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Kernenergie

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomkraft-erdbebensicherheit-von-akw-gundremmingen-angezweifelt-a-957292.html

 

 

Medienerklärung II 7.3.14

 

 

 

Spiegel online berichtet, dass staatliche GRS feststellte:

AKW Gundremmingen erfüllt Sicherheitsanforderungen nicht

 

Wie heute spiegel online berichtet, beklagt die staatliche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), dass das AKW Gundremmingen die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall nicht erfüllt.

Kritisiert wird auch, dass Deutschlands größtes und gefährlichstes AKW keine im Ernstfall ausreichende Anzahl von Not- und Nachkühlsystemen hat.

Unsere Bürgerinitiative schreit: Unsere Sicherheit ist wichtiger als das Geschäftsinteresse von RWE/LEW!

 

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

 

Medienerklärung v. 7. März 14

 

 

 

Bayerische Atomaufsicht zögert schuldhaft

Abschalten bis Sicherheitsnachweise vorliegen!

 

Existenzielle Sicherheitsnachweise fehlen dem AKW Gundremmingen. Und dennoch greift die verantwortliche Bayerische Atomaufsicht nicht ein. Ohnehin gilt dieses größte Kernkraftwerk Deutschlands wegen seiner zwei veralteten Siedewasserreaktoren als das gefährlichste AKW Deutschlands. Es muss zum Schutze der Menschen mindestens so lange abgeschaltet werden, bis die Sicherheitsnachweise vorliegen.

 

Die am 12. November 13 veröffentlichte Studie „Schwachstellen und Risiken des Kernkraftwerks Gundremmingen unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung“ hat kurzzeitig die Bayerische Atomaufsicht wach gerüttelt. Bald wurde sogar die Regierung informiert. So berichtete am 10. Dezember 13 die Nachrichtenagentur dpa über die Ansicht des Ministerpräsidenten zu den Gundremminger Gefahren: >> Eine Leistungsausweitung wäre „sehr problematisch, auch wegen der ganzen Sicherheitsinformationen, die wir jetzt über Gundremmingen haben, „ sagte der CSU-Chef.<< Daraufhin zog RWE den bereits seit 1999 laufenden Antrag zur Ausweitung der Leistung zurück. Der AKW Betreiber befürchtete eine Ablehnung durch die Behörde oder spätestens vor Gericht eine Niederlage. Mit PR-Wortgeklingel deckte die RWE-Presseabteilung diesen Rückzug nach 14 Jahren.

 

Die Studie zeigt schwerwiegende Mängel und Gefahren des Gundremminger AKW auf: Die Reaktordruckbehälter sind in einer kritischen Weise konstruiert worden, wie man es heute auf keinen Fall mehr täte. Die beiden Reaktoren verfügen nicht über die für den Ernstfall notwendige Anzahl von Not- und Nachkühlsystemen. Weiterhin wies der Physiker und Professor am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Wiener Universität darauf hin, dass für das AKW Gundremmingen keine ausreichenden Nachweise vorliegen, dass auch extreme Hochwassersituationen und mögliche starke Erdbeben überstanden werden, ohne dass Radioaktivität freigesetzt wird.

 

Eine Bundestagsanfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl brachte zudem Anfang 2014 ans Licht, dass seit Jahren das AKW Gundremmingen Nachweise schuldig ist, dass die heiklen Sumpfsiebe eines Notkühlsystems im Falle einer Leckage im Hauptkreislauf ausreichend funktionieren.

 

Aber die Bayerische Atomaufsicht reagiert nicht. Sie spielt mit dem atomaren Feuer. Wir fordern, dass die beiden Reaktoren wenigstens so lange abgeschaltet werden, bis sie die notwendigen Sicherheitsnachweise vorweisen können! In einem Hochhaus sperrt man auch den Lift, wenn Sicherheitsnachweise fehlen. Wie viel notwendiger ist dies dann bei Deutschlands gefährlichster Industrieanlage!

