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Naturschutz

Das Stadtratsplenum ist, wie am 7.7.2020 bereits der Umweltsenat dem Antrag der CSU-Fraktion vom      einstimmig gefolgt und hat im Sinne von Natur- und Klimaschutz beschlossen:

1. Vom Bericht des Referenten über die aus der Umsetzung des erfolgreichen Volksbegehrens “Rettet die Bienen” entstandenen Selbstverpflichtungen des Freistaats Bayern, von der großen Komplexität der hierin enthaltenen Umsetzung einer klimaneutralen Verwaltung sowie von den in der Stadt Landshut bereits getätigten und geplanten Maßnahmen zur Dachbegrünung und zur Anlage von Blühstreifen wird Kenntnis genommen.

2. Die Stadt Landshut schließt sich der Selbstverpflichtung des Freistaats Bayern an, bis 2030 eine klimaneutrale Verwaltung anzustreben, die Freiflächen eigener Liegenschaften über das nach Art. 7 Abs. 1 BayBO hinausgehende Maß zu begrünen, sowie  die begrünten Teile der Trenn-, Seiten-, Rand- und Sicherheitsstreifen, Böschungen und sonstigen straßenbegleitenden Grundstücksteile (Straßenbegleitflächen) bei Kreis- und Gemeinde-straßen mit dem Ziel zu bewirtschaften, die Luftreinhaltung, die Artenvielfalt und den Biotopverbund zu fördern. Im Rahmen der Wirtschaftlichkeit und vorbehaltlich der Verkehrssicherheit sollen bei Kreis- und Gemeindestraßen die Straßenbegleitflächen als Magergrünland bewirtschaftet und Lärmschutzanlagen begrünt werden.
Die Verwaltung wird beauftragt, entsprechende Maßnahmen zu planen und umzusetzen, soweit dies ohne nähere Datengrundlage (z.B. Klimagutachten) oder ministerielle Handlungsanleitung möglich ist.

Der Antrag:


Hierzu die Vormerkung der Verwaltung:
Das erfolgreiche Volksbegehren “Rettet die Bienen” hat dazu geführt, dass der Freistaat Bayern die Inhalte des Volksbegehrens weitestgehend umgesetzt hat und dazu mehrere Gesetze und Vorschriften geändert hat.
Im Rahmen der vielfältigen Gesetzesänderungen hat der Freistaat Bayern drei Selbst-verpflichtungen verankert. ” In Artikel 11 c des Bayerischen Naturschutzgesetzes verpflichtet sich der Freistaat Bayern zu einer Vorbildfunktion beim Klimaschutz für seine Behörden und Einrichtungen der unmittelbaren Staatsverwaltung. Dazu soll bis 2030 eine klimaneutrale Verwaltung erreicht werden. Diese Selbstverpflichtung soll künftig in Art. 3 des im Entwurf bereits vorliegenden Bayerischen Klimaschutzgesetzes geregelt werden. ” In Artikel 7 Abs. 2 der Bayerischen Bauordnung verpflichtet sich der Freistaat Bayern dazu, die in seinem Eigentum stehenden Gebäude und ihre zugehörigen Freiflächen über Abs. 1 hinaus angemessen zu begrünen oder zu bepflanzen, soweit nicht baurechtliche, satzungsrechtliche, denkmalschützende oder sonstige Festlegungen dagegen stehen. Abs. 1 regelt nur pauschal die Begrünung der nicht überbauten Grundstücksflächen. ” In Artikel 30 Abs. 2 des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes verpflichtet sich der Freistaat Bayern dazu, die begrünten Teile der Trenn-, Seiten-, Rand- und Sicherheits-streifen, Böschungen und sonstigen straßenbegleitenden Grundstücksteile (Straßen-begleitflächen) bei Staatsstraßen mit dem Ziel zu bewirtschaften, die Luftreinhaltung, die Artenvielfalt und den Biotopverbund zu fördern. Im Rahmen der Wirtschaftlichkeit und vorbehaltlich der Verkehrssicherheit sollen bei Staatsstraßen die Straßenbegleitflächen als Magergrünland bewirtschaftet und Lärmschutzanlagen begrünt werden. Den kommunalen Gebietskörperschaften und den Gemeinden wird jeweils empfohlen, diese Selbstverpflichtungen zu übernehmen. Eine solche Empfehlung im Gesetzestext hat durchaus den Charakter einer Aufforderung. Alle drei Aspekte bedeuten mehr oder weniger gravierende Umplanungen in einzelnen Bereichen. Vor allem der Schritt zu einer klimaneutralen Verwaltung beinhaltet eine sehr umfassende Komplexität, wenn man sich die Abläufe in einer klassischen Verwaltungsstruktur vor Augen führt. Das Hauptamt – Sachgebiet Organisation – und das Klimaschutzmanagement empfehlen dazu, sich dabei an den noch zu erstellenden Vorgaben des Freistaats Bayern zu orientieren.
Die Vorbildfunktion öffentlicher Verwaltungen in Bezug auf Klimaneutralität ist unbestreitbar. Foto: Klartext.LA

