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Medikamente

Veranstaltungshinweis

 

 

Sodbrennen und Refluxerkrankung: Wenn Medikamente nicht mehr helfen

 

Circa 5 Mio. Menschen leiden an einer chronischen Refluxerkrankung, bei der es zum Zurückfließen von Magensäure und Mageninhalt in die Speiseröhre kommt. Dieser Reflux kann die Lebensqualität durch häufiges Sodbrennen erheblich einschränken und führt darüber hinaus bei längerem Bestehen zu ernsthaften Schäden an der Speiseröhre. Die primäre Therapie ist in der Regel medikamentös, jedoch bei einem Teil der Patienten nicht ausreichend. Im Rahmen des Vortrags am Dienstag, 25. Oktober 2016, erklärt Chefarzt Prof. Florian Löhe, ab wann die operative Therapie sinnvoll ist und was genau bei dieser minimal invasiven Operation gemacht wird.

Beginn ist um 18 Uhr im Klinikum Landshut, Raum Hammerbach, Ebene 0. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

 

Bild: Prof. Dr. Dr. h.c. Florian Löhe, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie

 

 

 

-hjl-

Medizin aus dem Wasserhahn!

16.9.2014  –  zm 104, Nr.18A – 2086-2090

 

Was oben reingeht, kommt in Teilen unten wieder raus. Medikamente beispielsweiseSie lassen sich im Urin der Patienten – wenn auch nur in kleinsten Spuren – nachweisen und gelangen ins Abwasser. Hinzu kommt die millionenfache Entsorgung von Altmedikamenten über die Toilettenspülung. Die daraus resultierende Belastung für die Umwelt ist alles andere als harmlos. Und auch die Qualität des Trinkwassers gerät zunehmend in Gefahr. 

 

Studien belegen, dass in Deutschland mehr als 150 verschiedene Arzneiwirkstoffe in nahezu allen Gewässern – bis hin zum Grund- und Trinkwasser – nachweisbar sind. Ob Schmerzmittel, Antibiotika, blutdrucksenkende Mittel oder Psychopharmaka – es gehört zu den unerwünschten Nebeneffekten beim Gebrauch von Medikamenten, dass die Wirkstoffe nicht vollständig vom Körper abgebaut und über den Urin direkt oder als Abbauprodukt wieder ausgeschieden werden. Auch wenn Medikamente auf die Haut aufgebracht werden, gelangen die Arzneistoffe beim Duschen oder Baden zum Teil in die Kanalisation. Über das Abwasser fließen die Rückstände in die Kläranlagen, wo die Vielzahl an chemischen Verbindungen nicht vollständig entfernt werden kann. Mit dem Ablauf aus den Kläranlagen in die Flüsse und Seen finden die chemischen Verbindungen so ihren Weg in die Umwelt und den Wasserkreislauf. Dort können sie Pflanzen, Tiere und Menschen schädigen. Zusätzlich zu den Rückständen der Human-Medikamente gelangen auch Tierarzneimittel in die Umwelt. Hauptquelle hierfür sind Gülle und Mist von behandelten Tieren, die als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht werden. Durch die ständige Wiederholung der Düngung kommt es zu einer Anreicherung von Medikamentenrückständen im Boden. Über Abschwemmung durch Starkregen und durch Versickerung gelangen die Arzneimittel in Oberflächengewässer und schließlich auch ins Grundwasser. Hinzu kommen die direkten Ausscheidungen von weidenden Nutztieren, die vorher mit Arzneimitteln behandelt wurden.

Besonders problematisch in der Tierhaltung ist die Verabreichung von Antibiotika (siehe dazu die Titelgeschichte in zm 16/2014). Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) wurden allein im Jahr 2012 rund 1600 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben. Der Verbrauch von Humanantibiotika lag im gleichen Jahr bei etwa 630 Tonnen. Von bestimmten Antibiotika wie den Sulfonamiden und den Tetrazyklinen ist bekannt, dass sie sich im Boden anreichern können. Forscher haben laut UBA nachgewiesen, dass sie dort auch von Nutzpflanzen aufgenommen und so in die Nahrungskette gelangen können. Das UBA prüft derzeit in einem Forschungsprojekt, ob bei hohen Konzentrationen an Antibiotika-Rückständen, wie sie in Gülle und Klärschlamm auftreten können, Antibiotika-Resistenzen in Mikroorganismen zusätzlich gefördert werden.