 

05.03.2014 09:48

 

Alternde Kernkraftwerke gefährden Sicherheit in Europa

Romy Klupsch Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. – Institut für angewandte Ökologie

 

In vielen Ländern der Europäischen Union werden Kernkraftwerke zukünftig wesentlich länger betrieben als ursprünglich geplant. Zusätzlich müssen die Anlagen mehr Strom erzeugen. Sowohl das zunehmende Alter und damit verbundene Alterungseffekte als auch die Leistungserhöhung führen zu Belastungen für die Komponenten der Kernkraftwerke und können damit eine potenzielle Bedrohung für die Sicherheit der Kraftwerke sein. Dies sind wesentliche Erkenntnisse einer aktuellen Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace, die heute europaweit vorgestellt wird.

Alterung und Leistungserhöhung senken Sicherheitsmargen

Die 152 Kernkraftwerke in Europa (EU inklusive Schweiz und Ukraine) wurden technisch für eine Laufzeit von 30 bis 40 Jahren konzipiert. Heute beträgt ihr Durchschnittsalter 29 Jahre; jetzt aber sollen ihre Laufzeiten auf 50 bis 60 Jahre verlängert werden. Wird die ursprünglich geplante Laufzeit systematisch überschritten, treten zunehmend Alterungseffekte auf, die beispielsweise Materialeigenschaften verschlechtern. Schon jetzt müssen Komponenten, die korrodieren, Risse aufweisen oder spröde werden, kontinuierlich überwacht und rechtzeitig ausgetauscht werden. Wird zugleich die Leistung erhöht – das heißt, muss der Reaktor in der verlängerten Laufzeit mehr thermische Leistung erzeugen – werden die Systeme zusätzlich beansprucht.

„Paradoxerweise sind es die ältesten Kernkraftwerke in Europa, die zugleich mehr Leistung als ursprünglich geplant bringen müssen“, erläutert Simone Mohr, Nukleartechnikexpertin am Öko-Institut. „So produzieren die ältesten Kraftwerke schon heute zum Teil 20 Prozent mehr Leistung als beim Bau geplant.“

Problemfall Störfall

Die Probleme der Altanlagen entstehen dabei zum einen durch physische Alterung der Komponenten, Systeme und Bauwerke, zum anderen aufgrund des veralteten technischen und konzeptionellen Aufbaus. Zudem wurden früher geringere Anforderungen an die Auslegung von Kernkraftwerken gestellt, als dies heute der Fall wäre. So sind alte Kernkraftwerke beispielsweise häufig schlechter gegen Einwirkungen von außen wie Hochwasser, Erdbeben oder Flugzeugabsturz geschützt, als dies nach heutigen Regeln erforderlich wäre.

„Alle genannten Aspekte führen zu einer fortschreitenden Absenkung des Si-cherheitsniveaus der älteren Reaktoren in Europa“, sagt Simone Mohr. Das kann insbesondere bei Störfällen zum Problem werden, wenn der Reaktor höheren Belastungen ausgesetzt ist als im Normalbetrieb.

In den dicht bevölkerten Regionen Europas, in denen Kernkraftwerke heute stehen, sind schwerwiegende Folgen dann nicht auszuschließen. „Um ein Beispiel zu nennen: Die Schweiz betreibt heute die ältesten Kernkraftwerke in Europa. Beznau-1 ist mit 45 Jahren das älteste der Welt, Beznau-2 und Müh-leberg sind älter als 40 Jahre“, so Mohr, „Mit Fessenheim-1 und -2 in Frankreich stehen damit eine ganze Reihe alter Kernkraftwerke in einer der erdbebengefährdetsten Regionen Europas. Gäbe es hier einen Unfall mit Kern-schmelze und radioaktiver Freisetzung wie in Fukushima, könnten Millionen Menschen in und um Bern, Basel oder Zürich betroffen sein.“

