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Atommüll

„Das Standortsuchgesetz ist nichts anderes als die Ermächtigung, hochradioaktiven Atommüll auf unabsehbare Zeit obertägig zu lagern.“

Bernd J. Breloer und Wolfgang Breyer

in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

vom 21. Mai 2013

Bernd J. Breloer war unter anderem Vorsitzender der Geschäftsführung der Nukem GmbH in Hanau/Alzenau und Vorstand der RWE Rheinbraun AG in Köln.

Wolfgang Breyer war bis zum Jahr 2000 Pressesprecher von Siemens/ KWU und leitete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 die Unternehmenskommunikation der Areva GmbH.

Deutscher Bundestag Drucksache 18/5934 18. Wahlperiode 08.09.2015

Antwort
der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Eva Bulling-Schröter, Caren Lay, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/5811 –

Stilllegung von Atomanlagen: Bürgerbeteiligung und konsensorientierter Dialog beim Helmholtz-Zentrum Geesthacht, ehemals Atomforschungszentrum GKSS

Vorbemerkung der Fragesteller

Inzwischen wird von vielen gesellschaftlichen und staatlichen Akteuren aner kannt, dass es für den weiteren Umgang mit den radioaktiven Abfällen aus der Atomenergienutzung einen gesellschaftlichen Konsens braucht. Allerdings müssen dafür die Rahmenbedingungen vorhanden sein oder geschaffen werden, um einen tatsächlichen Neustart der bisher gescheiterten Endlagersuche zu er- möglichen. Große Teile der Anti-Atom-Bewegung und der Bürgerinitiativen und diverse Umweltverbände haben massive Kritik am Standortauswahlgesetz und der Arbeit der in diesem Rahmen eingesetzten „Endlager“-Kommission ge übt und entsprechend ihre Ablehnung einer Zusammenarbeit mit bzw. in der Kommission begründet. Sie haben gemeinsam mit dem Deutschen Naturschutz- ring (DNR) ihre Forderungen und Argumente für einen Neustart im Umgang mit den radioaktiven Abfällen und einen entsprechenden gesellschaftlichen Pro- zess im März 2014 umfangreich vorgetragen und dokumentiert (www.dnr.de/aktuell/ dokumentation-tagung-atommuell.html).

Im Rahmen der derzeit anlaufenden Genehmigungsverfahren für die Stilllegung von Atomanlagen gibt es von Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbänden vielfach die Klage, dass seitens Behörden und Betreibern unzureichende Infor- mationen zur Verfügung gestellt werden, um Bürgerinnen und Bürger eine tat- sächliche Bewertung der geplanten Rückbau- oder sonstiger Maßnahmen in die- sem Zusammenhang zu ermöglichen. Dies ist Medienberichten im Zusammen- hang mit Stilllegungsverfahren an den Standorten in Obrigheim, Biblis, Bruns- büttel, Neckarwestheim, Isar/Ohu und anderenorts zu entnehmen. Hinzukom- men wachsende Konflikte um neue Zwischenlager für leicht- und mittelradio- aktive Abfälle sowie um die weitere Zwischenlagerung hochradioaktiver Ab- fälle an den Standorten der Atomkraftwerke (AKW; siehe auch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig-Holstein zur Aufhebung der Genehmigung für das Standortzwischenlager am AKW Brunsbüttel).

Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit vom 4. September 2015 übermittelt.

Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.page1image10028

Offenkundig gibt es derzeit keine ausreichenden Verfahren, in denen zwischen Öffentlichkeit und (staatlichen oder privaten) Betreibern Dialog- und Beteili- gungsprozesse stattfinden, die geeignet sind, einen vielfach beschworenen Neu- start im Umgang mit (künftigen) radioaktiven Abfällen in den betroffenen Re- gionen bzw. Standorten von Atomanlagen mit Leben zu füllen. Ein gesellschaft- licher Konsens im Umgang mit radioaktiven Abfällen ist vor dieser Kulisse nicht erreichbar.

Das ehemalige Atomforschungszentrum GKSS – heute Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) – hat zur Vorbereitung seiner Planungen für die Stilllegung der dortigen Atomanlagen im Oktober 2012 der Öffentlichkeit ein Angebot für einen „konsensorientierten Dialog“ gemacht.

