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Power to gas

von links: Dr. Thomas Haslinger, Gabriele Sultanow, Ludwig Zellner, Bernd O. Friedrich, Rudolf Schnur, Gertraud Rössl, Anke Humpeneder-Graf und Willi Hess.

Die CSU-Stadtratsfraktion hat bereits 2006 die Einführung einer Erdgas-Tankstelle in Landshut durchgesetzt. Obwohl anfangs die Nachfrage erfreulich anstieg und die Stadtwerke Landshut gemäß dem Luftreinhaltekonzept der Stadt Landshut den Betrieb von Erdgas-Kfz förderte ist aufgrund der geringen Angebotspalette der Autoindustrie kein signifikanter Anstieg der Zulassungszahlen zu verzeichnen. Ein bayerischer Autohersteller geht nun einen entscheidenden Schritt weiter und stellt in einer eigens dafür errichteten power-to-gas-Anlage synthetisches Methan als Kraftstoff her.

Der Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan (CH4), bei dessen Verbrennung nur geringe Mengen an Feinstaub entsteht. Methan weist zudem die niedrigsten spezifischen CO2-Emissionen aller fossilen Kraftstoffe auf. Entscheidend ist aber, dass bei „Erdgas-Motoren“ nicht nur fossile Kraftstoffe eingesetzt werden können, sondern ebenso Biogas, synthetisches Methan (sogenanntes e- oder t-gas z.B. aus Öko-Überschussstrom) und bis zu einem bestimmten Anteil sogar Wasserstoff.
Der Prozessschritt der Methanisierung (power-to-gas) nutzt CO2, das damit nicht in die Atmosphäre gelangt. So ergibt sich ein geschlossener CO2-Kreislauf, der eine klimafreundliche Langstreckenmobilität ermöglicht. Das e-gas-Projekt trägt außerdem dazu bei, das Problem der Speicherung überschüssigen Wind- oder Solarstroms zu lösen.

Sowohl der Kreisvorsitzende der CSU, Dr. Thomas Haslinger, als auch der Fraktionschef der BfL/JL Bernd O. Friedrich waren interessiert den aktuellen Stand der Technik und der umweltschonenden Mobilität zu erfahren. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Rudolf Schnur, der seit 2006 selbst vier Erdgas-Kfz betrieben hat, erläuterte anhand des derzeit in einem Landshuter Autohaus ausgestellten Erdgas-Kombis die ökonomischen und ökologischen Vorteile der CNG-Technik und gab zu bedenken, keine einseitige Ausrichtung auf Elektromobilität zu betreiben.

Foto: klartext.LA

Berlin, 14. November 2018. Bei der heutigen Abstimmung in Straßburg zur Einführung von CO2-Grenzwerten für schwere Nutzfahrzeuge hat sich das Europaparlament mehrheitlich dafür ausgesprochen, erneuerbares Gas künftig in der CO2-Bilanz der Lkw-Hersteller anzurechnen. Damit erweitert das Parlament den Vorschlag der EU-Kommission zur neuen Abgasnorm. Zudem wurde die Kommission beauftragt, bis 2020 eine Methodik vorzulegen, welche die Auswirkungen der Nutzung von nachhaltig erzeugtem Biomethan oder synthetischem Erdgas aus dem Power-to-Gas Verfahren auf die Berechnung der durchschnittlichen Flottenemissionen berücksichtigt. Der vom Parlament eingebrachte Vorschlag muss nun vom Europarat verabschiedet werden.

Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS, dazu: „Damit zeigt das Parlament, dass mehr als nur ein Weg zur Dekarbonisierung führt und korrigiert die einseitige Vorfestlegung der Kommission auf die Elektromobilität. Das von Zukunft ERDGAS und dem europäischen Branchenverband NGVA Europe seit Langem in die Debatte eingebrachte Argument der Technologieoffenheit hat sich endlich durchgesetzt.”

