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Bakterien

Pressemitteilung

Herzspezialist gibt Empfehlungen / Endokarditis-Ausweis für Patienten

(Frankfurt a. M., 5. September 2019) Die infektiöse Endokarditis, eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut, ist unbehandelt lebensbedrohlich. Der bevorzugte Ort der Entzündung sind die Herzklappen. Besonders anfällig für eine Endokarditis sind defekte und künstliche Herzklappen. Es kommt zu einer Auflagerung von Bakterien und kleinen Blutgerinnseln, die die Herzklappen im weiteren Verlauf zerstören. Wenn die Herzklappen nicht mehr schließen, wird das Herz überlastet und es kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen (Infos unter www.herzstiftung.de/Herzklappenerkrankung- Sonderband). Die akute Endokarditis kann sich innerhalb weniger Tage bis Wochen entwickeln und schreitet schnell voran. Nicht selten entwickelt sie sich jedoch schleichend über mehrere Wochen.

Wie kommt es zu einer infektiösen Endokarditis?

„Die Gefahr besteht immer dann, wenn größere Mengen von Bakterien in den Blutstrom gelangen. Am häufigsten gelangen Bakterien aus der Mundhöhle und von infizierten Hautstellen ins Blut. Zu einer Einschwemmung größerer Mengen von Bakterien kommt es meist bei Eingriffen in der Mundhöhle oder an der bakteriell infizierten Haut“, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Herzspezialist der Deutschen Herzstiftung. „Nicht selten sind auch infizierte Injektionskanülen, dauerhafte Venenkatheter und Implantate der Auslöser“, ergänzt der Kardiologe und Pharmakologe. Mit vorbeugenden Maßnahmen kann das Risiko der Bakterieneinschwemmung bzw. einer infektiösen Endokarditis deutlich vermindert werden. Zu diesen Maßnahmen gehören beispielsweise auf Haut- und Mundhygiene zu achten, Wunden gründlich zu desinfizieren, die konsequente Antibiotikatherapie nach ärztlicher Anordnung bei bestimmten bakteriellen Infektionen und der Verzicht auf Piercings und Tattoos. Diese Empfehlungen gelten für alle Menschen. Besonders wichtig sind sie für die Patienten, die ein erhöhtes Risiko haben. Tipps und weitere Empfehlungen sind zusammengefasst im Faltblatt „Ist Endokarditis vermeidbar?“, das über www.herzstiftung.de/Endokarditis-Prophylaxe.html bestellt werden kann.

Für wen ist eine vorbeugende Antibiotikabehandlung notwendig?

Nur Hochrisikopatienten sollten vor bestimmten Eingriffen eine vorbeugende antibiotische Therapie erhalten. Dazu zählen Patienten mit künstlichen Herzklappen, Patienten nach Wiederherstellung von Klappen (Klappenrekonstruktion), Patienten, die mit einer kathetergestützten Klappentherapie (TAVI, MitraClip) behandelt wurden. Zu den Patienten mit hohem Risiko zählen auch diejenigen, die bereits in der Vergangenheit an einer infektiösen Endokarditis gelitten haben. Auch Menschen mit angeborenen Herzfehlern gehören zu den Hochrisikopatienten, wenn sie operiert oder mittels Kathetertechnik behandelt wurden.

Bei welchen Eingriffen vorbeugend behandeln?

Grundsätzlich sollte die Behandlung mit Antibiotika für Hochrisikopatienten bei allen Eingriffen im Bereich der Mundhöhle erfolgen, bei denen Bakterien in den Blutstrom gelangen können. Zum Bespiel bei der Zahnreinigung, der Wurzelbehandlung, dem Zahnziehen und dem Einsatz von Implantaten. Eine Vorbeugung mit Antibiotika ist auch notwendig, wenn Infektionen im Bereich der Haut operativ behandelt werden.

Tipps: Der Ausweis zur Endokarditis-Prophylaxe und das Faltblatt „Ist Endokarditis vermeidbar?“ kann kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung bestellt werden über: www.herzstiftung.de/Endokarditis-Prophylaxe.html oder bestellung@herzstiftung.de (Stichwort: Endokarditis-Ausweis) und telefonisch unter 069 955128-400.

Feinstaubprobleme in Industrie- oder Stadtgebieten nimmt die Öffentlichkeit kritisch wahr, wogegen gesundheitsbedrohliche Bestandteile im eigenen Hausstaub kaum auf Interesse stoßen.

