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ESM

Taxpayers Association Europe (Bund der Steuerzahler in Bayern e.V.)

06.12.2013

Macht und Geld
Merkel, Schäuble, Gabriel  & Co.

 
Koalitionsvertrag:[1] Die Wölfe haben für die Geißlein in nächtlicher Stunde (bei etlichen Flaschen Wein) ein Überraschungsei gebastelt. Nun sind die Kindlein glücklich, jeder findet darin was er finden mag und die Medien analysieren tagein, tagaus den weitgehend beliebigen und unverbindlichen Inhalt in jede denkbare Richtung. Bezeichnend für den Vertrag auf Seite 46 die Erklärung: „Der Bund [gemeint sind die ahnungslosen Bürger als ewige Zahlmeister] bekennt sich zum Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg BER.“  Bravo! In gleicher religiöser Weise bekennen sich die zukünftigen Regierungsparteien auch zur Rettung der supranationalen €urounion, des Klimas, der Renten, der Fahrradfahrer (Seite 45), der Mütter und Waisen, der Straßenmaut, der Stubenfliege etc. pp. Alles wie gehabt: Die Regierenden geben das Bekenntnis vor und wir haben entsprechend zu glauben.

Aber bei genauerer Überlegung geht es gerade um das, was im Vertrag nicht drinsteht und strengstens geheim gehalten wird: Wer wird welche Posten in der neuen Regierung erhalten. Vorgeblich wissen darüber nur Merkel, Schäuble, Gabriel und Seehofer Bescheid. Zur Begründung wird vorgetragen, es solle zuerst sachlich in aller Ruhe über Inhalte des Koalitionsvertrages diskutiert und beschlossen werden und anschließend sei die durchdachte und ausgewogene Postenverteilung nur noch Formsache. Wer´s glaubt wird selig, aber die Medien begnügen sich mit dieser wunderbar einfachen Begründung und verbreiten diese – man kann über so viel Einfalt nur staunen – unkommentiert landauf, landab. Wie gewohnt wird dadurch das Volk im Ergebnis hinters Licht geführt,  insbesondere die 0,6 % der Wähler, die nun als SPD-Mitglieder über das Entstehen einer Art afrikanischer „CusCus-Koalition“ mit einem Schuss DDP abstimmen dürfen.

Nun ist es in der Tat meist wirklich von untergeordneter Bedeutung, wer bei dem üblichen Kuhhandel der Regierungsbildung welchen Posten zugeschoben erhält. Doch diesmal ist die Postenverteilung – anders als bisher – von herausragender Bedeutung!

Zunächst einmal: Ist Ihnen aufgefallen wie still sich derzeit unser werter Herr Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble verhält? Dabei redet er doch sonst so gern, allerdings oft recht widersprüchlich [2] und inzwischen teils sogar etwas wirr. Henryk  M. Broder meint dazu in seinem lesenswerten Buch „Die letzten Tage Europas“ sinngemäß, man lasse sich doch von einem Bankangestellten, der keine drei Sätze zusammenhängend sagen kann, keinen Bausparvertrag aufschwätzen. Wenn aber ein total inkompetenter Finanzminister versuche, einen kranken Esel als fitten Mustang zu verkaufen, werde das hingenommen. [3] Doch hat das vorsichtige Taktieren des Bundesfinanzministers gute Gründe, denn es liegt nun wahrlich nicht in seinem Interesse, dass noch vor Abschluss der SPD-Mitgliederbefragung  Mitte Dezember allzu deutlich ins öffentliche Bewusstsein dringt, um was es bei dieser Regierungsbildung eigentlich geht. Und ausschließlich um diesen brisanten Hintergrund zu vernebeln, wird die Liste der zukünftigen Kabinettsmitglieder bis zum erhofften positiven SPD-Mitgliederentscheid geheim gehalten! Ist dann die ebenso gut abgestimmte wie inszenierte Täuschung gelungen, werden die Getäuschten aus Scham über ihre Unvernunft in gewohnter Weise schweigen.

Wie Sie sicher wissen, gehört normalerweise die zweitwichtigste Position im Kabinett –  und das ist zweifelsfrei die des Finanzministers – automatisch dem Koalitionspartner, hier also der SPD, zumal wenn er stimmenmäßig annähernd 40 % Anteil an der Koalition hält. Und normalerweise wäre es auch kein Problem für einen amtierenden Finanzminister in ein anderes wichtiges Resort, wie etwa das des Außen- oder Wirtschaftsministers, zu wechseln.