Mit bis zu 18 Zentimetern ist der Kammmolch die größte und zugleich wohl spektakulärste heimische Molchart. Der „Wasserdrachen“ gilt in Bayern derzeit als stark gefährdet. Um die Bestände in den Isarauen zu schützen, wurde in diesem Jahr ein Nachzuchtprogramm durchgeführt. Kammmolchlarve: Foto Kathrin Kaltenbacher


PRESSEMITTEILUNG

Maßnahmen im Naturschutz für den sehr seltenen Kammmolch

In Zusammenarbeit mit dem Gebietsbetreuer Fabian Hertrich, den unteren Naturschutzbehörden von Stadt und Landkreis Landshut und der Ökologin Kathrin Kaltenbacher ist in diesem Jahr ein Nachzuchtprogramm für den Kammmolch durchgeführt worden, um die Bestände in den Isarauen zu stützen. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln der Regierung von Niederbayern. Ziel ist es, den derzeit lückig verbreiteten Molch wieder flächendeckend und langfristig anzusiedeln.

Mit bis zu 18 Zentimetern ist der Kammmolch die größte und zugleich wohl die spektakulärste heimische Molchart. „Mit seinem gezackten Rückenkamm und seinem perlmutt-silbrigen Band an den Schwanzseiten („Milchstreifen“) im Hochzeitskleid erinnert das Kammmolchmännchen ein wenig an Drachen aus einem Märchen oder sogar an urzeitliche Dinosaurier“, sagt Fabian Hertrich, der als Gebietsbetreuer für die Stadt und den Landkreis Landshut zuständig ist. In ihrer Landtracht ähneln sie oft großen Bergmolchen, sind aber an ihrer gelben bis orangen Unterseite mit der individuellen schwarzen Fleckenzeichnung zu unterscheiden.
Im Frühling wandern die Molche von ihrem Landlebensraum wieder in ihre Laichgewässer. Während der Balz wedelt das Männchen mit kräftigen Schwanzbewegungen dem Weibchen Pheromone zu. Ist der Balztanz überzeugend genug, nimmt das Weibchen das vom Männchen abgesetzte Samenpaket auf, womit es bis zu 400 Eier befruchten kann. Wie auch bei allen anderen Molcharten wickelt das Weibchen mit ihren Hinterbeinen jedes Ei einzeln in ein umgefaltetes Wasserpflanzenpaket. Zwischen Juni und Oktober verlassen die erwachsenen und die metamorphosierten Molche wieder die Gewässer und suchen ihre Landlebensräume auf. Als Winterquartiere besiedeln sie vor allem strukturreiche Bereiche mit Verstecken in wenigen hundert Metern Entfernung um das Gewässer.

Zu seinen ursprünglichen Lebensräumen zählen tiefe, strukturreiche Tümpel der Flussaue. „Durch Kanalisierung der Fließgewässer und der damit eingeschränkten Hochwasserdynamik gingen diese Habitate allerdings weitestgehend verloren“, erklärt Fabian Hertrich. Da sich die Fließgewässer immer weiter eintiefen, sinkt auch der Grundwasserspiegel, weshalb die Kleinstgewässer in den Auen zu schnell austrocknen beziehungsweise gar nicht mehr Wasser führen. Ein weiteres Problem wird in der teichwirtschaftlichen und in der fischereilichen Nutzung von Teichen und Weihern gesehen. Dabei wirken sich vor allem das vollständige Ausräumen der Gewässervegetation und der Besatz mit Fischen negativ auf die Bestände aus, denn Kammmolche sind auf fischfreie Gewässer mit einer ausreichenden Unterwasserpflanzenschicht angewiesen, in der sie sich verstecken können.