Unsere Gesellschaft produziert, konsumiert und verteilt Chemikalien in großen Mengen: Wurden vor hundert Jahren ca. eine Million Tonnen Chemikalien pro Jahr weltweit hergestellt, so sind es heute lt. Wissenschaftlern etwa 400 Millionen Tonnen. Chemikalien sollen unsere Lebensbedingungen verbessern, haben aber auch unerwünschte und teils gefährliche Nebenwirkungen. Dabei wirken solche Schadstoffmengen meist nicht toxisch, sondern nehmen Einfluss auf unser Hormon- und Immunsystem, indem sie unsere inneren chemischen Prozessketten nachteilig verändern. Die großen Volkskrankheiten Schilddrüsen-Hormonstörungen, Diabetes, Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs haben vielfältige Ursachen und entstehen im komplexen Zusammenspiel von Umwelteinflüssen, Veranlagung und dem persönlichen Lebensstil. Neben den chemischen Schadstoffen können im Hausstaub enthaltene Schwermetalle, Schimmelpilze, Bakterien und Milben zudem Allergien, Atemwegserkrankungen oder sogar Neurodermitis auslösen.
Die DGUHT stellt deshalb kostenlos einen Gesundheits-Check und eine Richtwerttabelle für Hausstaubschadstoffe zur Verfügung, um Interessierte und chronisch Erkrankte bei der Ursachensuche zu unterstützen.

Am 14. September 2016 haben amerikanische Wissenschaftler die „erste umfassende Analyse über „Potenziell schädliche Chemikalien im Hausstaub“ durchgeführt.
(Quelle: http://publichealth.gwu.edu/content/potentially-harmful-chemicals-widespread-household-dust)
Wissenschaftler der federführenden George Washington University wiesen „45 verschiedene schädliche Chemikalien“ nach, die in „Hausstaubproben aus 14 US-Bundesstaaten“ gefunden wurden. “Unsere Studie ist die erste umfassende Analyse der Verbraucherprodukt-Chemikalien, die im Haushaltsstaub gefunden werden”, sagt der führende Autor Ami Zota, Professor für Umwelt- und Arbeitsgesundheit am Milken Institut SPH und folgert, dass „die Ergebnisse darauf hindeuten, dass Menschen und vor allem Kinder einer täglichen Gemischdosis im Hausstaub ausgesetzt sind, die mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen verbunden sind.” Am häufigsten kamen dabei chemische Weichmacher vor, deren Konzentration im Schnitt 7,7 Mikrogramm je Gramm Staub betrug. Weichmacher machen Kunststoffe biegsamer, geschmeidiger und elastischer. Diese für Bau-, Plastik- und Kosmetikprodukte verwendeten Weichmacher bzw. Phthalate stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und Diabetes und Fettleibigkeit zu fördern. Im Tierversuch führte die Aufnahme von Phthalaten zu Missbildungen an den Fortpflanzungsorganen und zu Übergewicht. Im Körper soll es ähnlich wie Östrogen wirken, was der Grund für die zunehmende Östrogendominanz im weiblichen Zyklus, selbst bei noch jüngeren Frauen, sein könnte. Es besteht zudem der Verdacht, dass die Spermienqualität durch Weichmacher gesenkt werden könnte. Professor Martin von Bergen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig wollte genauer wissen, wie und wo beispielsweise die Weichmacher im Körper wirken. Seine Arbeitsgruppe belastete das Trinkwasser von Mäusen mit Weichmachern. Vor allem weibliche Mäuse nahmen deutlich zu. Ihre Fettzellen vergrößerten sich und auch der Fettgewebestoffwechsel wurde schlechter. Die Forscher untersuchten danach das Blut der Mäuse und stellten vermehrt Fettsäuren im Blut fest sowie einen aus dem Ruder gelaufenen Zuckerstoffwechsel. Auch Signalstoffe, die das Fettgewebe aussendet, um andere Organe zu steuern, waren anschließend anders zusammengesetzt.

Die zweithäufigste Gruppe von Chemikalien in der amerikanischen Studie bildeten die Phenole, die vor allem in Reinigungsmitteln vorkommen. Zudem wurden aus Möbeln, Bodenbelägen und Baustoffen stammende Flammschutzmittel nachgewiesen. Unter diesen befanden sich polybromierte Diphenylether (PBDE), die im Verdacht stehen, bei Hunden Unfruchtbarkeit auszulösen.
An vierter Stelle wurden perfluorierte Kohlenwasserstoffe gefunden, wobei auch die besonders schädliche Perfluoroktansäure (PFOA) vorkam. Da sie als krebserregend eingestuft und für Schilddrüsenerkrankungen verantwortlich gemacht wird, ist ihr großzügiger Einsatz in Alltagsprodukten sehr umstritten.