Greenpeace-Studie “Lifetime extension of ageing nuclear power plants: Entering a new era of risk.” unter Mitwirkung des Öko-Instituts:
http://out-of-age.eu/wp-content/uploads/2014/02/Lifetime-extension-of-ageing-nuc…

Ansprechpartner und -partnerin am Öko-Institut:

Simone Mohr
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-146
E-Mail: s.mohr(at)oeko.de

Stephan Kurth
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-108
E-Mail: s.kurth(at)oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

LED für den besten und schnellsten Weg zur Energiewende

Johann Hartl Bisamstraße 13  84030 Ergolding   johann-hartl@gmx.de

Stellungnahme zum Interview zur Energiewende mit Prof.Dr. Michael  Sterner

In vielen Punkten ist den Ausführungen von Prof. Sterner zuzustimmen  aber einige Aussagen sind kritisch zu sehen.

Mit keinem Wort ist die Primärlösung zur Energiewende, die Verbesserung der Energieeffizienz erwähnt.

„Bilanzielle“ Anteile zur Stromverbrauchserzeugung am Beispiel Windenergie nützen uns  nichts. Entscheidend ist bei der Stromerzeugung die bedarfsabhängige Strombereitstellung. Dies gilt für die Windenergie als auch für die solare Stromerzeugung. Strom, der nicht bedarfsgerecht erzeugt  und verbraucht werden kann,  ist wertlos oder hat sogar einen negativen Wert!

Bei  „richtiger Umsetzung ist die Energiewende (Ausstieg aus der Kernenergienutzung) kein Problem“. Leider wird sie bei Beachtung des realistischen  Potenzials der erneuerbaren Energien  im energiewirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen  und ökologischen  Rahmen ein großes Problem bleiben. Einen wesentlichen Anteil zur Stromerzeugung, Wärmeversorgung und Kraftstoffversorgung können die erneuerbaren Energien nur bei einer extremen Minderung des Energieverbrauchs bringen, die leider im erforderlichen Maße nicht in den nächsten zwei Jahrzehnten  praktikabel durchsetzbar sein dürfte.  Seine Befürwortung für ein Gaskraftwerk in Pleinting halte ich für richtig. Die Energiewende kann nicht mit einem  krampfhaften  Ersatz der Kernenergie und fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien in der Praxis funktionieren.  Seine Ansichten für den erforderlichen Netzausbau  ins besonders  des Nord-Süd-Verbundes sind zutreffend. Verlustarme HGÜ-Leitungen sind hierfür die richtige Technik.

Zum Potenzial Bioenergie sollte sich Herr Prof. Sterner neben  den Verhältnissen im Landkreis Passau  an der bundesweiten Situation orientieren.  Dabei  kann auch bei einer Verminderung des gesamten Wärmeverbrauchs um z.B. 30 % nur ein kleiner Teil mit Bioenergieträgern gedeckt werden und zusätzlich soll richtigerweise auch noch Strom erzeugt werden. Sinnvoll ist es allerdings schon die örtlich gegebenen Möglichkeiten zu nutzen, wie sie  im Landkreis Passau mit vielen Wäldern gegeben sind.

Zur Energiespeichermethode „power to  gas“ hat er das Problem der hohen Kosten  angesprochen aber nicht die sehr hohen Energieverluste erwähnt. Es scheint  naheliegend zu sein,  Überschuss-Strom aus Windkraft und Photovoltaik besser mit schlechtem Wirkungsgrad zu nutzen als gar nicht. Aber  es gibt keinen Sinn für den damit wiedergewinnbaren Strom jeden Aufwand und  Preis zu akzeptieren. Die Energiewende muss schließlich bezahlbar sein. Es ist daher wichtig den Ausbau der Windenergie und besonders der Solarstromerzeugung auf das energiewirtschaftlich sinnvolle Maß zu begrenzen. In diesem Rahmen kann noch eine relativ „kostengünstige“ Wasserstofferzeugung einen gewissen Sinn ergeben.

