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Deutschland

„Five to Twelve Talk“ – „Wir reißen die Planken aus unserem Schiff” – Steht Deutschland vor einer Wirtschaftskrise?

„Unternehmer müssen den Wandel der Zeit erkennen und sich darauf einstellen.“

 

Unternehmer, Wirtschafts- und Börsenfachleute diskutierten die wirtschaftliche Situation Deutschlands im Bürgersaal Ergolding. Anschließend wurde der Senatsclub Bayern gegründet.

Bernhard Schindler hat den „Five-to-Twelve-Talk” 2017 ins Leben gerufen, um eine Diskussionsplattform Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu bieten. Im Fokus stehen dabei aktuelle Themen rund um die Bereiche Digitalisierung, Fachkräftemangel und Unternehmertum. Die Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal statt. Wegen des großen Erfolges und der wachsenden Teilnehmerzahlen wurde der Talk inzwischen in den Ergoldinger Bürgersaal verlegt.

 

Bernhard Schindler, Geschäftsführender Gesellschafter von PROFESSION FIT hatte am 30. Oktober 2019 mit Glockengeläut „fünf vor zwölf“ viele Personen aus Politik und Wirtschaft in den Bürgersaal Ergolding eingeladen und willkommen geheißen. Grußworte gab es vom Gastgeber Bernhard Schindler, von Honorarkonsul und Vorstandsvorsitzenden des Senats der Wirtschaft Dieter Härthe, Landrat Peter Dreier, Oberbürgermeister Alexander Putz aus Landshut und Bürgermeister Andreas Strauß, Ergolding. Besondere Grüße übermittelte der geladene Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Beim letzten „Five to Twelve Talk“ im März dieses Jahres, mit den Themen Digitalisierung, Demographie und Fachkräftemangel durfte Gastgeber Bernhard Schindler bereits 150 Teilnehmer begrüßen. Dieses Mal waren es schon gezählte 255 Besucher. In drei Talkrunden wurde die momentane wirtschaftliche Situation in Deutschland und Bayern beleuchtet.

Talk1 bestand aus der Frage: Deutschland vor der Wirtschaftskrise? Auswirkungen durch Trump, Brexit, China & Co.: Droht uns die Banken- und Klimakatastrophe? Talk 2: Laptop und Lederhose: Schafft die Digitalisierung die guten Traditionen ab? Talk 3: Digitale Transformation im Einklang mit dem Personalmanagement: Fitnessstudio, Employer Branding? Mitarbeiter als Markenbotschafter? Was brauchen wir alle, um unternehmerisch wirklich fit zu sein?

 

Der Unternehmer und alleinige Inhaber und Geschäftsführer des Textilunternehmens Trigema, Wolfgang Grupp (auf dem Bild zweiter von links), erläuterte in einem emotionsgeladenen Statement in der Talkrunde 1 seine Situation. Für Grupp bedeutet unternehmerische Verantwortung, dass er für alle seine Entscheidungen persönlich in der Verantwortung beziehungsweise in der Haftung sei. „Es gibt viele erfolgreiche und verantwortungsvolle Unternehmen, vor allem im Mittelstand. Leider gibt es aber auch Unternehmen, die ihre Grenzen nicht kennen und der Gier und dem Größenwahn dienen und immer mehr wollen und am Schluss die Probleme dem Staat überlassen“, so der Unternehmer Grupp. Außerdem hätte es die Politik in der Hand, sie müsste die Verantwortung einfordern. Grupp habe zum Bsp. vorgeschlagen, die Einkommenssteuer für diejenigen, die persönlich für ihre Entscheidungen haften, um 50 Prozent zu ermäßigen. Denn dann würden die Unternehmer mehr in die Verantwortung gehen und die Entscheidungen wären überlegter und nicht der Gier und dem Größenwahn ausgesetzt.

Die Unternehmer müssen konstant den Wandel der Zeit rechtzeitig erkennen und sich darauf einstellen. Den Blick auf Berlin gerichtet, meinte Grupp weiter: „Die Unternehmer brauchen vor allen Dingen die Verantwortung und persönliche Haftung für ihre Entscheidungen wieder zurück“, sagte der Inhaber und Geschäftsführer von Trigema. Von Politik und Gesellschaft wünscht er sich, dass die Menschen wieder zu mehr Respekt gelangen. Das gilt in jeder Hinsicht, in wirtschaftlicher und vor allem in zwischenmenschlicher. „Unser größtes Problem ist, dass wir den Respekt voreinander und anderen Meinungen verlieren. Aber nur dieser Respekt bringt uns als Gesellschaft und wirtschaftlich weiter“, ist Wolfgang Grupp`s Resümee.

Beim Thema Laptop und Lederhose stellte sich die Frage: „Schafft die Digitalisierung die guten Traditionen ab und wie ist und wird die Bayerische Wirtschaft. Welche Auswirkungen hat sie auf Stadt und Land?“

Prof. Dr.Dr.Dr. h.c. Franz Josef Radermacher hat selber 35 Jahre für die Künstliche Intelligenz gearbeitet und habe viele Wellen des KI-Hypes erlebt. Er hat unter Lothar Späth in Baden Württemberg eines der ersten KI-Institute in Deutschland geleitet. Er behauptet, dass die wichtigen Sachen im Leben nicht digital seien. „Man muss ihnen nur drei Tage das Wasser vorenthalten, dann war es das.“ Es gäbe zwar Leute, die träumen davon, dass es eine Maschine geben könnte, die etwas fühlt, aber bis heute gäbe es keine Maschine, die etwas fühlt. Ein KI-System versteht die Welt nur auf der Ebene von Symbolen.

Vor Jahren hat es einen Hype gegeben, der hieß Mechatronik und überall sollten Mechatronik-Fakultäten entstehen. Das waren Fakultäten, die die mechanische Seite mit der digitalen koppelt. An dieser Herausforderung habe sich nichts geändert. Wenn man sich auf diese Herausforderung konzentriert und in diesem Umfeld die Kopplungen klug gestaltet, dann hat Prof. Radermacher um die Standorte im Lande keine Sorge. Sorge bereitet ihm, wenn man sich in einen Hype treiben lasse, der da heißt: „Wir liegen überall zurück, wir haben es nicht verstanden, unser Mittelstand ist blöd, dem muss man jetzt einmal helfen“, das macht ihm Sorge. “Solange man sagt, wir sind gut, wir haben immer sehr viel hinbekommen,  werden wir das auch mit Augenmaß meistern. Die Firmen sollen ihrem Augenmaß und der Einschätzung der Sache folgen. Sie sollen sich nicht verrückt machen lassen.

Der Moderator der Veranstaltung Jan Christoph Berndt fragte den Oberbürgermeister der Stadt Landshut, wie er es mit Traditionen halte, welche seien das überhaupt aus niederbayerischer Sicht und welche sollte man ablegen und dafür neue begründen, damit Bayern so zukunftsfähig sei, wie es ist und bleibt, so wie es früher immer war?

Gerade als Oberbürgermeister der Stadt Landshut musste Alexander Putz auf die Landshuter Hochzeit verweisen, die identitätsstiftend sei für eine Region. Das gehe weit über die Stadtgrenze hinaus. Er war zufällig in den letzten Wochen in zwei Firmen zu Besuch, wo die Menschen ungemein fleißig und sehr praktisch veranlagt seien. Sie sind zupackend und problemorientiert. Nicht so wie in anderen Regionen, wo die Theoretiker vorherrschen würden. Außerdem betonte Putz, dass es kaum andere Regionen gibt, in der eine so hohe Dichte an engagierten Menschen lebt und in vielen Vereinen und Organisationen tätig ist. Das sind die guten Traditionen, die in Niederbayern zu Hause seien.

Digitale Transformation im Einklang mit dem Personalmanagement: Fitnessstudio, Employer Branding? Mitarbeiter als Markenbotschafter? Was brauchen wir alle, um unternehmerisch wirklich fit zu sein?, war das Talk-Thema Nr.3

„Ich war immer am Puls der Zeit“, berichtete die Geschäftsführerin und Alleingesellschafterin der I.K. Hofmann GmbH. Sie wurde in Hilpoltstein/Ofr. geboren. Im Alter von 31 Jahren gründete sie in Nürnberg die I.K. Hofmann GmbH – auch Hofmann genannt – ein Zeitarbeitsunternehmen, das heute zu den fünf größten Personaldienstleistern Deutschlands gehört. Sie hat vor 5 Jahren ein IT-Unternehmen gegründet und hilft den „jungen Wilden“ mit der Digitalisierung in ihrer Arbeitsweise noch besser und noch schneller zu werden.