Dr. Timm Kehler zum Beschluss des EU-Parlaments zu Emissionsnormen für neue PKW und leichte Nutzfahrzeuge

Berlin, 4. Oktober 2018. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß von Neuwagen um 40 Prozent gesenkt werden – unter anderem mithilfe von Gastechnologien. Auch die Berechnungsgrundlage der CO2-Bilanz von Pkw soll neu aufgesetzt werden. Darauf hat sich das EU-Parlament am gestrigen Mittwoch in Straßburg verständigt. Damit haben die Abgeordneten den Vorschlag der EU-Kommission als unzureichend abgelehnt. Die Entscheidung der Parlamentarier kommentiert Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS:

„Mit diesem Beschluss hat das Europaparlament Ehrgeiz bewiesen und gezeigt, dass es die Emissionen des Verkehrs wirksam bekämpfen möchte. Die Parlamentarier verschärfen mit ihrem Vorschlag nicht nur die Emissionsgrenzwerte. Sie sorgen an vielen Stellen auch dafür, dass mehr Realismus in die Betrachtung der CO2-Bilanz einkehrt. Eine Neuausrichtung der Bewertungskriterien ist dringend notwendig, denn trotz sinkender Flottendurchschnitte steigen die CO2-Emissionen des Verkehrs – in Deutschland im Vergleich zu 1990 sogar um vier Prozent. Nur wenn die Emissionen auf der Straße – und nicht nur auf dem Papier – sinken, wird Klimaschutz im Verkehr auch endlich wirksam.
Wir begrüßen daher, dass sich das Parlament für Emissionsmessungen im realen Fahrbetrieb ausspricht. Hier können Gasfahrzeuge punkten. Besonders erfreulich ist, dass bei leichten Nutzfahrzeugen ab 2025 eine „Well-to-Wheel“-Bilanz betrachtet werden soll. Damit berücksichtigt die CO2-Bewertung erstmals auch die Herstellung von Kraftstoffen. Dies kommt insbesondere Biogas und synthetischen Gasen zu Gute. Insgesamt ist das ein wichtiger Schritt hin zu einer fairen Bewertung der CO2-Bilanz und ein deutlicher Fingerzeig in Richtung Kommission, dass die bestehende Regulierungsmethodik zu überdenken ist. Bislang ist lediglich ein Prüfauftrag geplant, dessen Ergebnis bis 2026 vorgelegt werden soll. Entscheidend ist, dass daraus anschließend auch effektive Maßnahmen abgeleitet werden.
Zudem hat das Parlament erkannt, dass ein Wettbewerb zwischen verschiedenen potenziell CO2-neutralen Antriebstechnologien schneller zum Klimaziel führt als eine einseitige Fokussierung auf die E-Mobilität. Die Rolle von Biogas und synthetischen Kraftstoffen, die unter anderem durch das Power-to-Gas-Verfahren erzeugt werden, wurde vom Parlament als eine zu bewertende Maßnahme explizit hervorgehoben. Das ist ein echter Gewinn im Sinne von Technologieoffenheit.“ 

Nun steht es fest:  Der AUDI A 4 Avant g-tron kommt auf die 13. Landshuter Umweltmesse 2018

Und das ist die ganzheitliche Strategie dazu:
https://www.audi.de/de/brand/de/neuwagen/a4/a4-avant-g-tron.html

Erstmals power-to-gas-Technologie in die Praxis umgesetzt und im Fahrzeugantrieb eingesetzt.

80% weniger CO₂**

Audi stellt den A4 Avant g-tron für alle Kunden für 3 Jahre bilanziell grün und reduziert damit den CO₂-Fußabdruck des Fahrzeuges um mehr als 80%** im Vergleich zu einem A4 Avant 2.0 TFSI mit 140 kW nach NEFZ-Verbrauch im Gasbetrieb.
** Im reinen Gasbetrieb (CNG) in einer Well-to-Wheel-Betrachtung (Umweltbilanz, die die Kraftstoffproduktion und den Fahrbetrieb des Fahrzeugs miteinschließt) im Vergleich zum Audi A4 Avant 2.0 TFSI mit 140 kW: Als g-tron Kunde tanken Sie wie gewohnt an einer beliebigen CNG-Tankstelle. Die AUDI AG stellt sicher, dass die auf Basis der gesetzlichen Normen zur Verbrauchs- und Emissionsmessung nach NEFZ/WLTP sowie regelmäßig von Audi erhobener statistischer Daten zur jährlichen Fahrleistung der im Zeitraum 7. März 2017–31. Mai 2018 bestellten Audi g-tron Fahrzeuge errechneten Gasmengen durch Audi e-gas ersetzt werden – für 3 Jahre ab der Erstzulassung als Neufahrzeug. Das Audi e-gas wird in das europäische Erdgasnetz eingespeist und verdrängt somit fossiles Erdgas. Der ebenfalls auf dieser Grundlage ermittelte Umfang der CO₂-Einsparung kann im tatsächlichen Fahrbetrieb geringer ausfallen.

