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Keller des Ottonianums

Bildtext: Vor dem Bierkeller des Ottonianums bildete sich eine lange Warteschlange.

 

 

„Wanderung in die Zeit” stößt auf großes Interesse:

200 Teilnehmer entdecken „Das unterirdische Landshut”

 

Stadtarchäologin Isabella Denk führte unter anderem zu zwei denkmalgeschützten Kellern

„Das unterirdische Landshut”: Dieses Thema der von Stadtarchäologin Isabella Denk geleiteten „Wanderung in die Zeit” zog am vergangenen Sonntag rund 200 Archäologie- und Geschichtsbegeisterte aller Altersgruppen an. Ausgehend vom Treffpunkt am Rathaus in der Altstadt wurden zwei Keller besichtigt, die erst kürzlich unter Denkmalschutz gestellt worden waren. Als Veranstalter traten die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt sowie Arlan, der Verein für Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut, auf.

Wegen des erfreulich großen Interesses bildete sich vor dem Keller des Ottonianums, dessen Zugang in der Inneren Münchner Straße liegt, eine lange Warteschlange. Denn es konnten immer nur wenige Teilnehmer gleichzeitig einen Blick in den Keller werfen. Grund war der erhöhte Wasserspiegel durch das ständig fließende Hangwasser, das dem Gewölbe einen tropfsteinhöhlenartigen Charakter verleiht. Der Bierkeller war in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Architekten Johann Baptist Bernlochner angelegt worden. Über einen Aufzugsschacht wurde dabei die beliebte Ausflugsgaststätte der Brauerei Bals, in der sich heute die Jugendherberge befindet, mit gekühlten Bierfässern versorgt.

Ein deutlich älterer Keller befindet sich unter dem heutigen Waldorfkindergarten an der Alten Bergstraße 160. Das heutige Gebäude – ebenfalls ein Einzeldenkmal – wurden im 19. Jahrhundert auf einem Keller des 15. Jahrhunderts gegründet. An dieses mittelalterliche Gewölbe schließt sich eine etwa 200 Jahre alte Kelleranlage des Firmerbräus an. Diese wurde ebenfalls genutzt, um ein Ausflugslokal zu versorgen. Im Keller ist übrigens noch ein Vermerk des Bierpreises von 60 Pfennig zu finden und der Hinweis, dass Trinkgeld nicht verboten sei.

Archäologin Isabella Denk führte die Gruppe danach wieder zurück in die Altstadt. Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde dann auf nicht nur aktuelle archäologische Ergebnisse der Stadtarchäologie Landshut verwiesen. Bei Ausgrabungen im Zuge des Um- und Neubaus der Feldmannhäuser in der Unteren Altstadt war eine Mauer entdeckt worden, die aus der Zeit der ersten großen Stadterweiterung im 12. Jahrhundert stammt. Das angrenzende Heiliggeistspital wurde darauf gebaut, als die Mauer aufgrund der nächsten Erweiterung hinfällig geworden war. Diese Mauer überquerte die Altstadt und setzt sich nach wie vor zwischen den Häusern der Heiliggeistgasse und der Herrngasse fort.

In der Neustadt 529 wiederum kam erst vor gut drei Wochen ein Stadtmauerrest der nächsten Stadterweiterung des 13. Jahrhunderts zutage (wir berichteten). Hinweise, dass die Mauer dort verlaufen sein musste, gab es bereits im Jahr 2016 im Zuge der archäologischen Begleitung der Verlegung der Fernwärmeleitung in der Regierungsstraße. Dort wurde ein Schalenmauerwerk archäologisch dokumentiert; die Fortsetzung wurde nun im Rückgebäude der Neustadt 529 gefunden.

Den Abschluss der rund zweieinhalbstündigen Wanderung bildete ein Besuch des ehemaligen Pestfriedhofs im Bereich der heutigen Ursulinenturnhalle. Isabella Denk verwies auf Ausgrabungen im Jahr 2016: Damals war außerhalb der Friedhofsmauer ein Massengrab mit 29 Toten gefunden worden, das auf Ende des 18. Jahrhunderts zu datieren ist. Vermutlich hatte es sich bei den Toten um Opfer des Faulfiebers (Typhus) gehandelt, die dort im Innenhof der Alten Post ein nicht sehr würdiges Ende gefunden hatten.

 

Foto: Stadt Landshut