Negative Wirkung auf die Umwelt

Über die langfristige Wirkung der Arzneimittelrückstände auf die Ökosysteme liegen bisher wenige Informationen vorLaborexperimente und Freilandversuche zeigen aber negative Effekte wie ein reduziertes Wachstum, Verhaltensänderungen oder eine verminderte Vermehrungsfähigkeit bei Lebewesen in der Umwelt. Hormonreste der “Pille” haben laut der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg zur Verweiblichung männlicher Fische beigetragen. Auch sind Nierenschäden bei Fischen durch das schmerzstillende Mittel Diclofenac beobachtet worden. Und erst kürzlich ist eine Studie erschienen, die Verhaltensänderungen bei Flussbarschen auf Psychopharmaka-Rückstände im Abwasser zurückführt. Als besonders umweltrelevant – weil schon in geringen Konzentrationen toxisch für die Umwelt und oft auch sehr langlebig – haben sich Hormone, Antiparasitika und bestimmte Schmerzmittel herausgestellt. Welches Ausmaß die Umweltbelastung mit Arzneimitteln erreicht, zeigt das aktuelle Forschungsprojekt “pharmaceuticals in the environment” im Auftrag des UBA: Spuren von mehr als 630 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen sowie deren Abbauprodukte lassen sich weltweit nachweisen. Sie sind in Gewässern, Böden, Klärschlamm und Lebewesen zu finden. Insbesondere Röntgenkontrastmittel und das Schmerzmittel Diclofenac lassen sich sehr häufig und auch in höheren Konzentrationen nachweisen.  Diclofenac wurde bisher in Gewässern von insgesamt 50 verschiedenen Ländern gemessen. “Das Umweltbundesamt kann jetzt sicher belegen, dass Arzneimittelrückstände in der Umwelt weltweit ein relevantes Problem darstellen. Lösen können wir es nur global, indem wir die internationale Chemikaliensicherheit stärken”, erklärte im April dieses Jahres Thomas Holzmann, damaliger Präsident des UBA, das als Umweltbehörde direkt dem Bundesumweltministerium untersteht.

 

Hohe Konzentration von Diclofenac

 

Dem UBA zufolge liegen die meisten Daten bisher zum Schmerzmittel und Entzündungshemmer Diclofenac vor. In 35 Ländern überstiegen Messwerte die Gewässerkonzentration von 0,1 Mikrogramm pro Liter – ein Wert, der nahe der im Laborversuch ermittelten Konzentration liegt, bei der erste Schädigungen an Fischen beobachtet wurden. Dieser Wert war auch in der Diskussion als europäische “Umweltqualitätsnorm für Oberflächengewässer”. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich nunmehr darauf geeinigt, die Konzentration dieses Stoffes in europäischen Gewässern regelmäßig zu messen und mögliche Gegenmaßnahmen bei Überschreitung zu entwickeln. Neben dem Blockbuster” Diclofenac zählen zu den weltweit meist verbreiteten Wirkstoffen auch das Antiepileptikum Carbamazepin, das nichtsteroidale Antirheumatikum Ibuprofen, das auch bei Schmerzen und gegen Entzündungen ebenso wie Diclofenac zum Einsatz kommt, das Pillen-Hormon Ethinylestradiol sowie das Antibiotikum Sulfamethoxazol.

Trotz der alarmierenden Rückstandswerte im Wasser sieht das UBA “nach heutigem Wissensstand kein Risiko für die menschliche Gesundheit”, da die für den Menschen relevanten Grenzwerte nach wie vor deutlich unterschritten würden. Der Umweltverband Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht das ein wenig kritischer. Meist würden in Studien nur die Auswirkungen einzelner, ausgewählter Wirkstoffe betrachtet, heißt es in einem Hintergrundpapier der DUH. Bei der Vielzahl von nachgewiesenen Stoffen in den Gewässern seien aber durchaus additive uns synergistische Wirkungen denkbar. So wurde laut DUH bereits in Untersuchungen mit verschiedenen Wirkstoffgemischen festgestellt, dass diese zu umweltschädlichen Wirkungen führen können, obwohl dies aus dem Verhalten der Einzelwirkstoffe nicht vorhersehbar gewesen sei. Dementsprechend hoch sei der Handlungsbedarf, so die DUH.

 

Entsorgung über die Toilettenspülung

Was die Ausscheidung eingenommener Medikamente angeht, lässt sich diese von Verbraucherseite nur in sehr engen Grenzen reduzieren. Bei der Entsorgung von Altmedikamenten sieht das aber ganz anders aus. “Viele Verbraucher wissen gar nicht, dass die Art ihrer Entsorgung ein ernsthaftes Umweltproblem darstellt, erklärt Dr.Konrad Götz vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main (lSOE). Eine repräsentative Befragung des ISOE zeigt: Immerhin jeder fünfte Deutsche entsorgt gelegentlich Tabletten über den Ausguss oder die Toilette. Bei flüssigen Arzneimitteln sind es sogar fast 50 Prozent (siehe Grafik). Experten der Umweltverbände schätzen, dass allein auf diesem Weg jedes Jahr Hunderte Tonnen Arzneimittelwirkstoffe in Böden und Gewässer gelangen.

Laut einer Medienanalyse des ISOE werde der richtige Umgang mit Spurenstoffen zwar häufig thematisiert, beim Verbraucher komme das aber seit Jahren nicht richtig an. “Nur 15 Prozent der Verbraucherinnen entsorgen ihre Medikamente immer richtig, das heißt – entsprechend der von der Bundesregierung empfohlenen Praxis – über den Restmüll”, sagt Götz. Hier gehören die Pillen und Säfte hin, da der Müll heute in der Regel verbrannt wird, bevor die Überreste deponiert werden. Durch die Verbrennung ist die vollständige Zerstörung der Wirkstoffe gewährleistet.