Was ist eigentlich g-tron?

Die Bezeichnung g-tron steht bei Audi für die CNG-Modelle der Marke (CNG = Compressed Natural Gas). Diese sind für den Betrieb mit Erdgas optimiert, das in Europa an rund 3500 Tankstellen zur Verfügung steht (Stand Januar 2017). Die Verbrennung von Erdgas ist besonders sauber, und daher fördern viele Städte und Kommunen die Anschaffung von CNG-Fahrzeugen. Bei der reinen Verbrennung von CNG entsteht kein Feinstaub. Aber auch in Bezug auf das Thema Klimaschutz sind diese interessant: Der Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan (CH4), das sich durch die niedrigsten spezifischen CO₂-Emissionen aller fossilen Kraftstoffe auszeichnet. Zudem lässt sich Methan auch aus organischen Reststoffen (Biomethan) oder in Power-to-Gasanlagen aus CO₂, Wasser und Ökostrom herstellen, was Audi durch sein e-gas Angebot und den Betrieb der weltweit ersten industriellen Power-to-Gas-Anlage aktiv vorantreibt. Die g-tron Modelle von Audi definieren mit ihren Leichtbautanks, ihrer hohen Effizienz und ihrer Dynamik eine neue Qualität im Bereich der CNG-Fahrzeuge und sind zudem auf Grund von sehr niedrigen Kraftstoffkosten äußerst wirtschaftlich zu betreiben.

Mehr Informationen zur Förderung von Erdgas-Fahrzeugen

Quelle: AUDI AG, Ingolstadt

LED für den besten und schnellsten Weg zur Energiewende

Johann Hartl Bisamstraße 13  84030 Ergolding   johann-hartl@gmx.de

Stellungnahme zum Interview zur Energiewende mit Prof.Dr. Michael  Sterner

In vielen Punkten ist den Ausführungen von Prof. Sterner zuzustimmen  aber einige Aussagen sind kritisch zu sehen.

Mit keinem Wort ist die Primärlösung zur Energiewende, die Verbesserung der Energieeffizienz erwähnt.

„Bilanzielle“ Anteile zur Stromverbrauchserzeugung am Beispiel Windenergie nützen uns  nichts. Entscheidend ist bei der Stromerzeugung die bedarfsabhängige Strombereitstellung. Dies gilt für die Windenergie als auch für die solare Stromerzeugung. Strom, der nicht bedarfsgerecht erzeugt  und verbraucht werden kann,  ist wertlos oder hat sogar einen negativen Wert!

Bei  „richtiger Umsetzung ist die Energiewende (Ausstieg aus der Kernenergienutzung) kein Problem“. Leider wird sie bei Beachtung des realistischen  Potenzials der erneuerbaren Energien  im energiewirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen  und ökologischen  Rahmen ein großes Problem bleiben. Einen wesentlichen Anteil zur Stromerzeugung, Wärmeversorgung und Kraftstoffversorgung können die erneuerbaren Energien nur bei einer extremen Minderung des Energieverbrauchs bringen, die leider im erforderlichen Maße nicht in den nächsten zwei Jahrzehnten  praktikabel durchsetzbar sein dürfte.  Seine Befürwortung für ein Gaskraftwerk in Pleinting halte ich für richtig. Die Energiewende kann nicht mit einem  krampfhaften  Ersatz der Kernenergie und fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien in der Praxis funktionieren.  Seine Ansichten für den erforderlichen Netzausbau  ins besonders  des Nord-Süd-Verbundes sind zutreffend. Verlustarme HGÜ-Leitungen sind hierfür die richtige Technik.

