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Godesberger Programm

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Seit 1982 wurde kein neues Atomkraftwerk mehr in Auftrag gegeben.

1989 wurde die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf aufgegeben.

Mit dem Aufkommen alternativer Energien flaute in Deutschland die Konjunktur der Kernkraft ab. 1982 wurde mit dem Bau des letzten Kernkraftwerks in Deutschland begonnen, dem KKW Isar/Ohu 2. Noch in den 1980er-Jahren war einzig die Kohlekraft eine realistische Alternative, die schon damals aus ökologischen Gründen problematisch erschien. Doch als die erneuerbaren Energiequellen in den 1990er-Jahren immer substanzieller erschienen, geriet die Kernenergie aufs Abstellgleis. Der unermüdliche Widerstand der Bürgerinitiativen gegen Atomkraft und die Erfahrungen der Atomunfälle in Harrisburg, Tschernobyl und zuletzt in Fukushima taten ihr Übriges.

In den Zeiten des Wiederaufbaus Deutschlands war die Euphorie riesengroß. In den 1950er-Jahren war die Rede von den „unabsehbaren Chancen der friedlichen Atomnutzung“. Mithilfe des Atoms würde die Menschheit die Wüsten und Eiswüsten erblühen lassen, so lauteten die Prognosen – die freilich wenig Rücksicht auf mögliche Kollateralschäden nahmen.

Es gibt  viele Beispiele für die frühe Atombegeisterung, die aus heutiger Sicht nur noch skurril wirken. So hat der West-Berliner Senat unter Willy Brandt nach dem Mauerbau 1961 ernsthaft die Errichtung eines Kernkraftwerks erwogen, um die Stadt energieautark zu machen. Als Standort war die Pfaueninsel vorgesehen, die direkt an der Grenze zur DDR lag – und in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten von Millionen Menschen.

Der spätere Bundeskanzler und SPD-Vorsitzende Brandt war in jüngeren Jahren ein großer Anhänger der Kernenergie, eine Position, die in seiner Partei weit verbreitet war und 1959 ihren Niederschlag im Godesberger Programm gefunden hatte.