Der Kammmolch gilt in Bayern derzeit als stark gefährdet (Rote Liste 2) und ist durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) im Natura 2000-Netzwerk geschützt. Bei der Natura 2000 handelt es sich um ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. „In Landshut gibt es einiger dieser Schutzgebiete“, so der Gebietsbetreuer: „Darunter zählen die Isarauen von Unterföhring bis Landshut und die Leiten der Unteren Isar, in denen der Kammmolch noch heimisch ist.“
Um die Bestände langfristig zu schützen, sind auch in den nächsten Jahren Nachzucht- und Ansiedelungsprojekte im Raum Landshut geplant. Als Ansiedelungsstandorte werden hierfür bereits durch den Landschaftspflegeverband Landshut e.V. gestaltete Amphibienlebensräume verwendet, die schon bei anderen Arten wie dem Laubfrosch und der Gelbbauchunke Erfolge erzielten.

Fotos


2. Kammmolchmännchen: Foto Kathrin Kaltenbacher


3. Gebietsbetreuer Fabian Hertrich und die Ökologin Kathrin Kaltenbacher (im Bild): Foto Stadt Landshut

Neben der stark beschädigten Esche im Pfarrgarten an der Klötzlmüllerstraße 2 wurde eine Betonwand an der Grundstücksgrenze errichtet.

Zwei Pfarrgärten, einer in der Klötzlmüllerstraße im Westen der Stadt 

und der andere in Alt-Auloh zwischen der Stauseestraße (Gnadenkirche) und  der Oderstraße.
Letzteres gehweglose Straßen in einem allgemeinen Wohngebiet.


Die Esche im Pfarrgarten an der Klötzlmüllerstraße 2 steht fast an der Grundstücksgrenze und wurde nun bei Bauarbeiten im Nachbargrundstück arg in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem mindestens die Hälfte der Wurzeln zerstört wurden ist davon auszugehen, dass der Baum aus Sicherheitsgründen beseitigt werden muss.
Die Umgebung der Esche war bisher bereits versiegelt (Garagenzufahrt). Die Tageszeitung berichtete ausführlich über die Behandlung im Umweltsenat vom 7.7.2020 (siehe Anlage), die aufgrund eines Dringlichkeitsantrages der Stadträte Hedwig Borgmann und Dr. Thomas Keyßner (Die Grünen) erfolgte.
Einstimmig wurde dann nach längerer Debatte in öffentlicher Sitzung unter Tagesordnungspunkt 6 beschlossen:
“…über die erhebliche Schädigung einer Esche im Wurzelbereich bei der Baumaßnahme Klötzlmüllerstraße 4 wird ebenso Kenntnis genommen wie von der Tatsache, dass die Baumaßnahme in Bezug auf die Esche nicht wie beantragt und genehmigt ausgeführt wurde…”
und
“Nach Abklärung über das konkrete Vorgehen mit dem Baumeigentümer und den artenschutzrechtlichen Anforderungen, empfiehlt der Umweltsenat ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen des schwerwiegenden Verstoßes gegen die Baumschutzverordnung einzuleiten.”

Ganz anders war bei dem Tagesordnungspunkt 2 in der selben Sitzung. Hier ging es um die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes Nr. 07-4 “Östlich Oderstraße” im beschleunigten Verfahren. In dem seit Jahrzehnten weitgehend der Natur überlassenen Pfarrgarten (derzeit Sondergebiet “Gemeingebrauch Kirche”) soll nach dem Willen von “Answerk Landshut e.V. in Projektkooperation mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Landshut/Auloh” eine Anlage für inkludiertes Wohnen und Arbeiten entstehen.
Konkret soll eine Wohnanlage entstehen die sich über drei Vollgeschosse erstreckt und eine Zentralküche mit Anlieferzone vorsieht. Damit würde die bisher höchste bauliche Verdichtung in Alt-Auloh erreicht werden. Der naturnahe Pfarrgarten wäre unwiederbringlich zerstört – 22 geschützte Bäume würden zumindest zum Teil entfernt.
Während bei der leider erheblich geschädigten Esche die Stadträte der Grünen noch für den vorgenannten Beschluss stimmten und das Schicksal des Einzel-Baumes im Pfarrgarten der Christuskirche – zu Recht – beklagten, nahmen die Grünen-Stadträtinnen Hedwig Bergmann und Sigrid Hagl am Schicksal der Natur-Insel Pfarrgarten mit insbesondere 22 geschützten Bäumen in Alt-Auloh keinen Anteil.
“Den Antrag der Stadträtin März-Granda auf 2. Lesung, verbunden mit dem Auftrag durch Herrn Stadtrat Schnur, einen Baumbestandsplan vorzulegen,…”
wurde mit 6 zu 5 Stimmen entsprochen.

