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Coronavirus SARS-CoV-2

PRESSEMITTEILUNG 12.01.2021

Rund 4.200 Seniorinnen und Senioren werden in den nächsten Tagen von OB Putz per Brief über das Angebot informiert – Vormerkungen telefonisch und online möglich

Die Schutzimpfung gilt als entscheidender Fortschritt im Kampf gegen das seit einem Jahr weltweit grassierende Coronavirus SARS-CoV-2. Derzeit ist Impfstoff aber noch knapp – und muss daher zunächst den besonders gefährdeten Risikogruppen vorbehalten bleiben. In der Stadt Landshut wurden deshalb gemäß der bundesweit verbindlichen Impfstrategie in den vergangenen Wochen hunderte Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen, das dort tätige Personal sowie ausgewählte Pflegekräfte und Ärzte von Krankenhäusern geimpft. In einem zweiten Schritt sind nun rund 4.200 Bürgerinnen und Bürger an der Reihe, die das 80. Lebensjahr vollendet haben und nicht in einem Pflege- oder Seniorenheim leben. Auch sie gehören der höchsten Priorisierungsgruppe an und werden deshalb in den nächsten Tagen per Brief von Oberbürgermeister Alexander Putz zur Schutzimpfung eingeladen. Die Impfungen werden dann voraussichtlich ab Ende Januar im Impfzentrum der Stadt auf dem Messegelände an der Niedermayerstraße 100 erfolgen.

Über 80-Jährige können sich ab sofort telefonisch oder per Online-Formular für die Immunisierung vormerken lassen; die entsprechenden Kontaktdaten sind in dem Schreiben enthalten. Eine konkrete Terminvereinbarung ist dagegen noch nicht möglich, weil nach wie vor unklar ist, wann und in welchem Umfang der Bund die benötigten Impfstoffdosen liefern kann. Sobald freie Termine für die Erst- und Zweitimpfung verfügbar sind, werden vorgemerkte Bürgerinnen und Bürger automatisch von Bediensteten des Impfzentrums informiert. Zur Impfung selbst sind dann der Personalausweis oder Reisepass und – soweit vorhanden – auch der Impfpass mitzubringen. Nach Möglichkeit sollen außerdem das Aufklärungsblatt sowie die Anamnese- und Einwilligungserklärung, die dem Schreiben beigefügt sind, vollständig ausgefüllt und unterschrieben mitgebracht werden. Betroffene, die beim Ausfüllen Hilfe benötigen, können sich aber auch noch am Tag der Impfung direkt an Mitarbeiter des Impfzentrums wenden.

OB Alexander Putz hofft, dass sich möglichst viele Seniorinnen und Senioren für die Impfung entscheiden: „Die Immunisierung bietet wirksamen Schutz vor einer gerade für die älteren Bevölkerungsgruppen oftmals schwer und nicht selten leider sogar tödlich verlaufenden Krankheit. Zudem bringt uns jede Impfung dem Ende dieser Pandemie und damit der Rückkehr zum normalen Alltagsleben einen kleinen, aber wichtigen Schritt näher.“ Er selbst sei jederzeit bereit, sich immunisieren lassen, betont Putz: „Ich habe großes Vertrauen in die Wissenschaft und in die Wirksamkeit und Verträglichkeit aller in Deutschland zugelassenen Impfstoffe. Dennoch werde ich mich selbstverständlich gedulden, bis ich gemäß der bundesweit gültigen Vorschriften zur Impfpriorisierung an der Reihe bin.“

Dasselbe erwartet der Rathauschef von allen anderen Bürgerinnen und Bürgern, die nicht der höchsten Priorisierungsstufe angehören und deswegen bis auf Weiteres nicht geimpft werden können. „Natürlich ist das für viele, die sich und ihre Angehörigen schnell durch eine Impfung schützen möchten, schwierig zu akzeptieren. Aber angesichts der Impfstoffknappheit gibt es momentan leider keine sinnvolle Alternative zur Priorisierung“, wirbt Putz um Verständnis für die Maßnahme. Gleichzeitig hofft der OB darauf, dass der bisher noch herrschende Impfstoffmangel auch durch die Zulassung von Vakzinen weiterer Hersteller wie dem des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca möglichst zeitnah behoben wird. „Ich nehme dabei den Bundesgesundheitsminister beim Wort, der zugesagt hat, dass bis zum Sommer allen, die das wünschen, ein Impfangebot gemacht werden kann. Die dafür erforderliche Infrastruktur ist bei uns in Landshut längst vorhanden“, so Putz. „Jetzt muss der Bund seinen Beitrag zur Überwindung dieser Pandemie leisten – und der besteht darin, ausreichend Impfstoff zu beschaffen.“