Zum Potenzial Bioenergie sollte sich Herr Prof. Sterner neben  den Verhältnissen im Landkreis Passau  an der bundesweiten Situation orientieren.  Dabei  kann auch bei einer Verminderung des gesamten Wärmeverbrauchs um z.B. 30 % nur ein kleiner Teil mit Bioenergieträgern gedeckt werden und zusätzlich soll richtigerweise auch noch Strom erzeugt werden. Sinnvoll ist es allerdings schon die örtlich gegebenen Möglichkeiten zu nutzen, wie sie  im Landkreis Passau mit vielen Wäldern gegeben sind.

Zur Energiespeichermethode „power to  gas“ hat er das Problem der hohen Kosten  angesprochen aber nicht die sehr hohen Energieverluste erwähnt. Es scheint  naheliegend zu sein,  Überschuss-Strom aus Windkraft und Photovoltaik besser mit schlechtem Wirkungsgrad zu nutzen als gar nicht. Aber  es gibt keinen Sinn für den damit wiedergewinnbaren Strom jeden Aufwand und  Preis zu akzeptieren. Die Energiewende muss schließlich bezahlbar sein. Es ist daher wichtig den Ausbau der Windenergie und besonders der Solarstromerzeugung auf das energiewirtschaftlich sinnvolle Maß zu begrenzen. In diesem Rahmen kann noch eine relativ „kostengünstige“ Wasserstofferzeugung einen gewissen Sinn ergeben.

Herr Sterner hat laut anderer Veröffentlichungen erkannt, dass die Photovoltaik der größte Preistreiber der Energiewende, bei geringer Wirkung ist. Und im „Fahrplan Energiewende“ von Dr. Pehnt und Prof.Dr. Sterner wurden auch die Energiesparmöglichkeiten behandelt.

Wichtig ist, dass Berater der Bundesregierung nicht nur die theoretischen Möglichkeiten aufzeigen sondern besonders auch die Praktikabilität und Wirkung im energiewirtschaftlichen, volkswirt-schaftlichen  und ökologischen Rahmen  beachten und darstellen. Dies gilt natürlich besonders auch für das „Bayerische Energiekonzept“,  das mehr als unbefriedigend ist.

Ich bin selbst ein Befürworter der Energiewende, aber nur wenn die praktikablen Grenzen der Möglichkeiten der erneuerbaren Energien beachtet werden und volkswirtschaftliche, ökologische  und soziale Gesichtspunkte berücksichtigt werden und wenn die primäre Chance der Energieeffizienzverbesserung massiv genutzt wird.

Unter dem nicht klar definierten Begriff Energiewende verstehe ich jedenfalls nicht den  krampfhaften Ersatz von fossilen Energieträgern und Kernenergie durch erneuerbare Energien um jeden Preis sondern die deutliche  ökologische und volkswirtschaftliche  Verbesserung der jetzigen Situation bei Inkaufnahme des Verzichts auf die Kernenergie.

 

Passau. Ob für Handwerk, Privatpersonen oder forschende Unternehmen: Die Energiewende sorgt nach Meinung von Prof. Michael Sterner schon jetzt gerade in Niederbayern für einen Wachstumsschub. Und wie der aus Aicha vorm Wald stammende Energieexperte, der an der Hochschule Regensburg in den Bereichen Energiespeicher, Energiewirtschaft und Solarenergie forscht, meint, schlummert in der Region noch weiteres Potenzial.

Herr Prof. Sterner. Sehen Sie Deutschland in Sachen Energiewende im Zeitplan?
Prof. Michael Sterner: Definitiv. Wir sind in Sachen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien viel schneller vorangekommen, als geplant. Das 35-Prozent-Ziel werden wir vor 2020 erreichen, in Bayern sowieso. Ich erinnere an Zeitungsanzeigen der Energieversorger in den 90ern, in denen behauptet wurde, dass Deutschland auch langfristig keinen Anteil der erneuerbaren Energie an der Gesamtstromversorgung höher als vier Prozent schaffen wird. Die Energieversorger haben unser Ingenieursland unterschätzt. In der Wärmewende und der Mobilitätswende sind wir aber noch nicht soweit.