Aber wir leben seit 2008 nicht mehr in normalen Zeiten und fast allen deutschen Bürgern (wir würden sagen: 99 % von diesen) ist die Existenz des ESM (der – wie wir 2012 als Erste eindeutig nachgewiesen haben – glasklar eine lizenzbefreite Superbank [4]   ist) praktisch völlig unbekannt und es ist ihnen deshalb auch nicht bewusst, welche zerstörerische (!) Macht die 2012 gegründete ESM-Mega-Bank zukünftig über die Geschicke Deutschlands und ganz €uropas und seiner Bürger ausüben wird. Im Ergebnis ist die ESM-Bank ist mit ihrem Stammkapital von € 700 Milliarden,  Art. 8 ESMV [5], zweifelsfrei die größte Bank der Erde und sie wurde zum ausschließlichen Zweck gegründet, die €urounion (überwiegend auf Kosten der Bürger Deutschlands) zu stabilisieren und bis zum bitteren Ende zu finanzieren.

Vielfach erklärtes Ziel aller Euro-Rettungsaktionen über EZB und (u.a.) über die ESM-Bank ist die „Überwindung des europäischen Nationalstaates“, die „Aufgabe der Fata Morgana der strikten Unabhängigkeit der nationalen Unabhängigkeit“, so etwa der Präsident der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, der auch meinte, [6]  die „Autorität“ der EU-Kommission  habe nicht nur das Recht nationale Gesetze auf Übereinstimmung mit den (von der Kommission festgesetzten) Werten der europäischen Gemeinschaft zu überprüfen (sprich: deren Änderung zu verlangen), sondern das gelte auch für die Verfassungen der einzelnen Mitgliedstaaten selbst. Die völlig undemokratisch eingesetzten EU-Kommissare maßen sich also an, die deutsche Verfassung zu überprüfen und ggf. deren Abänderung (oder Aufhebung?) im Sinne ihres geplanten großeuropäischen Superstaates zu fordern. Ja wo sind wir denn?!

Die ESM-Bank wird also zukünftig  €uropa kontrollieren (zusammen mit der EZB und den EU-Kommissaren). Aber wer kontrolliert die ESM-Bank?   Niemand!   Denn, obschon die deutschen Bürger diese zu 27 % finanzieren, wird die ESM-Bank ausschließlich von ihren rechtlich unantastbaren Gouverneuren geleitet und diese kontrollieren sich selbst, siehe Art. 27 – 30 ESMV samt Fußnoten 71 und 72 hierzu. Die Genehmigung der unkontrollierbaren ESM-Bank durch den Bundestag ist zweifelsfrei eine neue und interessante Variante auf dem Weg zum finanziellen Selbstmord des Staates.

Nach Art. 5 ESMV (Fn. 25)  wird der amtierende  Finanzminister jeden einzelnen €urolandes automatisch Mitglied des Gouverneursrates der ESM-Bank und bestimmt damit maßgeblich über die Geschicke Europas. Die Position jeden ESM-Gouverneurs beinhaltet damit eine Machtposition, die weit über die eines nationalen Finanzministers hinausgeht. Das provoziert, worauf wir vor langem in unserer Kommentierung zu  Art 43 ESMV (Fn. 89, 93) hingewiesen haben, Machtkämpfe um diese Position und ein solcher hat wohl  soeben stattgefunden – mit höchstwahrscheinlich negativem Ausgang für die SPD.

Naturgemäß ist der mächtigste Gouverneur derjenige, der innerhalb der ESM-Bank als größter Anteilseigner das höchste Gewicht hat. Da der Anteil Deutschlands an der ESM-Bank27 % beträgt, ist mithin der deutsche Gouverneuer der mächtigste innerhalb des Gouverneursrates. Er ist, so kann man das sagen, temporär (während seiner Amtszeit als nationaler deutscher Finanzminister), einer, wenn nicht der mächtigste Mann €uropas. Bedenkt man nun ferner, dass sich die Gouverneure in ihrer Gesamtheit ein geheimes, letztlich völlig steuerfreies „Gehalt“ in beliebiger Millionenhöhe selbst genehmigen können  (zu 27 % auf Kosten der deutschen Steuerzahler!),  Art. 32 – 36 ESMV (siehe etwa Fn. 76, 83), dann wird schnell deutlich, dass es bei den Gouverneursposten des ESM vorrangig um extreme Macht und Geld geht.