Foto: Klartext.LA

20.08.2020 10:50

Die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 über Aerosole in Innenräumen wird offenbar stark von der Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Das schließen Forschende des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig und des CSIR-National Physical Laboratory in New Delhi aus der Analyse von 10 internationalen Studien zum Thema. Sie empfehlen daher neben den bisher üblichen Maßnahmen wie Abstand und Masken auch die Raumluft zu kontrollieren. Eine relative Feuchte von 40 bis 60 Prozent könne die Ausbreitung der Viren und die Aufnahme über die Nasenschleimhaut reduzieren.

Daher sei es für die Eindämmung der COVID-19-Pandemie sehr wichtig, Standards für die Luftfeuchte in Innenräumen mit vielen Menschen wie Krankenhäusern, Großraumbüros oder dem Öffentlichen Nahverkehr zu schaffen und umzusetzen, schreibt das Forscherteam im Fachjournal Aerosol and Air Quality Research.

Nach Angaben der WHO hat das Coronavirus SARS-CoV-2 in über einem halben Jahr global zu mindestens 21 Millionen Infizierten und über 750.000 Toten geführt. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie stellen praktisch alle Länder vor große gesellschaftliche Herausforderungen. Weltweit wird daher nach Wegen gesucht, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, um drastische Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren zu vermeiden. Als Hauptübertragungsweg für das Virus galt lange der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch, wenn Infizierte durch Niesen oder Husten Sekret mit Viren abgeben und dieses von anderen Personen über die Nasenschleimhäute aufgenommen wird. Da diese Tropfen relativ groß und schwer sind, fallen sie relativ schnell zu Boden und können nur sehr kurze Strecken in der Luft zurücklegen. Die Empfehlung einen Mindestabstand von 1,5m bis 2m einzuhalten (Social Distancing) basiert auf dieser Annahme. In letzter Zeit wurden jedoch auch COVID-19-Ausbrüche registriert, die offenbar auf die gleichzeitige Anwesenheit vieler Personen in einem Raum zurückzugehen scheinen (Chorproben, Schlachtbetriebe u.a.). Ein Sicherheitsabstand von 1,5m reicht offenbar nicht aus, wenn sich Infizierte und Gesunde über längere Zeit gemeinsam in einem Raum aufhalten. So konnten Niederländische Forschende beispielsweise inzwischen nachweisen, dass winzige Tropfen von 5 Mikrometer Durchmesser – wie sie beim Sprechen entstehen – bis zu 9 Minuten in der Luft schweben können. Im Juli haben sich daher 239 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 32 Ländern – darunter auch der Chemiker Prof. Hartmut Herrmann von TROPOS – mit einem Appell an die Weltgesundheitsorganisation WHO gewendet, die langlebigen, in der Luft schwebenden infektiösen Teilchen stärker in den Fokus zu nehmen. Um die Ausbreitung über die in der Luft schwebenden Aerosole einzudämmen, empfehlen die Forschenden neben dem weiteren Tragen von Masken vor allem eine gute Belüftung von Innenräumen.