 

Dass dies nur wenige Bundesbürger wissen, führt Götz auf die Tatsache zurück, dass es keine bundeseinheitliche Kommunikation zu diesem Thema gibt. “Jede Kommune regelt das anders. Das führt zur Verunsicherung bei den Bürgern und ist verbraucherunfreundlich. Um mögliche Gefahren für die Umwelt zu verhindern, muss zumindest eine bundesweit einheitliche Informationskampagne zur Entsorgung durchgeführt werden“, meint ISOE-Forscher Götz. Die verbraucherfreundlichste Regelung wäre seiner Meinung nach allerdings die Rückkehr zur alten Regelung, dass Medikamente in der Apotheke abgegeben werden können. Auch Ärzte können nach Meinung des Forschers zur Lösung des Problems etwas tun, indem sie sich über die Problematik von Medikamentenresten im Wasser und über umweltfreundliche Medikamentenalternativen informieren. Vonseiten der Patienten sei die Bereitschaft da: Fast 90 Prozent der Befragten wünschen sich von ihrem Arzt – bei gleicher Wirksamkeit – umweltfreundliche Alternativangebote.

Wirklich praxistauglich für den ärztlichen Arbeitsalltag ist dieser Tipp allerdings nicht, da es bislang keine zentrale Informationsquelle über die Umwelteigenschaften von Medikamenten gibt. Deshalb fordert das ISOE die Einführung eines Klassifikationsschemas für die Umweltverträglichkeit und Trinkwasserrelevanz der Wirkstoffe, wie es das beispielsweise in Schweden bereits gibt. Die Ergebnisse könnten dann leicht in die bestehende Verschreibungssoftware oder die Rote Liste integriert werden. Zurzeit scheint die Politik aber keinerlei Regelungsbedarf zu sehen. Erst im vergangenen Jahr hat der Umweltausschuss des Bundestages einen Antrag der Opposition zur Rücknahme von Altarzneimitteln zurückgewiesen. Der Versuch, ein bundeseinheitliches, von der Pharmaindustrie finanziertes Rücknahmesystem für Altarzneimittel über  Apotheken wieder einzuführen, ist damit wohl gescheitert. Den Vorstellungen der Linken zufolge sollten die öffentlichen Apotheken ab 2015 verpflichtet sein, haushaltsübliche Arzneimittelmengen zurückzunehmen.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) äußerte sich zu diesem Vorschlag einer verpflichtenden Arzneimittelrücknahme in den Apotheken nicht. Sie wies lediglich darauf hin, dass weiterhin viele Apotheken anbieten, Alt-Medikamente grundwasserneutral zu entsorgen. Dies allerdings auf freiwilliger Basis. Der Kunde muss also selbst herausfinden, welche Apotheke das sein könnte. Immerhin sieht die ABDA Apotheker in der Pflicht, ihre Kunden über die Problematik besser zu informieren. “Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten und unsere Patienten darüber informieren, dass Medikamente über den Hausmüll entsorgt werden dürfen”, so Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

 

EU-Richtlinie nicht umgesetzt

 

Zwar verpflichtet eine EU-Richtlinie die Mitgliedstaaten bereits seit 2004 zur Einrichtung von geeigneten Sammelsystemen für abgelaufene oder ungenutzte Medikamente. Doch Deutschland hat die Richtlinie bis heute nicht umgesetzt. Nach Überzeugung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wäre die Einführung eines eigenen Sammel- und Rücknahmesystems für Arzneimittel jedoch dringend nötig, solange Altmedikamente in großen Mengen durch Waschbecken oder Toilette entsorgt werden.

 

Altmedikamente belasten Grund- und Trinkwasser, schädigen die Natur und landen über die Nahrungskette schließlich auch beim Menschen. Die geltende Rechtslage, die auch die Entsorgung über den Hausmüll erlaubt, verstößt nicht nur gegen EU-Recht, sondern auch gegen den gesunden Menschenverstand. Deutschland braucht dringend ein einheitliches Sammelsystem für Altmedikamente”, betont DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Zur Abhilfe müsse zügig eine getrennte Erfassung und Beseitigung alter Arzneimittel aufgebaut werden. Im Zentrum des Sammelsystems sieht auch die DUH die Apotheken. Die Verbraucher müssten auf bundesweit einheitliche Rückgabemöglichkeiten in Apotheken zurückgreifen können. Klare Informationen darüber sollten sie dementsprechend bereits beim Kauf am Ausgabeort derMedikamente erhalten. Die Kosten für das Sammel- und Entsorgungssystem sollen, so wünscht es sich die DUH, von den Arzneimittelherstellern übernommen werden.

 

Grafik zur Entsorgung:

Von: Otmar Müller – Gesundheitspolitischer Fachjournalist

Redaktionsbüro Köln  –  mail@otmar-mueller.de

 

Medikamenten-Entsorgung: Verbraucherwissen mangelhaft

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Arzneimittelrückstände im Wasser sind ein weltweites Umweltproblem. Auch in Deutschland werden mehr als 150 verschiedene Wirkstoffe in nahezu allen Gewässern nachgewiesen, bis hin zum Grund- und Trinkwasser. Die Spurenstoffe aus Schmerzmitteln, Antibiotika, blutdrucksenkenden Mitteln oder Psychopharmaka stammen meist aus häuslichen Abwässern – doch viele Verbraucher wissen gar nicht, dass sie die Verursacher sind. Eine repräsentative Befragung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat große Wissenslücken im Umgang mit Arzneimitteln ausgemacht.

