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Prof. Dr. Ing. Ralph Pütz

Auf mehrfache Anregung des CSU-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Schnur bereitet die Stadtverwaltung gerade ein Expertenhearing zum Thema: “Antriebstechnologien der Zukunft” vor.
Experten aus verschiedenen Bereichen der Antriebstechnik legen aus ihrer Sicht dar, was die verschiedenen Antriebstechnologien für die zukünftige Mobilität in Landshut leisten könnten.
Geplant ist nach Impulsvorträgen eine moderierte Diskussionsrunde durch zu führen.

Unter anderem wird auf Vorschlag von Stadtrat Rudolf Schnur der Präsident des Bundesverbandes für Elektromobilität (BEM e.V.) Kurt Sigl, der Landshuter Hochschulprofessor Prof. Dr.-Ing. Ralph Pütz und ein Sprecher des CNG-Club e.V. dabei sein. Ebenso wird dem Vernehmen nach ein Vertreter der Landshuter Wasserstoff-Initiative teilnehmen.

Das Hearing ist für den Nachmittag und Abend des 20. April 2020 in den Stadtsälen im Bernlochner vorgesehen.

 

 

 

„Dieselskandal“. Ist da eigentlich was dran?

Fachvortrag in Oberlindhart von Prof. Dr. Ing. Ralph Pütz

Der sogenannte Dieselskandal bewegt seit längerer Zeit die Republik. Um die Hintergründe zu diesem verworrenen Komplex aufzuklären, fand am Tag der „Kalten Sophie“, 15. Mai, ein Fachvortrag von Professor Dr. Ing. Ralph Pütz statt, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Landshut einen Lehrstuhl für Automobil- und Nutzfahrzeugtechnik hält.

Die hohe gesellschaftliche Relevanz dieses brisanten Themas und die Zugkraft des kompetenten Referenten spiegelten sich in der Zahl der Besucher wider, denn Christoph Sollinger (ein ehemaliger Student von Prof. Pütz, der im Vorjahr mit dem IHK-Preis Niederbayern für Ingenieure ausgezeichnet wurde) und Bruno Zott, die beiden Initiatoren der Veranstaltung, konnten rund 100 Besucher im Sportheim Oberlindhart, Gemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg, begrüßen. Der Veranstaltungsort war bis auf den letzten Platz besetzt, es musste kurzfristig sogar Zusatzbestuhlung organisiert werden.

„Volles Haus“ in Oberlindhart. Das Sportheim war bis auf den letzten Platz besetzt

Prof. Dr. Ing. Ralph Pütz, Hochschule Landshut, erläutert die Fakten.

Im ersten Kapitel seines Vortrages, überschrieben mit „Notwendige Aufklärung zu den alternativen Fakten der sogenannten Dieselkrise“, zeigte Pütz den alltäglichen „Propaganda-Unfug“ anhand seiner Messungen im Realbetrieb an modernen Diesel-, Erdgas- und Elektrobussen auf. Er wies zuvor auf die doch äußerst fragwürdigen Immissions-Grenzwerte hin, die ja die wackelige Argumentationsgrundlage für die Dieselfahrverbote erst liefern. Diese wurden einer alten, längst überholten englischen Studie zu Gasöfen entnommen, es handelt sich schlichtweg um „gegriffene“ Werte. Die mittlerweile sattsam bekannten 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid würden bereits erreicht, wenn alle vier Kerzen eines Adventskranzes angesteckt werden. Auch die Messstationen nahm Pütz aufs Korn. Hier werden die Messstellen, die für mindestens 100 m Straße repräsentativ sein müssen, anders als in anderen europäischen Ländern oft so platziert, dass gezielt ein Maximalwert provoziert wird. Ein weiteres Manko besteht darin, dass als Verursacher lediglich der Straßenverkehr gesehen wird und alle anderen Emittenten unzulässiger Weise völlig ausgeblendet werden. Erhellend wirkte auch der Hinweis, dass an industriellen Arbeitsplätzen, aber auch in seinem eigenen Labor, um ein vielfaches höhere Grenzwerte zulässig sind, als bei den Immissionsgrenzwerten im Außenbereich. Ein eklatanter Widerspruch, der erstaunlicherweise in der Öffentlichkeit fast nie thematisiert wird. Danach arbeitete der Referent anhand seiner Messungen im Nutzfahrzeugbereich heraus, dass die Technik für effiziente Abgasnachbehandlung auch in der Nachrüstung erprobt ist und dies auch auf die Pkws kostengünstig übertragen werden kann. Zudem können ältere Fahrzeuge mit bei den Herstellern selbst verfügbaren Systemen kostengünstig nachgerüstet werden. Fazit dieses Kapitels war: es gibt keine Dieselkrise, allenfalls eine Pkw-Krise!