Gewissermaßen ist die ESM-Bank für ihre Mitarbeiter und insbesondere für die – ach so ehrenwerten – Gouverneure das weltweit sicherste Steuerparadies überhaupt,  Art. 36 ESMV, Fn. 81, 83, 85. So bekämpfen tausende von Angestellten des deutschen Finanzministers die bösen Steueroasen und Steuerflüchtlinge, während ihr Dienstherr, der Herr Finanzminister (ein – noch nicht – ausgewiesener Fachmann für Bankgeschäfte),  in der von ihm selbst (mit-) initiierten und vom Bundestag und dem Verfassungsgericht „rechtlich“ abgesegneten  ESM-Steueroase ungeniert Steuergelder in unbekannter Höhe steuerfrei abgreift – absurd!

Es scheint (die Mainstreampresse hüllt sich diesbezüglich in Schweigen), Spitzenpolitiker bewegen sich inzwischen im rechtsfreien Raum, jedenfalls schaffen sie sich, wie dieser Fall zeigt, eigene Gesetze. Und sonderbar ist schon das Presse-Getöse um Berlusconi, während die Vernichtung und Verpfändung von hunderten von Milliarden (in Form von ESM-Garantiezusagen) zur „Rettung Europas“ weitgehend lautlos übergangen wird. Die drohende finanzielle Vernichtung ganzer Staaten des €uroraums ist den Medien offensichtlich weniger Nachdenkens wert, als die möglicherweise sehr lustigen Partys eines recht eigenwilligen und ebenso rücksichtslosen wie erfolgreichen  Großunternehmers, der sich gleichzeitig als Polit-Unterhalter betätigt.

Hier sei ein Einschub erlaubt: Die ESM-Bank rettet natürlich nicht die €uropäischen Staaten oder deren Bürger. Sie rettet (und vermehrt) erstrangig das Geld der weltweit operierenden Finanzoligarchie, sofern sich deren Geld im Euroraum irgendwo in Gefahr befindet. Die mächtigsten Spieler sind  4 Finanzkonglomerate, die u.a. die größten US-amerikanischen Banken, die (private) amerikanische Zentralbank FED und die großen US-Medienkonzerne beherrschen.

Aufschlussreich dazu und zum Thema „Gold“ (Zeichnung bei www.Gold-Action.de nicht vergessen!) sind die Ausführungen von Karen Hudes (Ex-Weltbank-Anwältin) in ihrem Interview mit den DWN Deutsche Wirtschafts Nachrichten. Die meisten Leser werden noch nie die Namen dieser Finanztitanen gehört haben:  BlackRock, State Street, Vanguard und Fidelity. Deren Firmenleitung bzw. deren Großaktionäre werden über kurz oder lang in der ESM-Bank über deren faktische Kreditierung (Zeichnung von „Eurobonds“ der ESM-BankArt. 21 ESMV, Fn. 63) das Sagen haben, wenn nicht schon die ganze Konstruktion der ESM-Bank von ihnen initiiert wurde. Nur von dort werden die Gouverneure der ESM-Bank à la long irgendwie kontrolliert bzw. gesteuert werden: Die (hervorragend bezahlten) Gouverneure der ESM-Bank werden dann im vorauseilenden Gehorsam den Wünschen ihrer mächtigen Gläubiger folgen. [7]

Im Hinblick auf die Bedeutung der ESM-Bank für die zukünftigen finanziellen Geschicke und die Souveränität aller Staaten  €uropas ist es also machtpolitisch von immenser Tragweite, wer zukünftig deutscher Finanzminister wird bzw. bleibt. Dieser Posten steht in seiner zentralen Bedeutung dem des deutschen Kanzlers gleich.

Kann folglich eine deutsche Partei (wie jetzt die CDU) beide Posten für weitere 4 Jahre besetzen, hat sie damit gleichermaßen €uropa und Deutschland im Griff. Sie ist aus dieser Position heraus in der Lage, den jeweiligen Koalitionspartner nach und nach zu atomisieren. Der Untergang der FDP ist dafür der klare Beweis und die SPD scheint ihr nachfolgen zu wollen – zum Preis von ein paar Ministerposten für privilegierte Parteiobere während einer einzigen Legislaturperiode!