Was Frau Hofmann in Sachen Fit-Coaching ihren Angestellten gegenüber analog tun kann, gab Robert Zucker von der Klinik Höhenried zum Besten. Um die Hofmann-Mitarbeiter nicht als Patienten begrüßen zu müssen, würde er vorschlagen, sie als Präventionsteilnehmer begrüßen zu dürfen. Das sei nämlich seit 2017 eine Neuerung und im Paragraphen 3 gesetzlich festgelegt. In der Rentenversicherung hieß es früher Rehabilitation vor Rente, jetzt heißt es Prävention vor Rehabilitation vor Rente. Das habe einen kleinen Haken, es gibt nämlich über 1 Million Rehabilitationen zu Lasten der Rentenversicherung im Jahr und was das Präventionsthema angeht, sei dieses erst ein kleines Pflänzchen.

Der Vorstand der Deutschen Rentenversicherung BUND Claus Moldenhauer betonte, dass die Deutsche Rentenversicherung die Aufgabe habe, die Menschen erwerbstätig zu halten. Er halte die Rentenversicherung auf Grund ihres Gesundheits-Qualitätsmanagements ausdrücklich für geeignet, diese Aufgabe wahrzunehmen. Das Ziel der Rentenversicherung muss es werden, den Beschäftigten in die Zukunft hinein digital aufzuzeigen, wie sein  Anspruch heute in der Rentenleistung aufgezeigt werden kann.

Wie man die Mitarbeiter einer Firma dazu bewegt sich fit zu halten, darauf gab Prof. Dr. med. Hans-Georg Predel eine Antwort. Er ist Lehrstuhlinhaber und Professor an der Sporthochschule Köln, Chef des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Es sind immer wieder Anläufe gemacht worden und man hat versucht das Thema zu entwickeln, wie man Gesundheitsvorsorge betreibt. Menschen seien nicht sportlich aus einem Selbstzweck heraus, sondern die meisten verfolgen damit gewisse Ziele. Sie wollen attraktiver werden, erfolgreicher und wollen sich messen. Der Mensch sei aus vielerlei Gründen prädestiniert sich nicht zu bewegen, aber er muss es, weil es biologisch verankert sei. Man muss ihn erst einmal dahin bringen, dass er handeln muss. Menschen reden endlos darüber, wie sie ihren Lebensstil verändern sollen. Schlussendlich muss aber einmal die Entscheidung getroffen werden, auch etwas zu tun.

Bernhard Schindler erklärte, dass es einen Präventionsleitfaden gäbe, der seit vielen Jahren verankert sei. Dieser Leitfaden beinhaltet drei Themen, nämlich Ernährung, Stress und Bewegung. Dies sei nach Aussage von Schindler viel zu wenig, man müsse mehr dafür tun. Die Digitalisierung spiele hierbei eine große Rolle.

Fazit: „Der Mensch ist das, was zählt!“

 

Zum Thema passten die Aktiv-Pausen mit dem Fitness und Ernährungsexperten Patric Heizmann, der behauptet: „Wir brauchen nicht viel Sport, wir brauchen den richtigen Sport!“ Er sorgte mit kleinen sportlichen Übungen zwischendurch für Abwechslung in den Pausen.

 

Neben den drei Talkrunden stand dieses Mal vor allem auch die Gründung des Senatsclubs Bayern im Mittelpunkt. Dieter Härthe und Prof. Dr. Dr. Radermacher aus dem Vorstand vom Senat der Wirtschaft, neben vielen Senatoren, waren dabei, als die Senatsclub-Urkunde unterzeichnet wurde. Glückwünsche kamen aus der Bayerischen Regierung, darunter die von Innenminister Joachim Hermann.

 

Neben der Senatsclubgründung liegt Bernhard Schindler auch der gute Zweck der Veranstaltung am Herzen. Deshalb rief der Botschafter des KIT-Teams für weitere Spenden für das KIT-Team auf. Das Krisen Interventionsteam betreut und begleitet jedes Jahr etwa 2.000 Menschen, die unmittelbar nach einem außergewöhnlichen Vorfall unter schweren seelischen Belastungen leiden oder unter akutem, psychischem Schock stehen.

 

Zum Abschluss der Veranstaltung im Bürgersaal Ergolding gab der „Tausendsassa“ Joey Kelly einen Einblick in sein interessantes bisheriges Leben. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Fitness jedem Menschen hilft“, sagt Joey Kelly. Die Begeisterung für  Bewegung und Sport führte ihn auch zu Profession Fit und My Fitness Card.

Joey Kelly wurde bekannt durch seine musikalischen Erfolge mit der „Kelly Family“ in den 1990er Jahren. Doch gerade als Extremsportler machte er sich einen Namen. Er finishte 8 Ironman innerhalb von nur zwölf Monaten – ein Rekord, den vor ihm noch keiner geschafft hat. Jetzt ist er der neue Markenbotschafter für PROFESSION FIT und My Fitness Card.

 

-hjl-

 

Fotos: h.j.lodermeier

pte20170901022 Forschung/Technologie, Politik/Recht
10.000 Urkunden ausgewertet – Schwerwiegende Mängel bei 27 Prozent
Fred Zack sieht starken Verbesserungsbedarf gegeben (Foto: uni-rostock.de)

Rostock (pte022/01.09.2017/13:44) – Von 10.000 untersuchten Todesbescheinigungen waren nur 223 fehlerfrei, wie eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Rostock http://med.uni-rostock.de zeigt. Konkret geht es um eine Analyse von Totenscheinen aus dem Einzugsgebiet des Krematoriums Rostock für den Zeitraum August 2012 bis Mai 2015. Neben 3.116 schwerwiegenden Fehlern wurden auch 35.736 leichte Fehler festgestellt. Insgesamt wiesen 27 Prozent aller Scheine mindestens einen schwerwiegenden Fehler auf.

Todesursachen oft falsch

Spitzenreiter in der Negativliste der schweren Fehler ist eine nicht mögliche Kausalkette bei der Todesursache, gefolgt von der Nichterreichbarkeit des Leichenschauarztes durch fehlende Angaben zu seiner Person und dem Fehlen des Vermerks von sicheren Todeszeichen. In der Studie kam zudem heraus, dass sich über 50 Prozent aller Ärzte mindestens vier leichte Fehler pro Todesbescheinigung leisteten. “Mit dieser Größenordnung haben wir zu Beginn der Studie nicht gerechnet”, sagt Forscher Fred Zack.

Doch der langjähige Experte sieht sich in der Studie bestätigt: “Die Praxis der ärztlichen Leichenschau in Deutschland ist bekanntermaßen schlecht und bereits vielfach von unserer Fachgesellschaft kritisiert”, bemängelt der Rostocker Rechtsmediziner. Die Gründe seien vielfältig. Für zahlreiche Ärzte sei die Leichenschau ein “notwendiges Übel” und eher unbeliebt. Demnach sei die Zuwendung zum verstorbenen Menschen häufig unzureichend.

Bürokratie überfordert Ärzte

Die vorgenommene Leichenschau außerhalb einer Klinik ist laut Zack in der Regel eine schwierige Aufgabe und das Ausstellen einer Todesbescheinigung bedürfe der Berücksichtigung mehrerer Gesetze und Vorschriften, wie beispielsweise des Bestattungsgesetzes, der Definition des unnatürlichen Todes in der Strafprozessordnung, des Infektionsschutzgesetzes und weiterer Regelungen. Damit hätten zahlreiche Ärzte Probleme.

Die Todesbescheinigung ist von Bedeutung. Nur bei einem natürlichen Tod und bei bekannter Identität kann die Leiche ohne Ermittlungen bestattet werden. Bei einem nicht natürlichen oder ungeklärten Tod sowie bei einem unbekannten Toten sind Polizei und Staatsanwaltschaft gefordert, die Identität des Verstorbenen und ein mögliches Fremdverschulden zu klären. Immerhin besteht die Gefahr, dass ein Tötungsdelikt unentdeckt bleibt. Weiterhin stellen die Angaben zur Todesursache die Grundlage für die amtliche Todesursachenstatistik dar.

Deutschland ist einer der größten Geldgeber für das von der Pleite bedrohte Griechenland. Dennoch ist nur wenige Tage nach der Einigung zwischen der Euro-Zone und Athen schnell klar, wer das Feindbild Nummer eins ist: Twitter-User rufen zum Boykott deutscher Produkte auf.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Deutschland den größten Teil seiner Forderungen durchgedrückt habe und die Griechen nun sparen müssen. Was liegt da näher als deutsche Produkte zu boykottieren um die griechische Bevölkerung zu rächen. Der dazu auserkorene Hashtag #BoycottGermany verbreitet sich nun in rasender Geschwindigkeit um die Welt.