Im zweiten Teil seines Vortrags betrachtete der Fachmann den ökologischen und ökonomischen Sachstand der Antriebstechnologien im Vergleich – heute (2019) und mittelfristig (2030) – am Beispiel Linienbus, eines seiner speziellen Forschungsgebiete. Es ging darum, eine ganzheitliche Ökologiebewertung unter Berücksichtigung aus Kraftstoffvorkette und Fahrzeugproduktion zusätzlich zum eigentlichen Fahrbetrieb vorzustellen, und das unter dem Zeithorizont „heute“ und „mittelfristig“. Im Ergebnis wurde deutlich, dass Elektromobilität für deutsche Verhältnisse auch mittelfristig kaum einen ökologischen Vorteil bietet, aber de facto unbezahlbar ist. Deutlich wurde aber auch, dass durch staatliche Vorgaben wie u.a. durch die „EU-Beschaffungsrichtlinie“, die bspw. geplante Quoten für die Neubeschaffung von Linienbussen vorsieht, quasi eine Technikdiktatur Raum greift. Die Folgen dieser Marktbeeinflussung führen zu einer Fehlallokation der Ressourcen.

Professor Pütz schlug mit seinem fulminanten, politisch hoch relevanten Referat das Fachpublikum in seinen Bann.

Zu guter Letzt wagte der Vortragende mit einem Zeithorizont bis 2050 dann noch einen langfristigen Ausblick in die Mobilität der Zukunft, indem er die Antriebsalternativen verglich und nicht ausschloss, dass der elektrische Antrieb zum Standard werden könnte. Allerdings sei der „Quantensprung“ in der Batterietechnik erst nach 2030/2035 zu erwarten, so dass der hochsaubere Verbrennungsmotor zumindest mittelfristig unverzichtbar bleibe. Auch mit erneuerbarer Energie erzeugte Kraftstoffe – gasförmig (Power-to-Gas) und flüssig (Power-to-Liquids) – könnten mittelfristig eine größere Bedeutung erlangen und durch die Option der Beibehaltung der bestehenden Energieverteilungs- und Betankungsinfrastruktur signifikante Vorteile bringen. Zwingende Voraussetzung dafür muss aber sein, dass die Politik zu einer Technologieneutralität mit Wirkvorschriften zurückfindet. Eine Technologiediktatur ist eindeutig der falsche Weg.

Diesem faktengesättigten Theorievorspiel, das auf sehr anspruchsvollem Niveau stattfand, schloss sich nach einer kurzen Pause eine äußerst lebhafte Diskussion an, bei der klar wurde, dass es sich beim Auditorium zum überwiegenden Teil um Fachpublikum aus der Branche handelte. Die Diskussionsteilnehmer zeigten mit ihren Fragen, dass sie mit der komplexen Materie durchaus vertraut sind. Insgesamt war die Veranstaltung für beide Seiten, für den lebendig präsentierenden Referenten (ein Mann mit „Benzin im Blut“, der, notabene, in seiner Freizeit Formel 3-Rennen fährt) ebenso wie für die Besucher ein großer Gewinn.

Der Referent in seinem Monoposto auf der Rennstrecke von Monza, neben ihm sein Chefmechaniker Christoph Sollinger.

Auch für die Marktgemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg, die im Zentrum der regional ansässigen Automobil- und Zulieferindustrie loziert ist und deren größter Arbeitgeber mit dem Tankhersteller Kautex ja ein international bedeutender Automobilzulieferer ist, war die Veranstaltung von nicht unbedeutender Relevanz. Die Ehre der Politik retteten zwei Vertreter der Freien Wähler in Person von Marktgemeinderätin Christine Eiwanger und Kreisrat Andreas Stöttner, die sich dieses hochkarätige Symposion nicht entgehen lassen wollten.

Bruno Zott, neben Christoph Sollinger Organisator des Symposions, überreicht ein kleines Gastgeschenk (u.a. mit dem legendären Brauerzeugnis von der Oberlindharter Weiße Gemeinschaft und deren Spiritus Rector, Markus Roßmann) an den hochkar

 

Text und Fotos: Bruno Zott