Für eine weitergehende Prüfung der Erhaltenswürdigkeit des Pfarrgartens stimmten:
Falk Bräcklein
Elke-März Granda
Christian Pollner
Traudl Rössl
Rudolf Schnur
Wolfram Schubert

Gegen weitere Prüfungen von Naturschutzbelangen stimmten:
Hedwig Borgmann  “…(das Bauvorhaben ist) dort gut angesiedelt auf der Fläche…”
Sigrid Hagl
Dr. Thomas Haslinger, 2. Bürgermeister und Vorsitzender des Umweltsenates
Hans-Peter Summer    “…(das Bauvorhaben ist) gut in Auloh angesiedelt…”
Jürgen Wachter

Bereits vor der Behandlung im Umweltsenat hatten sich alle Nachbarn des Pfarrgartens per Unterschriftenliste an Oberbürgermeister Alexander Putz und 2. Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger gegen eine Zerstörung des Naturidylls Pfarrgarten ausgesprochen. Mittlerweile haben sich ehemalige Bewohner des Pfarrgrundstücks in Auloh zu Wort gemeldet und die Schutzwürdigkeit des letzten unberührten Natur-Trittsteins zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Stausee belegt und bekräftigt. So ist das Vorkommen von zahlreichen Reptilien, wie Zauneidechsen und Blindschleichen gesichert. Auch die Schlingnatter wurde früher in dem Garten angetroffen. Die Schlingnatter ist gemäß Anhang IV der FFH-Richtlinie und §44 BNatschG geschützt und bekannt dafür, dass sie naturnahe Gärten besiedeln kann, wenn sie für die Art erreichbar sind.

Fotos/Grafik: Klartext.LA

Link zum vorherigen Artikel zu dem Thema: https://www.klartext.la/eine-zentralkueche-im-naturidyll/

RS

Von der nachhaltigen Pflege im Naturschutzgebiet profitieren stark gefährdete und extrem seltene Arten wie der Bienenfresser (im Bild).
Foto: Herbert Henderkes, Landesbund für Vogelschutz

PRESSEMITTEILUNG
Erfolg einer nachhaltigen Pflege und engen Zusammenarbeit im Naturschutz

