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Entsorgung

Medienmitteilung 8. April 2020

Fraktion der CSU und der GRÜNEN haben Stellung bezogen

Wo und wie unseren Atommüll lagern?

„Wie soll unser Atommüll für die zum Abklingen der tödlichen Strahlung notwendige Zeit von über 1 Million Jahre sicher isoliert gelagert werden?“ hat die Bürgerinitiative von Deutschlands Ort mit dem am Abstand meisten Atommüll die Fraktionen CSU, FDP, FW, GRÜNE und SPD im Bayerischen Landtag gefragt.

Nachdem wir im April 2019 und im November 2019 von den Fraktionen der CSU und der Freien Wähler Absagen auf unsere Einladungen zur öffentlichen Diskussion der Atommüllfrage bekommen hatten, hatten jetzt beim dritten Anlauf wieder die GRÜNEN und erstmals auch die CSU und die FW für eine Veranstaltung am 7. April zugesagt (FDP und SPD haben nicht reagiert). Da diese Veranstaltung ausfallen muss, haben die CSU-Fraktion durch Ihre Abgeordnete Dr. Petra Loibl und die GRÜNEN durch ihren Abgeordneten Martin Stümpfig schriftlich Stellung bezogen. Die FW wollten sich nicht schriftlich festlegen. Im Anhang die zwei Stellungnahmen:

Vorgeschichte und Einordnung

Eine aktuelle Lehre vom Staatsversagen

In diesen Wochen erleben wir, wie eine Gesellschaft leiden muss, wenn man sich auf eine absehbare Katastrophe nicht vorbereitet. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat schon mit einer Risikoanalyse im Jahr 2012 auf unsere Bedrohung durch eine „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ hingewiesen. Es wurde damals der Verlauf einer „Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plausibel ist“ (Risikoanalyse Drucksache 17/12051 S.5). Das Ergebnis wurde dem Bundesinnenministerium und dem Bundestag und den Bundesländern übermittelt. Doch die für den Katastrophenschutz verantwortlichen Länder haben nicht gehandelt und beispielsweise Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte für diesen wahrscheinlichen Katastrophenfall bevorratet. Und hatten keine Pläne ausgearbeitet, wie die Infektionswege schnell unterbrochen werden können.

Atommüll: Eine absehbare Katastrophe in Bayern

Der Atommüll entsteht durch die Spaltung von Uran. In Bayern begann die deutsche Atommüllproduktion 1957 im Forschungsreaktor Garching. Es ging im Jahr 1961 weiter mit der Inbetriebnahme des Versuchs-AKW im unterfränkischen Kahl am Main. Der CSU-Politiker Strauß sagte hierzu: „Die friedliche Nutzung der Atomenergie bedeutet denselben Einschnitt in die Menschheitsgeschichte wie die Erfindung des Feuers.“ Und auch das erste bundesdeutsche Groß-AKW wurde in Bayern gebaut und eingeschaltet: Der Block A des AKW Gundremmingen im Jahr 1966. Bayern hat von allen deutschen Bundesländern den meisten Atommüll erzeugt. Bis heute wurde nicht ein Kilogramm entsorgt. Alles wird nur gefährlich oberirdisch zwischengelagert.

Im schwäbischen Gundremmingen, das zwischen Augsburg und Ulm liegt, lagert, wenn man die Radioaktivität als Maßstab nimmt, mit Abstand mehr Atommüll als an jedem anderen Ort in Deutschland. Das oberirdische Zwischenlager ist nicht sicher. So hat es nur eine Wandstärke von 85 Zentimetern und eine Deckenschwäche von 55 Zentimetern. Das ist unverantwortlich gefährlich, wie das Beispiel des Zwischenlagers Lubmin (Greifswald) an der Ostsee zeigt. Das dortige Zwischenlager hat 70 cm dicke Wände und ebenfalls eine 55 cm dicke Decke. Jetzt soll es neu gebaut werden, mit 180 cm dicken Wänden und ebenso dicker Decke. Nachdem wir hierauf den für die Aufsicht des Gundremminger Zwischenlagers verantwortlichen Umweltminister Glauber (FW) hingewiesen haben, hat er uns nur nichtssagend antworten lassen.

Unsere rund 800 Mitglieder starke Bürgerinitiative bedankt sich, dass auch die CSU-Fraktion Stellung bezogen hat. Die Stellungnahme halten wir jedoch für offensichtlich widersprüchlich und insbesondere nicht zielführend. So wird es uns nicht gelingen, den Atommüll weniger gefährlich endzulagern. und die absehbare Katastrophe für unsere Kinder und Enkel zu vermeiden.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

Foto: Klartext.LA

Entsorgung von befallenen Pflanzenteilen
Entwicklung des Buchsbaumzünslers verlangsamt sich

 

Ab sofort können mit dem Buchsbaumzünsler befallene Pflanzen im Landkreis über die Grüngutcontainer auf den Altstoffsammelstellen, in der Grüngutannahmestelle der Reststoffdeponie Spitzlberg und der Kompostanlage in Vilsbiburg entsorgt werden.
Die bisherige Vorsorgeempfehlung, befallene Pflanzen in Säcken oder in Folien verpackt über den Sperrmüll oder die Müllumladestation in Wörth zu entsorgen, wird aufgehoben.

Der sehr warme Sommer war für die Entwicklung des Buchsbaumzünslers optimal. Er hat sich in kurzer Zeit sehr stark vermehrt. Um eine Ausbreitung  durch die auf den Altstoffsammelstellen aufgestellten Grüngutcontainer, auch beim Transport, nicht noch zu unterstützen, gab es die Empfehlung, befallene Pflanzen in Säcke oder Folien zu verpacken und über den Sperrmüllcontainer oder direkt in der Müllumladestation zu entsorgen.

Aufgrund der nun einsetzenden herbstlichen Witterung mit kühlen Nachttemperaturen entwickeln sich die Zünsler deutlich langsamer.  Auch ist das Verpacken als Vorsorgemaßnahme gegen eine Verbreitung inzwischen wirkungslos geworden, da sich der Zünsler auch so großflächig im Landkreis verbreitet hat.

In Abstimmung mit dem Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege und den Entsorgungsunternehmen kann deshalb die Vorsorgeempfehlung aufgehoben werden.
Jetzt, durch den Herbstschnitt, fällt sehr viel Grüngut an und die Container auf den Altstoffsammelstellen werden rascher entleert. Damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Raupen im Container noch zu flugfähigen Faltern entwickeln. Durch das Häckseln des Grüngutes und der hohen Temperaturen in den Kompostmieten bei der anschließenden Kompostierung werden die verschiedenen Entwicklungsstadien des Buchsbaumzünslers wirksam abgetötet. Durch ständige Kontrollen der Kompostierung und der damit einhergehenden Hygienisierung ist auch eine Verbreitung des Zünslers bei der Ausbringung von Kompost unterbunden.