Und das die Forderungen: “Angie Merkel, Du ordnest Austerität an, wir boykottieren Deutschland und deutsche Produkte.”, schreibt der eine. Andere Twitterer zählen konkret Produkte von deutschen Firmen auf. Barcodes mit den Ziffern 400 bis 440, sollen gemieden werden. Ob es sich dabei ausschließlich um Produkte mit deutscher Herkunft handelt, bleibt unklar. Selbst der der griechische Außenminister Panos Kammenos teilte einen Aufruf zur Aktion. Ein Zeichen der Annäherung ist dies sicher nicht.

Die deutsche Wirtschaft bleibt indes gelassen. Wir nehmen das ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. “Solche Aufrufe hat es seit Beginn der Griechenlandkrise immer wieder gegeben. Sie sind weitgehend wirkungslos verpufft.”

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25.07.2013 09:57 

Im internationalen Vergleich hoher Anteil der Geringverdiener in Deutschland

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

In Deutschland verdiente im Jahr 2010 knapp ein Viertel aller Beschäftigten weniger als 9,54 Euro brutto pro Stunde. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Damit ist der Anteil der Geringverdiener hierzulande größer als in anderen westlichen EU-Ländern. Wenn man ausschließlich Vollzeitbeschäftigte berücksichtigt, ist der Anteil in Deutschland mit rund einem Fünftel etwas niedriger, aber im Vergleich immer noch relativ hoch.

Wie in international vergleichenden Analysen üblich wurde in der IAB-Studie die Niedriglohnschwelle bei zwei Drittel des nationalen Medianlohns angesetzt. Der Medianlohn ist der mittlere Lohn: Die eine Hälfte aller Beschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger als den Medianlohn. Dieser Definition folgend lag die deutsche Niedriglohnschwelle im Jahr 2010 bei einem Stundenlohn von 9,54 Euro brutto.

Die Forscher weisen darauf hin, dass Niedriglohnbeschäftigung nicht unbedingt mit Einkommensarmut einhergehen muss: „Die Armutsgefährdung hängt nicht nur vom individuellen Bruttolohn, sondern auch von anderen Einkünften, von der Wirkung des Steuer- und Transfersystems und vom Haushaltskontext ab.“

Länderübergreifend sind Frauen, Jüngere, Geringqualifizierte, Ausländer, befristet Beschäftigte und Arbeitnehmer in Kleinbetrieben unter den Geringverdienern überrepräsentiert. Die Niedriglohnquoten von Frauen und Teilzeitbeschäftigten sind in Deutschland besonders hoch. Zu den Geringverdienern zählen nicht nur Geringqualifizierte: Mehr als 80 Prozent der Geringverdiener in Deutschland haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Wie viele von ihnen auch entsprechend ihrem Ausbildungsabschluss eingesetzt sind, geht aus den der Studie zugrundeliegenden Daten allerdings nicht hervor.

Die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten ist in Deutschland bereits seit den 90er Jahren deutlich gestiegen, ebenso ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung. „Einerseits könnte die zunehmende Verbreitung von Niedriglöhnen die Chancen für Erwerbslose vergrößern, wieder in Arbeit zu kommen. Andererseits wird sie als Teil eines breiteren gesellschaftlichen – und sozialpolitisch problematischen – Trends zur Polarisierung der Erwerbseinkommen gesehen“, schreibt der Arbeitsmarktforscher Thomas Rhein.

„Niedriglohnbeschäftigung kann nicht allein unter dem Gesichtspunkt ihrer Verteilungswirkungen betrachtet werden. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht ist zu fragen, ob mehr Niedriglohnjobs für Beschäftigungsgewinne sorgen und die Arbeitslosigkeit reduzieren können, weil sie auch wettbewerbsschwachen (zum Beispiel gering qualifizierten) Arbeitskräften Chancen bieten“, betont IAB-Forscher Rhein. Im Ländervergleich lässt sich allerdings nicht feststellen, dass ein größerer Anteil von Geringverdienern mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und einem höheren Beschäftigungsstand einhergeht.


Weitere Informationen:

http://doku.iab.de/kurzber/2013/kb1513.pdf


 

Stromexporte steigen um mehr als 60 %

Jochen Habermann Pressestelle
Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

Der Trend zu hohen Exportleistungen wurde im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahr gesteigert. In den ersten sechs Monaten wurden netto 15,4 TWh ins europäische Ausland exportiert.

Im Vergleich zum Vorjahr 2012 entspricht dies einer Steigerung von 62 Prozent. Das saisonale Profil mit höheren Exporten in den Wintermonaten wiederholt sich auch im ersten Halbjahr 2013. Im Vergleich zum Vorjahr spiegelt sich vor allem der kalte März dieses Jahres in den Exporten wider. Die Hauptexportländer veränderten sich, die meisten Exporte verzeichnete Deutschland in die Niederlande (9,2 TWh, +32 %), gefolgt von Frankreich (5,9 TWh, +28 %) und Österreich (5,0 TWh, -45 %). Aus Tschechien wurden mit 6,5 TWh wiederum am meisten importiert, was einer Steigerung von einem Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Die gesteigerten Ein- und Ausfuhren von elektrischer Energie sind vermutlich auf die kalten Witterungsbedingungen diesen Winter zurückzuführen.

Ein ausführlicher Artikel zur Beschreibung der Im- und Exporte des letzten Jahres wird in Kürze in der Zeitschrift EMW erscheinen.

Datengrundlage:
Bei den analysierten Exportdaten handelt es sich um die Commercial Cross‑Border Schedules (CBS), die von der Entso-E veröffentlicht werden.

 

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Nach den Vorstellungen einiger Politiker sollte Deutschland für alle Haushaltsdefizite in der europäischen Währungsunion bürgen. Geht das denn? Ein Bürge erfüllt nur seinen Zweck, wenn er finanziell solide ausgestattet ist. Singen hier die Politiker von SPD, Grünen und noch weiter Links etwa das hohe Lied auf den soliden Staatshaushalt? Angesichts einer Rekordneuverschuldung in Baden-Württemberg und vier verfassungswidrigen Haushalten in Folge in Nord-Rhein-Westfalen kommen da Zweifel. Bündnis SPD/Die Grünen glaubt wohl an die Existenz eines finanzpolitisches Perpetuum Mobiles, frei nach dem Motto: lass der eigenen Verschuldung freien Lauf, um als Bürge Europa dienen zu können. Dass Geld nicht auf der Wies’n wächst wissen nicht nur Liedertexte zu berichten. Nach einem Jahrhundert der praktischen Erfahrung mit Sozialismus und Kommunismus wissen dies auch die Ideologen der linkspolitischen Szene. Ihre Antwort auf das Problem ist stets die gleiche. Das Geld muss man denjenigen wegnehmen, die welches haben. Neu ist, dass sich jetzt auch die arbeitende, steuerzahlende Bevölkerung dafür rechtfertigen muss, etwas gelernt zu haben mit dem sich Geld verdienen lässt. Die Parteitagsbeschlüsse von SPD und Grünen strecken die Hände aus nach den Einkommen der Reichen, also den abhängig beschäftigten Steuerzahlern mit qualifiziertem Beruf. Die Last auf den Schultern dieser Familien wird noch größer werden, als Finanzier des deutschen Staatshaushaltes, als Finanzier des deutschen Sozialsystems, als Finanzier leistungsunabhängiger Grundgehälter und als Finanzier der Bürgschaft für alle maroden Staatshaushalte in der Eurozone. Kann es einer verdenken, wenn der Albtraum ein Plakat wie dieses hervorbringt?

Hinweis:

Alle Grafiken sind vom Bürgerbriefschreiben selbst erstellt und die Weiterverbreitung ist ausdrücklich erwünscht.

Wenn jemand Plakate drucken will soll er sich an post@klartext.LA wenden, dann erstellt der Verfasser passende Druckvorlagen.


 

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Dieser Leserbrief wurde laut Verfasser von der LZ nicht veröffentlicht. Wir wollen keine Zensur ausüben. Strafrechtlich relevante Elemente konnten wir nicht feststellen. Bei kLArtext.LA hat die freie Meinungsäußerung eine Chance:

 

Islamzentrum in Neufahrn I Ndb.

unter kräftiger Mithilfe hirnloser Politiker aller!! Parteien und Mithilfe sonstiger Zeitgenossen,

die wenig oder nichts gelernt haben, erfolgt eine schleichende Islamisierung grösseren Ausmaßes

unserer Heimat.