Herr Sterner hat laut anderer Veröffentlichungen erkannt, dass die Photovoltaik der größte Preistreiber der Energiewende, bei geringer Wirkung ist. Und im „Fahrplan Energiewende“ von Dr. Pehnt und Prof.Dr. Sterner wurden auch die Energiesparmöglichkeiten behandelt.

Wichtig ist, dass Berater der Bundesregierung nicht nur die theoretischen Möglichkeiten aufzeigen sondern besonders auch die Praktikabilität und Wirkung im energiewirtschaftlichen, volkswirt-schaftlichen  und ökologischen Rahmen  beachten und darstellen. Dies gilt natürlich besonders auch für das „Bayerische Energiekonzept“,  das mehr als unbefriedigend ist.

Ich bin selbst ein Befürworter der Energiewende, aber nur wenn die praktikablen Grenzen der Möglichkeiten der erneuerbaren Energien beachtet werden und volkswirtschaftliche, ökologische  und soziale Gesichtspunkte berücksichtigt werden und wenn die primäre Chance der Energieeffizienzverbesserung massiv genutzt wird.

Unter dem nicht klar definierten Begriff Energiewende verstehe ich jedenfalls nicht den  krampfhaften Ersatz von fossilen Energieträgern und Kernenergie durch erneuerbare Energien um jeden Preis sondern die deutliche  ökologische und volkswirtschaftliche  Verbesserung der jetzigen Situation bei Inkaufnahme des Verzichts auf die Kernenergie.

 

Passau. Ob für Handwerk, Privatpersonen oder forschende Unternehmen: Die Energiewende sorgt nach Meinung von Prof. Michael Sterner schon jetzt gerade in Niederbayern für einen Wachstumsschub. Und wie der aus Aicha vorm Wald stammende Energieexperte, der an der Hochschule Regensburg in den Bereichen Energiespeicher, Energiewirtschaft und Solarenergie forscht, meint, schlummert in der Region noch weiteres Potenzial.

Herr Prof. Sterner. Sehen Sie Deutschland in Sachen Energiewende im Zeitplan?
Prof. Michael Sterner: Definitiv. Wir sind in Sachen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien viel schneller vorangekommen, als geplant. Das 35-Prozent-Ziel werden wir vor 2020 erreichen, in Bayern sowieso. Ich erinnere an Zeitungsanzeigen der Energieversorger in den 90ern, in denen behauptet wurde, dass Deutschland auch langfristig keinen Anteil der erneuerbaren Energie an der Gesamtstromversorgung höher als vier Prozent schaffen wird. Die Energieversorger haben unser Ingenieursland unterschätzt. In der Wärmewende und der Mobilitätswende sind wir aber noch nicht soweit.

Einer IHK-Studie zufolge herrscht bei vielen ostbayerischen Firmen wegen steigender Strompreise Skepsis hinsichtlich des Gelingens der Energiewende. Ist das nachvollziehbar?
Sterner: Nur bedingt. Ich sehe vielmehr die Chancen. Wenn die Wirtschaft diese umsetzt, ist der Nutzen größer als der vermeintliche Schaden.

Wo liegen denn die Chancen Ostbayerns bei der Energiewende?
Sterner: Die heimische Wirtschaft profitiert schon jetzt enorm davon. Denken Sie an das Handwerk, das sich mit Solarenergie oder Energieeffizienz beschäftigt, oder an die Betriebe wie ZF oder Loher, die Komponenten etwa für Windkraftanlagen zuliefern. Die Aufträge, die sich aus der Energiewende ergeben, haben vielen Betrieben auch über die Krise geholfen − und schaffen aktuell Wachstum; die Energiewende ist ein Wachstumsprogramm vom Ausmaß der deutschen Wende 1989/90.