Von einer Eigenkompostierung der befallenen Pflanzen wird abgeraten, weil die hohen Temperaturen bei einer eigenen Kompostierung in der Regel nicht erreicht werden.

 

Foto: R. Schnur

Ölspuren und deren umweltfreundliche Beseitigung mit dem OSC F 7

Kürzlich führte die Fa. ARIES-Systems GmbH aus Sundern im Bauhof der Stadt Landshut auf Anregung von Stadtrat Rudolf Schnur vor, wie sich Ölspuren aus befestigten Fahrbahnen wieder nachhaltig entfernen lassen. Anstatt die ehrenamtlichen Feuerwehrleute zu jeder Tages- und Nachtzeit “nur” aufwändig Kehren zu lassen, könnte die selbstfahrende Maschine im Schritttempo für saubere Verhältnisse sorgen. Die Reinigung erfolgt mittels Hochdruck und Absaugung “porentief”. Jede Gefahr eines Grundwassereintrages ist ebenso gebannt, wie eine rutschige Fahrbahnoberfläche, die Unfälle verursachen könnte.
Neben zahlreichen Vertretern der Landshuter Feuerwehr und dem Leiter der bauamtlichen Betriebe Stefan Weinzierl mit seinen Straßenmeistern waren auch Stadträtin Hedwig Borgmann und Stadtrat Klaus Pauli an der technischen Lösungsmöglichkeit interessiert und verfolgten die Ausführungen von Industriemeister Franz-Josef Wienecke von Aries-Systems.

17. Wahlperiode

Schriftliche Anfrage
des Abgeordneten Harry Scheuenstuhl SPD

vom 04.05.2015

Rückbaukosten der bayerischen Kernkraftwerke

Der Ausstieg aus der Kernkraft ist beschlossen. Aktuelle Meldungen zeigen jedoch, dass die Kosten des Rückbaus der Anlagen nur schwer abzuschätzen sind.

Ich frage die Staatsregierung:

  1. Wie hoch sind die Kosten für den Rückbau, inklusive an- schließender Entsorgung, aller bayerischen Kernkraftan- lagen insgesamt?
  2. Wie hoch sind die Kosten für den Rückbau, inklusive an- schließender Entsorgung, der bayerischen Kernkraftanla- gen bei einzelner Betrachtung (bitte um Einzellistung der bayerischen Kernkraftanlagen und detaillierte Darstellung aller notwendigen Rückbaukosten; inklusive Entsorgung sowie Nennung der jeweiligen Betreiber)?
  3. Wie hoch sind die Nuklearrückstellungen der Betreiber für den Rückbau der Kernkraftanlagen in Bayern (bitte um Einzeldarstellung)?
  4. Glaubt die Staatsregierung, dass die Nuklearrückstellun- gen für alle bayerischen Kernkraftanlagen ausreichen werden?

Antwort

des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucher- schutz
vom 27.05.2015

Vorbemerkung:
Die Energieversorgungsunternehmen (EVU) sind handels- und bilanzrechtlich verpflichtet, für den Rückbau und die Ent- sorgung der deutschen Kernkraftwerke (KKW) Rückstellun- gen zu bilden. Die entsprechenden Rückstellungen werden in den Bilanzen der EVU ausgewiesen und von den für die EVU zuständigen Finanzbehörden geprüft. Der Staatsregie- rung liegen über die Höhe der anlagenspezifischen oder der

für die KKW in Bayern gebildeten Rückstellungen keine An- gaben vor. Unter anderem aus dem im Auftrag des Bundes- ministeriums für Wirtschaft und Energie erstellten Gutach- ten „Finanzielle Vorsorge im Kernenergiebereich – Etwaige Risiken des Status quo und mögliche Reformoptionen“ sowie aus der Antwort der Bundesregierung zur Schriftlichen An- frage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl vom 02.04.2014 (Bundestagsdrucksache 18/1041) ergibt sich folgendes Bild:

Für die EVU, die die bayerischen KKW Isar 1, Isar 2, Gra- fenrheinfeld und Gundremmingen betreiben, sind mit Stand 31.12.2013 Rückstellungen in Höhe von 14,607 Mrd. Euro (E.ON SE) bzw. 10,250 Mrd. Euro (RWE AG) ausgewie- sen. Für die weiteren zur Bildung von Rückstellungen ver- pflichteten Unternehmen sind 7,664 Mrd. Euro (EnBW AG), 1,651 Mrd. Euro (Kernkraftwerk Brunsbüttel GmbH & Co. oHG) bzw. 1,805 Mrd. Euro (Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co. oHG) ausgewiesen. Demzufolge stehen insgesamt 35,978 Mrd. Euro für Rückbau und Entsorgung der deut- schen KKW zur Verfügung. Für den Rückbau jedes der 17 KKW werden in Deutschland etwa 1,0–1,2 Mrd. Euro ver- anschlagt. Für die Vorsorge zur anschließenden Sicherung des radioaktiven Materials ist aus dem genannten Gutach- ten ein Gesamtbetrag von 17,123 Mrd. Euro zu entnehmen. Insgesamt ist somit die Summe der gebildeten Rückstellun- gen plausibel.

Zu 1.:
Auf die Vorbemerkung wird verwiesen. Darüber hinausge- hende Zahlen zu den Kosten für Rückbau und Entsorgung liegen der Staatsregierung nicht vor.

Zu 2.:
Auf die Vorbemerkung wird verwiesen. Darüber hinaus ge- hende Zahlen zu den Kosten für Rückbau und Entsorgung liegen der Staatsregierung nicht vor.

Zu 3.:
Auf die Vorbemerkung wird verwiesen. Darüber hinaus ge- hende Zahlen zu den anlagenspezifisch gebildeten Rückstellungen liegen der Staatsregierung nicht vor.

Zu 4.:
Auf die Vorbemerkung wird verwiesen. Die Höhe der erwar- teten Kosten für Rückbau und Entsorgung deckt sich mit der Höhe der in der Vorbemerkung dargestellten Rückstellun- gen für die Gesamtheit der deutschen KKW. Der Staatsregierung liegen insofern keine Hinweise vor, aus denen sich folgern ließe, dass die Rückstellungen nicht ausreichend sein sollten. Unabhängig von der Frage, ob die Rückstellungen ausreichen, um Rückbau und Entsorgung finanziell abzusichern, sind die EVU allerdings verpflichtet, alle in die- sem Zusammenhang anfallenden Kosten in voller Höhe zu tragen.