Es ist ein unerwünschter Nebeneffekt beim Gebrauch von Medikamenten: Der Wirkstoff wird nicht vollständig vom Körper abgebaut und über den Urin direkt oder als Abbauprodukt wieder ausgeschieden. Über das Abwasser fließen die Arzneimittelwirkstoffe in die Kläranlagen, wo die Vielzahl an chemischen Verbindungen nicht vollständig entfernt werden kann. Mit dem Ablauf aus den Kläranlagen in die Flüsse und Seen finden die Rückstände so wieder zurück in die Umwelt und den Wasserkreislauf. „Knapp der Hälfte der 2000 vom ISOE befragten Deutschen ist überhaupt nicht bekannt, dass allein schon durch die Einnahme von Medikamenten Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen“, sagt ISOE-Forscher Konrad Götz. „Erstaunt haben uns bei der Befragung aber vor allem die großen Wissenslücken bei der richtigen Entsorgung von flüssigen Medikamentenresten.“

Wissenslücke Arzneimittelrückstände – Risiken für die Umwelt

47 Prozent der Deutschen entsorgen flüssige Medikamentenreste falsch, nämlich über die Spüle oder die Toilette. „Damit hat sich die Wissenslücke bestätigt, die wir bei einer ähnlichen Befragung 2007 festgestellt haben“, sagt Konrad Götz. Laut einer Medienanalyse des ISOE werde der richtige Umgang mit Spurenstoffen zwar häufig thematisiert, beim Verbraucher komme das aber seit Jahren nicht richtig an. „Nur 15 Prozent der VerbraucherInnen entsorgen ihre Medikamente richtig, das heißt – entsprechend der von der Bundesregierung empfohlenen Praxis – über den Restmüll“, sagt Konrad Götz. Der Restmüll wird heute nicht mehr auf Deponien gelagert, sondern verbrannt. Dadurch ist die vollständige Zerstörung der Wirkstoffe gewährleistet. „Die Entsorgung über den Hausmüll ist deshalb derzeit zwar der umweltfreundlichste Weg – weil viele Verbraucher das nicht wissen, ist es aber genaugenommen nur der zweitbeste“, folgert Götz. „Am verbraucherfreundlichsten wäre es, zur alten Praxis zurückzukehren.“ Bis 2009 konnten Medikamente in den Apotheken zurückgegeben werden, wo sie professionell entsorgt wurden.

Patienten wünschen sich umweltfreundliche Alternativen

Denn wenn die Wirkstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, können sie Tier- und Pflanzenwelt gefährlich werden: Hormonreste der „Pille“ haben nachweislich zur Verweiblichung männlicher Fische beigetragen. Auch sind Nierenschäden bei Fischen durch das schmerzstillende Mittel Diclofenac beobachtet worden sowie Verhaltensänderungen durch Psychopharmaka. „Um mögliche Gefahren für die Umwelt zu verhindern, muss endlich eine wirksame Informationskampagne zur Entsorgung durchgeführt werden“, ist sich ISOE-Forscher Götz sicher. Wichtig sei aber auch, dass sich Ärzte über die Problematik von Medikamentenresten im Wasser und über umweltfreundliche Medikamentenalternativen informieren. Vonseiten der Patienten sei die Bereitschaft da: Fast 90 Prozent der Befragten wünschen sich von ihrem Arzt – bei gleicher Wirksamkeit – umweltfreundliche Alternativangebote.

Die Repräsentativbefragung zur Medikamenten-Entsorgung wurde im Projekt „TransRisk – Charakterisierung, Kommunikation und Minimierung von Risiken durch neue Schadstoffe und Krankheitserreger im Wasserkreislauf“ durchgeführt. TransRisk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des BMBF-Schwerpunktes „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf“ (RiSKWa) gefördert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Thomas Ternes, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz.

ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main

Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität sowie Bevölkerungsentwicklung und Versorgung.

Ansprechpartner:

Dr. Konrad Götz
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Tel. +49 69 707 69 19-21
goetz@isoe.de

 

Experten weisen Medikamenten-Cocktail in Alster-Zuflüssen nach

 

 

Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/wandsbek/article118914131/

 

Arzneimittel-Müll belastet Alster-Zuflüsse

 

Medikamentenrückstände in den Alster-Zuflüssen – Experten weisen 17 Wirkstoffe nach. Schmerzmittel, Betablocker, Antibiotika – Werte häufig doppelt so hoch wie die EU-Norm

 

Von Edgar S. Hasse

 

Hamburg. In der Alster und den kleinen Flüssen Ammersbek, Kollau und Osterbek schwimmen nicht nur Algen und Fische, sondern Reste von Schmerzmitteln, Betablockern, Antidepressiva und Antibiotika. Und das schon seit Jahren. Fast eine ganze Apotheke kommt da zusammen, wie Abendblatt-Recherchen jetzt ergeben haben. Allein in der Ammersbek hat das Institut für Hygiene und Gesundheit 17 Medikamenten-Wirkstoffe kontinuierlich nachgewiesen – vom Lipidsenker bis zum Röntgenkontrastmittel.