Sehen Sie weiteres Potenzial?
Sterner: Unsere Region ist mit Sonne, Holz und ehrlichen, fleißigen Leuten reich gesegnet. Potenziale haben wir noch überall, auch beim Wind. Wenn wir nur zwei Prozent der bayerischen Landesfläche für Windkraftanlagen nutzen, können wir bilanziell den bayerischen Strombedarf decken. Wenn die Stromwende richtig umgesetzt wird, haben wir mit dem Abschalten der Atomkraftwerke kein Problem. Ein weiterer wichtiger Bereich für die Zukunft ist die Stromspeicherung. Und auch das ist eine Chance für die Region. Hier wird etwa am Energiezentrum in Ruhstorf an Batteriespeichern geforscht, an dem sich u.a. auch die Firma Younicos engagiert. Batterien werden neben der dezentralen Elektromobilität für die zentrale Stabilisierung der Stromversorgung sehr wichtig werden.

Sie sprechen von notwendigen Stromspeichern. Wie stehen Sie zum geplanten Pumpspeicherwerk Riedl?
Sterner: Riedl kann energiewirtschaftlich ein Segen für die Region sein, wenn der für das Hochpumpen des Wassers verwendete Strom aus erneuerbaren Energien aus der Region kommt. Dann dient Riedl als lokaler Speicher, sichert uns die Stromversorgung und ist damit leichter akzeptiert. Generell sollte Strom nur bei Überschüssen gespeichert werden. Da das schwer umzusetzen ist, wäre es besser, wenn Riedl nur dann “speichert”, wenn die Sonne scheint, oder die Wasserkraft nicht sinnvoll verkauft werden kann. Rein am Strommarkt betrieben, sorgt der Pumpspeicher bei gut ausgebautem Netz für zusätzliche Klimagase, weil er Braunkohlekraftwerke länger und Gaskraftwerke kürzer laufen lässt. Dabei brauchen wir neue Gaskraftwerke dringend, weil sie sehr gut auch längere Stromlücken füllen, und auch mit Wind-, Solar- oder Biogas betrieben werden können. Für so ein Gaskraftwerk wäre Pleinting als Standort ideal: Kraftwerkstechnik, Stromtrassen und die Gasleitung in der Nähe sind ja vorhanden.

Was bedeutet das für die Regionalpolitik?
Sterner: Mit Technik kann man vieles anfangen. Entscheidend ist, dass die Politik die richtigen Weichen stellt: Ich war vor einiger Zeit beim Passauer Landrat Franz Meyer. Ich habe ihn bestärkt, aus Pleinting was zu machen, und im Dialog mit Bürgern und Betreibern Riedl nachhaltig umzusetzen.

Sie forschen zu Energiespeichern und sind einer der Erfinder der Speichertechnologie “Power-to-Gas”. Um was geht es dabei?
Sterner: Power-to-Gas ist eine Speicherlösung für lange Stromflauten und eine große Lösung für die Mobilität: Ich kann aus Wind, Solar, Wasser und CO2 einen Kraftstoff herstellen, der konventionelle Autos antreiben kann. Mit meinem “Windgas” kann ich Energie- und Landwirtschaft kombinieren: eine Windkraftanlage nimmt anders als bei Biokraftstoffen kein Getreidefeld weg. Ich habe nahezu keine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln, und mit dem Fahrzeug eine uneingeschränkte Reichweite. Nicht umsonst haben wir Audi dafür begeistern können. Einziger Haken: die junge Technologie kostet noch sehr viel Geld.