Medizin aus dem Wasserhahn!

16.9.2014  –  zm 104, Nr.18A – 2086-2090

 

Was oben reingeht, kommt in Teilen unten wieder raus. Medikamente beispielsweiseSie lassen sich im Urin der Patienten – wenn auch nur in kleinsten Spuren – nachweisen und gelangen ins Abwasser. Hinzu kommt die millionenfache Entsorgung von Altmedikamenten über die Toilettenspülung. Die daraus resultierende Belastung für die Umwelt ist alles andere als harmlos. Und auch die Qualität des Trinkwassers gerät zunehmend in Gefahr. 

 

Studien belegen, dass in Deutschland mehr als 150 verschiedene Arzneiwirkstoffe in nahezu allen Gewässern – bis hin zum Grund- und Trinkwasser – nachweisbar sind. Ob Schmerzmittel, Antibiotika, blutdrucksenkende Mittel oder Psychopharmaka – es gehört zu den unerwünschten Nebeneffekten beim Gebrauch von Medikamenten, dass die Wirkstoffe nicht vollständig vom Körper abgebaut und über den Urin direkt oder als Abbauprodukt wieder ausgeschieden werden. Auch wenn Medikamente auf die Haut aufgebracht werden, gelangen die Arzneistoffe beim Duschen oder Baden zum Teil in die Kanalisation. Über das Abwasser fließen die Rückstände in die Kläranlagen, wo die Vielzahl an chemischen Verbindungen nicht vollständig entfernt werden kann. Mit dem Ablauf aus den Kläranlagen in die Flüsse und Seen finden die chemischen Verbindungen so ihren Weg in die Umwelt und den Wasserkreislauf. Dort können sie Pflanzen, Tiere und Menschen schädigen. Zusätzlich zu den Rückständen der Human-Medikamente gelangen auch Tierarzneimittel in die Umwelt. Hauptquelle hierfür sind Gülle und Mist von behandelten Tieren, die als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht werden. Durch die ständige Wiederholung der Düngung kommt es zu einer Anreicherung von Medikamentenrückständen im Boden. Über Abschwemmung durch Starkregen und durch Versickerung gelangen die Arzneimittel in Oberflächengewässer und schließlich auch ins Grundwasser. Hinzu kommen die direkten Ausscheidungen von weidenden Nutztieren, die vorher mit Arzneimitteln behandelt wurden.

Besonders problematisch in der Tierhaltung ist die Verabreichung von Antibiotika (siehe dazu die Titelgeschichte in zm 16/2014). Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) wurden allein im Jahr 2012 rund 1600 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben. Der Verbrauch von Humanantibiotika lag im gleichen Jahr bei etwa 630 Tonnen. Von bestimmten Antibiotika wie den Sulfonamiden und den Tetrazyklinen ist bekannt, dass sie sich im Boden anreichern können. Forscher haben laut UBA nachgewiesen, dass sie dort auch von Nutzpflanzen aufgenommen und so in die Nahrungskette gelangen können. Das UBA prüft derzeit in einem Forschungsprojekt, ob bei hohen Konzentrationen an Antibiotika-Rückständen, wie sie in Gülle und Klärschlamm auftreten können, Antibiotika-Resistenzen in Mikroorganismen zusätzlich gefördert werden.

Negative Wirkung auf die Umwelt

Über die langfristige Wirkung der Arzneimittelrückstände auf die Ökosysteme liegen bisher wenige Informationen vorLaborexperimente und Freilandversuche zeigen aber negative Effekte wie ein reduziertes Wachstum, Verhaltensänderungen oder eine verminderte Vermehrungsfähigkeit bei Lebewesen in der Umwelt. Hormonreste der “Pille” haben laut der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg zur Verweiblichung männlicher Fische beigetragen. Auch sind Nierenschäden bei Fischen durch das schmerzstillende Mittel Diclofenac beobachtet worden. Und erst kürzlich ist eine Studie erschienen, die Verhaltensänderungen bei Flussbarschen auf Psychopharmaka-Rückstände im Abwasser zurückführt. Als besonders umweltrelevant – weil schon in geringen Konzentrationen toxisch für die Umwelt und oft auch sehr langlebig – haben sich Hormone, Antiparasitika und bestimmte Schmerzmittel herausgestellt. Welches Ausmaß die Umweltbelastung mit Arzneimitteln erreicht, zeigt das aktuelle Forschungsprojekt “pharmaceuticals in the environment” im Auftrag des UBA: Spuren von mehr als 630 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen sowie deren Abbauprodukte lassen sich weltweit nachweisen. Sie sind in Gewässern, Böden, Klärschlamm und Lebewesen zu finden. Insbesondere Röntgenkontrastmittel und das Schmerzmittel Diclofenac lassen sich sehr häufig und auch in höheren Konzentrationen nachweisen.  Diclofenac wurde bisher in Gewässern von insgesamt 50 verschiedenen Ländern gemessen. “Das Umweltbundesamt kann jetzt sicher belegen, dass Arzneimittelrückstände in der Umwelt weltweit ein relevantes Problem darstellen. Lösen können wir es nur global, indem wir die internationale Chemikaliensicherheit stärken”, erklärte im April dieses Jahres Thomas Holzmann, damaliger Präsident des UBA, das als Umweltbehörde direkt dem Bundesumweltministerium untersteht.

 

Hohe Konzentration von Diclofenac

 

Dem UBA zufolge liegen die meisten Daten bisher zum Schmerzmittel und Entzündungshemmer Diclofenac vor. In 35 Ländern überstiegen Messwerte die Gewässerkonzentration von 0,1 Mikrogramm pro Liter – ein Wert, der nahe der im Laborversuch ermittelten Konzentration liegt, bei der erste Schädigungen an Fischen beobachtet wurden. Dieser Wert war auch in der Diskussion als europäische “Umweltqualitätsnorm für Oberflächengewässer”. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich nunmehr darauf geeinigt, die Konzentration dieses Stoffes in europäischen Gewässern regelmäßig zu messen und mögliche Gegenmaßnahmen bei Überschreitung zu entwickeln. Neben dem Blockbuster” Diclofenac zählen zu den weltweit meist verbreiteten Wirkstoffen auch das Antiepileptikum Carbamazepin, das nichtsteroidale Antirheumatikum Ibuprofen, das auch bei Schmerzen und gegen Entzündungen ebenso wie Diclofenac zum Einsatz kommt, das Pillen-Hormon Ethinylestradiol sowie das Antibiotikum Sulfamethoxazol.