Viele dieser gefährlichen Stoffe können sich als Staubgemisch gegenseitig in ihrer Wirkung noch verstärken – was dann selbst bei sehr geringen Einzelstoffkonzentrationen noch giftiger im Körper wirken kann. Besonders gefährdet seien Kleinkinder, die auf dem Boden spielen und so direkt mit dem Hausstaub in Kontakt kommen. Das Umweltbundesamt rät jüngst dazu, Speisen wegen Plastikverpackungen häufiger frisch zuzubereiten und weniger Fertigprodukte zu verwenden. Am stärksten sieht das Amt Kleinkinder gefährdet. Denn die Jüngsten stecken nahezu alles, also auch Kunststoffspielsachen, in den Mund – nicht nur amtlich zugelassenes Spielzeug – und nehmen über den Hausstaub mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. Zudem reagiert ihr Körper weit empfindlicher auf Gifte.

Als ein Beispiel für die schwierige Erfassung von Schadstoffen in der Raumluft oder im Hausstaub sind Messungen von schwerflüchtigeren Verbindungen zu nennen, wie sie etwa von Laser-Druckern ausgestoßen oder von Baustoffen und Raumausstattungen abgegeben werden. Eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zeigt, dass Laserdrucker bis zu 7,6 Milliarden Partikel Feinstaub je gedruckter Seite emittieren: Diese unsichtbaren Partikel können Hustenanfälle, geschwollene Nasenschleimhäute oder Kopfschmerzen verursachen. Nachweisen kann man Nano-Partikel allerdings nur, wenn man tatsächlich danach sucht und dann auch nur mit teurer und aufwändiger Messausrüstung. Schlussendlich werden auch die „schwereren“ Verbindungen wie Holz-, Woll- und Flammschutzmittel oder Weichmacher bei normgerechten Raumluftmessungen unzureichend erfasst und können nur mit gezielten Hausstaubmessungen gefunden und bewertet werden.

Auf Grund der bisherigen alarmierenden Hausstaubergebnisse durch das IQUH (Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene, Weikersheim), hat sich die DGUHT (Dt. Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie, Würzburg), entschlossen, die Feinstaubstudie zu unterstützen und bittet die Mitglieder und Interessierten, sich aktiv zu beteiligen. Die DGUHT empfiehlt beim Vorliegen chronischer Erkrankungen, zusätzlich Hausstaubuntersuchungen für die Abprüfung gesundheitsrelevanter Schadstoffe durchzuführen. Zur Feinstaub- und Gesundheitsstudie 2020 erhalten Betroffene eine Anleitung zur Probenahme und die neuen Richtwerte für die gefährlichen Staubanteile wie Schwermetalle, Weichmacher, Flammschutzmittel oder Konservierungsstoffe. Gerade wegen der Zunahme von chronischen Erkrankungen ohne klaren Befund fordern immer mehr Mediziner und Arbeitsplatz- und Innenraumexperten der DGUHT eindringlich, dass bei Betroffenen nicht nur der Hausstaub in Kinder-, Wohn- oder Schlafzimmern untersucht wird, sondern dass auch die Schul- und Arbeitsräume mit einbezogen werden. Die Feinstaubstudie 2020 soll statistische Daten über die Auswirkungen von Chemikalien auf Umwelt und Gesundheit liefern und vor allem über das Maß der Giftwirkung (Toxizität), das Allergiepotential oder ob sie lediglich mindergefährlich und nur sensibilisierend wirken.

Aktuell läuft parallel die von der DGUHT ebenfalls unterstützte Anamnesestudie „Gesundheits-Check 2020“ und es können kostenfreie Unterlagen angefordert werden. Eine Zwischenbilanz der Gesundheits- und Feinstaubstudie wird bei der jährlich stattfindenden LIFE Veranstaltung in Bad Mergentheim am 12.-13. Mai 2017 vorgestellt, daher lohnt sich eine Teilnahme sowohl aus beruflicher als auch aus persönlicher Sicht.

Karl-Heinz Weinisch
Vizepräsident

Forscher raten statt Händeschütteln zu “Fist Bumps” oder Verbeugungen

Händeschütteln: Soziale Geste kann krank machen (Foto: pixelio.at/joakant)
Händeschütteln: Soziale Geste kann krank machen (Foto: pixelio.at/joakant)

Cardiff/Berlin (pte002/29.07.2014/06:05) – Bei sogenannten “Fist Bumps” werden im Vergleich zum klassischen Händeschütteln weniger Bakterien übertragen. “Händeschütteln ist ein sozialer Austausch von transienter Hautflora und stellt ein Gesundheitsrisiko dar”, meint ein Hygiene-Experte gegenüber pressetext. Die Wissenschaftler der Aberystwyth University http://aber.ac.uk raten deshalb und vor allem in der Grippezeit ernsthaft zu “Faust-Grüßen” oder entsprechenden Vorbeugemaßnahmen.