 

Verursacher ist der Mensch, der viele Medikamente schluckt, biologisch nicht aufgenommene Substanzen ausscheidet und darüber hinaus Pillen unsachgemäß in die Toilette kippt. Aus diesen Gründen liegt die über einen langen Zeitraum gemessene Arzneimittel-Konzentration im Einzugsgebiet der Alster über der EU-Qualitätsnorm. Besonders auffällig ist das beim Schmerzmittel Diclofenac.

Während die EU-Umweltqualitätsnorm im Jahresdurchschnitt bei 0,1 Mikrogramm/Liter liegt, wurden bei der Einmündung der Ammersbek in die Alster 0,2 Mikrogramm gemessen. Zum Vergleich: In der Elbe bei Seemannshöft sinkt der Wert auf 0,05 Mikrogramm. Politiker und Naturschützer sind nun alarmiert. Nabu-Gewässerschutz-Experte Eike Schilling: “Die relativ hohen Konzentrationen können die Fische schädigen.” Und der Alstertaler CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thilo Kleinbauer fordert dringend weitere Sachinformationen. “Da schwimmt schließlich ein ganzer Medikamenten-Cocktail.” Er sehe aber keinen Grund, in Panik zu verfallen.

 

Dass dieses Thema jetzt an Brisanz in der Politik gewinnt, hängt mit den Volksdorfer Teichwiesen zusammen. Seit einigen Jahren haben sie mit schlechter Wasserqualität zu kämpfen – zu viele Nährstoffe und zu viele Algen. Bei näheren Untersuchungen wurden nicht nur Nitrate, sondern offenbar auch Rückstände von Arzneimitteln entdeckt. Um der Sache auf den Grund zu gehen, befasst sich am Dienstag der Umweltausschuss der Wandsbeker Bezirksversammlung in öffentlicher Sitzung mit dem Thema “Arzneimittel im Alstereinzugsgebiet”. Ein Experte soll die Abgeordneten auf den neuesten Stand der Dinge bringen. “Zu diesem Thema sind wir aufgrund der Belastung der Volksdorfer Teichwiesen gekommen”, erklärt Claudia Simon (SPD), Vorsitzende des Umweltausschusses. “Dabei erfuhren wir nebenbei, dass hier auch Medikamente eine Rolle spielen.”

 

Tatsächlich sind bundesweit viele Gewässer mit den Rückständen von Arzneimitteln mehr oder weniger stark belastet. “Arzneimittel”, sagt Udo Rohweder vom Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt, “treten in nahezu allen Fließgewässern auf.” Und das mit Langzeitwirkung. So zeigte eine mehrjährige Untersuchung am Rhein, dass durchschnittlich 25 Prozent der jährlich verwendeten Durchschnittsmenge der 20 am häufigsten gemessenen

Arznei- und Röntgenkontrastmittel die deutsch-niederländische Grenzmessstelle Lobith passiert.

 

Nabu-Gewässerschutz-Experte Eike Schilling steht am Ufer der Alster und zeigt sich besorgt. “Hier wurde gleich eine Reihe von Grenzwerten gerissen”, sagt er und verweist auf den Verstoß bei Diclofenac gegen eine Umweltqualitätsnorm der EU-Kommission vom Januar 2012. Gerade bei diesem Schmerzmittel hätten Experten nachgewiesen, dass bereits vergleichsweise geringe Konzentrationen wichtige Organe der Fische wie Leber, Niere und Kiemen teilweise stark schädigen können. “Auch wirken sich die Substanzen schädlich auf die Fortpflanzung von Organismen aus.” Zudem könnten durch die ständigen Arzneimitteleinträge Wasserpflanzen-Arten dezimiert werden. Sechs Medikamentenwirkstoffe wurden in der Alster gemessen, darunter mehrere Röntgenkontrastmittel und Lipidsenker. Ob er denn noch Fische aus der Alster essen würde? “Ja”, sagt Schilling, “aber nicht jeden Tag.” Was den Naturschützer besonders überrascht, ist die Tatsache, dass im Einzugsgebiet Klärwerke fehlen. Deshalb müsse jetzt genau nach der eigentlichen Ursache der Verunreinigungen gesucht werden.

 

Grundsätzlich sind die meisten Klärwerke in der Lage, das Abwasser in drei Stufen zu filtern. Dennoch lassen sich bundesweit rund 100 Arzneimittel im Abwasser nachweisen. Eine gesundheitliche Gefährdung für den Menschen sieht das Umweltbundesamt dennoch nicht. “Trinkwasserhygienisch sind diese Spuren zwar unerwünscht, für den Menschen besteht dadurch aber keine Gesundheitsgefahr.” Auch in der Umweltbehörde heißt es, die seltenen Befunde von Arzneistoffen im Trinkwasser seien “sehr weit unter therapeutischen Dosen”. Welche kleinen Gewässer darüber hinaus mit Arzneimitteln belastet sind, ist öffentlich noch nicht bekannt. In der Umweltbehörde hieß es lediglich, das Alstereinzugsgebiet werde ebenso wie andere Oberflächengewässer in Hamburg auf Arzneistoffe untersucht.