Trotz der alarmierenden Rückstandswerte im Wasser sieht das UBA “nach heutigem Wissensstand kein Risiko für die menschliche Gesundheit”, da die für den Menschen relevanten Grenzwerte nach wie vor deutlich unterschritten würden. Der Umweltverband Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht das ein wenig kritischer. Meist würden in Studien nur die Auswirkungen einzelner, ausgewählter Wirkstoffe betrachtet, heißt es in einem Hintergrundpapier der DUH. Bei der Vielzahl von nachgewiesenen Stoffen in den Gewässern seien aber durchaus additive uns synergistische Wirkungen denkbar. So wurde laut DUH bereits in Untersuchungen mit verschiedenen Wirkstoffgemischen festgestellt, dass diese zu umweltschädlichen Wirkungen führen können, obwohl dies aus dem Verhalten der Einzelwirkstoffe nicht vorhersehbar gewesen sei. Dementsprechend hoch sei der Handlungsbedarf, so die DUH.

 

Entsorgung über die Toilettenspülung

Was die Ausscheidung eingenommener Medikamente angeht, lässt sich diese von Verbraucherseite nur in sehr engen Grenzen reduzieren. Bei der Entsorgung von Altmedikamenten sieht das aber ganz anders aus. “Viele Verbraucher wissen gar nicht, dass die Art ihrer Entsorgung ein ernsthaftes Umweltproblem darstellt, erklärt Dr.Konrad Götz vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main (lSOE). Eine repräsentative Befragung des ISOE zeigt: Immerhin jeder fünfte Deutsche entsorgt gelegentlich Tabletten über den Ausguss oder die Toilette. Bei flüssigen Arzneimitteln sind es sogar fast 50 Prozent (siehe Grafik). Experten der Umweltverbände schätzen, dass allein auf diesem Weg jedes Jahr Hunderte Tonnen Arzneimittelwirkstoffe in Böden und Gewässer gelangen.

Laut einer Medienanalyse des ISOE werde der richtige Umgang mit Spurenstoffen zwar häufig thematisiert, beim Verbraucher komme das aber seit Jahren nicht richtig an. “Nur 15 Prozent der Verbraucherinnen entsorgen ihre Medikamente immer richtig, das heißt – entsprechend der von der Bundesregierung empfohlenen Praxis – über den Restmüll”, sagt Götz. Hier gehören die Pillen und Säfte hin, da der Müll heute in der Regel verbrannt wird, bevor die Überreste deponiert werden. Durch die Verbrennung ist die vollständige Zerstörung der Wirkstoffe gewährleistet.

 

Dass dies nur wenige Bundesbürger wissen, führt Götz auf die Tatsache zurück, dass es keine bundeseinheitliche Kommunikation zu diesem Thema gibt. “Jede Kommune regelt das anders. Das führt zur Verunsicherung bei den Bürgern und ist verbraucherunfreundlich. Um mögliche Gefahren für die Umwelt zu verhindern, muss zumindest eine bundesweit einheitliche Informationskampagne zur Entsorgung durchgeführt werden“, meint ISOE-Forscher Götz. Die verbraucherfreundlichste Regelung wäre seiner Meinung nach allerdings die Rückkehr zur alten Regelung, dass Medikamente in der Apotheke abgegeben werden können. Auch Ärzte können nach Meinung des Forschers zur Lösung des Problems etwas tun, indem sie sich über die Problematik von Medikamentenresten im Wasser und über umweltfreundliche Medikamentenalternativen informieren. Vonseiten der Patienten sei die Bereitschaft da: Fast 90 Prozent der Befragten wünschen sich von ihrem Arzt – bei gleicher Wirksamkeit – umweltfreundliche Alternativangebote.

Wirklich praxistauglich für den ärztlichen Arbeitsalltag ist dieser Tipp allerdings nicht, da es bislang keine zentrale Informationsquelle über die Umwelteigenschaften von Medikamenten gibt. Deshalb fordert das ISOE die Einführung eines Klassifikationsschemas für die Umweltverträglichkeit und Trinkwasserrelevanz der Wirkstoffe, wie es das beispielsweise in Schweden bereits gibt. Die Ergebnisse könnten dann leicht in die bestehende Verschreibungssoftware oder die Rote Liste integriert werden. Zurzeit scheint die Politik aber keinerlei Regelungsbedarf zu sehen. Erst im vergangenen Jahr hat der Umweltausschuss des Bundestages einen Antrag der Opposition zur Rücknahme von Altarzneimitteln zurückgewiesen. Der Versuch, ein bundeseinheitliches, von der Pharmaindustrie finanziertes Rücknahmesystem für Altarzneimittel über  Apotheken wieder einzuführen, ist damit wohl gescheitert. Den Vorstellungen der Linken zufolge sollten die öffentlichen Apotheken ab 2015 verpflichtet sein, haushaltsübliche Arzneimittelmengen zurückzunehmen.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) äußerte sich zu diesem Vorschlag einer verpflichtenden Arzneimittelrücknahme in den Apotheken nicht. Sie wies lediglich darauf hin, dass weiterhin viele Apotheken anbieten, Alt-Medikamente grundwasserneutral zu entsorgen. Dies allerdings auf freiwilliger Basis. Der Kunde muss also selbst herausfinden, welche Apotheke das sein könnte. Immerhin sieht die ABDA Apotheker in der Pflicht, ihre Kunden über die Problematik besser zu informieren. “Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten und unsere Patienten darüber informieren, dass Medikamente über den Hausmüll entsorgt werden dürfen”, so Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

 

EU-Richtlinie nicht umgesetzt

 

Zwar verpflichtet eine EU-Richtlinie die Mitgliedstaaten bereits seit 2004 zur Einrichtung von geeigneten Sammelsystemen für abgelaufene oder ungenutzte Medikamente. Doch Deutschland hat die Richtlinie bis heute nicht umgesetzt. Nach Überzeugung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wäre die Einführung eines eigenen Sammel- und Rücknahmesystems für Arzneimittel jedoch dringend nötig, solange Altmedikamente in großen Mengen durch Waschbecken oder Toilette entsorgt werden.