Kein Händeschütteln im Spital

Feuchte Hände, schraubstockartige Griffe oder eine unerträglich schlaffe Hand sind die geringsten Sorgen beim Händeschütteln. Forscher tränkten die Außenseite eines Gummi-Handschuhs mit E.Coli-Bakterien und testeten so eine Reihe von Begrüßungs-Methoden. Beim klassischen Händedruck wurden zehn Mal mehr Bakterien übertragen als bei Fist Bumps. Je kleiner die Kontaktfläche und je kürzer die Dauer der Berührung, desto weniger Bakterien.

Bereits die Zeitschrift “American Medical Association” appellierte auf ein Händeschüttel-Verbot in Krankenhäusern. Ein kräftiger Händedruck gehört in Spitälern zum guten Ton und soll zwischen Patient und Mediziner eine Vertrauensbasis schaffen. Dennoch ist laut den Ergebnissen der Aberystwyth University vor allem bei Grippe-Epedemien vom Händeschütteln abzuraten. “Der Händedruck ist ein Zeichen sozialer Kontaktaufnahme, welche kulturell verankert ist. Die Veränderung einer solch stark etablierten und akzeptierten Geste ist schwierig”, so der Mediziner im pressetext-Interview.

Respektvolle Distanz von Vorteil

“Der sicherste Ansatz zur Vermeidung von Keim-Transfer wäre es, wenn wir die Verbeugung und den Knicks der viktorianischen Zeit wieder einführen. Eine Verbeugung aus respektvoller Distanz verhindert eine Übertragung von Bakterien bei der Begrüßung”, erklärt Peter Hoffman, Experte für Infektions-Kontrolle von Public Health England. Bei Verzicht auf das Händeschütteln blieben immer noch 90 Prozent anderer Möglichkeiten, die Hände zu kontaminieren. Aus diesem Grund bliebe eine gründliche Desinfektion der Hände in keinem der Fälle aus.

 

Grafik: idw-Logoidw – Informationsdienst
Wissenschaft 

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30.10.2013 09:59

Batmans gefährliche Seite: Welche Krankheitserreger stecken in Fledermäusen?

Dr. Sören Dürr Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Frankfurt a. M., den 30.10.2013. Legenden und Mythen ranken sich um die Fledermaus; neben der Vorstellung vom blutsaugenden Vampir gibt es auch Batman, den Superhelden. Was steckt wirklich in den geflügelten Kleinsäugern? Aus Sicht von Parasitologen ganz klar: Viren und andere Krankheitserreger. Am 31. Oktober erscheint mit „Bats (Chiroptera) as Vectors of Diseases and Parasites – Facts and Myths“ ein Buch, das den aktuellen Stand der Forschung zu Fledermäusen als potenzielle Überträger von Infektionskrankheiten und Parasiten analysiert und zusammenfasst.

Fledermäuse zählen zu den bedrohten und daher in Europa unter Schutz gestellten Tierarten. Sie sind weltweit ein wichtiger Teil der Ökosysteme. Sie regulieren Insektenbestände und verbreiten Pflanzen, indem sie Blüten bestäuben oder Früchte fressen und die Samen weiter tragen. Doch für Mensch, Nutz- und Haustier sind Fledermäuse auch eine potenzielle Gefahr – nicht im Sinne überkommener Vorstellungen von blutsaugenden Vampiren, sondern weil Fledermäuse als Überträger von Krankheitskeimen und Parasiten fungieren können. Die Fledermaus ist meist der sogenannte Reservoir-Wirt, in dem der Krankheitserreger lebt, ohne dem Tier sonderlich zu schaden. Um den Zielwirt zu erreichen, muss der Erreger dann noch eine Art Taxi finden: Zum Beispiel Stechmücken bieten sich als sogenannte Vektoren an.