Häufiger ist in letzter Zeit zu beobachten, dass gefährdete Vogelarten das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ aufsuchen. So wurden in diesem Jahr zahlreiche seltene gefiederte Gäste festgestellt, die das einst militärisch genutzte Areal als Durchzugs- oder auch als Brutgebiet und für die Aufzucht der Jungen nutzen.
Neben den bereits erfolgreichen Bruten in den Kernzonen kommt nun ein weiteres Brutpaar der Heidelerche hinzu. Hinweisschilder in der Ochsenau deuten darauf hin, dass auch hier der in Bayern stark gefährdete Vogel brütet. „Das ist großartig“, freut sich der Gebietsbetreuer Fabian Hertrich, der neben dem Auwald westlich von Landshut auch für das Gelände am „Ehemaligen Standortübungsplatz“ zuständig ist. „Nach 16 Jahren wieder Bruterfolge verzeichnen zu können – und das gleich vier Mal – kann kein Zufall sein“. Denn neben der Heidelerche sind es viele weitere stark gefährdete oder sogar vom Aussterben bedrohte Arten, die sich auf ihrem Zug im Naturschutzgebiet niederlassen, sei es nur zur Zwischenstation oder für ihr Brutgeschäft. Dazu zählen zum Beispiel der Bienenfresser, das Braunkehlchen, der Wiedehopf oder der Wendehals. All diese Arten profitieren von der nachhaltigen Pflege im Naturschutzgebiet.
Als ideale Bewirtschaftungsform zeigt sich hier die langjährige Beweidung des Gebietes. Diese schützt die Flächen vor Sukzession und begünstigt die artenreichen Mager- und Trockenwiesen, die optimale Lebensraumbedingungen für viele Tier- und Pflanzenarten darstellen. Ein zusätzlicher Effekt der Beweidung ist, dass die Artenvielfalt der Pflanzen und somit das Vorkommen der Insekten steigen, welche wiederum eine gute Nahrungsgrundlage für die Vogelwelt bilden. So betont Hertrich, „dass man an diesem Beispiel erneut sehen kann, wie wichtig es ist, dass Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen“. Beispielsweise werden, um Störungen in den Brutgebieten der Heidelerche zu vermeiden und um bestimmte Pflanzen zu schützen, betroffene Flächen in der „heißen Phase“ aus der Beweidung genommen. Davon profitieren nicht nur die eine, sondern auch viele andere Vogelarten wie der Baumpieper oder der Steinschmätzer. Eine enge Absprache mit den vielen Akteuren im Gebiet ist dabei von großer Bedeutung. Die gute Zusammenarbeit zwischen den Naturschutzbehörden von Stadt und Landkreis Landshut, der Regierung von Niederbayern, den Flächeneigentümern und den verschiedenen Naturschutzverbänden wie dem Landschaftspflegeverband Landshut e.V. trägt also sichtlich Früchte. Auch die Besucherlenkung spielt eine wesentliche Rolle. Beschilderungen und Gespräche vor Ort durch den Gebietsbetreuer und die Naturschutzwächter sollen die Besucher aufklären und störende Einflüsse durch den Menschen reduzieren. „Wie man an den Vögeln beobachten kann, funktioniert die Besucherlenkung weitestgehend und die Mehrheit hält sich an die Regeln“, erklärt Hertrich und möchte noch einmal darauf hinweisen, die Hunde anzuleinen und die Wege nicht zu verlassen. „Einige Arten wie der Bienenfresser, welcher bisher nur durchgezogen ist, reagieren nämlich besonders störungsempfindlich und man hofft, dass sie sich zukünftig auch für ihr Brutgeschäft niederlassen“. Um die Besucherlenkung noch zu optimieren, sind bereits Erneuerungen und Ergänzungen bei den Beschilderungen geplant. „Die Schilder sind in die Jahre gekommen und müssten beizeiten ausgetauscht werden“, erläutert Hertrich.

Wärme- und trockenheitsliebende Vogelarten als Profiteure des Klimawandels?

Bei der Zunahme bestimmter Vogelarten könnte auch ein zusätzlicher Grund eine Rolle spielen. Die zunehmende Trockenheit und die steigenden Temperaturen begünstigen die ohnehin schon mageren und schütteren Standortbedingungen. Auch hier könnte das Vorkommen der Insekten mitentscheidend sein. Die milderen, trockeneren Winter und die wärmeren Sommer in den letzten Jahren wirken sich positiv auf den Insektenschlupf aus, was der Vogelwelt wieder zugutekommt. „Tendenziell sind es besonders wärme- und trockenheitsliebende Arten, die heuer häufiger als sonst beobachtet wurden“, sagt Hertrich. Allerdings profitieren nicht alle von den wärmeren Temperaturen. Hauptsächlich sind es die Kurzstreckenzieher, die zu den Gewinnern des Klimawandels zählen. Sie reagieren flexibler auf die veränderten Standortbedingungen und passen schneller ihre Flugrouten an. Hingegen verändert sich bei Langstreckenziehern das genetisch vorgegebene Zugverhalten langsamer, wodurch sie inzwischen schwerer Brutplätze und Nahrung finden. Nicht besser sieht es übrigens auch bei einigen Amphibienarten aus. Auch wenn dies durch den langanhaltenden Regen gerade nicht den Anschein macht, sind viele Amphibien stark von der Frühjahrstrockenheit betroffen, da die Laichgewässer zum Teil vollständig austrocknen.
Dennoch macht sich die professionelle Pflege der Schutzflächen immer wieder bemerkbar. „Allein fünf Brutpaare des Baumpiepers hat der Landesbund für Vogelschutz, welcher die Vogelkartierung im Gebiet durchführt, dieses Jahr nachgewiesen“, berichtet Hertrich. Zurückzuführen ist dieser Erfolg auf Auflichtungen in den letzten Jahren. Auffällig oft hört man auch derzeit die Nachtigall. Vor allem in der Nähe der „Oxenweide“ – ein Projekt des Landschaftspflegeverbands Landshut – kann man wieder ihrem wehmütigen Gesang lauschen, welcher keine minderen als Ludwig van Beethoven oder Frédéric Chopin inspirierte. Abermals wirkt sich die Beweidung nachweislich positiv auf die Tierwelt aus. Denn die Fläche rund um die vierbeinigen Landschaftspfleger bietet vielen Tierarten einen ungestörten Lebensraum. „Es bleibt also abzuwarten, ob zukünftig die benachbarte Heidelerche dorthin ihre Jungen zur Aufzucht führt bzw. sich bei der Futtersuche beobachten lässt“, ergänzt der Gebietsbetreuer.
Eine kleine Sensation bisher ist zweifellos der Erstnachweis im Landkreis Landshut des bereits ausgestorbenen und im Zuge eines Wiederansiedelungsprojektes eingeführten Waldrapps, welcher kreisend über der Ochsenau gesichtet wurde. Es handelt sich hier um einen Ausflügler der ersten kleinen Brutkolonie aus Burghausen. Da der Vogel mit einem Sender versehen ist, lässt sich seine Herkunft genau bestimmen. Dort brüten aktuell nach über 350 Jahren wieder Waldrappe in den Nischen der Burgmauer. „Wer weiß, vielleicht findet er in Zukunft ja auch ein Zuhause in der schönen Burg Trausnitz“, so der Gebietsbetreuer Fabian Hertrich.