 

Altmedikamente belasten Grund- und Trinkwasser, schädigen die Natur und landen über die Nahrungskette schließlich auch beim Menschen. Die geltende Rechtslage, die auch die Entsorgung über den Hausmüll erlaubt, verstößt nicht nur gegen EU-Recht, sondern auch gegen den gesunden Menschenverstand. Deutschland braucht dringend ein einheitliches Sammelsystem für Altmedikamente”, betont DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Zur Abhilfe müsse zügig eine getrennte Erfassung und Beseitigung alter Arzneimittel aufgebaut werden. Im Zentrum des Sammelsystems sieht auch die DUH die Apotheken. Die Verbraucher müssten auf bundesweit einheitliche Rückgabemöglichkeiten in Apotheken zurückgreifen können. Klare Informationen darüber sollten sie dementsprechend bereits beim Kauf am Ausgabeort derMedikamente erhalten. Die Kosten für das Sammel- und Entsorgungssystem sollen, so wünscht es sich die DUH, von den Arzneimittelherstellern übernommen werden.

 

Grafik zur Entsorgung:

Von: Otmar Müller – Gesundheitspolitischer Fachjournalist

Redaktionsbüro Köln  –  mail@otmar-mueller.de

 

Von kaum mehr zu übertreffender Großzügigkeit zeigen sich derzeit die Atomkraftkonzerne in Deutschland:

Eon, RWE und EnBW haben der Bundesregierung im Mai angeboten die deutschen Atomkraftwerke und alle anderen atomtechnischen Anlagen zu schenken.

Gerne würden die Atomkraftwerksbetreiber die milliardenschweren Lasten des Rückbaus und der Entsorgung ihrer AKW der Allgemeinheit in Form einer öffentlich-rechtlichen Stiftung übertragen.
Der Steuerzahler sollte die Stiftung nach dem endgültigen Atomausstieg 2022 übernehmen und sich dann um den Abriss und die Lagerung der radioaktiven Abfälle kümmern. Die Stromversorger würden über 30 Milliarden Euro in die Stiftung geben, die sie für den Rückbau bereits – steuerfrei -zurücklegen mussten. Diese Summe ist sicher nur die Spitze des Eisbergs, wenn man bedenkt, dass die Erben des Atomzeitalters Tausende von Generationen beschäftigen wird. Für sämtliche Risiken soll – für eine Million Jahre – der Staat aufkommen.

Die zuständige Ministerin Barbara Hendricks wies den Vorschlag der Konzerne zurück: “Die uneingeschränkte Verantwortung für den sicheren Auslaufbetrieb, die Stilllegung, den Rückbau und die Zwischenlagerung des Atommülls liegt bei den Energieunternehmen. Diese haben uneingeschränkt sämtliche Kosten der Stilllegung, des Rückbaus sowie der Endlagerung zu tragen”, so die Ministerin. Auch Kanzlerin Merkel sprach sich gegen die Idee aus. Doch das Angebot stieß nicht nur auf Ablehnung. Manche Politiker, z.B. Günther Oettinger, sehen darin die Gelegenheit, dass die Stromkonzerne im Gegenzug ihre Schadensersatzklagen wegen des Atomausstiegs in Höhe von rund 15 Milliarden Euro fallen lassen könnten. Andere Stimmen, z.B.  das Öko-Institut, sehen darin den Vorteil, dass die Rückstellungen der Energiekonzerne vor möglichen Insolvenzen sicher wären.

Merkwürdig nur, dass den Konzernen während der Gewinnphase die Idee mit der öffentlich-rechtlichen Stiftung nicht eingefallen ist…

Medikamenten-Entsorgung: Verbraucherwissen mangelhaft

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Arzneimittelrückstände im Wasser sind ein weltweites Umweltproblem. Auch in Deutschland werden mehr als 150 verschiedene Wirkstoffe in nahezu allen Gewässern nachgewiesen, bis hin zum Grund- und Trinkwasser. Die Spurenstoffe aus Schmerzmitteln, Antibiotika, blutdrucksenkenden Mitteln oder Psychopharmaka stammen meist aus häuslichen Abwässern – doch viele Verbraucher wissen gar nicht, dass sie die Verursacher sind. Eine repräsentative Befragung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat große Wissenslücken im Umgang mit Arzneimitteln ausgemacht.

Es ist ein unerwünschter Nebeneffekt beim Gebrauch von Medikamenten: Der Wirkstoff wird nicht vollständig vom Körper abgebaut und über den Urin direkt oder als Abbauprodukt wieder ausgeschieden. Über das Abwasser fließen die Arzneimittelwirkstoffe in die Kläranlagen, wo die Vielzahl an chemischen Verbindungen nicht vollständig entfernt werden kann. Mit dem Ablauf aus den Kläranlagen in die Flüsse und Seen finden die Rückstände so wieder zurück in die Umwelt und den Wasserkreislauf. „Knapp der Hälfte der 2000 vom ISOE befragten Deutschen ist überhaupt nicht bekannt, dass allein schon durch die Einnahme von Medikamenten Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen“, sagt ISOE-Forscher Konrad Götz. „Erstaunt haben uns bei der Befragung aber vor allem die großen Wissenslücken bei der richtigen Entsorgung von flüssigen Medikamentenresten.“

Wissenslücke Arzneimittelrückstände – Risiken für die Umwelt

47 Prozent der Deutschen entsorgen flüssige Medikamentenreste falsch, nämlich über die Spüle oder die Toilette. „Damit hat sich die Wissenslücke bestätigt, die wir bei einer ähnlichen Befragung 2007 festgestellt haben“, sagt Konrad Götz. Laut einer Medienanalyse des ISOE werde der richtige Umgang mit Spurenstoffen zwar häufig thematisiert, beim Verbraucher komme das aber seit Jahren nicht richtig an. „Nur 15 Prozent der VerbraucherInnen entsorgen ihre Medikamente richtig, das heißt – entsprechend der von der Bundesregierung empfohlenen Praxis – über den Restmüll“, sagt Konrad Götz. Der Restmüll wird heute nicht mehr auf Deponien gelagert, sondern verbrannt. Dadurch ist die vollständige Zerstörung der Wirkstoffe gewährleistet. „Die Entsorgung über den Hausmüll ist deshalb derzeit zwar der umweltfreundlichste Weg – weil viele Verbraucher das nicht wissen, ist es aber genaugenommen nur der zweitbeste“, folgert Götz. „Am verbraucherfreundlichsten wäre es, zur alten Praxis zurückzukehren.“ Bis 2009 konnten Medikamente in den Apotheken zurückgegeben werden, wo sie professionell entsorgt wurden.

