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UNESCO-Gipfel fordert weltweit verlässliche Kulturförderung

Weltkulturkonferenz verabschiedet heute Abend Abschlusserklärung.

In Mexiko-Stadt wird heute Abend, voraussichtlich zwischen 18.30 und 19.30 Uhr deutscher Zeit, die Abschlusserklärung der UNESCO-Weltkulturkonferenz MONDIACULT verabschiedet. Nach aktuellem Verhandlungsstand werden mehr als 150 Staaten vor allem die Anerkennung von Kultur als „globales öffentliches Gut“ fordern, das heißt die staatliche Unterstützung für Kultur und Kreativwirtschaft, gerade auch in Krisenzeiten wie der Covid-19-Pandemie. Stand heute wird der Gipfel unter anderem die Einberufung eines Weltkulturforums beschließen, das ab 2025 alle vier Jahre tagen soll, und die bessere statistische Erfassung von Kultur und Kreativwirtschaft.   „Kunst und Kultur tragen nicht nur zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung bei“, erklärt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. „Kultur stiftet Sinn, Identität und Zusammenhalt. Sie ist ein Lebenselixier für unsere Demokratie. Der Schutz und die Förderung von Kultur und Kunst in ihrer gesamten Vielfalt sind wesentlich, um unsere Geschichte, unser Erbe, unsere Sprache und Identität zu bewahren. Dafür braucht es internationalen Dialog und gemeinsame Anstrengungen über Ländergrenzen hinweg“, so Böhmer. „Der Kulturgipfel fällt in eine Zeit globaler Krise und kommt genau deshalb zur rechten Zeit. Vor dem Hintergrund von Krieg und Pandemie setzt die Konferenz ein starkes Zeichen für die multilaterale Zusammenarbeit.“  

Botschafter Peter Reuss, Leiter der deutschen Delegation beim UNESCO-Gipfel, betont: „Die Ministerinnen und Minister sind sich hier in Mexiko-Stadt bislang völlig einig, dass wir Kultur als globales öffentliches Gut anerkennen. Zugleich hat Deutschland auch bei dieser Konferenz nachdrücklich den russischen Angriffskrieg und seine verheerenden Folgen für die Kultur und das kulturelle Erbe in der Ukraine verurteilt. Russland hat seine Lügen über die Identität und Souveränität der Ukraine zwar leider auch hier wiederholt – war aber völlig isoliert. Daher sieht es derzeit danach aus, dass diese Konferenz ein großer Erfolg sein und einen deutlichen Fortschritt für die globale Kulturpolitik darstellen wird.“

Kultur und Kreativwirtschaft beschäftigen rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland, weltweit sind es mehr als 48 Millionen. Sie ist inzwischen in fast allen Staaten eine der wichtigsten Branchen und für 3,1 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Besonders jungen Erwachsenen unter 30 Jahren bietet die Branche Perspektiven und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Covid-19-Pandemie hat allerdings zu massiven Umsatzeinbrüchen in diesem Sektor geführt, der sich bis heute nicht gänzlich erholt hat. Vielerorts bleiben Besucherinnen und Besucher aus, zahlreiche Kulturschaffende haben den Beruf gewechselt. Die Bundesregierung hat ihr Nothilfeprogramm „Neustart Kultur“ gerade bis 2023 verlängert. Staatliche Hilfsgelder sind auf globaler Ebene aber die Ausnahme. Die Konsequenz: Kultur und Kreativwirtschaft stecken in vielen Teilen der Welt in einer existenziellen Krise.

In der Abschlusserklärung des Kulturgipfels ist daher Stand heute weiter vorgesehen, dass künftig mehr Menschen die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglicht und die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen stärker gefördert werden muss. Kultur wird in der Erklärung nachdrücklich als Menschenrecht bestätigt. Kultur stärke den sozialen Zusammenhalt innerhalb von Gesellschaften und wirke als wichtiges Bindeglied zwischen den Nationen. Mit Sorge blicken die über 2.500 Gipfelteilnehmenden daher auf die zunehmende Instrumentalisierung der Kultur in bewaffneten Konflikten, die Zerstörung von Kulturgütern, den illegalen Handel mit Kulturgut und die Verletzung von Menschenrechten, die sich auch in der der Unterdrückung und Diskriminierung des kulturellen Lebens zeige. Stattdessen brauche es in der globalen Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen künftig ein eigenständiges Kultur-Ziel.

Damit alle Beschäftigten in der Kultur und Kreativwirtschaft weltweit bessere Arbeits- und Lebensbedingungen erhalten und internationale Kulturbeziehungen gerechter werden, sollen die Erfahrungen von über 30 Jahren „Fair Trade“ genutzt werden. Dies ist die Idee der Initiative „Fair Culture“, die die Deutsche UNESCO-Kommission als Ergebnis einer dreistündigen, hochkarätig besetzten Veranstaltung im Goethe-Institut Mexiko-Stadt als offizieller Teil des Gipfelprogramms einbringen konnte. Viele der über 300 Teilnehmenden der Veranstaltung unterstützten die Idee und werden künftig mit der Deutschen UNESCO-Kommission bei der Förderung von „Fair Culture“ zusammenarbeiten.
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