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Sylvensteinspeicher: Hochwasserschutz, Energiegewinnung, Freizeitwert, Natur

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„Ohne den Sylvensteinspeicher wären wir in Landshut schon lange abgesoffen.“ Diese Aussage ist immer wieder zu hören, unterhält man sich über den auch oft schlicht genannten Sylvensteinsee im Landkreis Bad-Tölz / Wolfratshausen, südlich von Lenggries. Denn hier vor idyllischer Bergkulisse des Karwendelgebirges verbinden sich Freizeitwert und Nutzwert geradezu idealtypisch.

Denn der fjordartige Stausee, 1954 bis 1959 als Hochwasserschutz gebaut, sorgt in Trockenzeiten für eine ausreichende Wasserführung der Isar; Droht der 44 Meter hohe Damm bei extremen Hochwasser überspült zu werden, gelang durch Schleusenöffnung mehr Wasser in die Isar, aber nie so viel, als dass Städte, die an der Isar liegen, wie etwa München oder Landshut, gefährdet wären. So titelte die Süddeutsche Zeitung beim großen Alpenhochwasser im August 2005: „Sylvensteinspeicher verhindert Katastrophe.“ Zudem dient der Sylvensteinsee mittels zweier Wasserkraftwerke am Damm  der umweltfreundlichen Energiegewinnung und ist gern besuchtes Naherholungsgebiet im Isarwinkel – beispielsweise für Kajakfahrer; Badegäste, Wanderer oder Spaziergänger.

Der See, gelegen zwischen im Schnittpunkt der vier Naturräume Kocheler Berge, Isartal, Mangfallgebirge und Karwendel, staut neben der Isar auch noch deren Seitenflüsse Dürren und Walchen. Das gesamte Areal mit verschiedenen Elementen einer Wildflusslandschaft und  einzigartigen Auen bietet einer Vielzahl von seltenen Tier- und Pflanzenarten unberührten Lebensraum.

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass die Entstehung und der Bau höchst umstritten waren. Zwar wurde die Isar in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhundert durch verschiedene Ableitungen in den Walchen- und Achensee, wo bereits Kraftwerke arbeiteten, zur „Wasserleiche“, Bad Tölz drohte regelmäßige Wasserknappheit, doch für den Bau des Sylvensteinspeichers musste vor der Flutung das Dorf Fall abgerissen werden. Es wurde einige Dutzend Meter höher an der Straße nach Vorderriß wieder aufgebaut. Ursprünglich war der künstliche See auch viel größer konzipiert und sollte eben bis an Vorderriß heranreichen.

Im Zeitraum von 1994 bis 2001 wurden an dem Bauwerk umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt – so wurde ein Damm-Kontrollsystem eingeführt, eine zweite Hochwasseranlage installiert und der Damm zur Anhebung des Hochwasserschutzraumes erhöht. Außerdem wurde das zweite Kraftwerk errichtet. Beide Kraftwerke erzeugen zusammen eine mittlere Jahres-Stromproduktion von 25 Millionen Megawatt. Wobei die modernere Anlage mit 20 Millionen Megawatt die vierfache Strommenge erzeugt als die ältere.

Zusammengefasst hat der Naturraum Sylvensteinspeicher vier große Vorteile: Er verfügt nicht nur über eine einzigartige Schutzwirkung vor Hochwasser, sondern nützt den Menschen als beliebtes Naherholungsgebiet, dient der regenerativen Energiegewinnung und bietet Flora und Fauna eine unbedrohte Heimstatt. Und Landshut wäre wohl trotz Flutmulde auch schon das ein oder andere Mal „abgesoffen“.




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