Ein Indisch-Deutsches Forscherteam weist jetzt auf einen weiteren Aspekt hin, der bisher wenig beachtet wurde und in der nächsten Grippesaison besonders wichtig werden könnte: die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Die Physiker des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig und des CSIR-National Physical Laboratory in New Delhi untersuchen seit Jahren die physikalischen Eigenschaften von Aerosol-Partikeln, um die Auswirkungen auf die Luftqualität oder die Wolkenbildung besser abschätzen zu können. „In der Aerosolforschung ist bereits lange bekannt, dass die Luftfeuchtigkeit eine große Rolle spielt: Je feuchter die Luft ist, umso mehr Wasser haftet an den Partikeln und umso schneller können sie wachsen. Wir waren daher neugierig: was gibt es bereits an Studien dazu?“, erklärt Dr. Ajit Ahlawat vom TROPOS.
Daher werteten sie insgesamt 10 internationalen Studien aus, die zwischen 2007 und 2020 den Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf das Überleben, die Ausbreitung und Infektion mit den Erregern der Grippe und der Coronaviren SARS-CoV-1, MERS und SARS-CoV-2 untersucht haben. Ergebnis: Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst die Ausbreitung der Coronaviren in Innenräumen über drei Wege: (a) das Verhalten der Mikroorganismen innerhalb der Viruströpfchen, (b) das Überleben oder Inaktivierung des Virus auf Oberflächen und (c) die Rolle der trockenen Innenraumluft bei der Übertragung von Viren über die Luft. Niedrige Luftfeuchtigkeit lässt die Tröpfen mit Viren zwar schneller austrocknen, aber die Überlebensfähigkeit der Viren scheint trotzdem noch hoch zu bleiben. Das Team schlussfolgert, dass andere Prozesse für die Infektion wichtiger sind: „Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Partikel weniger Wasser auf, bleiben leichter, fliegen weiter durch den Raum und werden eher von Gesunden eingeatmet. Außerdem werden bei trockener Luft auch die Nasenschleimhäute in unseren Nasen trockner und durchlässiger für Viren“, fasst Ajit Ahlawat zusammen.

Die neuen Erkenntnisse sind besonders für die kommende Wintersaison von Bedeutung, wenn sich auf der Nordhalbkugel Millionen Menschen in beheizten Räumen aufhalten werden. „Das Erwärmen der Frischluft sorgt auch dafür, dass diese trocknet. In kalten und gemäßigten Klimazonen herrscht daher in Innenräumen während der Heizsaison meist ein sehr trockenes Raumklima. Dies könnte die Ausbreitung der Coronaviren fördern“, warnt Prof. Alfred Wiedensohler vom TROPOS. Die Luftfeuchte entscheidet, wieviel Wasser ein Partikel binden kann. Bei höherer Luftfeuchte verändert sich die Oberfläche der Partikel stark: Es bildet sich eine Art Wasserblase – also ein Mini-Ökosystem mit chemischen Reaktionen. Der Flüssigwassergehalt von Aerosolen spielt bei vielen Prozessen in der Atmosphäre eine wichtige Rolle, da sie die optischen Eigenschaften beeinflussen, was z.B. zu Dunst oder veränderten Auswirkungen von Aerosolen auf das Klima führt.

Bei höherer Luftfeuchtigkeit wachsen die Tröpfchen also schneller, fallen früher zu Boden und können weniger von Gesunden eingeatmet werden. „Eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 40 Prozent in öffentlichen Gebäuden und im Nahverkehr würde daher nicht nur die Auswirkungen von COVID-19 reduzieren, sondern auch die von anderen Viruserkrankungen wie beispielsweise der saisonalen Grippe. Die Behörden sollten den Faktor Luftfeuchtigkeit in künftigen Richtlinien für Innenräume einarbeiten“, fordert Dr. Sumit Kumar Mishra vom CSIR – National Physical Laboratory in New Delhi. Für Länder in kühlen Klimazonen empfehlen die Forscher eine Mindest-Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Länder in tropischen und heißen Klimazonen sollten dagegen darauf achten, dass Innenräume nicht durch Klimaanlagen extrem unterkühlt werden. Wenn die Luft extrem abgekühlt wird, trocknet sie die Feuchtigkeit aus der Luft und den Partikeln. Dadurch fühlen sich die Menschen im Raum wohl, aber die trockenen Partikel bleiben jedoch auch länger in der Luft.

Aus Sicht der Forscher sollte der Innenraumluft mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, um künftige Krankheitsausbrüche zu vermeiden. Der Feuchtegehalt der Raumluft ist ein wichtiger Aspekt aber nicht der Einzige. Daneben kann frische Außenluft das Übertragungsrisiko senken. Und natürlich die bereits bekannten und praktizierten Maßnahmen: Abstand halten, möglichst wenig Personen pro Raumvolumen und Masken tragen. Das geringste Infektionsrisiko herrscht nach wie vor dort, wo keine Viren in der Luft sind.
Fotos und Text: Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.