Patienten wünschen sich umweltfreundliche Alternativen

Denn wenn die Wirkstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, können sie Tier- und Pflanzenwelt gefährlich werden: Hormonreste der „Pille“ haben nachweislich zur Verweiblichung männlicher Fische beigetragen. Auch sind Nierenschäden bei Fischen durch das schmerzstillende Mittel Diclofenac beobachtet worden sowie Verhaltensänderungen durch Psychopharmaka. „Um mögliche Gefahren für die Umwelt zu verhindern, muss endlich eine wirksame Informationskampagne zur Entsorgung durchgeführt werden“, ist sich ISOE-Forscher Götz sicher. Wichtig sei aber auch, dass sich Ärzte über die Problematik von Medikamentenresten im Wasser und über umweltfreundliche Medikamentenalternativen informieren. Vonseiten der Patienten sei die Bereitschaft da: Fast 90 Prozent der Befragten wünschen sich von ihrem Arzt – bei gleicher Wirksamkeit – umweltfreundliche Alternativangebote.

Die Repräsentativbefragung zur Medikamenten-Entsorgung wurde im Projekt „TransRisk – Charakterisierung, Kommunikation und Minimierung von Risiken durch neue Schadstoffe und Krankheitserreger im Wasserkreislauf“ durchgeführt. TransRisk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des BMBF-Schwerpunktes „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf“ (RiSKWa) gefördert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Thomas Ternes, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz.

ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main

Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität sowie Bevölkerungsentwicklung und Versorgung.

Ansprechpartner:

Dr. Konrad Götz
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Tel. +49 69 707 69 19-21
goetz@isoe.de

Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber und gehören in den
Sondermüll – DUH gibt sich “grünes Mäntelchen”: Energiesparlampen
voraussichtlich nur eine Übergangstechnologie

Panorama 3: Fast ein Drittel aller Deutschen entsorgt Energiesparlampen falsch

Dennoch werden sie immer noch von fast einem Drittel aller Deutschen falsch entsorgt. Das hat eine repräsentative Studie des Instituts infratest dimap im Auftrag des NDR-Politikmagazins “Panorama 3”(Dienstag, 21.05.2013, 21:15 Uhr, NDR Fernsehen) ergeben. Demnach werfen 29 Prozent der Befragten defekte Energiesparlampen auch in den Hausmüll, in den Wertstoffsack bzw. in die Wertstofftonne sowie in den Altglascontainer. Sowohl aus Umweltschutz- als auch Gesundheitsschutzgründen ist dies allerdings hochgefährlich. Jede Energiesparlampe enthält zwei bis drei Milligramm Quecksilber, ältere Modelle sogar bis zu 15 Milligramm. Befragt wurden 1000 Personen im Alter ab 18 Jahren in Deutschland.

Energiesparlampen können über speziell eingerichtete Sammelstellen entsorgt werden, insbesondere über kommunale Einrichtungen wie Wertstoffhöfe, Recyclinghöfe oder Schadstoffmobile. Von diesen Rücknahmestellen gibt es lediglich geschätzte 9000 in Deutschland.

Die Europäische Union hatte ursprünglich vorgesehen, dass die Altlampen auch im Handel zurückgegeben werden können. Doch die Bundesregierung wollte diese Verpflichtung nicht umsetzen. Die Bundesrepublik ist damit das einzige Land in Europa, in dem der Handel die Lampen nicht zurücknehmen und damit zu einer fachgerechten Entsorgung beitragen muss. Dies geschieht allein auf freiwilliger Basis.

Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass die von ihr gemeinsam mit Osram einst gepriesenen Energiesparlampen zu nicht einmal zehn Prozent an den Entsorgungsstellen zurückgegeben werden.

Glühlampenausstieg: Umwelthilfe kündigt Klagewelle an
DUH gibt sich “grünes Mäntelchen”: Energiesparlampen voraussichtlich nur eine Übergangstechnologie

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe begrüßte den Ausstieg aus der nach seiner Meinung “historisch überholten Glühlampentechnik” zum 1. September 2012. In knapp 14 Tagen würde es dem Handel verwehrt sein, herkömmliche Glühlampen anzubieten, jubelte der Verband, der sich nicht auf eine breite Mitgliederschaft berufen kann und auch nicht das DZI-Spendensiegel besitzt. In einer Presseaussendung lässt Resch “skandalisieren”, die Energiewende und Klimaschutz seien zum Scheitern verurteilt, “wenn jede Maßnahme zur Steigerung der Energieeffizienz von Teilen des Handels unterlaufen wird. Als klageberechtigte Verbraucherschutzorganisation werden wir alle uns bekannt werdenden Fälle eines rechtswidrigen Weiterverkaufs von Glühlampen juristisch verfolgen.”

Resch hatte bereits im März 2007 von sich reden gemacht und forderte bis 2010 EU-weites Glühbirnenverbot und drastisch verbessertes Recycling quecksilberhaltiger Energiesparlampen. Zum Auftakt der Energiesparlampen-Aktionswochen bei Karstadt in Frankfurt a.M. forderte er von der anwesenden Umweltstaatssekretärin Astrid Klug, auf EU-Ebene umgehend die Initiative für ein zügiges Verbot klassischer Glühlampen zu ergreifen.. Neben der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) beteiligten sich an der Debatte Vertreter des Bundesumweltministeriums (BMU), des Umweltbundesamtes (UBA), der Karstadt Warenhaus AG, sowie des Logistikdienstleisters Lightcycle, das die Entsorgung von Altlampen koordiniert, und der Lampenhersteller Osram.

Logistikdienstleisters Lightcycle, das die Entsorgung von Altlampen koordiniert und die Lampenhersteller Osram und Phillips versagen

Die DUH beobachtete schon vor mehr als fünf Jahre “mit Sorge die noch unzureichenden Erfolge bei der sachgerechten Rückgabe und Verwertung der klimaschonenden Energiesparlampen”. Eva Leonhardt, DUH-Projektleiterin für Kreislaufwirtschaft im Jahre 2007: “Die Lampen enthalten geringe Mengen an Quecksilber, die nicht in die Umwelt gelangen dürfen.” Zwar sei mit dem Elektro-Gesetz seit fast einem Jahr eine verbindliche Vorgabe in Kraft, die Verbraucherinnen und Verbraucher zur getrennten Sammlung quecksilberhaltiger Lampen verpflichte. Trotzdem kämen aus den Haushalten bisher nur beunruhigende zehn Prozent der Lampen zurück zu den eigens eingerichteten Sammelstellen. Leonhardt: “Hier besteht dringender Aufklärungs- und Handlungsbedarf, insbesondere, da durch die gegenwärtige Debatte mit einem Boom hin zu Energiesparlampen zu rechnen ist.”

Kritiker erinnern daran, dass auch die Atomindustrie für ihren Atommüll, wie er beispielsweise in der ASSE lagert, nicht aufkommen will. Für die niedrige Sammelquote bei ausgedienten Energiesparlampen aus Privathaushalten – nach neueren DUH-Stichproben weniger als 10 Prozent – macht indes die DUH den Handel verantwortlich, der die nach EU-Recht vorgesehene kostenlose Rücknahme nicht flächendeckend umsetze. Aber auch die Sammlung bei kommunalen Recycling- und Schadstoffhöfen müsse ausgebaut und verbessert werden, etwa durch verbraucherfreundlichere Öffnungszeiten.