 

Huber: Ambrosia frühzeitig eindämmen – Bayerisches Aktionsprogramm zur Ambrosiabekämpfung 2013 gestartet

Huber: Ambrosia frühzeitig eindämmen

Die ursprünglich in den USA beheimatete Pflanze “Beifuß-Ambrosie” breitet sich seit den 1990er Jahren auch in Bayern aus. Seit dem Jahr 2007 wird gegen die Ausbreitung der Pflanze in Bayern systematisch mit dem “Aktionsprogramm Ambrosiabekämpfung” vorgegangen. “Wissenschaftliche Studien zeigen, dass 30 Prozent der untersuchten Allergiker in Bayern auf Ambrosia sensibilisiert sind, die Hälfte davon zeigt bereits allergische Reaktionen. Deshalb wollen wir in Bayern die Verbreitung eindämmen, um schwerere Erkrankungen zu vermeiden”, betonte der Bayerische Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber anlässlich der Ambrosiabekämpfungsaktion 2013.

Die Pollen der Pflanze gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern beim Menschen und sind wesentlich für die Auslösung von saisonalem Asthma und Heuschnupfen verantwortlich. Schon geringe Pollenmengen von ein bis drei Pollen pro Kubikmeter in der Luft reichen aus, dass empfindliche Menschen eine Ambrosia-Allergie entwickeln können. Huber: “Allergien sind letztlich nur durch Medikamente behandelbar. Dies bedeutet hohe Folgekosten im Gesundheitswesen. Auch in Deutschland könnten nach Schätzungen des Umweltbundesamtes durch Ambrosia jährliche Kosten im Gesundheitswesen in zweistelliger Millionenhöhe entstehen. Gerade deshalb ist es wichtig, entschlossen gegen die Ausbreitung vorzugehen.” Um die Ausbreitung der Pflanze wirksam zu bekämpfen, steht die Entfernung aus der Landschaft noch vor ihrer Blütezeit von etwa Mitte Juli bis Ende Oktober im Vordergrund. Huber: “Wir müssen die Pflanze sprichwörtlich bei der Wurzel packen. Dabei setzen wir auch auf die Mithilfe der Bevölkerung. In allen Landratsämtern stehen Ambosia-Beauftragte als kompetente Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Verfügung.” Im Rahmen des Programms wird die Bevölkerung aufgerufen, entdeckte Einzelpflanzen und Nester selbst auszureißen und insbesondere Bestände innerhalb von Haus- und Kleingärten eigenständig zu bekämpfen. Verdachtsbestände ab ca. 100 Pflanzen soll die Bevölkerung den Kreisverwaltungsbehörden melden, die sich dann um die Bekämpfung kümmern. “Das Programm ist sehr erfolgreich: Waren die Ambrosia-Bestände in der Vergangenheit nur unzureichend bekannt, werden jetzt immer mehr Bestände bei den zuständigen Behörden gemeldet. Allein im Jahr 2012 wurden 45 neue Befallsstellen mit Beständen von deutlich über 100 Pflanzen registriert. Dank der Mithilfe der Bevölkerung haben wir damit auch bessere Kenntnisse über die Verbreitung der Pflanze in Bayern”, so Huber. Insgesamt investierte der Freistaat seit dem Jahr 2006 rund 668.000 Euro für Maßnahmen zur Ambrosia-Bekämpfung. Unter anderem wurden wissenschaftliche Forschungsprojekte an beiden Münchener Universitäten gefördert, die die gesundheitlichen Auswirkungen der Pflanze untersucht haben. Außerdem wurden zur genauen Bestimmung der Bestände die Landratsämter sowie kreisfreien Städte mit GPS-Geräten ausgerüstet.

Das “Aktionsprogramm Ambrosiabekämpfung” wurde in Zusammenarbeit des Bayerischen Gesundheitsministeriums, des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sowie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erstellt.

Nähere Informationen im Internet unter http://q.bayern.de/f36w5.

 

Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert

Hamburg (ots) – Obst und Gemüse vom Discounter, Supermarkt und
Wochenmarkt können mit der Chemikalie Perchlorat kontaminiert. Das
haben Untersuchungen im Auftrag des Verbraucher- und
Wirtschaftsmagazins “Markt” im NDR Fernsehen ergeben. Perchlorat ist
ein Bestandteil von Raketentreibstoff und Feuerwerkskörpern. Außerdem
wird die Chemikalie in Medikamenten eingesetzt, gegen
Schilddrüsenüberfunktion. Wissenschaftler sind besorgt. Behörden
suchen nach einer Erklärung.