Gerade in Ostbayern gibt es besonders viel Wald. Wie könnte man dies besser netzen?
Sterner: Die Experten vom Straubinger Zentrum für nachwachsende Rohstoffe sagen uns schon lange, dass wir noch sehr große Potenziale im Wald haben. Der Wald ist der größte Energiespeicher Bayerns. Allein im Landkreis Passau speichert der Wald im Jahr ein Energieäquivalent von 100 Millionen Liter Heizöl, in dem er Solarenergie in Holz umwandelt. Beim heutigen Heizölpreis wären das 90 Millionen Euro. Damit ließen sich 50 000 Haushalte mit Wärme versorgen. Das ist der größte Energiespeicher, den wir im Landkreis haben − und er ist in der Bevölkerung voll akzeptiert. Verglichen mit einem Pumpspeicherwerk Riedl speichert uns der Wald jedes Jahr 280 Mal so viel Energie ein. Es gibt noch viele Haushalte, die mit Erdöl heizen anstatt es in klimaneutrale Heizenergie, also in Holz, vor Ort zu investieren und damit das Geld in der Region arbeiten zu lassen. Durch einen gesunden Wald kann das Potenzial noch deutlich gesteigert werden. Leider haben wir vielerorts kaum eine gesunde Naturverjüngung, weshalb ich unseren Landrat aufgefordert habe, die bestehenden Missstände zu beseitigen, um das gesetzlich vorgeschriebene ausgewogene Verhältnis zwischen Wald und Wild wieder herzustellen. Er sollte dem Wald als Identitätsstifter, Erholungsraum und Energielieferant eine größere Rolle beimessen.

E.ON und Tennet betonen die Notwendigkeit des Milliarden Euro teuren Netzausbaus. Ist der wirklich alternativlos?
Sterner: Technisch gesehen brauchen wir für eine stabile Stromversorgung eine Ergänzung zu Wind und Solar, die alleine die Stromwende nicht stemmen können. Dazu gehören auch neue Überlandleitungen von Nord nach Süd. Wir brauchen alle Flexibilitäten im System: Netze, Speicher, flexible Kraftwerke, flexible Verbraucher – zentral und dezentral. Damit die Kosten nicht ausufern, sollten wir nach der Reihe die günstigsten Optionen umsetzen. An erster Stelle steht der Netzaus- und -umbau. Im Übertragungsnetz brauchen wir dringend die Thüringer Trasse, um das AKW Grafenrheinfeld Ende 2014 abschalten zu können. Im Verteilnetz muss ich vielerorts keine Straßen aufreißen. Es genügt, den Trafo zu tauschen. Technisch-wirtschaftlich sind die Netze klar Vorreiter, aber die gesellschaftliche Dimension ist schwierig. Eine finanzielle Bürgerbeteiligung kann hier helfen. Das ist bei Speichern und flexiblen Kraftwerken wie Gaskraftwerken leichter, aber kostspieliger. Eine Ideallösung gibt es also nicht.

Könnten nicht mit einer intelligenten Stromsteuerung viele neue Leitungen überflüssig gemacht werden?
Sterner: Wirtschaftlich gesehen brauchen wir ein neues Strommarktdesign, in dem Wind und Solar differenziert vergütet werden, und sich auch die Flexibilitäten rechnen, damit wir die Stromversorgung “wetterfest” machen können. Dazu habe ich letzte Woche in meiner Eigenschaft als Regierungsberater in Sachen Energie Bundesumweltminister Altmaier persönlich konkrete Vorschläge gemacht.

Könnten Sie ganz kurz die wichtigsten Punkte nennen?
Sterner. Es ging um die Verknappung der CO2-Verschmutzungsrechte, damit die Finanzierung der Energiewende stehen bleibt, sich Gaskraftwerke und Speicher wieder rechnen und klimaschädliche Stromerzeugung wie Braunkohle langfristig nicht mehr lohnt. Zudem muss er EEG und Strommarkt zusammenbringen, wozu eine differenzierte Förderung und Marktintegration der erneuerbaren Energien notwendig wird.

Zentral, dezentral? Was sollte bei der Energiewende Vorrang haben?
Sterner: Wir brauchen beides, aber: Die Umsetzung vor Ort ist das Entscheidende, weil hier die Energiewende real wird! Im Haus hat jeder die Energiewende selbst in der Hand: über den einfachen und nicht teureren Bezug von Grünstrom, mit Investitionen in die energetische Sanierung − und mit einem generell effizienteren und bewussteren Umgang nicht nur mit Strom, sondern auch mit allen anderen Energien. Das betrifft auch den Verkehr: Zum Vortrag am Donnerstag komme ich per Zug.