Seit Jahren ist zu sehen, wie zuerst Großstädte, dann Mittelstädte unterwandert wurden,

offiziell im Sinne Allahs; Moscheen und Versammlungszentren errichtet wurden z.T. mit

finanzieller Unterstützung durch Deutschland. Geld, welches unserem Land und der einheimischen

Bevölkerung in vielen Bereichen fehlt.

Wir haben marode Strassen, Brücken & Schulen, renovierungsbedürftige Krankenhäuser, zu

wenig Altenheime,

die Bezahlung der dort Beschäftigten ist für das was diese Leute leisten “unter aller Sau”, um

es einmal ganz deutlich zu sagen.

Die Islamisierung geht weiter, jetzt besinnt man sich auf die ländlichen Gebiete, wie sonst ist

es möglich in Neufahrn ein islamisches Gemeindezentrum zu errichten? Ich frage mich, wer

hat das ‘Grundstück, das Haus zur Verfügung gestellt und wer hat die notwendigen Genehmigungen

erteilt? Ist hier Geld geflossen, auszuschliessen ist es grundsätzlich nicht.

Unsere Kultur wird schleichend vernichtet und eine uns fremde Kultur wird uns ebenso schleichend

untergejubelt. Alles was einmal gut war wird in Frage gestellt, weil es einigen Wenigen

nicht passt und diese Wenigen glauben sie müssten ihre Meinung den anderen aufzwingen.

Es ist tagtäglich festzustellen, in unserem Land wird mit zweierlei Maß gemessen.

Wenn ich mir das schon an einen Komödienstadel erinnernde Gerichtsverfahren in München

ansehe, wie unterwürfig sich die Verantwortlichen darstellen müssen, wie dilettantisch auf

Druck gehandelt wird, man sich gezwungen der türkischen Meinung hingibt und bei jeder Gelegenheit

das “eigene Nest beschmutzt”, es ist nicht zu fassen!

Hauptübel dieser Zustände sind “die Grünen”. Hier nur 2 Zitate massgeblicher Personen aus

dieser Gruppierung:

1. Cem Özdemir, “Deutsch”-Türke, Bundesvorsitzender “der Grünen”: “in zwanzig Jahren haben

wir eine grüne Bundeskanzlerin und ich berate die türkische Regierung bei der Frage, wie

sie die Probleme mit der deutschen Minderheit in den Griff bekommt” ( aus dem Tagesspiegel).

2. Joseph Fischer (ebenfalls Grüne): “Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger,

disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind. Das wird immer wieder zu “Ungleichgewichten”

führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem soviel Geld wie nur möglich

aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal, wofür. Es kann auch radikal

verschwendet werden – Hauptsache die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.”

Leute passt auf, wir hatten bereits im vergangenen Jahrhundert Zeiten, die so nicht mehr erwünscht

sind. Aber wenn sich nicht bald was ändert, bestimmte Zeitgenossen in unserem

Land sich breit machen, tun was ihnen passt und die Ordnung abhanden kommt, das eigene

Volk keine Existenzmöglichkeit und keine Zukunftsaussichten mehr hat, dann ist es nicht auszuschliessen,

daß es zu einem Volksaufstand kommt.

Mit meinem Leserbrief bin ich sicherlich einigen “sog. Gutmenschen und/oder Grünen” auf die

Zehen getreten; über deren Reaktionen muß ich heute schon lachen, wenn ich mir ausmale,

wie sich diese Zeitgenossen ereifern .

H.M.  Essenbach

Leserbrief0002

17. Jun. 2013, 7:27

Diesen Artikel finden Sie online unter

http://www.welt.de/117158006

Welt am Sonntag 16.06.13

An den Rand gedrängt und ausgedünnt. An den Schulen unerwünscht,

an den Unis verspottet. Schulterklopfen? Anerkennung? Nur bei

Hochwasser. Die Bundeswehr wird gern im Ausland und im

Katastrophenfall eingesetzt. An der Heimatfront aber hat sie zu kämpfen.

Von Ulrich Exner, Miriam Hollstein und Simone Meyer, Mitarbeit: Thorsten Jungholt und C.C. Malzahn

Jetzt werden sie wieder gebraucht. Als Sandsackträger, Menschenretter, Hab-und-Gut-

Verteidiger, Anpacker, Notreserve. 100 Liter Regen in 48 Stunden, alle Deiche wackeln.

Land unter zwischen Passau und Lauenburg. Katastrophenalarm, Drecksarbeit. Hoffen,

Bangen und noch ‘ne Schippe drauf.

Also: Her mit der Truppe, Kriseneinsatz Passau, Regensburg, Dresden

(Link: http://www.welt.de/themen/dresden-staedtereise/) , Pirna, Bitterfeld, Magdeburg, Hitzacker, wieder

Lauenburg, sogar die Kanzlerin ist äußerst dankbar. Soldaten waren in der vergangenen

Woche so ziemlich überall hochwillkommen. Aufräumarbeiten in Deggendorf, Dammbruch in

Hohenwarthe, Deicherhöhung in Mühlberg – die Armee ist immer da zur Stelle, wo die

anderen nicht mehr fertig werden mit ihrem Schicksal.

Wenn aber alles vorbei ist, wenn die braune Brühe abgelaufen und der letzte angespülte

Baumstamm von der Weide gezogen ist mit schwerem Gerät; wenn sie also wieder abtreten

können samt ihren verschwitzten Uniformen, dann tun viele so, als gebe es die Bundeswehr

gar nicht mehr. Ein “freundliches Desinteresse” hat der frühere Bundespräsident Horst

Köhler seinen Landsleuten im Umgang mit ihrer Armee unterstellt und mehr

“Aufmerksamkeit, Solidarität und Dankbarkeit für unsere Soldatinnen und Soldaten”

gefordert. Das war 2008.

Fünf Jahre später hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Jedenfalls

sehen das viele Soldaten so, Offiziere, die man anspricht und fragt, wie sie sich fühlen in

ihrer neuen Bundeswehrrepublik Deutschland (Link: http://www.welt.de/themen/deutschland-reisen/) . In

einem Land, in dem es keine Wehrpflicht mehr gibt und immer weniger Kasernen. In dem die

Wege weit werden zum nächsten Kriseneinsatz. Ein Land, in dem man keine übermüdeten

Häuflein junger “Rotärsche” mehr trifft am Sonntagabend im letzten Zug nach irgendwo.

Man werde insgesamt gesehen zwar schon ein wenig freundlicher behandelt als noch zu

Zeiten der alten Bundesrepublik, sagt ein Offizier der “Welt am Sonntag”. Damals, vor 1990,

sei er allein auf weiter Flur gewesen in seiner Klasse mit der Entscheidung für die

Bundeswehr, gegen den Zivildienst. Auf derart geballte Ablehnung treffe man heutzutage

nicht mehr. Aber wirkliches Interesse an der Arbeit der Armee? Respekt, Anerkennung,

vielleicht sogar echte Verbundenheit mit der Armee, wie er sie bei seinen Aufenthalten in

England oder den USA erlebt habe? Keine Spur. “Was man dort erlebt, können Sie mit

unseren Verhältnissen überhaupt nicht vergleichen.”

Unsere Verhältnisse. Aus der Wehrpflichtarmee, mit der fast jeder direkt oder indirekt, über

Freunde, Vereine, die Kaserne nebenan, sei es auch nur durch die Verweigerung oder den

schriftlichen Kontakt mit einem bürokratischen Ungetüm namens Kreiswehrersatzamt

irgendwie verbunden war, ist eine Freiwilligenarmee geworden, die sich mehr und mehr aus

der Fläche zurückzieht; die in vielen Gegenden nicht mehr präsent ist, schon gar nicht in den

großen Städten. In Hamburg (Link: http://www.welt.de/themen/hamburg-staedtereise/) , Berlin

(Link: http://www.welt.de/themen/berlin-staedtereise/) , Köln (Link: http://www.welt.de/themen/koeln-staedtereise/)

begegnet einem heutzutage kaum noch ein Mensch in Uniform, es sei denn, es ist November

und ein paar Versprengte mit Barett sammeln auf dem Markt mal wieder für die

KriegsgraÅNberfürsorge. Die Bundeswehr wollte und sollte eine Armee “in der Mitte der

Gesellschaft” sein. Stattdessen findet man sie immer häufiger an deren äußerstem Rand.

Eine ziemlich versteckte Truppe.

Munster, Heide, Niedersachsen, Niemandsland. Hier ist die olivgrüne Welt noch in Ordnung.

Bernd Schütt, 52 Jahre alter General der Panzertruppen und Kommandeur des hiesigen

Ausbildungszentrums, sitzt beim traditionellen Schützenessen der Gemeinde

selbstverständlich an der großen Ehrentafel, direkt neben dem ersten Gildeherrn. Schütt,

zugleich der Standortälteste, wird heute auch die Festrede halten. Grün-weiße Wimpel über

langer, rustikal gedeckter Tafel, die “Heidejäger” blasen gleich den “Suppenmarsch”.