 

Mehr Personal für den Naturschutz

An den Stadtrat der Stadt Landshut, Altstadt/Rathaus 315, 84028 Landshut 18.09.2019

Antrag:

Mehr Personal für den Naturschutz – Im Stellenplan 2020 sind für den Naturschutz 1,5 Planstellen einzustellen.

Begründung

  1. Durch die Novellierung des Bayerischen Naturschutzgesetzes werden umfangreiche neue Aufgaben auf die Untere Naturschutzbehörde übertragen.
  2. Bisher konnten aufgrund von Personalmangels keine Artenschutz-Projekte ähnlich dem Gebäudebrüterprojekt durchgeführt werden. Allein dieses Projekt konnte die Verwaltung nur unter größten Mühen und Zeitaufwand leisten. Viele weitere Projekte, wie z.B. für Hornissen, Kleinsäuger, Fledermäuse, Wildbienen stehen noch auf der Warteliste. Zusätzlicher Zeitaufwand bringt das dringend erforderliche anschließende Monitoring mit sich.
  3. Die Stadt Landshut besitzt ca. 50 ha Flächen (Wald, Grünland, Schutzgebiete etc.), die im Laufe der letzten 20 Jahre zur Verwaltung an die Untere Naturschutzbehörde übertragen wurden. Für die ökologische Aufwertung und für die nachhaltige Pflege sind die erforderlichen Konzepte zu erstellen. Diese Maßnahmen sind aber mit dem vorhandenen Personal zusätzlich zum Tagesgeschäft nicht durchführbar.
  4. Auch bei längerer Krankheit eines Mitarbeiters der Unteren Naturschutzbehörde, muss gewährleistet sein, dass ausreichend Personal vorhanden ist, um Bußgeldbescheide zeitnah zu versenden (Ein Beispiel: Bußgeldbescheid über 100 Tausend Eure seit November 2018 für die Pressgasse wegen unerlaubter Baumfällungen ausstehend).
  5. Klimawandel und Artenschwund sind seit mehreren Jahren die anerkannt größten globalen Umweltprobleme. Dem kann nur begegnet werden, wenn auf allen politischen Ebenen dagegen vorgegangen wird. Dies bedeutet, dass gerade in der Kommunalpolitik künftig ein Handlungsschwerpunkt zu den Themen Klima- und Artenschutz zu setzen ist. Dabei sollen Projekte angestoßen und durchgeführt werden, die über das Tagesgeschäft und die klassischen Pflichtaufgaben hinaus gehen. Schließlich sollte es angesichts der nicht mehr zu übersehenden Problemen bei der Artenvielfalt und im Klimawandel selbstverständlich sein, in diesen Bereichen notwendige Gegenmaßnahem als Pflichtaufgabe zum Wohle künftiger Generationen zu sehen.

gez. gez. gez.