Im Fokus stehen unter anderem Wassermelonen, Zucchini und
Blattsalate. 17 Proben aus verschiedenen Herkunftsländern hat “Markt”
in einem Labor untersuchen lassen. Eingekauft in Discountern,
Supermärkten und auf dem Wochenmarkt. In fast jeder Probe hat das
Labor Perchlorat gefunden. In drei Proben waren weit mehr als die vom
Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Höchstmenge enthalten:
Zucchini aus Spanien von Lidl sowie Wassermelone aus Spanien und
Kopfsalat aus Belgien von Edeka. “Ein Wirkstoff, der in einem
Arzneimittel vorhanden ist und da eine Wirkung entfalten soll, ist in
einem Lebensmittel völlig unkalkulierbar. Perchlorat hat in
Lebensmitteln überhaupt nichts zu suchen. Vor allem für Kinder könnte
das gesundheitliche Folgen haben”, warnt Dr. Günter Lach, Chemiker
und Lebensmittelanalytiker. Das Problem: Perchlorat lässt sich von
Obst und Gemüse weder abwaschen, noch verflüchtigt es sich beim
Kochen.

“Markt” liegen darüber hinaus Unterlagen vor, die belegen, dass
die Erzeuger das neue Problem kennen. Sie haben selbst Untersuchungen
gemacht und Daten zu Perchlorat gesammelt. Eine Liste zeigt: Fast
jede Sorte Obst und Gemüse kann belastet sein.

Edeka schreibt “Markt”: “Die von Ihnen aufgezeigten Befunde nehmen
wir sehr ernst. Wir haben Kontakt mit den jeweiligen
Produzentenvereinigungen aufgenommen und sie aufgefordert, die
Kontrollen noch weiter zu intensivieren.” Der Discounter Lidl teilt
“Markt” mit, man habe “Lieferanten sensibilisiert und über die Gefahr
eines unbewussten Eintrags von Perchlorat in Obst und Gemüse
informiert”.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz (BMELV) gibt “Markt” gegenüber zu: “Das Auftreten
von Perchlorat in Lebensmitteln ist ein neues Problem. Die
zuständigen Behörden arbeiten derzeit intensiv an der Klärung der
Ursachen und an entsprechenden Maßnahmen. Da sich die Funde von
Perchlorat in Lebensmitteln nicht auf bestimmte Regionen begrenzen
lassen, hat Deutschland die EU-Kommission informiert, verbunden mit
der Bitte um eine Bewertung durch die Europäische Behörde für
Lebensmittelsicherheit EFSA.” Als mögliche Quelle für die
Kontamination vermutet das Ministerium Düngemittel.

“Hier muss eine ganz klare Regelung her, dass solche Stoffe wie
Perchlorat nicht mehr in den Produkten enthalten sein dürfen. Es sind
alle die in der Verantwortung, die die Lebensmittel an den
Verbraucher abgeben. Der Lebensmitteleinzelhandel muss entsprechenden
Druck entwickeln – auf Erzeuger und Lieferanten von solchen
Düngemitteln”, fordert Dr. Günter Lach.

Bio-Lebensmittel sind von dem Problem weniger betroffen als
konventionelles Obst und Gemüse.

Mehr zum Thema in der Sendung “Markt” am Montag, 17. Juni, um
20.15 Uhr im NDR Fernsehen und auf NDR.de/markt

Originaltext:         NDR Norddeutscher Rundfunk
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6561
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Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralph Coleman
Tel: 040-4156-2302

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pte20121128015 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie
Medikamentenüberdosis durch Grapefruits möglich
Körper kann Wirkstoffe nicht abbauen – Mittel gegen Krebs im Fokus
Grapefruits: nicht immer gesund (Foto: pixelio.de, Angelina Ströbel)
Grapefruits: nicht immer gesund (Foto: pixelio.de, Angelina Ströbel)

London (pte015/28.11.2012/10:35) – Eine halbe Grapefruit zum Frühstück ist nicht ratsam, wenn man bestimmte Medikamente einnimmt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Western Ontario http://uwo.ca . Die Interaktion zwischen Frucht und Medikamenten könnte zu einer ungewollten Überdosis führen. Das Team um David Bailey analysierte die Packungsbeilagen verschiedener Medikamente auf Hinweise nach möglichen Auswirkungen. Details der Studie wurden im Canadian Medical Association Journal http://cmaj.ca veröffentlicht.

Viele Präparate betroffen

Bailey fand heraus, dass es bei 85 Medikamenten bekannt ist, dass es zu Wechselwirkungen mit Grapefruits kommen kann. Bei 43 Mitteln kann es sogar zu schweren Nebenwirkungen kommen. Die Anzahl der betroffenen Medikamente ist seit seit 2008 durch die Einführung neuer Präparate um 24 Prozent angestiegen.

Chemikalien in der Frucht zerstören im Körper ein Enzym, das normalerweise Substanzen wie Medikamente abbaut. Das bedeutet, dass die Medikamente im Körper verbleiben und es zu einer Überdosierung kommen kann. Laut dem Wissenschaftler reicht bereits ein Glas des Fruchtsaftes aus, das Stunden vor der Einnahme getrunken wurde, um diese Wirkung zu erzielen.