Wer nun glaubt, Mutti, Wolfgang, Horst und Sigmar seien sich all dessen nicht bewusst,  dem wird empfohlen ins Kinderzimmer zurückzulaufen und dort weiter mit dem Überraschungsei zu spielen. Wie also ist die Lage? Herr Dr. Schäuble hat sich als einer der Gründungsväter der ESM-Bank seinen Posten als Gouverneuer quasi selbst geschaffen und auf den Leib geschneidert. So verwundert nicht, dass er daran hängt wie eine Klette. Gegen seinen Willen verliert er sein Amt als  ESM-Bank-Gouverneur nur durch Regierungswechsel (ohne CDU Beteiligung) oder durch Entlassung als Finanzminister auf Vorschlag der Kanzlerin. Als inzwischen vertraute rechte Hand der Kanzlerin und mit seinem ebenso  unbekannten wie gleichwohl prächtigen Nebenverdienst als ESM-Gouverneur ist er aus Sicht der Kanzlerin sicher beherrschbar, zumal sich beide seit langem in denselben Kreisen drehen. Er hat erreicht, was er erreichen konnte, mehr geht nicht! Gleiches kann man von Horst Seehofer und Sigmar Gabriel nicht sagen. Allerdings, deren – theoretische – Ambitionen auf den Gouverneursposten via Finanzminister werden von Merkel und Schäuble aus Eigennutz schon im Ansatz abgewürgt. Ist aber das Finanzministerium an Dr. Schäuble „verteilt“, ergibt sich der Rest ganz von alleine und fehlende Postenstellen werden durch Zellteilung bestehender Ministerien geschaffen. Finanziell interessant ist noch der Posten des stellvertretenden ESM-Gouverneurs (der mit Sicherheit von der SPD oder CSU besetzt werden wird). Sonstige Parteimitglieder mit berechtigten Ansprüchen oder interessanten Netzwerken können mit neuen Posten in der ESM-Bank oder der Bankenaufsicht etc. problemlos befriedigt werden.

Natürlich sind wir nicht die Einzigen, denen dieses €uropäische Superspiel um Geld und Macht in die Augen sticht. Auch in der SPD werden diese Zusammenhänge und Folgen manchem hellen Kopf bewusst sein und zu Diskussionen im engsten Kreis der Parteispitze führen. Wenn also die SPD-Spitze auf die Besetzung des Finanzministerpostens verzichten wird – und sie hat intern schon verzichtet, denn ansonsten wäre es überhaupt nicht zum vorliegenden Koalitionsvertrag  gekommen – dann wird sie dafür weit überproportional Entschädigung in Form von Zugeständnissen für ihr parteipolitisches Programm fordern und bekommen. Das gilt erst recht hinsichtlich neuer Posten und Einkünfte für die Parteigranden der SPD samt Anhang. Für den deutschen Bürger wird das teuer werden, zumal bei der geplanten „CusCus-Koalition“ eine Opposition praktisch nicht mehr bestehen wird. Letztlich ist das auch egal, da die Bundesrepublik Deutschland seit Installation der u.E. völlig illegalen ESM-Bank nur noch von Phantasten als demokratischer Rechtsstaat angesehen werden kann. Die Bundesrepublik geht zügig im von EU-Kommissaren und mächtigen Parteiführern quasidiktatorisch beherrschten und gelenkten Staatenkonglomerat €uropa auf.

Jedenfalls rotiert die EU nach dem einprägsamen Bild von Henryk  M. Broder inzwischen um einen „Orwellschen Kern“. [8] Dem ist zuzustimmen. Die seit 20.10.2013 geltende SSM-Verordnung (Schaffung einer Bankenaufsicht und Kompetenzübertragung wesentlicher Aufgaben der Bankenaufsicht auf die EZB) ist ein weiterer Sargnagel auf diesem Weg. [9] Die in den Partikularstaaten teils noch vorhandenen demokratischen Strukturen, werden – soweit sie den „europäischen Gedanken“ behindern – auf europäischer Ebene eliminiert.

Sollte die SPD-Basis dem Koalitionsvertrag zustimmen, wird diese höchst undemokratische und  politisch wie wirtschaftlich hochgefährliche Entwicklung massiv beschleunigt. Darum geht es und nicht um läppische Absichtserklärungen aus dem Koalitionsvertrag wie etwa +/- PKW-Maut etc. etc.