Dr. Thomas Haslinger – Elke März-Granda –  Rudolf Schnur

(JL-BfL Fraktion) (ÖDP) (CSU)

 

Foto: h.j.lodermeier

Bayerns Tor zur Welt beteiligt sich an „Nacht der Umwelt“

 Der Münchner Flughafen nimmt auch in diesem Jahr wieder an der Aktion „Nacht der Umwelt“ der Landeshauptstadt München teil und lädt in diesem Rahmen zu einer interessanten Entdeckungstour ein. Am kommenden Freitag, den 14. September 2018, findet eine zweistündige Flughafenrundfahrt statt, die ganz im Zeichen des Umweltschutzes am Airport steht.

Die Teilnehmer erleben auf dieser Exkursion, wie sich Naturschutz und technischer Umweltschutz mit den betrieblichen Erfordernissen eines internationalen Großflughafens in Einklang bringen lassen. Auf der von Umweltexperten des Flughafens geführten Rundfahrt innerhalb des Sicherheitsbereiches werden den Besuchern die Vorfelder sowie das Start- und Landebahnsystem unter Umweltaspekten erläutert. Neben den zahlreichen Flugzeugen können die Teilnehmer das Tanklager, den Triebwerksprobelaufstand und die Enteisungsflächen aus nächster Nähe besichtigen. Überdies werden die Gäste auch mit dem Vogelschutzgebiet am Airport vertraut gemacht. Ziel der Rundfahrt ist es, den Besuchern einen umfassenden Einblick in die nachhaltigen Umweltschutz-Aktivitäten der Flughafen München GmbH (FMG) zu vermitteln.

Die Rundfahrt ist auch für Kinder geeignet, die in Begleitung ihrer Eltern mitfahren. Erwachsene zahlen 14 Euro für das Ticket. Für Studenten, Schüler und Senioren gelten ermäßigte Preise. Wichtig: Aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen dürfen keine gefährlichen Gegenstände mitgeführt werden.

Erwachsene und jugendliche Teilnehmer ab 16 Jahren müssen ein Personaldokument mit sich führen. Neben einem Smartphone können die Gäste auch ein Fernglas oder eine Fotokamera mitbringen. Die Tour beginnt am kommenden Freitag um 17.00 Uhr und endet um 19.00 Uhr am Infozentrum im Besucherpark. Gäste, die mit dem Auto anreisen, parken im P45 kostenfrei. Die Tickets für die Rundfahrt sind ab sofort auf der Internetseite www.munich-airport.de/nacht-der-umwelt erhältlich.

Foto: Flughafen München GmbH

Nach über einer Stunde Diskussion wurde im Umweltsenat mit 6:4 für den Antrag Nr. 690 entschieden. Im Bausenat wurde dagegen ein Patt erreicht (5:5) und deswegen geht die Angelegenheit in das Stadtratsplenum!

Für den Antrag stimmten:

Im Umweltsenat: Dr. Keyßner, Rudolf Schnur, Elke März-Granda, Dr. Max Fendl, Gertraud Rössl, Hedwig Borgmann

Im Bausenat: Rudolf Schnur, Manfred Hölzlein, Lothar Reichwein, Elke März-Granda, Stefan Gruber

Gegen den Antrag:

Im Umweltsenat: Klaus Pauli, Karina Habereder, Anja König, Tilmann von Kuepach

Im Bausenat: OB Putz, Erwin Schneck, Karina Habereder, Gerd Steinberger, Tilman von Kuepach

Auloh (20.4.2018)

In einer Bürgerinformationsveranstaltung des Ortsverbandes Landshut-Ost der CSUhaben Rudolf Boesmiller und Dr. Stefan Müller-Kroehling vom Naturwissenschaftlichen Verein Landshut (NVL) am 20.4.2018 im voll besetzten Cafe Betz in Auloh ihre aktuellen Erkenntnisse von der Panzerwiese des ehemaligen Standortübungsplatzes präsentiert. Bekanntlich macht sich der NVL für einen Erhalt der Ochsenau stark und plädiert dafür, geplante Bebauungen in weniger wertvollen und nicht derart einmaligen Gebieten durchzuführen. Boesmiller berichtete von Pilzfunden stark gefährdeter und bayernweit vom Aussterben bedrohter Pilze wie dem Blauen Rötling und anderen Rötlingen und Saftlingen, die von überregional tätigen Experten als eindeutige Zeiger für die wertvollsten Magerrasengebiete deutschlandweit bezeichnet worden seien. Manche dieser Arten genössen deutschlandweiten Schutz, betonte Boesmiller. Auch die von Müller-Kroehling vorgestellten Ergebnisse aus der Welt der Insekten sprechen dieselbe Sprache. Trotz bisher nur sehr extensiver Erhebungen sind doch bereits eine ganze Reihe von Arten entdeckt worden, die in Südbayern äußerst selten und aus dem weiteren Raum Landshut nur aus dem Gebiet der ehemaligen Panzerwiese bekannt sind. Darunter sind Arten wie der Heide-Wicht, der Heide-Marienkäfer und die Kleine Diebsameise, Deutschlands kleinste Ameisen Art. Diese Insekten sind wie der Blaue Rötling an Magerrasen gebunden. Müller-Kroehling betonte, dass man noch viel zu wenig über die in der ehemaligen Panzerwiese der Ochsenau vorkommenden, „charakteristischen Arten“ der Kalkmagerrasen wisse und auch noch nicht gründlich genug berechnet habe, welche Flächengröße für deren langfristiges Überleben notwendig sei. Dabei, so Boesmiller, habe die Stadt doch zwanzig Jahre Zeit dafür gehabt, genau dies zu tun.

