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“TERRORISMUS IST GOTTESDIENST” “Den Sachverhalt von Innen verkosten” Prof. Dr. Dr. Weidenfeld referierte in der Reihe “Wie Frieden schaffen? von LZ und Straubinger Tagblatt

Wie Frieden schaffen?

Eine Vortagsreihe der Mediengruppe Landshuter Zeitung und des Straubinger Tagblatts!

Prof. Dr. Dr. Werner Weidenfeld sprach im Landshuter Bernlochner Saal zu diesem ganz aktuellen Thema!

Die beiden Professoren

Die beiden Professoren, Stiftsprobst Bauer und Altoberbürgermeister Deimer

 

Prof. Dr.Martin Balle, der Verleger der Landshuter Zeitung wie des Straubinger Tagblatts, konnte im vollbesetzten Landshuter Bernlochner Saal den sehr bekannten Politikwissenschaftler und Publizisten Prof. Dr. Dr. Weidenfeld begrüßen. Weidenfeld, ein ständig Reisender in Sachen Politikwissen durch unsere Welt, der, verheiratet, seine Frau des öfteren auf Flughäfen bei Zwischenstationen begegnet, so erzählte Herr Balle. Seine Frau ist ebenfalls beruflich viel unterwegs. Prof. Weidenfeld ist Direktor des Zentrums für angewandte Politikforschung an der Universität München.

Die Wirklichkeit liefert uns in diesen Tagen dramatisches und tragisches Anschauungsmaterial zu dem gewählten Thema. Die koordinierten Terroranschläge in Paris führten uns dieses in deutlicher Weise vor Augen. Der Terror versucht seine Wirkung zu multiplizieren, das kann man über die Jahre beobachten, indem er Symbol-Morde als Ziele aussucht, wie das World Trade Center, das Nationalmuseum in Tunesien bis zu der Zerstörung deer Tempelanlagen in Syrien. Der Terror will die Welt von den Ungläubigen befreien, um jeden Preis. Der Terror ist Gottesdienst und dabei ist der Selbstmord ist höchste Form der Erlösung.

Es ist eine Schockwahrnehmung, dass bei unserem Nachbarn Frankreich ein grauenvolles Attentat verübt wurde und wir nehmen wahr, dass es dabei um uns geht. Die alten Erklärungsmuster tragen nicht mehr und alte Deutungsversuche scheitern. Erklärungsversuche von Rechts oder Links, konservativ wie progressiv, helfen uns hier nicht mehr weiter.  Wir leben inzwischen im Zeitalter der Komplexitität und im Zeitalter der Konfusion. Die Konsequenz ist, die politisch kulturellen Grundlagen sind fluider geworden, rasch wechselnde Stimmungsbilder begleiten uns. Täglich können wir dazu die passenden Überschriften in den Medien aufnehmen. Die Welt brennt, globaler Aufruhr, Dunkelheit in der islamischen Welt und Morgen wird der IS auch bei uns sein, die neue Weltunordnung, dies kann man in den Medien sofort abgreifen. Viele Staaten rund um den Erdball sind nun in bewafneten Konflikten verstrickt, mehr als jemals nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Mehr als 70 % unserer Mitbürger sagen, wir verstehen das nicht mehr. Wenn der Bürger das nicht mehr versteht, so wird er leichter verängstigt sein, und er ist sehr empfänglich für jede polpulistischen Zurufe. Das Krisenpanorama wird erweitert. Die Errosion des kulturellen Zusammenhalts ist zur Zeit das große Thema. Diese neue Lage, die unser Sicherheitsrisiko ins Thema grundiert, die gilt es zu klären. Eine strategische Antwort ist notwendig.

Es gibt keine weltpoitischen Ordnungsmächte mehr, die diese aktuellen Krisen verhindern können. Die Herausforderungen sind aus dem disziplinierenden Zugriff einer weltpolitischen Architektur entlassen. Man könnte sagen, es ist eine Welt ohne Hegemonen. Mehr und mehr Staaten verlieren ihr Gewaltmonopol. Sie beherrschen zum Teil nur mehr ein Fünftel ihres Staatsgebietes. Kriege ohne Hoheitsabzeichen breiten sich aus. Untergrundaktivitäten sind an der Tagesordnung. Die Welt des Cyber hat eine elementare Sicherheitsdimension angenommen. Aus dem Cyber-Crime ist ein Cyber-War geworden. Jedes Segment der modernen Gesellschaft kann über Cyber lahmgelegt werden, ob Stromausfälle über Trinkwasservergiftung, Verkehrsverbindungen und vieles mehr. Für Cyber-Aktivisten ist vieles möglich, man weiß nicht wer der Gegner ist, und wo er sitzt. Der heutige Terrorismus ist streng geführt und geordnet sowie  hochtechnisch bestens ausgerüstet. Finaziell ist er hervorragend versorgt.

Ideologien, die früher als Kriegsursachen lokalisiert wurden, sind in dieser Form nicht mehr virulent. In dem alten Nahen Osten blieb nur ein reeller Konflikt weiterhin übrig, der zwischen Israel und Palästina.

Was gibt es für Antworten auf diese Lagebeurteilung?

Das situative Krisenmanagement braucht die dringende, ja dramatische Ergänzung mit einer stategischen Perspektive. Kleinstaaterei-Politik kann nicht die Lösung sein. Nur über ein transparentes Europa können Probleme dieser Art gemeistert werden. “Der Sachverhalt ist von innen zu verkosten”, d.h. sich inmitten des Proplems zu begeben und nicht nur über ein Problem von Aussen betrachten, bereden und zu besprechen. Man muss sich darum  kümmern, die Denkwelt von Terroristen aufzunehmen und sich in diese hineinzuversetzen. Wenn man von “Innen verkostet” hat man eine Chance Terroristen zu verstehen und sie wirksam zu bekämpfen. Krisen waren immer dazu da, politische Lernprozesse auszulösen. Wenn nur immer die Sonne scheint, findet kein Lernprozess statt. In diesen Herausforderungen unserer Tage, wo wir sagen, die Welt ist aus den Fugen geraten, liegen auch große historische Chancen, die wir nutzen können und zwar mit “Smartpower”, meinte Prof. Weidenfeld.

Verleger Balle bedankte sich herzlich bei Werner Weidenfeld für seine informativen Gedanken zum Lösen von aktuellen Problemen. Als Dank überreichte er Herrn Weidenfeld eine Flasche Rotwein, denn Prof Weidenfeld sähe so aus, als würde er gerne einen guten Tropfen geniesen können, meinte Prof. Balle. Das Publikum entließ Herr Balle zu einem kleinen Umtrunk und wies auf die nächste Verabstaltungsreihe dieser Art in zwei Jahren hin.

H.J.Lodermeier

 

 

 

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