Einer IHK-Studie zufolge herrscht bei vielen ostbayerischen Firmen wegen steigender Strompreise Skepsis hinsichtlich des Gelingens der Energiewende. Ist das nachvollziehbar?
Sterner: Nur bedingt. Ich sehe vielmehr die Chancen. Wenn die Wirtschaft diese umsetzt, ist der Nutzen größer als der vermeintliche Schaden.

Wo liegen denn die Chancen Ostbayerns bei der Energiewende?
Sterner: Die heimische Wirtschaft profitiert schon jetzt enorm davon. Denken Sie an das Handwerk, das sich mit Solarenergie oder Energieeffizienz beschäftigt, oder an die Betriebe wie ZF oder Loher, die Komponenten etwa für Windkraftanlagen zuliefern. Die Aufträge, die sich aus der Energiewende ergeben, haben vielen Betrieben auch über die Krise geholfen − und schaffen aktuell Wachstum; die Energiewende ist ein Wachstumsprogramm vom Ausmaß der deutschen Wende 1989/90.

Sehen Sie weiteres Potenzial?
Sterner: Unsere Region ist mit Sonne, Holz und ehrlichen, fleißigen Leuten reich gesegnet. Potenziale haben wir noch überall, auch beim Wind. Wenn wir nur zwei Prozent der bayerischen Landesfläche für Windkraftanlagen nutzen, können wir bilanziell den bayerischen Strombedarf decken. Wenn die Stromwende richtig umgesetzt wird, haben wir mit dem Abschalten der Atomkraftwerke kein Problem. Ein weiterer wichtiger Bereich für die Zukunft ist die Stromspeicherung. Und auch das ist eine Chance für die Region. Hier wird etwa am Energiezentrum in Ruhstorf an Batteriespeichern geforscht, an dem sich u.a. auch die Firma Younicos engagiert. Batterien werden neben der dezentralen Elektromobilität für die zentrale Stabilisierung der Stromversorgung sehr wichtig werden.

Sie sprechen von notwendigen Stromspeichern. Wie stehen Sie zum geplanten Pumpspeicherwerk Riedl?
Sterner: Riedl kann energiewirtschaftlich ein Segen für die Region sein, wenn der für das Hochpumpen des Wassers verwendete Strom aus erneuerbaren Energien aus der Region kommt. Dann dient Riedl als lokaler Speicher, sichert uns die Stromversorgung und ist damit leichter akzeptiert. Generell sollte Strom nur bei Überschüssen gespeichert werden. Da das schwer umzusetzen ist, wäre es besser, wenn Riedl nur dann “speichert”, wenn die Sonne scheint, oder die Wasserkraft nicht sinnvoll verkauft werden kann. Rein am Strommarkt betrieben, sorgt der Pumpspeicher bei gut ausgebautem Netz für zusätzliche Klimagase, weil er Braunkohlekraftwerke länger und Gaskraftwerke kürzer laufen lässt. Dabei brauchen wir neue Gaskraftwerke dringend, weil sie sehr gut auch längere Stromlücken füllen, und auch mit Wind-, Solar- oder Biogas betrieben werden können. Für so ein Gaskraftwerk wäre Pleinting als Standort ideal: Kraftwerkstechnik, Stromtrassen und die Gasleitung in der Nähe sind ja vorhanden.

Was bedeutet das für die Regionalpolitik?
Sterner: Mit Technik kann man vieles anfangen. Entscheidend ist, dass die Politik die richtigen Weichen stellt: Ich war vor einiger Zeit beim Passauer Landrat Franz Meyer. Ich habe ihn bestärkt, aus Pleinting was zu machen, und im Dialog mit Bürgern und Betreibern Riedl nachhaltig umzusetzen.

Sie forschen zu Energiespeichern und sind einer der Erfinder der Speichertechnologie “Power-to-Gas”. Um was geht es dabei?
Sterner: Power-to-Gas ist eine Speicherlösung für lange Stromflauten und eine große Lösung für die Mobilität: Ich kann aus Wind, Solar, Wasser und CO2 einen Kraftstoff herstellen, der konventionelle Autos antreiben kann. Mit meinem “Windgas” kann ich Energie- und Landwirtschaft kombinieren: eine Windkraftanlage nimmt anders als bei Biokraftstoffen kein Getreidefeld weg. Ich habe nahezu keine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln, und mit dem Fahrzeug eine uneingeschränkte Reichweite. Nicht umsonst haben wir Audi dafür begeistern können. Einziger Haken: die junge Technologie kostet noch sehr viel Geld.