Über die Produzentenverantwortung, wie beim Verpackungsmüll mag Resch nicht nachdenken. Dass Repräsentanten von Osram und Philips, praktisch Europas einzigen Herstellern von Glühbirnen, der EU-Arbeitsgruppe angehörten, bringt den Verdacht mit sich, dass vielleicht doch eher wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Denn mit Umweltschutz kann die Verseuchung der Umwelt durch Quecksilber nicht viel zu tun haben. Quecksilberdämpfe, über die Atemwege aufgenommen, zerstören Nervenzellen im Gehirn. Der Chemiker Gary Zörner: “Und das reichert sich dann an und macht immer ein bisschen mehr krank und jedes kleinste bisschen mehr Quecksilber macht ein klein bisschen dümmer – weil es ja das Gehirn angreift!”

Seit 2009 sind Thermometer, die Quecksilber enthalten, in der EU verboten. Im selben Jahr wurde allerdings von derselben EU beschlossen, die Bürger zur Verwendung von Quecksilberlampen zu zwingen. Es ginge um Energieeinsparung, um Umweltschutz, um den Kampf gegen die globale Erwärmung – und ums Geschäft. Wie gefährlich die ungeliebten zwangsverordneten Lampen tatsächlich sind, wird in dem Dokumentarfilm “Bulb Fiction” von Christoph Mayr ausführlich erklärt. Der Film ist erstklassig recherchiert, zeigt überprüfbare Beispiele und lässt erfahrene Fachleute zu Wort kommen. Hergestellt wurde er mit Unterstützung des staatlichen österreichischen Fernsehsenders ORF.

Die bedrückend geringen Rückgabemengen hatten sich im Rahmen einer Marktstudie der Lightcycle Retourlogistik und Service GmbH ergeben, die am vergangenen Montag in Berlin vorgestellt wurde. Auf Grund der Untersuchung muss davon ausgegangen werden, dass im Bundesgebiet allein im Jahr 2006 mehrere Hundert Kilogramm Quecksilber unkontrolliert in die Umwelt gelangt seien. Das leicht flüchtige Schwermetall Quecksilber kann bei falscher Entsorgung zu schweren Belastungen der Umwelt führen. Lightcycle ist ein nicht gewinnorientiertes Unternehmen, welches 2005 als Rücknahmesystem von LED- und Gasentladungslampen von den Lampenherstellern OSRAM AG und Philips GmbH gegründet wurde, um einer gesetzlichen Regelung zu unterlaufen.

Lampenindustrie versucht mit Abmahnungen den Markt von Glühlampen zu “befreien”

Zur Abmahnung berufen fühlt sich die Firma Lightcycle Retourlogistik und Service GmbH aus München. Die Firma Lightcycle Retourlogistik und Service GmbH ist ein Non-Profit-Unternehmen, das nach eigenen Angaben durch führende Hersteller von Gasentladungslampen gegründet wurde. Lightcycle versucht sich deutschlandweit in der Rücknahme von Gasentladungslampen, z. B. Energiesparlampen und Leuchtstofflampen sowie LED-Lampen, über kommunale Wertstoffhöfe und macht sich die Bestimmung des Gesetzes über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten (ElektroG)” zu nutze, danach müssen sogenannte Beleuchtungskörper bei der Stiftung EAR als Elektroschrott angemeldet werden. Eine fehlende Anmeldung von Gasentladungslampen, in erster Linie Energiesparlampen, bei der Stiftung EAR nach ElektroG lässt dievon den Lampenherstellern gegründete Firma Lightcycle umfangreich abmahnen. Da in der Regel die Unterlassungserklärung in der Abmahnung darauf gerichtet ist, dass Lampen bei der Stiftung EAR angemeldet werden müssen, eine sehr weitreichende und aufwendige Verpflichtung, sollten abgemahnte Händler genau überlegen, ob und was sie in diesem Fall unterschreiben, empfehlen die Rostocker Anwälte Johannes Richard, Elisabeth Vogt und Andreas Kempcke auf ihrenInternetrecht-Rostock Seiten.

An die Lampenhersteller und Händler appellierte Resch, den Kritikern von Energiesparlampen nicht durch “die Vermarktung von Ramschware” Argumente für ihren Feldzug zu liefern. Die DUH hatte in der Vergangenheit immer wieder den Vertrieb von Energiesparlampen aufgedeckt, die ein Mehrfaches der zugelassenen und technisch notwendigen Quecksilbermenge enthielten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Klage gegen den Baumarktbetreiber Hornbach erhoben. Dieser verkaufe Energiesparlampen, die die Grenzwerte für Quecksilber überschritten. Da sich Hornbach geweigert hat, eine Unterlassungserklärung abzugeben, wurde Klage erhoben. Es geht um die Energiesparlampen der Eigenmarke “Flair Energy”. Die Energiesparlampen der Eigenmarke “Flair Energy” seien mittlerweile aus dem Sortiment genommen worden. Die Klage wurde vor dem Landgericht Landau erhoben.

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. begrüßt den zum 1. September bevorstehenden endgültigen Abschied von der historisch und technisch überholten Glühlampentechnik in der Europäischen Union. Damit sei der Weg frei für zeitgemäße und effizientere Beleuchtungstechniken. “Leuchtstoffröhren, LED- und Energiesparlampen spenden viel Licht mit wenig Energie, sie sparen Strom und über die Lebensdauer gerechnet auch Geld”, lobt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch, die seit 2007 von seinem Verein und dem Lampenhersteller Osram in den Markt geschleußten gefährlichen Beleuchtungskörper.

Der Glühlampenausstieg allein sei natürlich nicht die Lösung des Klima- und Energieproblems, aber als Baustein einer umfassenden Energieeffizienzstrategie unverzichtbar, gerade weil hier alle Bürgerinnen und Bürger betroffen seien und mitmachen könnten. “Deutschland blamiert sich im Klimaschutz, wenn es uns nicht gelingt, wirklich Schluss zu machen mit den Glühlampen, die zu 95 Prozent Wärme und nur zu fünf Prozent Licht produzieren. Als Alternative stehen in allen Lichtstärken und Farbtemperaturen LED- und Energiesparlampen zur Verfügung”, hält Resch Kritikern des Glühlampenausstiegs entgegen. Energiewende und Klimaschutz seien zum Scheitern verurteilt, “wenn jede Maßnahme zur Steigerung der Energieeffizienz von Teilen des Handels unterlaufen wird. Als klageberechtigte Verbraucherschutzorganisation werden wir alle uns bekannt werdenden Fälle eines rechtswidrigen Weiterverkaufs von Glühlampen juristisch verfolgen.”