Munster ist so etwas wie eine Insel der Glückseligen, eine fast perfekte Symbiose zwischen

Armee und Gesellschaft. Viertgrößter Bundeswehr-Standort in Deutschland, das

“Schaufenster des deutschen Heeres”, Garnisonsstadt seit 1983. Rund 16.000 Menschen

leben hier, mehr als 6000 Soldaten arbeiten in einer der fünf Kasernen. In jedem dritten

Haus, mindestens, wohnt einer, der irgendwie mit Militär zu tun hat. Der Bürgermeister hat 32

Die ungeliebte Armee

Die ungeliebte Armee – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – DIE WELT Page 1 of 6

http://www.welt.de/print/wams/article117158006/Die-ungeliebte-Armee.html?config=print 17.06.2013

Jahre als Ingenieur bei der Truppe gearbeitet. Die Vereine leben davon, dass Soldaten nach

dem aktiven Dienst in ihren Vorständen mitwirken.

Also nützt Schütt seine kleine Schützenfest-Rede, um Danke zu sagen, für die

Zusammenarbeit, für die “Gesten des Interesses”. “Diese Solidarität gibt uns den nötigen

Rückhalt und die Kraft, auch schwierige und zum Teil schwierige und gefährliche Zeiten und

Situationen zu überstehen.” Viel mehr erwarten Deutschlands Soldaten gar nicht von ihrem

Land, von ihrer Gesellschaft. Aber das erwarten sie tatsächlich.

Jenseits von Munster ist man von solch Geborgenheit weit entfernt. Zwar genoss die

Bundeswehr laut der jüngsten Studie ihres sozialwissenschaftlichen Instituts im Jahr 2012

bei 34 Prozent der Befragten ein “hohes” und bei 53 Prozent ein “durchschnittliches”

Ansehen. Wenn man die gleichen Personen anschließend danach fragte, wie sie das

Ansehen der Bundeswehr in der Gesellschaft insgesamt einschätzten, dann billigten nur

noch 14 Prozent der Armee ein “hohes” Ansehen zu. “Durchschnittlich” kam bei diesem

Frageansatz auf einen Wert von 66 Prozent, ein “geringes” Ansehen konstatierten 18

Prozent der Befragten. Manch einer wünscht die Truppe dann auch gleich ganz zum Teufel –

auch das hat ja eine gewisse Tradition hierzulande.

Das Robert-Blum-Gymnasium im Westberliner Stadtteil Schöneberg engagiert sich gegen

vieles: gegen Rassismus, gegen Cybermobbing – und gegen die Bundeswehr. Vor zwei

Jahren beschloss die Schulkonferenz, Vertretern der Bundeswehr den Zutritt zu verweigern.

Stolz wird auf der Homepage des Gymnasiums vermerkt, es sei damit “eine der ersten

Schulen Berlins, die sich klar gegen die Präsenz der Bundesarmee in der Schule ausspricht

und deren Werbeangebote deutlich ablehnt”. Darunter steht ein Link zum Jugendverband

des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

Wie es zu dem Schritt kam, will Schulleiter Bernd Fiehn heute nicht mehr erklären. Auf eine

Interviewanfrage reagiert er nicht. Zum Vergleich: In den USA werden öffentlichen Schulen,

die den Besuch der US-Army ablehnen, schon mal die staatlichen Mittel gekürzt. Die Berliner

Schüler, Lehrer, Eltern können dagegen mit einem ordentlichen Maß an Anerkennung

rechnen für ihren Schritt. Zusammen mit zwei weiteren Schulen wurde ihnen der diesjährige

“Aachener Friedenspreis (Link: http://www.welt.de/themen/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels/) ”

zugesprochen.

Der für die Verleihung zuständige Verein begründet die Auszeichnung mit seinem Wunsch,

“ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft” zu setzen.

Dem Verein gehören unter anderem die Stadt Aachen, Misereor, der evangelische

Kirchenkreis sowie Vertreter von SPD und Grünen an, Parteien also, die die Bundeswehr-

Soldaten regelmäßig in Kriegseinsätze schicken.

Immerhin, ein für die Bundeswehr ermutigendes Detail gibt es doch am Rande der für den

September geplanten Preisverleihung. Eine der drei ausgezeichneten Schulen hat die

Annahme des Preises abgelehnt: “Wir wollen den Preis ganz einfach nicht und lassen uns

nicht für politische Statements missbrauchen”, teilte Alexandra Haußmann, die Leiterin der

Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule, dem Friedenspreisverein Anfang dieser Woche

schriftlich mit. Der 2010 gefasste Beschluss der Schulkonferenz gegen die Präsenz von

Bundeswehrvertretern sei “rechtswidrig und gegenstandslos”.

In Offenbach, an der Käthe-Kollwitz-Schule, steht man zum Truppen-Verbot im

Klassenzimmer. Dort heißt es zur Begründung: “Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen

und Schüler für einen Krieg gegen andere Völker rekrutiert werden. Und wir wollen auch

nicht, dass sich die Bundeswehr als friedensschaffende Kraft anpreisen kann.”

Ein bemerkenswertes Statement einer öffentlichen, aus Steuermitteln finanzierten Institution,

die es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hat, eine andere öffentliche, ebenfalls aus

Steuermitteln finanzierte Institution daran zu hindern, ihrer – von einem demokratisch

gewählten Parlament – gestellten Aufgabe nachzukommen. Man muss das wohl nicht auf

Anhieb begreifen.

Geht es nach den Gegnern der Bundeswehr, werden solche Beispiele Schule machen. Das

bundesweit aufgestellte Bündnis “Schule ohne Militär” gibt auf seiner Website

Handlungsanweisungen. “Ihr sollt an einer Infoveranstaltung der Bundeswehr teilnehmen?

Werdet vielleicht sogar dazu gezwungen durch Androhung von Verweisen oder

Anwesenheitspflicht?”, wird dort gefragt. “Dann seid ihr hier richtig.” Widerstandswillige

Schüler können sich eine Power-Point-Präsentation sowie ein Antragsformular gegen die

Bundeswehrpräsenz an ihrer Schule herunterladen.

Wie wirksam diese Art von Anti-Werbung für die Bundeswehr sein kann, zeigt ein Vorfall am

Berliner John-Lennon-Gymnasium. Dort sollte ein Jugendoffizier auf Einladung eines Lehrers

vor einem Politik-Leistungskurs über das Thema “Terrorismus” referieren. Vereinbart war,

dass er keine explizite Werbung für die Bundeswehr machen würde.

Prompt gründeten Schüler ein “Streikkomitee”. Als der Jugendoffizier morgens die Schule

betreten wollte, musste er einen regelrechten Spießrutenlauf durch ein Spalier von Schülern

absolvieren, die auf Plakaten und Flugblättern eine “bundeswehrfreie Zone” forderten. Die

Begründung des Lehrers, er sei selbst Wehrdienstverweigerer, habe den Offizier aber als

Vertreter eines Verfassungsorgans eingeladen, ließen die Schüler nicht gelten.

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vorbehalten

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“Das war nur eine kleine Gruppe trotzkistisch gesinnter Schüler”, erklärt tapfer Jochen

Pfeifer, Leiter des John-Lennon-Gymnasiums, den Zwischenfall. Er selbst lade seit Jahren

Jugendoffiziere an seine Schule ein und werde dies auch weiterhin tun. Dass andere

Schulen jegliche Bundeswehrpräsenz verbieten, findet Pfeifer “völlig grotesk”: “Die

Bundeswehr ist kein Privatunternehmen, sondern eine staatliche Organisation unter

parlamentarischer Kontrolle.”

Von so viel Einsicht war man Anfang April an der Berliner Humboldt-Universität weit entfernt.

Dort scheiterte der Versuch Thomas de Maizières kläglich, einen Gastvortrag zum Thema

“Armee der Einheit – der Beitrag der Bundeswehr zum gesellschaftlichen Zusammenhalt” zu

halten. Der Verteidigungsminister, noch frei von den Belastungen des Drohnen-Desasters,

wurde von den Studenten niedergeklatscht und mit Sprüchen der plumperen Sorte (“Nie

wieder Krieg. Nie wieder Deutschland”) niedergebrüllt. Vergleichbares hatte es zuvor bereits

an der Uni Leipzig gegeben, wo de Maizière aber immerhin noch eine 20-minütige

Diskussion über die Aufgaben der Truppe durchsetzen konnte.