Gerade in Ostbayern gibt es besonders viel Wald. Wie könnte man dies besser netzen?
Sterner: Die Experten vom Straubinger Zentrum für nachwachsende Rohstoffe sagen uns schon lange, dass wir noch sehr große Potenziale im Wald haben. Der Wald ist der größte Energiespeicher Bayerns. Allein im Landkreis Passau speichert der Wald im Jahr ein Energieäquivalent von 100 Millionen Liter Heizöl, in dem er Solarenergie in Holz umwandelt. Beim heutigen Heizölpreis wären das 90 Millionen Euro. Damit ließen sich 50 000 Haushalte mit Wärme versorgen. Das ist der größte Energiespeicher, den wir im Landkreis haben − und er ist in der Bevölkerung voll akzeptiert. Verglichen mit einem Pumpspeicherwerk Riedl speichert uns der Wald jedes Jahr 280 Mal so viel Energie ein. Es gibt noch viele Haushalte, die mit Erdöl heizen anstatt es in klimaneutrale Heizenergie, also in Holz, vor Ort zu investieren und damit das Geld in der Region arbeiten zu lassen. Durch einen gesunden Wald kann das Potenzial noch deutlich gesteigert werden. Leider haben wir vielerorts kaum eine gesunde Naturverjüngung, weshalb ich unseren Landrat aufgefordert habe, die bestehenden Missstände zu beseitigen, um das gesetzlich vorgeschriebene ausgewogene Verhältnis zwischen Wald und Wild wieder herzustellen. Er sollte dem Wald als Identitätsstifter, Erholungsraum und Energielieferant eine größere Rolle beimessen.

E.ON und Tennet betonen die Notwendigkeit des Milliarden Euro teuren Netzausbaus. Ist der wirklich alternativlos?
Sterner: Technisch gesehen brauchen wir für eine stabile Stromversorgung eine Ergänzung zu Wind und Solar, die alleine die Stromwende nicht stemmen können. Dazu gehören auch neue Überlandleitungen von Nord nach Süd. Wir brauchen alle Flexibilitäten im System: Netze, Speicher, flexible Kraftwerke, flexible Verbraucher – zentral und dezentral. Damit die Kosten nicht ausufern, sollten wir nach der Reihe die günstigsten Optionen umsetzen. An erster Stelle steht der Netzaus- und -umbau. Im Übertragungsnetz brauchen wir dringend die Thüringer Trasse, um das AKW Grafenrheinfeld Ende 2014 abschalten zu können. Im Verteilnetz muss ich vielerorts keine Straßen aufreißen. Es genügt, den Trafo zu tauschen. Technisch-wirtschaftlich sind die Netze klar Vorreiter, aber die gesellschaftliche Dimension ist schwierig. Eine finanzielle Bürgerbeteiligung kann hier helfen. Das ist bei Speichern und flexiblen Kraftwerken wie Gaskraftwerken leichter, aber kostspieliger. Eine Ideallösung gibt es also nicht.

Könnten nicht mit einer intelligenten Stromsteuerung viele neue Leitungen überflüssig gemacht werden?
Sterner: Wirtschaftlich gesehen brauchen wir ein neues Strommarktdesign, in dem Wind und Solar differenziert vergütet werden, und sich auch die Flexibilitäten rechnen, damit wir die Stromversorgung “wetterfest” machen können. Dazu habe ich letzte Woche in meiner Eigenschaft als Regierungsberater in Sachen Energie Bundesumweltminister Altmaier persönlich konkrete Vorschläge gemacht.

Könnten Sie ganz kurz die wichtigsten Punkte nennen?
Sterner. Es ging um die Verknappung der CO2-Verschmutzungsrechte, damit die Finanzierung der Energiewende stehen bleibt, sich Gaskraftwerke und Speicher wieder rechnen und klimaschädliche Stromerzeugung wie Braunkohle langfristig nicht mehr lohnt. Zudem muss er EEG und Strommarkt zusammenbringen, wozu eine differenzierte Förderung und Marktintegration der erneuerbaren Energien notwendig wird.