Das Interview führte Alois Schießl

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Medienerklärung v. 10. Januar 2013

2012 Stromüberschuss höher als die Produktion in Deutschlands größtem AKW

Deutschland hat im Export einen Rekordüberschuss

von 23 Milliarden Kilowattstunden erzielt

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen der deutschen Energiewirtschaft hat erste Zahlen für das Jahr 2012 vorgelegt. Danach hat Deutschland 23 Milliarden Kilowattstunden Strom mehr exportiert als importiert. Das ist ein Allzeitrekord und mehr Strom als Deutschlands größtes und gefährlichstes Kernkraftwerk, das AKW Gundremmingen, liefert.

Die AGEB e.V. hat erste Zahlen zur Bruttostromerzeugung in Deutschland für 2012 vorgelegt. (Stromerzeugung nach Energieträgern von 1990 bis 2012 http://www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=65 ) Danach hat Deutschland im europäischen Stromhandel einen Überschuss von 23 Milliarden Kilowattstunden erzielt. So viel wie nie zuvor. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 hatten wir noch ein Defizit von 3 Milliarden, 2005 einen Überschuss von 9 Milliarden und im Fukushimajahr 2011 trotz Abschaltung von acht Atomreaktoren immerhin noch einen Überschuss von 6 Milliarden.

Diese Überschüsse im Stromhandel werden im Wesentlichen durch die Erneuerbaren Energien (EE) ermöglicht. Im Jahr 2000 wurden 38 Milliarden Kilowattstunden EE-Strom erzeugt. Im Jahr 2005 schon 63 Milliarden, 2010 dann 103 Milliarden und 2012 wurden bereits 135 Milliarden Kilowattstunden aus Wasser- und Windkraft sowie aus Biomasse und Fotovoltaik geliefert.

In derselben Zeit sank die Atomstromproduktion von 170 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2000 über 163 Milliarden im Jahr 2005 und 141 Milliarden im Jahr 2010 auf 108 Milliarden im Fukushimajahr 2011 und dann 99 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2012.

Damit erzielt Deutschland im Stromaußenhandel sogar einen Überschuss, der höher ist als die Stromproduktion von Deutschlands größtem und gefährlichstem Kernkraftwerk, dem AKW Gundremmingen. Dieses liefert aus seinen zwei veralteten Siedewasserreaktoren (alle vier in Fukushima havarierten Reaktoren waren von diesem Typ) rund 21 Milliarden Kilowattstunden im Jahr.

Unsere Bürgerinitiative fordert, dass die zwei gefährlichen und sogar überflüssigen Gundremminger Siedewasserreaktoren schnellstmöglich abgeschaltet werden. Und insgesamt in Deutschland der Atomausstieg bis 2015 verwirklicht wird.

Dringender Handlungsbedarf auch beim CO2-Handel

Die Zahlen der deutschen Energiewirtschaft machen auch deutlich, dass der Handel mit CO2-Zertifikaten längst nicht mehr funktioniert. Die relativ CO2-sparsamen Gaskraftwerke laufen immer weniger und die CO2-intensiven Kohlekraftwerke laufen dafür mehr. CO2 sparen lohnt sich nicht mehr, da die Tonne CO2 nur noch mit 6 Euro statt der angemessenen 35 – 70 Euro bezahlt wird. Hier rächt sich, dass im Jahr 2004 die deutsche Industrie und der damalige Wirtschaftsminister Clement (heute beim Atom- und Kohlekonzern RWE) mit einer lügnerischen PR-Kampagne die Ausgabe von viel zu vielen CO2-Zertifikaten durchgesetzt haben. Jetzt müssen Zertifikate aus dem Handel genommen werden, so dass die Preise wieder in die Richtung der durch CO2 verursachten Umweltfolgekosten von rund 70 Euro je Tonne gehen!. Dann lohnt es sich, Kohlekraftwerke weniger und Gaskraftwerke mehr produzieren zu lassen. Und die Klimabelastung wird sinken.

Raimund Kamm (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

www.atommuell-lager.de