Prof. Dr. Sven Klimpel, der am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), in der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt/M. forscht und lehrt, hat gemeinsam mit Prof. Dr. Heinz Mehlhorn, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, und anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den aktuellen Stand der Forschung in einem Buch zusammengefasst: „Unsere Arbeit stellt unterschiedliche Aspekte der möglichen Übertragung von Fledermausviren auf Tiere und Menschen dar“, beschreibt Prof. Klimpel „Wir haben die weltweit zur Verfügung stehende Literatur dahingehend analysiert, ob blutsaugende Insekten, insbesondere Stechmücken, in der Lage sind, bestimmte Viren über Fledermausblut aufzunehmen und beim nächsten Stich auf andere Tiere und den Menschen zu übertragen.“

Die Analysen belegen, dass es zahlreiche Mückenarten gibt, die sowohl an Fledermäusen, Vögeln, Nutz- und Wildtieren als auch an Menschen Blut saugen und somit als geeignete Vektoren für die Übertragung der Viren fungieren können. Die wichtigsten zoonotischen, also von Tieren auf den Menschen übertragbare Viren, die sowohl bei Fledermäusen und Menschen als auch in Stech- bzw. Sandmücken nachgewiesen wurden, gehören zu den Familien der Bunyaviridae (u.a. Rift Valley-Virus, Toskana-Virus), Flaviviridae (u.a. Dengue-Virus, Japanische und St. Louis-Enzephalitis, West-Nil-Virus) und Togaviridae (Chikungunya-Virus). Zudem wurden bei verschiedenen Fledermäusen aber auch einzellige, zoonotische Parasiten nachgewiesen wie z.B. die Erreger der südamerikanischen Chagas-Krankheit (Trypanosoma spp.) sowie die Erreger der Malaria (Plasmodium spp.).

Stechmücken sind aber nicht immer die Übermittler der Erreger. „Es wurden zahlreiche Viren nachgewiesen, die von Fledermäusen auf Tiere bzw. auf den Menschen übertragen werden, bei denen der Übertragungsweg bisher nicht hinreichend geklärt ist“, so Prof. Klimpel. Es handelt sich dabei u.a. um Stämme des Rabies-Virus (Tollwut) und um Paramyxoviren, die z.B. auf Pferde (Hendra-Virus) oder auf Schweine (Nipah-Virus) übertragen werden und auch beim Menschen tödliche Infektionen verursachen können. Infektionen mit Filoviren (Ebola- und Marburgviren) sowie SARS-Coronavirus kommen in Fledermäusen vor. „Kollegen haben beispielsweise gezeigt, dass die Erreger über Ausscheidungen (Urin) bzw. kontaminierte Nahrung (Speichel) in den Menschen gelangen“, erklärt Klimpel: „In Afrika werden Fledermäuse in großer Anzahl als “Bushmeat” an Straßenständen zum Verzehr angeboten, was ebenfalls einen möglichen Übertragungsweg darstellt.“

Fledermäuse (Microchiroptera) gehören zusammen mit den Flughunden (Megachiroptera) zu den Fledertieren (Chiroptera) und sind eine der ältesten Säugetiergruppen überhaupt. Fossile Fledermäuse, wie sie auch regelmäßig in der Welterbestätte Grube Messel gefunden werden, lassen sich auf das Eozän, also auf bis zu 50 Millionen Jahre, zurück datieren. Weltweit sind über 1200 Fledermausarten beschrieben, von denen in Europa ca. 30 vorkommen. In Deutschland finden sich ca. 23 Arten. Um sich in ihrer Umgebung zu orientieren, senden Fledermäuse stetig Klicklaute im Ultraschallbereich aus. Auch ihre Beute erfassen sie zum überwiegenden Teil mit Hilfe dieses hochentwickelten Echolot-Systems.

Kontakt:

Prof. Dr. Sven Klimpel
Senckenberg Forschungsinstitut und Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel. 069-7542-1895
sven.klimpel@senckenberg.de

Prof. Dr. Heinz Mehlhorn
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tel. 0211-811-3052
mehlhorn@uni-duesseldorf.de

Pressestelle:

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Regina Bartel
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Tel.: 069- 7542 1434
regina.bartel@senckenberg.de

Publikation:

Klimpel S., Mehlhorn H. (2014) Bats (Chiroptera) as Vectors of Diseases and Parasites – Facts and Myths. Parasitology Research Monographs Vol. 5, 187 pp., 35 illus., Springer-Verlag Berlin Heidelberg, ISBN 978-3-642-39332-7


Weitere Informationen:

http://www.springer.com/book+reviews?SGWID=1-108-19-70737-0 Kontakt zum Verlag: Springer Book Review Manager
http://www.springer.com/biomed/medical+microbiology/book/978-3-642-39332-7 Link zum Buch, auf der Seite des Springer Verlages lässt sich das Cover in druckfähiger Auflösung herunterladen.
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