Zentral, dezentral? Was sollte bei der Energiewende Vorrang haben?
Sterner: Wir brauchen beides, aber: Die Umsetzung vor Ort ist das Entscheidende, weil hier die Energiewende real wird! Im Haus hat jeder die Energiewende selbst in der Hand: über den einfachen und nicht teureren Bezug von Grünstrom, mit Investitionen in die energetische Sanierung − und mit einem generell effizienteren und bewussteren Umgang nicht nur mit Strom, sondern auch mit allen anderen Energien. Das betrifft auch den Verkehr: Zum Vortrag am Donnerstag komme ich per Zug.

Das Interview führte Alois Schießl

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PNP über Neuwahl und Halitzky dazu

 

Leserbrief:

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Die, im Artikel der PNP zitierte, Aussage des Landtagsabgeordneten der Grünen Eike Hallitzky, dass der CSU-Arbeitskreis Umwelt und Landesentwicklung für die Reaktivierung des Ölkraftwerkes Pleinting eintritt ist unzutreffend. Somit entbehren auch die darauf aufbauenden Aussagen der Grundlage.

Richtig ist, daß der Arbeitskreis Umwelt gemeinsam mit dem Arbeitskreis Energiewende eine Pilotanlage für die Umwandlung von überschüssigen Strom aus Solar- und Windanlagen in Wasserstoff und dessen Speicherung gefordert hat.

Der Vorschlag des Arbeitskreises diese, auch „Power-to-Gas“ genannte, Stromspeichertechnik in Pleinting zu pilotieren ist auf dem CSU-Parteitag im Oktober mit grosser Mehrheit positiv entschieden worden. Die Landesgruppe im Bundestag unter der Leitung von Gerda Hasselfeldt unterstützt die Idee. Die Landtagsfraktion und der bayerische Umweltminister Marcel Huber sind ebenfalls eingebunden. Gespräche mit EON, dem Eigentümer des Standortes, finden statt. Es wird also umfassend gehandelt.

Soviel zur Richtigstellung, aber was ist mit den verbleibenden Aussagen in dem Artikel?

Gut kann man die Einsicht von Herrn Hallitzky in dem Artikel finden, dass Solar- und Windstrom nicht grundlastfähig ist.

Nervös sollte man aber möglicherweise werden, wenn man die Sätze „Deshalb brauchen wir finanzielle Anreize für den Bau und Betrieb moderner Gaskraftwerke“ und „Gesetzesinitiative zur Schaffung von Kapazitätsmärkten“ ebendort liest.

Wird Strom dann noch teuer, was besonders Familien mit Kindern und Rentner trifft?

Im nächsten Jahr beläuft sich der durch gesetzliche Regelungen bestimmte Kostenanteil für die Förderung von Solarstrom, anderer regenerativer Energien, Netzentgelte und Steuern auf ca. 14,3 ct pro kWh. Bei durchschnittlich 28 ct Strompreis pro 1 kWh sind das mehr als 50% per Gesetz, die wir Bürger berappen müssen. Zum Vergleich: im benachbarten Österreich (Tirol) kostet die kWh aktuell 16 ct.

Und dann noch eine Umlage zur Förderung „moderner Gaskraftwerke“ und ein „staatlich regulierter Kapazitätsmarkt“ oben drauf?

Da solche Ideen eher früher denn später für uns alle unbezahlbar werden, setzen der Arbeitskreis Umwelt und der Arbeitskreis Energiewende im besonderen auf die Verringerung des Stromverbrauchs durch Stromeinsparung. Jede eingesparte kWh muss nicht produziert werden.

Dies ist der beste Beitrag zum Umweltschutz, ist wahrlich ökologisch, CO2-neutral und schont den Geldbeutel.

Dr. rer. nat. Stefan Kluge

(Dipl. Chem. univ.)

84032 Landshut

Mitglied des Bezirksvorstandes Niederbayern

  • ·         des Arbeitskreises Umweltschutz und Landesentwicklung
  • ·         des Arbeitskreises Energiewende