Ein anderes Beispiel für die Abneigung der institutionalisierten Bildungsrepublik Deutschland

gegen ihre eigenen Militär-Dienstleister liefert die Zivilklausel-Bewegung in der deutschen

Hochschul-Szene. Ihre Protagonisten wollen möglichst viele Universitäten davon

überzeugen, auf Lehre und Forschung für militärische Zwecke zu verzichten. In

Niedersachsen galt eine entsprechende Verpflichtung schon einmal flächendeckend. Damals

hieß der amtierende Ministerpräsident Gerhard Schröder.

Heutzutage gelten Zivilklauseln unter anderem in Tübingen, Köln, Göttingen und Frankfurt

am Main. In der dortigen Goethe-Universität hat im März nach dem Hochschulrat und dem

Senat auch das Präsidium der Universität die Zivilklausel verabschiedet. Max Rudel, beim

AStA der Universität zuständiger Referent, freut sich: “Militärforschung hat an den

öffentlichen Hochschulen keinen Platz.” Und die Vizepräsidentin der Universität, Professorin

Tanja Brühl, ergänzt: “Ich freue mich, dass das universitäre Bekenntnis zur Friedfertigkeit in

der Goethe-Universität einen so großen Widerhall findet.”

Es geht auch noch drastischer: So rief der Berliner Landesverband der linken “Deutschen

Friedensgesellschaft” im Jahr 2010 unter dem Motto “Feste feiern, wie sie fallen” dazu auf,

am Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin mit Champagner zu feiern, wenn ein

Bundeswehrsoldat in Afghanistan ums Leben komme. Nach massiver Kritik und

staatsanwaltlichen Ermittlungen distanzierte sich die Bundesführung der DFG von der Aktion.

Derart unappetitliche Hetze gegen Bundeswehr-Soldaten ist spätestens seit 1994 salonfähig.

Damals entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Autoaufkleber eines

Kriegsgegners mit dem Slogan “Soldaten sind Mörder” nicht das Recht der persönlichen

Ehre verletze, da “Mörder” hier nicht im Sinne der strafrechtlichen Definition von Mörder

gemeint sei. Das Gericht widersprach damit vorherigen Instanzen, nach deren Urteil der

Aufkleber Soldaten der Bundeswehr zu “Schwerstkriminellen und minderwertigen Gliedern

der Gesellschaft” degradiert.

Unter den politischen Parteien versucht vor allem die Linke, sich als “Anti-Bundeswehr-

Partei” zu profilieren. In ihrem Programm fordert sie ein Ende aller Militäreinsätze der

Bundeswehr, Teile der Partei wollen die Armee komplett abschaffen. Fraktionschef Gregor

Gysi bezeichnete den Afghanistan-Einsatz öffentlich als “Terrorismus”.

Im nächsten Jahr sind es wieder mehrere Hundert Soldaten aus Munster, die nach

Afghanistan geflogen werden. Familienväter, Muttersöhne, Geliebte, Fröhliche, nicht ganz so

Fröhliche. “Terroristen” werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht dabei

sein.

Stattdessen Männer, und ein paar Frauen, die Weihnachten, Ostern und am Geburtstag der

Kinder ganz schön fehlen werden in Munster. Auch beim Sommerfest des Sportvereins und

als Sandsackschlepper bei der nächsten Flut. Die Panzerlehrbrigade 9 muss wieder los zum

Isaf-Einsatz. Als Leitbrigade, wie schon im Jahr 2011, vier Soldaten wurden damals verletzt,

Tote gab es Gott sei Dank keine.

Dennoch weiß man in Munster schon heute, wie genau eine Trauerfeier organisiert werden

müsste, falls einer gar nicht mehr zurückkehren sollte. “So etwas legt sich wie ein Schatten

über die Stadt”, sagt Lars Klingbeil, der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete. Schon

deswegen wüssten die Leute hier ziemlich genau, was den Beruf des Soldaten ausmache.

“Man hat eben ein Gesicht vor Augen.”

Berlin, Mitte, pulsierendes Zentrum der Republik. Wenn einem hier eine grüne Uniform

begegnet, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit eine von der NVA. Oder von der Roten

Armee. Foto gefällig? Ein bisschen Mauergrusel dazu? Deutsche Geschichte,

menschenverachtende Geschichte als absurdes Kasperle-Theater.

Im sehr viel unwahrscheinlicheren Fall aber steht man Oberstleutnant André Wüstner

gegenüber. Er ist dann womöglich gerade in Tegel gelandet und ins

Verteidigungsministerium oder in die Geschäftsstelle des Deutschen Bundeswehrverbands in

Prenzlauer Berg gefahren. Der 39-Jährige ist einer von wenigen Bundeswehrangehörigen,

die in Berlin auch auf dem Weg zum Arbeitsplatz ihre Uniform tragen. Weil es einfach

praktischer sei, aber auch “weil ich zu meinem Beruf stehe, der sicher kein Beruf wie jeder

andere ist”.

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Den Preis dafür – Beleidigungen, in Berlin werden Uniformierte schon mal mit “Sieg Heil”

gegrüsst, dumme Sprüche auf offener Straße, erst recht im Internet, dazu das intellektuell

verbrämte Infragestellen seiner persönlichen moralischen Integrität – das nehmen Offiziere

wie Wüstner ziemlich gelassen in Kauf. Weitaus schwieriger wird es für sie, wenn zu dieser

in Nachkriegsdeutschland traditionellen Distanz zwischen ziviler Welt und militärischer Welt

auch noch eine spürbare Entfremdung zwischen politischer Führung und militärischem

Personal kommt.

Mitte Januar 2013, München (Link: http://www.welt.de/themen/muenchen-staedtereise/) , Universität der

Bundeswehr, Neujahrsempfang der Militärseelsorge: Verteidigungsminister Thomas de

Maizière spricht über den Unterschied zwischen der Binnen- und der Außenwahrnehmung

der Bundeswehr. In der Bevölkerung, sagt der Minister, genieße die Armee “ein unglaublich

hohes Ansehen”. Sämtliche Umfragen belegten, dass die Bundeswehr und der Soldatenberuf

“sehr angesehen” seien.

Nur in der Truppe selbst, sagt Thomas de Maizière dann, da sähen das viele ganz anders.

Da höre er viel zu oft Klagen über mangelnde Anerkennung und den Wunsch nach mehr

Wertschätzung. Und dann sagt der Verteidigungsminister jene beiden Sätze, deren Ton er

inzwischen zwar öffentlich bedauert, deren Kern er aber bis heute nicht zurücknehmen mag.

“Wir sind süchtig nach Anerkennung.” “Hören wir auf, nach Anerkennung zu gieren.” Gier,

Sucht, Jammerei – so despektierlich, so pauschal negativ hat sich selten ein

Verteidigungsminister öffentlich über seine Armee geäußert. Nicht nur Oberstleutnant

Wüstners Bundeswehrverband empfand de Maizières Rede als “Demütigung”. Als

heimtückischen Angriff aus den eigenen Reihen. De Maizières Münchner Rede hat viele

Soldaten vermutlich schwerer verletzt als alle tägliche Ignoranz, als alle üblichen

Respektlosigkeiten, als jede linke Anti-Bundeswehr-Propaganda. Wenn man sich in diesen

Tagen, in denen de Maizière so schwer unter Druck steht, fragt, warum die Unterstützung für

ihn aus der Truppe eher zurückhaltend ausfällt, warum man gelegentlich den Eindruck hat,

hier lasse ein Apparat seinen Minister im Stich, liefere ihn mit dem Durchstechen von

Schriftstücken womöglich ans Messer – in de Maizières Münchner Rede findet man

womöglich einen Teil der Antwort.

“Viele Soldaten”, sagt Oberstleutnant Wüstner rückblickend, “können die Aussagen des

Ministers bis heute nicht nachvollziehen”. Die Klagen der Truppe, ihr Wunsch nach mehr

Anerkennung, sei eben kein Ausdruck von Gier, sondern die Folge alltäglicher Erfahrungen,

gepaart mit der wachsenden Sorge vieler junger Leute, auch außerhalb der Armee ihren

Platz in der Mitte der Gesellschaft zu verlieren.

Vielleicht kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der den Eindruck der Soldaten verstärkt, jenseits

von Hochwasser und anderen Noteinsätzen noch immer nur zähneknirschend geduldet zu

sein in einem Land, das auf den Trümmern einer verheerenden militärischen Katastrophe

gegründet wurde. Auslandseinsätze laden die Truppe ja geradezu ein zu einem Vergleich mit

den Kollegen, mit den Soldaten anderer Nationen, deren Verhältnis zum Militär

ungebrochener ist.