Rund 50.000 Bürger haben inzwischen unsere Aktion  www.stop-esm.org unterzeichnet um die völlig unkontrollierbaren und finanziell für alle deutschen Bürger brandgefährlichen Geschäfte der ESM-Mega-Bank zu stoppen, solange das noch möglich ist. Die STOP-ESM-Bürgerbewegung ist damit die größte ihrer Art in Europa. Sie ist Sammelbecken wacher Bürger und Verteidiger demokratischer Grundwerte und finanzieller Stabilität. Danke an alle Zeichner für Ihre Unterstützung. Bitte verbreiten Sie unsere Aktion auch weiterhin in Ihrem Umfeld.

 
www.stop-esm.org  

Mit freundlichen Grüßen
Rolf von Hohenhau
(Präsident)
 
[1] Text Koalitionsvertrag
[2] http://www.stop-esm.org/up/doclist/die_geisterfahrt_des_dr_schaeuble.pdf
[3] Henryk M. Broder, „Die letzten Tage Europas. Wie wir eine gute Idee versenken“, Albrecht Knaus Verlag, 2013, Seite 61
[4] http://www.stop-esm.org/up/doclist/esm_banklizenz_03_08_2012.pdf
[5] ESMV = Vertrag über den Europäischen Stabilitäts Mechanismus. Wir verweisen nachfolgend jeweils auf unsere Vertragskommentierung  vom 04.02.2012, die sich in den Fußnoten zu den einzelnen Artikeln  findet. Soweit uns bekannt, ist dies bislang die einzige Kommentierung des ESM-Vertrages.
[6] Zitiert nach H.M. Broder, a.a.O., Seite 208
[7] Siehe hierzu unsere Kommentierung zu Art. 22 ESMV, Fn. 64
[8] H.M. Broder, a.a.O., Seite 194.
[9] SSM (=Single Supervisory Mechanism, Deutsch: Bankenaufsicht). Hier die in deutscher Sprache im Netz nur schwer aufzufindende SSM-Verordnung (Ratsdokument 7776/1/13 REV 1). Der Text der Verordnung selbst beginnt, nach dem in Euro-Finanzangelegenheiten üblichen 28seitigen Vorgeschwafel, erst auf Seite 29. Die Diktion des Gesetzestextes zeigt klar auf,  dass die Grundfassung der Verordnung, wie beim ESM, aus anglo-amerikanischer Feder stammt, weshalb zahlreiche Passagen in deutscher Übersetzung unter juristischen Aspekten geradezu lächerlich erscheinen. Fakt ist auch, dass mit dieser Kompetenzzuweisung an die EZB die Deutsche Bundesbank inzwischen jegliche Bedeutung verloren hat. Die EZB ist zur Zentralbank der Zentralbanken aufgestiegen. Ursprünglich sollte sie lediglich eine Verrechnungsstelle innerhalb des Zentralbankensystems sein. Siehe hierzu auchwww.target-2.de

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10 Männer – ein Grieche, ein Italiener, ein Franzose, ein Portugiese, ein Spanier, ein Zypriot, ein Finne, ein Österreicher, ein Holländer und ein Deutscher – treffen sich regelmäßig zum Essen. So war es auch wieder in der letzten Woche. Die Rechnung für alle zusammen betrug genau 500,00 Euro, denn man speiste schon sehr gern auf hohem Niveau. Die Gäste zahlten ihre Rechnung wie wir unsere Steuern und das sah ungefähr so aus:


– Vier Gäste (der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener) zahlten nichts.
– Der Zypriot zahlte 1 Euro. Der Franzose 5 Euro.
– Der Österreicher 50 Euro. Der Finne 80 Euro.- Der Holländer 100 Euro.
– Der Zehnte (der Deutsche) zahlte 264 Euro.


Das ging schon eine ganze Weile. Immer wieder trafen sie sich zum Essen und alle waren zufrieden. Bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte in dem er vorschlug, den Preis für das Essen um 50 Euro zu reduzieren. “Weil Sie alle so gute Gäste sind!”

Wie nett von ihm! Jetzt kostete das Essen für die 10 nur noch 450 Euro, aber die Gruppe wollte unbedingt beibehalten so zu bezahlen, wie das bisher üblich war. Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos. Wie sah es aber mit den restlichen sechs aus? Wie konnten sie die 50 Euro Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte?

