteilt hat

Der wird teilen die Niederlage.

Nicht einmal den Kampf vermeidet

wer den Kampf vermeiden will; denn

Es wird kämpfen für die Sache des Feinds

Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

Folgen wir dem Dichter, müssen wir a l l e den Kampf aufnehmen:

Bekämpfen wir gemeinsam den Ungeist, damit krude Ideologien nicht gedeihen können!

Geben wir blinden Hass keine Nährboden. Säen wir dagegen Toleranz, Meinungsfreiheit und Wahrheit – sorgen wir so dafür, dass unsere Kinder in Freiheit und Frieden leben können.

Heute gedenken wir gemeinsam all den Menschen unseres Volkes, die durch Krieg und Vertreibung, durch Gewalt und Gewaltherrschaft ihr Leben lassen mussten.

Und wir denken an die Menschen, die wegen ihrer Überzeugung, Religion oder Rasse verfolgt, geschunden und ermordet wurden.

Aber auch jenen, die in Ausübung Ihres Dienstes und im Ehrenamt geschädigt wurden oder ihr Leben verloren haben.

Wir denken ebenso an die Opfer der innerdeutschen Grenze und der deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges, die in Kriegsgefangenschaft durch einen geplanten Tod umgekommen sind.

Die beispiellose Zahl der zivilen Opfer der Weltkriege mahnt uns dauerhaft keine Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele einzusetzen.

Das Gedenken an die Toten, an die Opfer, bedeutet für uns Lebende

die Verpflichtung für den Frieden immer und überall einzutreten.

 

Rudolf Schnur, Stadtrat




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