Tom M. (richtiger Name ist der Redaktion bekannt) hat schon ein paar solcher

Auslandseinsätze auf dem Buckel. Afghanistan, Balkan, das übliche Programm, eine ganze

Reihe brenzliger Kampfeinsätze inklusive. Doch dafür, sagt der Offizier, interessiere sich

“hier in Deutschland im Grunde niemand”. Gesellschaftliche Anerkennung für solche

Einsätze, wenigstens ein ehrliches Zuhören gebe es kaum – obwohl inzwischen mehrere

Zehntausend junger Männer in Deutschland diese Erfahrungen teilen.

“Für deutsche Soldaten interessieren sich die Medien doch bloß, wenn sie Fehler gemacht

haben”, findet Offizier M. und ist durchaus neidisch auf den “Grundrespekt”, der Soldaten in

anderen westlichen Ländern begleitet, auch wenn man dort längst nicht mehr jeden

Auslandseinsatz bejubelt.

“Die meisten Amerikaner sehen den Vietnam (Link: http://www.welt.de/themen/vietnam-reisen/) -Krieg

heute sehr kritisch”, sagt M., der sich intensiv mit der US-Militärhistorie beschäftigt hat.

Dennoch würde fast jeder US-Bürger einem Vietnam-Veteran in der Kneipe ein Bier

ausgeben – weil man Militäreinsätze als Dienst an der Gesellschaft versteht und die

Opferbereitschaft der Truppe hoch anerkenne.

Mehr als 100 Bundeswehrangehörige sind ums Leben gekommen, seit die deutsche Armee

wieder im Ausland eingesetzt wird, darunter sind auch Unfalltote und Soldaten, die sich das

Leben genommen haben. Sie alle, so sehen es außer der Linken alle im Bundestag

vertretenen Parteien, haben sich geopfert für die Freiheit der Deutschen. Wenn das Ernst

gemeint ist, wenn das keine hohlen Sonntagsreden sind, dann kann sich dieses Land eine

ungeliebte Armee nicht leisten, dann verlieren sich zwei, die sich eigentlich dringend

brauchen: Freie Gesellschaft und wehrhaftes Militär.

Eine Truppe, der sich Schulen und Universitäten dauerhaft verweigern, die von denen, deren

Freiheit sie verteidigen soll, lieber übersehen als wertgeschätzt wird, kann ihre Aufgaben auf

Dauer nicht erfolgreich erledigen. Sie verliert ihre Attraktivität, ihre Zugkraft, ihre guten Leute,

ihre Leistungskraft. Ignoranz und Ablehnung sind ja bei Weitem nicht die einzigen

Schwierigkeiten, mit denen die Bundeswehr zu kämpfen hat.

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Von den 250.000 Soldaten, die es zu Wehrpflichtzeiten gab, werden in ein paar Jahren

höchstens noch 170.000 übrig sein. Ob der Schrumpfungsprozess damit abgeschlossen ist,

steht in den Sternen. 150.000, diese Zahl geistert auch schon durch durch das

Offizierskorps. Seit Mitte der 80er, so formuliert es ein erfahrener Marineführer, sei die

Bundeswehr quasi permanent Gegenstand von Reformen gewesen.

Spätestens seit der deutschen Einheit, seit der Verschmelzung zweier zuvor eigenständiger

Armeen, ist dann kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Halbierung der Zahl der

Streitkräfte, Reduzierung der Wehrpflichtdauer, Öffnung der Armee auch für Frauen, Umbau

von einer reinen Verteidigungswehr zu einer Armee im Auslandseinsatz, noch eine

Reduzierung der Wehrpflichtzeiten, jeder fünfte Bundeswehrstandort wird dichtgemacht;

Abschaffung der Wehrpflicht, erneute Halbierung der Kopfzahlen, abermalige Reduzierung

der Zahl der Standorte. 400 sind es noch bundesweit, im Zuge der jüngsten

Bundeswehrreform werden 31 davon geschlossen und weitere 33 stark verkleinert. Neun

Verteidigungsminister hat die Truppe in dieser Zeit gesehen, die meisten sind weder freiwillig

gekommen noch aus freien Stücken abgetreten.

Hardthöhe und Bendlerblock sind auch nicht besonders beliebt, wenn es darum geht,

Ministerposten zu verteilen. Er sei ganz optimistisch, auch nach der Bundestagswahl im

Herbst sein Amt fortführen zu können, befand schon im Angesicht des Drohnen-Desaster

Thomas de Maizière. Seine ernüchternde Begründung: Es gebe ja nicht so viele Politiker, die

sich für dieses Ministerium interessieren.

Das sind also die Voraussetzungen, unter denen die Armee um ihr Ansehen, gegen ihre

innenpolitischen Gegner, gegen die Ignoranz und um den eigenen Nachwuchs kämpfen

muss.

“Je weniger Standorte wir haben”, sagt der Bundestagsabgeordnete Klingbeil, Mitglied im

Verteidigungsausschuss des Parlaments, “desto schwieriger wird es mit der Integration der

Bundeswehr in die Gesellschaft”. Und desto weniger die Armee in den Alltag integriert ist,

desto schwieriger wird es, die jungen Leute für die Bundeswehr zu gewinnen.

Die Bundeswehr hat sich deshalb zu einer neuen Art der Vorneverteidigung an der

Heimatfront entschlossen. 94 Jugendoffiziere werben mittlerweile bundesweit um

Nachwuchs. Imagekampagnen werden aufgelegt, die Sinn und Zweck vor allem der

Auslandseinsätze erklären; ein Offenbarungseid im Übrigen für die Kommunikationskraft der

Verteidigungspolitiker. 17 Karrierecenter helfen Schulabgängern und Hochschulabsolventen

bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, dazu gibt es rund 200 regionale Beratungsbüros.

Immer mehr Standorte laden zu Tagen der Offenen Tür oder gleich zu einer “Woche der

Schulen” wie unlängst in Wilhelmshaven, wo mehr als 1000 Jugendliche die dort stationierten

Fregatten inspizierten, samt viel zu enger Kojen und Rettungshubschrauber im Einsatz.

13.000Mitarbeiter muss die Armee jährlich einstellen, um die vorgegebenen Truppenstärken

halten zu können. Das ist nicht wenig angesichts der bekannten demografischen Probleme,

mit denen nahezu alle Branchen heutzutage zu kämpfen haben.

Also wurde ein Bundeswehr-Quiz zusammengeschraubt, das wie “Wer wird Millionär”

funktioniert und in einem Bundeswehr-Truck über die Marktplätze und Job-Messen der

Republik tingelt. Man tritt mit einer eigenen Internet-Community an, mit diversen Facebook-

Seiten und kämpft mit sogenannten “BW-Adventure-Camps” um die Aufmerksamkeit der

Jugendlichen. So etwas geht natürlich auch nicht ohne Proteste ab. Beim “Hessentag”, der

an diesem Wochenende in Kassel beginnt, will das örtliche Friedensforum mit

Demonstrationen und Flashmobs gegen die dort anwesenden Streitkräfte protestieren. Es sei

nicht richtig, dass eine Armee im Kriegseinsatz “auf Volksfesten Rekrutierungsarbeit

betreibt”, die Bundeswehr werbe in der Kasseler Karlsaue “fürs Sterben”.

Als die Heranwachsenden-Postille “Bravo” im vergangenen Herbst Anzeigen für ein “BWAdventure-

Camp” veröffentlichte und sich auch ein entsprechender Trailer auf ihrer

Homepage fand, intervenierte die Evangelische Kirche ebenso wie das Kinderhilfswerk terre

des hommes. Die Werbung für das Camp verharmlose die tödliche Gefahr, die ein

Engagement in der Bundeswehr mit sich bringen könne. Außerdem verstoße die Reklame in

der “Bravo” gegen die UN-Kinderrechtskonvention.

Die Adventure-Veranstaltungen sind dennoch ausgebucht, auch die Nachwuchsrekrutierung,

um die sich viele Sorgen gemacht haben nach dem Ende der Wehrpflicht, funktioniert bisher

reibungslos. Jenseits der in allen Branchen raren spezialisierten Fachleute hat die Armee

noch immer mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Der Ruf der Bundeswehr als Arbeitgeber,

das immerhin, ist noch immer tadellos. Jedenfalls so lange es nicht ernst wird.

Noch einmal Berlin, das Außenministerium am vergangenen Donnerstag. Gekommen sind

gleich drei Minister: Hausherr Guido Westerwelle, sein Kollege aus dem Innenressort Hans-

Peter Friedrich und Thomas de Maizière. Im “Weltsaal” des Ministeriums, in dem sonst

Staatsbankette stattfinden, sitzen fast 500 Menschen, viele von ihnen in Uniform. “Zum

ersten Mal”, eröffnet Westerwelle feierlich, wolle man heute gemeinsam “unsere Hüter des

Friedens” ehren. “Peacekeeper”, so nennen die Vereinten Nationen ihren Ehrentag für Helfer

in weltweiten Missionen. Sie feiern ihn seit 2002, am 29. Mai. In Deutschland dürfte das

Datum den wenigsten etwas sagen.