Experte: Ökologische Nutzen von Energiesparlampen ist reine Propaganda der Lampenindustrie
Statt der Energiesparlampen sollten Led Lampen gewählt werden, denn Energiesparlampen sind offensichtlich gefährlich. Werden Sie zerbrochen, dann strömt Quecksilberdampf aus, der zu schweren Schäden führen kann. Dabei kommt es keinesfalls auf die Menge an, wie Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Glauben machen will. Quecksilberdampf zerstört Nervenzellen mit nicht einschätzbaren Folgen und greift das Gehirn an. Das allerdings stört den in Frankfurt gemeldete Umwelt- und Verbraucherschutzverein Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) nicht. Anstatt Alternativen anzubieten, sucht Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch mit Laboranalysen von Energiesparlampen zu hohe Quecksilberwerte aufzufinden.
Umweltschützer Resch irrt: auch ein wenig Quecksilber ist giftig

Energiesparlampen gibt es in vielfältigen Formen und Lichtfarben für jeden Geschmack. “Auch für jeden Einsatzzweck existiert die passende Lampe – zum Beispiel besonders schaltfeste für häufiges Ein- und Ausschalten oder auch dimmbare. Objektiv tragfähige Gründe, der Glühlampe hinterher zu trauern, gibt es für den gut informierten Kunden nicht mehr”, erklärt Franziska Müller, Projektmanagerin Kreislaufwirtschaft bei der DUH. Trotzdem seien Energiesparlampen voraussichtlich nur eine Übergangstechnologie. Die Zukunft gehört nach Einschätzung der DUH den LED-Lampen (Leuchtdioden). Sie verfügen über eine extrem hohe Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren. Bisher seien sie jedoch noch teuer, so dass sie sich als Alltagsbeleuchtung erst allmählich durchsetzen.

Quelle: http://www.umweltruf.de/news/111/news3.php3?nummer=4749

erschienen am: 2013-05-22 im europaticker


 

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Die unsachgemäße Entsorgung alter Arzneimittel in der Toilette oder im Ausguss
ist zunehmend ein Umweltproblem

Wohin mit dem Müll aus der Hausapotheke?

Jede fünfte Tablette landet nach Schätzungen von Experten auf dem Müll. Dies ergibt Hochrechnungen zufolge, dass jährlich Medikamente im Wert von drei bis vier Milliarden Euro weggeworfen werden. (Von diesem enormen wirtschaftlichen Schaden abgesehen: Unsachgemäß entsorgte Pillen, Tinkturen und Salben haben sich mittlerweile zu einem Umweltproblem entwickelt. Immer öfter werden in Flüssen, im Grundwasser und sogar vereinzelt im Trinkwasser Arzneimittelwirkstoffe nachgewiesen, weil viel zu oft gedankenlos überlagerte Medikamentenreste in die Toilette gespült oder der Inhalt halb voller Arzneimittelflaschen in den Ausguss gegossen werden.

Das Problem hierbei ist, dass Arzneimittelwirkstoffe in biologischen Klärsystemen oft nur langsam oder gar nicht abbaubar sind. Im Durchschnitt haben die Deutschen zwischen sechs und 20 Medikamente in ihrer Hausapotheke. Viele davon wurden sicherlich lange nicht mehr gebraucht oder haben ein abgelaufenes Verfallsdatum. Was ist also zu tun, wenn die Hausapotheke mit alten Arzneimittelpackungen überquillt?

Grundsätzlich ist die “graue Tonne” nicht nur der einfachste und bequemste Weg, nicht mehr benötigte Medikamente zu entsorgen, sondern auch der umweltverträglichste. Denn seit der Hausmüll fast ausschließlich den Müllverbrennungsanlagen zugeführt wird, werden die arzneilichen Wirkstoffe auf dem Entsorgungsweg zerstört, sodass sie keine Auswirkungen mehr auf die Umwelt haben.

Viele Apotheken in Deutschland nehmen abgelaufene Arzneimittel kostenlos zurück und führen sie einer fachmännischen Entsorgung zu

Ganz falsch ist es, Arzneimittelflaschen in der Spüle oder der Toilette zu entleeren, zu säubern und dann die Glasbehälter in den Altglas-Container zu bringen. Der “Grüne Punkt”, der sich auf Verpackungen befindet, bezieht sich bei Arzneimitteln nur auf die Verpackung und nicht auf den Inhalt. Papierverpackungen können natürlich problemlos in Papiertonnen oder -containern; Kunststoffverpackungen in den gelben Tonnen oder in den dafür vorgesehenen Säcken entsorgt werden.

Bei der Beseitigung von Arzneimitteln in der grauen Tonne sollte man besonders vorsichtig sein. Kinder könnten die weggeworfenen Tabletten leicht für bunte Bonbons halten. Deshalb ist es ratsam, die Arzneimittel mit dem anderen Hausmüll zu vermischen und nicht aus den Blisterstreifen zu drücken. Auch durch Einschlagen zum Beispiel in Zeitungspapier können Arzneimittel “getarnt” werden. Spritzen und Kanülen sollten dagegen immer in stichfesten Gefäßen gesammelt werden, bevor sie in den Hausmüll kommen.
Auf einen sorgfältigen Umgang mit Medikamenten sollte man nicht nur der Umwelt zuliebe bedacht sein. Arzneimittel sind in Mitteleuropa die häufigste Ursache für Vergiftungen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Schätzungsweise 140.000 bis 160.000 Kleinkinder vergiften sich – unbeabsichtigt – jährlich in Deutschland. 30 bis 50 Kinder sterben alleine in der Bundesrepublik an den Folgen vermeidbarer Vergiftungsunfälle mit Arzneiwirkstoffen, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Erheblich gefährdet sind Kleinkinder von dem Zeitpunkt an, ab dem sie sich selbst in ihrer Umgebung bewegen können, heißt es im Ratgeber der Bundeszentrale. In ihrer Neugier stecken sich Kinder im Alter bis zwei Jahre vieles in den Mund. “Da sehen die bunten Pillen in Omas Nachtkästchen wie leckere Bonbons aus. Und das kann gefährlich werden”, sagt Dr. Volker Schmitt, Sprecher der Bayerischen Apothekerkammer.
Quelle: obx-medizindirekt Pressedienst der NewsWork AG

erschienen am: 2012-11-20 im europaticker