Die sechs stellten schnell fest, dass 50 Euro geteilt durch sechs Zahler
8,33 Euro ergibt. Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen. Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte wie er insgesamt beisteuere. Er setzte sich also hin und begann das für seine Gäste auszurechnen. Heraus kam folgendes:

– der Zypriot, ebenso wie die ersten vier, zahlte ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis).
– Der Franzose zahlte 3 € statt 5 € (40% Ersparnis).
– Der Österreicher zahlte 45 € statt 50 € (10% Ersparnis).
– Der Finne zahlte 72 € statt 80 € (10% Ersparnis).
– Der Holländer zahlte 90 € statt 100 € (10% Ersparnis).
– Der Deutsche zahlte 239 € statt 264 € (11% Ersparnis). Jeder der sechs kam bei dieser Lösung günstiger weg als vorher und die ersten vier aßen immer noch kostenlos.

Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal wie sie dachten. “Ich hab’ nur 2 Euro von den 50 Euro bekommen!” sagte der Franzose und zeigte auf den Deutschen, “Aber er kriegt
25 Euro!”. “Stimmt!”, rief der Zypriot, “Ich hab’ nur 1 Euro gespart und er spart mehr als zwanzigmal so viel wie ich”.
“Wie wahr!!”,rief der Österreicher, “Warum kriegt er 25 Euro zurück und ich nur 5? Alles kriegen mal wieder die reichen Deutschen!”.
“Moment mal” riefen da der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener aus einem Munde, “Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!!”. Und wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den Deutschen los und verprügelten ihn.

Am nächsten Abend tauchte der Deutsche nicht zum Essen auf. Also setzten sich die übrigen 9 zusammen und aßen ohne ihn. Aber als es an der Zeit war die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Außerordentliches fest:


Alle zusammen hatten nicht genügend Geld um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können! Und wenn sie nicht verhungert sind, wundern sie sich noch heute.


 

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Das Ende einer Illusion

Aus dem Karlsruher Urteil die richtigen Lehren ziehen

 

Viele Menschen in Deutschland sind zutiefst enttäuscht, ja aufgebracht über das mit Spannung erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Doch war wirklich etwas anderes zu erwarten von einer Gruppe von Juristen, die allesamt ihre hohe Position den derzeit staatstragenden Parteien zu verdanken haben, denen sie übrigens auch allesamt angehören? Die Verzögerung des Urteils hatte Hoffnungen geschürt, die nun umso mehr enttäuscht wurden, das macht die Reaktionen der Gegner von ESM und Euro-Rettungspolitik verständlich.

 

Deshalb wird den Richtern nun „Volksverrat“ und ähnliches vorgeworfen. Auch das ist verständlich, führt aber außer zu emotionalen Entladungen nicht weiter. Denn es ist leider eine Tatsache, dass sich ein Großteil des Volkes, in dessen Namen das Urteil gesprochen wurde, bislang weder verraten noch verkauft  fühlt. Das wird voraussichtlich erst dann der Fall sein, wenn die Verpflichtungen aus ESM zum spürbaren Schaden des Volkes eingelöst werden müssen. Alle für ESM verantwortlichen Politiker und auch die Karlsruher Parteirichter werden nicht nur hoffen, dass dies nicht geschehen möge, sondern sie auch, falls das doch so kommen sollte, längst in sehr auskömmlicher Pension in Baden-Baden oder am Starnberger See leben werden.

 

Für die ESM-Gegner kommt es in der Stunde der Enttäuschung nicht darauf an, einer geplatzten Illusion – denn eine solche war die Hoffnung auf das Karlsruher Urteil – nachzutrauern oder gar in Resignation zu verfallen. Vielmehr gilt es gerade jetzt, umgehend und konsequent die richtigen Lehren zu ziehen. Eine davon ist die Erkenntnis, nicht länger vom Bundesverfassungsgericht Korrekturen, Grenzziehungen oder gar Blockaden politischer Entscheidungen des schwarz-rot-grün-gelben Parteienblocks zu erhoffen. Solche Erwartungen wurden und werden ein ums andere Mal frustriert. Ein Gremium von Parteiprofiteuren wird nicht den Einsturz des Parteienstaates riskieren wollen, schon gar nicht die in Sachen ESM angeblich auf dem Spiel stehende Rolle Deutschlands in Europa.