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Die Bundesregierung ist ja auch ein wenig spät dran mit ihrer kleinen Premiere. Seit Anfang

der 90er schickt Deutschland regelmäßig Soldaten zu kriegerischen Einsätzen ins Ausland,

ein paar Hunderttausend Soldaten haben dabei ihr Leben riskiert, ihre Liebe aufs Spiel

gesetzt, die Familien, Frauen, Söhne, Töchter monatelang zurückgelassen. Es wurde also

wirklich Zeit: “Sie sind ein Aushängeschild für unser Land”, sagt der Außenminister. “Wir

haben großen Grund für Stolz und Dankbarkeit”, sagt der Verteidigungsminister. Auch André

Wüstner sitzt an diesem Tag im Publikum. “Das tut der Seele gut”, sagt der Oberstleutnant

und wünscht sich, dass der “Geist dieser Veranstaltung” über die Grenzen Munsters und der

Ministerien hinaus wirken möge. Solidarität, Gesten des Interesses, Rückhalt der

Gesellschaft. Viel mehr erwartet die Truppe nicht. Aber das erwartet sie.

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Von niedlichen Waschbären und gefährlichen Schönheiten
Franz August Emde
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bundesamt für Naturschutz

10.12.2012 11:00
Neue Tier- und Pflanzenarten in Deutschland:
• Über 800 gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten haben sich in Deutschland bisher etablieren können

Bonn, 10. Dezember 2012: Seit vielen Jahren werden in Deutschland in der Natur neue Tier- und Pflanzenarten beobachtet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) geht von über 800 gebiets-fremden Tier- und Pflanzenarten aus. „Diese Arten wurden in Folge der Globalisierung einge-schleppt oder gar bewusst ausgesetzt. Andere Arten sind hingegen Boten des Klimawandels oder Rückkehrer, die schon einmal früher bei uns heimisch waren“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Die Wahrnehmung und Darstellung von neuen Arten in der Öffentlichkeit sind oft undifferenziert und vielfach negativ: Ihr Erscheinungsbild wird als „exotisch“, „fremdartig“, gelegentlich „bunt“ oder „niedlich“ beschrieben, meist wird aber etwas Bedrohliches suggeriert oder behauptet. „Nicht selten wird von niedlichen Waschbären oder gefährlichen Schönheiten gesprochen. Im Naturschutz spielen solche subjektiven Einschätzungen jedoch im Kern keine Rolle. Sondern hier geht es um die Frage, welche Auswirkungen die neuen Arten auf unser ökologisches Gefüge haben und ob möglicherweise eine Gefahr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt besteht,“ so die BfN-Präsidentin. Das Bundesamt für Naturschutz lässt in Forschungsvorhaben genau dieses prüfen und leitet den Bundesländern entsprechende Informationen zu. Die Bundesländer ent-scheiden selbst, ob Maßnahmen erforderlich sind. „Hier gilt es, pragmatisch zu handeln“, so Beate Jessel weiter, „speziell bei den eingeschleppten Arten lautet die Maxime: Vorsorge statt teurer Nachsorge.“

Hintergrund Neue Tier- und Pflanzenarten:
Bei den gemeinhin als „neu“ bezeichneten Arten sind nach Auffassung des BfN tatsächlich fünf Typen zu unterscheiden, die sich nach ihrer Herkunft wiederum in zwei Untergruppen aufteilen lassen:
• Natürliche Vorkommen: Die Dynamischen, die Einwanderer und die Rückkehrer
• Anthropogene Vorkommen: Die Wiederangesiedelten, die Eingeschleppten/Aus-
gesetzten (Neobiota)

Zu den dynamischen Arten zählt man einheimische Arten, die schon lange in Deutschland vor-kommen, die aber bestimmte Regionen neu oder wieder besiedeln. Die Gründe für die Ausbrei-tung sind erfolgreiche Naturschutzmaßnahmen oder der Klimawandel. Ein Beispiel ist der Seead-ler. Noch Mitte des letzten Jahrhunderts fast ausgestorben gibt es heute wieder ungefähr 700 Brutpaare. Eine andere Art, die als „Klimawanderer“ sich in Deutschland und darüber hinaus ausbreitet, ist die Stechpalme.

Die einwandernden Arten breiten sich auf natürliche Weise aus den Nachbarländern in Deutschland aus, weil sie aufgrund günstiger Erhaltungssituation oder des Klimawandels gute Lebensbedingungen vorfinden. Ein Beispiel ist der Goldschakal, der aus Südost Europa kom-mend schon mehrfach in Deutschland beobachtet wurde. Ein anderes Beispiel ist der Meerfen-chel, der seit einigen Jahren auf Helgoland wächst.

Zu den Rückkehrern zählt man einheimische Arten, die ausgerottet wurden und wieder aus den Nachbarländern nach Deutschland zurückkehren, weil sich die Lebenssituation hier wieder ver-bessert hat. Prominente Rückkehrer sind der Wolf und das Moosblümchen.

Die wiederangesiedelten Arten wurden bewusst und kontrolliert vom Menschen ausgesetzt. Es sind ausgestorbene bzw. verschollene einheimische Arten. Dazu gehört zum Beispiel der Euro-päische Stör, der im Rahmen eines nationalen Aktionsplans wieder angesiedelt wird. Weitere Beispiele sind Luchs, Biber und Würfelnatter.

Unter eingeschleppten/ausgesetzten Arten, auch Neobiota genannt, versteht man gebiets-fremde Arten, die ihr Verbreitungsgebiet nicht auf natürliche Weise nach Deutschland ausgedehnt haben. Sie stammen meist aus fernen Ländern wie USA oder China mit ähnlichen klimatischen Verhältnissen wie in Mitteleuropa. Durch den Menschen werden diese Arten aber absichtlich z.B. als Nutzpflanzen importiert oder unabsichtlich z.B. im Ballastwasser von Containerfrachtern oder in Frachtsendungen mittransportiert. Gelangen die gebietsfremden Arten im neuen Gebiet in die Freiheit, können sie sich oft ungestört ausbreiten und dabei oftmals unerwartete Auswirkungen zeigen, weil unter anderen die natürlichen Gegenspieler (Feinde, Konkurrenten) fehlen. Gebietsfremde Arten können dadurch die biologische Vielfalt gefährden und immense öko-nomische Schäden oder gesundheitliche Probleme beim Menschen verursachen. Das BfN geht von über 800 Neobiota-Arten aus, die sich bisher in Deutschland etablieren konnten. Insbeson-dere in den beiden naturschutzfachlich wichtigen Gruppen, den Gefäßpflanzen und den Wirbel-tieren, haben 432 bzw. 44 Arten überlebensfähige Populationen in freier Natur aufgebaut. Bei-spiele sind die Kermesbeere, das Springkraut, das Heusenkraut, der Chile-Flamingo, der Hals-bandsittich und die Schwarzmundgrundel.

Welche Verpflichtungen ergeben sich aus Sicht des BfN für die einzelnen Typen „neuer“ Arten?
Dynamische Ausbreitung, Einwanderung und Rückkehr von Arten bereichern unsere biologische Vielfalt und zeugen von einer natürlichen Dynamik der Fauna und Flora in Deutschland und Eu-ropa. Sie sind als natürliche Prozesse aus Sicht des Naturschutzes zu begrüßen, ggf. auch aktiv zu unterstützen.
Wiederansiedlungen können in Einzelfällen und auf der Grundlage strenger Kriterien dazu bei-tragen, einstmals ausgerottete/ausgestorbene Arten wieder heimisch zu machen. Die Entschei-dung über eine Wiederansiedlung erfordert eine strenge einzelfallbezogene Prüfung, wobei neben den naturschutzfachlichen Aspekten in besonderem Maße auch die Akzeptanz bei der be-troffenen Bevölkerung zu berücksichtigen ist.
Eingeschleppte/ausgesetzte Arten (Neobiota) können zur Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen und Arten führen, besonders wenn es sich bei den Neobiota um invasive Arten handelt. Hier ist Vorsorge der beste Schutz. Bei schon in der freien Natur vorhandenen Neobiota sollten sich Maßnahmen am Gefährdungspotenzial der jeweiligen Art und den Erfolgsaussichten orientieren, wie es auch das Bundesnaturschutzgesetz festschreibt.