Genau so lange, nämlich weitere mindestens 20 Jahre, würde es selbst laut der von der Stadt beauftragten Planung dauern, um Magerrasen neu anzulegen, bis diese auch nur den maximal „halben Wert“ der gewachsenen, vorhanden Flächen erreichen könnten. Boesmiller und Müller-Kroehling betonten jedoch, dass eine Neuanlage und ein „Verfrachten auf die Hochfläche“, wo völlig andere Boden- und Klimabedingungen herrschten, überhaupt nicht dem „Stand des Wissens und der Technik“ entsprächen. Das vorliegende Ausgleichsflächenkonzept sei zum Erhalt des speziellen Wertes und der Einmaligkeit der Ochsenau ungeeignet, waren sich beide Wissenschaftler einig. Die Ochsenau sei als die „Landshuter Heide“ der größte Kalkmagerrasen des Isartals und in Südbayern einmalig, und daher für die Artenvielfalt der gesamten Region unentbehrlich. Manche der vorkommenden Arten wie der Steppengrashüpfer sind auf ganz Südbayern bezogen „reine Landshuter“, so der Referent. Diesen Fakten müssten auch die Planungen angemessen Rechnung tragen. Hierzu seien auch viel mehr Erhebungen notwendig, wie etwa die vom NVL zusammen mit der TU München und unterstützt von der Zoologischen Staatssammlung München vorgeschlagenen, zweijährigen Aufnahmen. Müller-Kroehling warf die Frage auf, ob die Stadt Landshut als „Biodiversitätskommune“ es sich wirklich leisten könne, das Angebot solcher Erhebungen auszuschlagen, nur, weil man über den speziellen Wert der eigenen Flächen gar nicht so genau Bescheid wissen wolle.

Einige Zuhörer zeigten sich sehr erbost über erfolgte Abholzungen und andere Naturzerstörungen und Eingriffe, und dass diese auch noch als Ausgleichsmaßnahmen bezeichnet würden.

Im Anschluss an den Vortrag wurde gemeinsam mit den anwesenden Stadträten Ludwig Graf und Rudolf Schnur diskutiert, warum eine Bebauung von 40% der ehemaligen Panzerwiese sich sehr negativ auf den Gesamtwert des Naturschutzgebietes, aber auch auf die Lebensqualität der Menschen in Auloh auswirken würde. Anwesende Vertreter der ehemaligenBürgerinitiative zum Schutz der Ochsenau kündigten an zu prüfen,das Bürgerbegehren speziell auch im Lichte der neuen Erkenntnisse mit neuem Leben füllen zu wollen. Gerade auch das Insektensterben habe der Öffentlichkeit die Augen geöffnet, dass man nicht so weiter machen könne, wie bisher, und manche Dinge noch einmal überdenken müsse. In diesem Zusammenhang sollten auch die Bürger ein Mitspracherecht über die Flächen in städtischem Eigentum haben. Die beiden Stadträte wiesen auf einige Ungereimtheiten in Bezug auf die Fläche hin, wie den bisher nicht vorgelegten Text des so genannten „Kompromisses“ und die offene Frage, welche Personen derzeit überhaupt über diese Fläche das Sagen haben.

Mit vielen neuen Erkenntnissen, aber ebenso vielen offenen Fragen und zugleich auch neuen Impulsen schloss die mehrstündigeVortrags- und Diskussionsveranstaltung in Auloh.