 

In einer der ersten Stellungnahmen von bekannten Ökonomen zu dem Thema behauptete Paul Welfens, Leiter des Europäischen Instituts an der Universität Wuppertal, nach Berechnungen seines Instituts bringe der Euro jedem Bundesbürger im Jahr einen ökonomischen Vorteil von 10.000 Euro. Mal abgesehen davon, wie Welfens diese Summe errechnet haben will und ganz abgesehen auch davon, dass es auch ganz andere, nämlich sehr negative Berechnungen des Euro-Profits für Deutschland und die Deutschen gibt: Der Wuppertaler Ökonom belegt mit seiner Behauptung de Grundüberzeugung der fast vollzähligen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Elite der Nation: Der Euro nutzt den deutschen Interessen – politisch wie ökonomisch.

 

Politisch, weil die deutschen Eliten nichts so sehr fürchten wie die Übernahme der vollen, souveränen Verantwortung für das eigene Volk. Die Gründe dazu müssen hier nicht ausgeführt werden, sind aber nicht zuletzt in zwei katastrophal verlorenen Weltkriegen und deren Folgen zu finden. Der behauptete ökonomische Nutzen ist primär der Profit jener exportorientierten Großkonzerne und Großbanken, die sehr erfolgreich ihre Interessen mit denjenigen des gesamten Volkes gleichsetzen. Bei den längst von Konzernspenden korrumpierten Parteienblock finden sie willige, zum Teil unmittelbar existenziell abhängige Vollstrecker ihrer Interessen.

 

So lange es Ökonomen wie Welfens gibt, die auch noch handfeste „Argumente“ für die Euro-Rettung liefern, wird das Personal des Parteienblocks selbst die abenteuerlichsten Aktionen besten Gewissens tragen und verteidigen. Dass der behauptete ökonomische Vorteil von 10.000 Euro für jeden Bundesbürger geradezu zynisch für etliche Millionen Normal- und Geringverdiener ist, stört diese Politiker so wenig wie die zwingende Logik, dass dieser „Vorteil“ für die Deutschen nur durch Nachteile der Ökonomien anderer Nationen erwirtschaftet worden sein kann – was übrigens nicht zuletzt der tiefere Grund für massive Proteste gegen die deutsche Dominanz in einigen Krisenländern Europas sein könnte.

 

Das Karlsruher Urteil ist die unmissverständliche Aufforderung an alle eurokritischen bürgerlichen Kräfte in Deutschland, die notwendigen politischen Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehört die demonstrative Aufkündigung jeglicher Loyalität gegenüber dem Parteienblock. Die wenigen kritischen  Akteure in diesem Parteien wie die Bundestagsabgeordneten Gauweiler, Willsch, Schäffler und noch einige andere dürfen nicht länger als Vorwand dafür akzeptiert werden, zähneknirschend doch wieder CDU oder FDP zu wählen. Bei aller Hochachtung für diese wenigen Euro-Rebellen: Seit dem 12. September 2012 haben sie als politische Hoffnungsträger ausgedient. Denn nun muss sich das Volk, soweit es in Opposition zu der Euro-Politik und ihren absehbar verhängnisvollen Folgen ist, selbst organisieren in einer Bewegung, die mutig, kreativ und zunehmend machtvoll den Widerstand trägt und verbreitet.

 

An dieser Bewegung müssen alle bürgerlichen Oppositionskräfte teilnehmen, gleich wo und wie sie sonst in Kleinparteien und Grüppchen organisiert sind. Niemand soll und muss dabei seine eigene Identität aufgeben, aber alle müssen um der Sache und der Glaubwürdigkeit willen sich auf die massenhafte Aufklärung und die Formierung des Volkswiderstandes einigen. Wer nach dem Karlsruher Urteil diese historische Herausforderung  nicht versteht, sondern ebenso borniert  wie verblendet lediglich den größtmöglichen Vorteil für die eigene Organisation zu ziehen versucht, gehört zu den wahren Verlierern des 12. September 2012. Es gibt keinen vernünftigen Grund, nach einer niemals zu gewinnenden Schlacht die vollständige Kapitulation zu erklären: Der Kampf geht nämlich jetzt erst los!

 

Wolfgang Hübner, 13. September 2012