Home Allgemein SPRACHE UND DIALEKT INDENTIFIZIERT DEN MENSCHEN — Dialektologe Dr. Bernard Stör referierte...

SPRACHE UND DIALEKT INDENTIFIZIERT DEN MENSCHEN — Dialektologe Dr. Bernard Stör referierte bei Heimatverein und Cimbernkuratorium

SPRACHE UND DIALEKT IDENTIFIZIERT DEN MENSCHEN

 

DIALEKTOLOGE DR. BERNHARD STÖR REFERIERTE REFERIERTE BEI HEIMATVEREIN UND CIMBERNKURATORIUM 

 

Der Münchener Dialektologe und Privatdozent Dr. Bernhard Stör faszinierte die zahlreichen Besucher im Veldener Pfarrsaal beim Thema Sprachgeschichte und Sprachwandel im Bayrischen und Deutschen Sprachraum. Vorsitzender Jakob Oßner vom Bayerischen Cimbernkuratorium versprach bei der Begrüßung deshalb nicht zu viel, als er Dr. Stör als den profiliertesten bayerischen Dialektologen und als Münchener Original vorstellte. Auf sehr humorvolle Weise aber fachlich-wissenschaftlich fundiert und für das Referat gründlich vorbereitet erläuterte der Referent die bayerische Sprachgeschichte .

 

Velden. Zunächst erläuterte Dr. Stör den laufenden Sprachwandel durch sog. “interne” und “externe” Faktoren. Zu den internen Faktoren zählte er die Sprechökonomie (Maulfaulheit), Sprechmoden und Harmoniebestreben (Anpassungen). Externe Faktoren sind Migration (früher meist infolge kriegerischer Auseinandersetzungen) , Sprachkontakte durch Handel und Reisen und Separation und Abgrenzung durch natürliche Barrieren oder territoriale Limitierung wie es bei den Cimbern in Oberitalien der Fall war.

Die verschiedenen Sprachebenen sind wiederum lokaler Basisdialekt, regionaler Dialekt, Regionalakzent, Umgangssprache und Hochsprache. Danach stellte Dr. Stör die verschiedenen Transkriptionssysteme als unbedingt notwendiges Instrument zur Beschreibung der Mundarten vor wie die Artikulation von Vokalen durch entsprechende Zungenlage, Mundöffnung und Lippenrundung. Bei den Konsonanten ist bedeutend der Zungenkontakt am Gaumen wie bei den Allgäuer und Schweizer Dialekten

zu erkennen ist. Aus dem früheren Sprachstufen des Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen sind alle späteren Dialekte entstanden.

 

Der anwesende Cimbernforscher Dr. Remigius Geiser aus Salzburg konnte dazu aus dem Wessobrunner Schöpfungsgedicht die damalige Sprache in gekonnter Weise vortragen. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts befasste sich der Oberpfälzer Germanist Joh. Andreas Schmeller und Georg Wenker mit der Erstellung des “Deutschen Sprachatlas” mit den Dialekten im deutschen Sprachraum. So zählt das in Österreich gesprochene Deutsch laut Siedlungsgeschichte zum “Bairischen Dialekt”. Die bayerischen Dialekte sind alle Dialekte die auf dem Territorium des Freistaates Bayern gesprochen werden, also auch Ost-und Rheinfränkisch (=Hessisch) oder Ostschwäbisch, die allerdings den germ. Stämmen der Franken bzw. Alemannen zuzuordnen sind, nicht den Baiern, die sich ja erst um 500 n.Chr. formiert haben.

 

“Bairisch” sind die Dialekte die auf den Stamm der Baiern zurückgehen. Zufällig entspricht die Einteilung in Nord-, Süd- und Mittelbairisch auch den geographischen Gegebenheiten von der Oberpfalz über Österreich, Südtirol, Nieder-u. Oberbayern.  Danach stellte Dr. Stör bairische Kennwörter dar, die überwiegend aus dem Gotischen stammen, wie Ertag (Dienstag), Pfinztag (Donnerstag), Samstag, Fasching oder Pfeit für Hemd dar. Auch der Ausdruck “eß” und “enk” ( für ihr u. euch) ist ein Kennzeichen aller bairischen Mundarten. Das Ostgotenreich (493-526) unter Theoderich beeinflusste das entstehende “Baiern” demnach nicht nur sprachlich sondern auch religiös sehr stark, erläuterte Bernhard Stör.

 

Aufgrund seines Dialekts kann der Sprachwissenschaftler Dr. Stör jeden Bayern geographisch genau zuordnen und identfizieren. Bei der Erstellung des mundartlich Ortsnamenbuches für den Altlandkreis Landshut, das vor kurzem veröffentlicht wurde, waren die einheimischen älteren Mitbürger wichtige Gewährsleute für die richtige mundartliche Aussprache der alten Ortsnamen.  Auch für den Altlandkreis Vilsbiburg soll in nächster Zeit ein mundartliches Ortsnamenbuch erstellt werden, erläuterten Bernhard Stör und Jakob Oßner. Pfarrer Johann Schober aus Adlkofen recherchiert die Geschichte der alten Ortsnamen und bereitet sie gemeinsam mit Dr. Stör auf wissenschaftlicher Art und Weise auf.  Der Name für die Ortschaft Velden, sprich “Voen” erstmals 773 erwähnt, kommt aus dem ahd. (althochdeutsch) Feldun und mhd. (mittelhochdeutsch) Välden.

J.Oßner

 

Fotos: Lodermeier