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Tag des Schlafes

Worte zum Tag des Schlafs (am 21. Juni 2014)

von Helmut Dendl

Der Schlaf ist schon ein eigenartiger Zustand. Die einen genießen ihn, weil er dich in sanfte Traumwelten schickt. Die anderen fürchten ihn, weil er dich plötzlich überfällt und beim Autofahren gegen die Leitplanke donnern lässt. Die Jugend hasst ihn, weil er (angeblich) Lebenszeit raubt und man für den Spass durch die Nacht Energydrinks und Crystal Meth braucht. Und die reifere Jugend stört der Schlaf beider Karriere, denn um deretwillen sollte man schon rund um die Uhr übers Smartphone erreichbar sein; schließlich könnte der Kollege in New York eine wichtige Information für sein Meeting brauchen.

Jedenfalls steht fest, ohne Schlaf geht es leider nicht.Freilich probierten es die Menschen immer wieder, den Schlaf auszutricksen.

Den Weltrekord im Schlafentzug stellte 2007 der Engländer Tony Wright auf. Immerhin schaffte er es, 266 Stunden hintereinander wach zu bleiben. Damit brach er den Rekord von Randy Gardner, der „nur“ 264 Stunden ohne Schlaf auskam.

In der New York Times las man im Februar 1959 einen kurzen Artikel, in dem sowjetische Wissenschaftler voraussagten, dass im 21. Jahrhundert kein Mensch mehr seine Lebenszeit mit sinnlosem Schlaf verschwenden müsse. Ein oder zwei Stunden Schlaf sollten genügen. Den Russen mochte man das sogar glauben, hatten sie doch zwei Jahre vorher den ersten Satelliten ins All geschossen. Viele Leser fanden diese Vision, den Schlaf bald besiegen zu können, bestechend. Der Mensch des 21. Jahrhunderts sollte endlich in der Lage sein, sein Schlafbedürfnis zu kontrollieren. Doch damit ist es nichts bis heute.Seit dem Jahr 2000 begehen wir jedes Jahr den Tag des Schlafs. Früher war das alles viel angenehmer und unkomplizierter. Früher, als es noch kein elektrisches Licht gab. Jedenfalls für die armen Leute. Kerzen und Öl waren teuer und dann ging man halt mit dem Untergang der Sonne ins Bett, was auch ganz spaßig sein konnte. Und wenn der Hahn dann im Morgengrauen krähte, hieß es “raus aus den Federn!” Für die besseren Leute galt das natürlich nicht, denn die illuminierten ihr bürgerliches oder adliges Heim mit Kerzenschimmer und Öllampen. Im Grunde haben wir den ganzen Bettel Edison und seiner Glühlampe zu verdanken. Jetzt konnten wir uns alle rund um die Uhr des Lichtes erfreuen – und schuften. Die Wissenschaft hat uns inzwischen schlauer genacht. Schlaf muss sein. Das merken besonders die Schichtarbeiter, denen es gar nicht bekommt, den Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag umzufunktioneren. Besonders schlimm ist es, wenn einer in Wechselschichten arbeiten muss. Wir haben alle eine innere Uhr in uns, die sich tagsüber am Licht orientiert. Das ist ein kleiner Nervenknoten  zwischen dem Hypothalamus und der Kreuzung der beiden Sehnerven im Gehirn. Das Tageslicht wird von den Augen registriert und über Nervenbahnen an unsere innere „Uhr“ weitergeleitet. Eigentlich ist das alles noch viel komplizierter, denn jede unserer Körperzellen besitzt eine eigene Uhr, und diese Milliarden von Uhren synchronisieren sich gegenseitig. Unser Körpergeschehen orientiert sich also an bestimmten vorgegebenen Rhythmen. Das ist einer der Gründe, warum wir die Nacht nicht einfach so zum Tage machen können, auch wenn es noch so geil wäre.

Leider schlafen viele Zeitgenossen ziemlich miserabel. Die Mediziner kennen 88 verschiedene Schlafkrankheiten. Weit verbreitet sind Ein- und Durchschlafstörungen. Und wer nachts nicht erholsam schläft, gammelt so durch den Tag. Das bereitet wenig Spass. Schlaftabletten – die werfen die meisten dann ein – machen es nur noch schlimmer. Ständig muss man die Dosis steigern und dann ist man verdammt abhängig von der Chemie. Auch das Saufen nützt nichts. Man dämmert dann zwar nach einem gewissen Qantum ziemlich schnell weg, doch der Schlaf ist unruhig, die Schlafarchitektur gestört. Der Kater am nächsten morgen lässt auch keinen guten Tagesverlauf erwarten.

Und schließlich gibt es noch zu Tausenden die Schlafapnoiker. Das sind jenes Zeitgenossen, meist deutlich übergewichtig, die grauenvoll schnarchen (was nicht weiter schlimm wäre, außer für den Bettgenossen); eine Katastrophe ist es aber, wenn diese Schnarcher auch noch nachts mit Atemaussetzern zu kämpfen haben. Teilweise bisb zu drei Minuten am Stück! Dann kriegt das Gehirn immer mal wieder keine Sauerstoffzufuhr, und der nächste Tag ist im Eimer, buchstäblich. Stimmung mies, Laune aggressiv und auch mit dem Spass im Bett nimmt es ein böses Ende. Diese Krankheit, Schlafapnoe genannt, lässt sich übriigens toll behandeln. Wenn Sie das haben, auf zum Hausarzt!

Ein Thema, das man sich an diesem Tag des Schlafs vorknöpfen sollte, ist die Schlafhygiene. Hört sich dumm an nach Rasierschaum und Achselspray, hat aber damit nichts zu tun. Gemein ist damit, wie das Schlafzimmer ausgestatte sein soll. Achten Sie auf die passende Raumtemperatur, zwischen 16 – 18 Grad, dezentes Licht, und Matratze und Unterfederung sollten bequem sein. Und bitte keine Schlachtplatte vorm Zubettgehen verdrücken! Ein leichtes Mahl und eine Tasse warme Milch oder Tee mit Honig als Schlummertrunk. Da schläft man seelig ein. Und wenn schon Schlafhilfen, dann Baldriantropfen, Melisse oder Lavendelblüten. Und bitte regelmäßig zu Bett gehen. Unser Organismus ist da eigen und schätzt die Ordnung. Und voher auch bitte keinen Dauerlauf  ums Haus, kein Sport. Nur der eheliche Betätitgung im Bett ist erlaubt, ja sogar enorm schlaffördernd.

 

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