Vorsicht bei Krebs-Tabletten

Die schwerste mögliche Nebenwirkung ist eine Torsade de pointes, die zum Herzstillstand und damit dem Tod führen kann. Dieser Effekt kann auftreten, wenn Grapefruits und Medikamente gegen Krebs gemeinsam eingenommen werden. Laut Bill Widmer vom US Horticultural Research Laboratory http://ars.usda.gov ist daher Vorsicht bei bestimmten Medikamenten angebracht. Laut dem Experten gibt es zudem fachliche Positionen, die von einer Überbewertung dieses Problems ausgehen, berichtet der New Scientist.

(Ende)

Aussender: pressetext.redaktion
Ansprechpartner: Michaela Monschein
Tel.: +43-1-81140-300
E-Mail: monschein@pressetext.com
Website: www.pressetext.com
pressetext.redaktion

 

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Die unsachgemäße Entsorgung alter Arzneimittel in der Toilette oder im Ausguss
ist zunehmend ein Umweltproblem

Wohin mit dem Müll aus der Hausapotheke?

Jede fünfte Tablette landet nach Schätzungen von Experten auf dem Müll. Dies ergibt Hochrechnungen zufolge, dass jährlich Medikamente im Wert von drei bis vier Milliarden Euro weggeworfen werden. (Von diesem enormen wirtschaftlichen Schaden abgesehen: Unsachgemäß entsorgte Pillen, Tinkturen und Salben haben sich mittlerweile zu einem Umweltproblem entwickelt. Immer öfter werden in Flüssen, im Grundwasser und sogar vereinzelt im Trinkwasser Arzneimittelwirkstoffe nachgewiesen, weil viel zu oft gedankenlos überlagerte Medikamentenreste in die Toilette gespült oder der Inhalt halb voller Arzneimittelflaschen in den Ausguss gegossen werden.

Das Problem hierbei ist, dass Arzneimittelwirkstoffe in biologischen Klärsystemen oft nur langsam oder gar nicht abbaubar sind. Im Durchschnitt haben die Deutschen zwischen sechs und 20 Medikamente in ihrer Hausapotheke. Viele davon wurden sicherlich lange nicht mehr gebraucht oder haben ein abgelaufenes Verfallsdatum. Was ist also zu tun, wenn die Hausapotheke mit alten Arzneimittelpackungen überquillt?

Grundsätzlich ist die “graue Tonne” nicht nur der einfachste und bequemste Weg, nicht mehr benötigte Medikamente zu entsorgen, sondern auch der umweltverträglichste. Denn seit der Hausmüll fast ausschließlich den Müllverbrennungsanlagen zugeführt wird, werden die arzneilichen Wirkstoffe auf dem Entsorgungsweg zerstört, sodass sie keine Auswirkungen mehr auf die Umwelt haben.

Viele Apotheken in Deutschland nehmen abgelaufene Arzneimittel kostenlos zurück und führen sie einer fachmännischen Entsorgung zu

Ganz falsch ist es, Arzneimittelflaschen in der Spüle oder der Toilette zu entleeren, zu säubern und dann die Glasbehälter in den Altglas-Container zu bringen. Der “Grüne Punkt”, der sich auf Verpackungen befindet, bezieht sich bei Arzneimitteln nur auf die Verpackung und nicht auf den Inhalt. Papierverpackungen können natürlich problemlos in Papiertonnen oder -containern; Kunststoffverpackungen in den gelben Tonnen oder in den dafür vorgesehenen Säcken entsorgt werden.

Bei der Beseitigung von Arzneimitteln in der grauen Tonne sollte man besonders vorsichtig sein. Kinder könnten die weggeworfenen Tabletten leicht für bunte Bonbons halten. Deshalb ist es ratsam, die Arzneimittel mit dem anderen Hausmüll zu vermischen und nicht aus den Blisterstreifen zu drücken. Auch durch Einschlagen zum Beispiel in Zeitungspapier können Arzneimittel “getarnt” werden. Spritzen und Kanülen sollten dagegen immer in stichfesten Gefäßen gesammelt werden, bevor sie in den Hausmüll kommen.
Auf einen sorgfältigen Umgang mit Medikamenten sollte man nicht nur der Umwelt zuliebe bedacht sein. Arzneimittel sind in Mitteleuropa die häufigste Ursache für Vergiftungen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Schätzungsweise 140.000 bis 160.000 Kleinkinder vergiften sich – unbeabsichtigt – jährlich in Deutschland. 30 bis 50 Kinder sterben alleine in der Bundesrepublik an den Folgen vermeidbarer Vergiftungsunfälle mit Arzneiwirkstoffen, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Erheblich gefährdet sind Kleinkinder von dem Zeitpunkt an, ab dem sie sich selbst in ihrer Umgebung bewegen können, heißt es im Ratgeber der Bundeszentrale. In ihrer Neugier stecken sich Kinder im Alter bis zwei Jahre vieles in den Mund. “Da sehen die bunten Pillen in Omas Nachtkästchen wie leckere Bonbons aus. Und das kann gefährlich werden”, sagt Dr. Volker Schmitt, Sprecher der Bayerischen Apothekerkammer.
Quelle: obx-medizindirekt Pressedienst der NewsWork AG

erschienen am: 2012-11-20 im europaticker