Von Bedeutung ist die Bereitschaft des Betreibers, nicht nur unmittelbar Still- legungsfragen zu behandeln, sondern einen umfassenderen Dialog auch z. B. über die rund um Geesthacht hohen Leukämieerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen oder auch die Geschichte der ehemaligen Atom- forschungsanlage GKSS in den Prozess einzubeziehen.

Inzwischen läuft dieser konsensorientierte Dialog seit fast drei Jahren. Im Rah- men dieses Prozesses ist inzwischen ein Antrag auf Rückbau gestellt und ein Scoping-Termin durchgeführt worden.

Auf der Homepage der Dialogseite des HZG wird berichtet: „Da es für den bun- desweit einzigartigen konsensorientierten Dialogprozess bei der Stilllegung von Atomanlagen keine rechtlichen Rahmenbedingungen gibt, haben HZG und Be- gleitgruppe in gemeinsamen und getrennten Sitzungen ,Grundzüge für die Zu- sammenarbeit‘ erarbeitet. Darin definieren beide Seiten ihr jeweiliges Selbst- verständnis im Dialogprozess und in welcher Weise sie auch in Zukunft zu ge- meinsamen Lösungen kommen wollen.“ (Quelle: www.hzg.de/public_relati- ons_media/hzg_im_dialog/index.php.de#tab-62).

Nach Einschätzung der Akteure HZG und Begleitgruppe gibt es „keine rechtli- chen Regelungen in der Bundesrepublik für ein auf Konsens ausgerichtetes Di- alogverfahren zwischen Betreibern einer kerntechnischen Einrichtung und der Bevölkerung. In diesem Rahmen führt das HZG einen freiwilligen Dialog“.

Bis heute hat es nach unserem Wissen bislang keine Unterstützungsangebote oder Gesprächskontakte mit der Begleitgruppe seitens politischer Entschei- dungsträger des Bundes oder der Länder gegeben.

  1. Wie bewertet die Bundesregierung die in den laufenden Genehmigungsver- fahren an zahlreichen Atomstandorten vorgetragenen Beschwerden von Bür- gerinnen und Bürgern, zu wenig Informationen zu erhalten, um in den Ver- fahren als Einwenderinnen und Einwender den Umfang und die Auswirkun- gen der Stilllegungsplanungen bewerten zu können?
  2. In welcher Weise wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass es möglichst umgehend mehr Kooperation zwischen Genehmigungsbehörden und Bürgerinnen und Bürgern gibt, mindestens aber den Wünschen nach mehr Informationen durch die zuständigen Behörden deutlich besser entge- gen gekommen wird?

Aufgrund des inhaltlichen Zusammenhangs werden die Fragen 1 und 2 gemein- sam beantwortet.

Die Durchführung von Genehmigungsverfahren zur Stilllegung kerntechnischer Anlagen einschließlich der hierbei gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeits- beteiligung liegt in der Zuständigkeit der jeweiligen Genehmigungsbehörden der Länder.

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Im Rahmen eines solchen Genehmigungsverfahrens werden der Öffentlichkeit zahlreiche Informationen und Unterlagen auf Grundlage der Vorschriften der Atomrechtlichen Verfahrensverordnung und des Gesetzes über die Umweltver- träglichkeitsprüfung zugänglich gemacht. Die Öffentlichkeitsbeteiligung beinhal- tet auch die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben, welche bei einem Erörte- rungstermin mit dem Antragssteller, der Genehmigungs-behörde und dem Ein- wender mündlich erörtert werden.

Die Bundesregierung nimmt das Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger nach In- formationen sehr ernst und begrüßt deshalb, wenn über den gesetzlich vorge- schriebenen Rahmen hinaus der Öffentlichkeit Informationen zu Stilllegungsvor- haben zugänglich gemacht werden. Transparenz und Dialogbereitschaft von Sei- ten der Betreiber und der Behörden gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sind ein wichtiger Beitrag für eine Vertrauensbildung und gesellschaftliche Akzep- tanz.

  1. Wie bewertet die Bundesregierung die Aktivitäten von Bürgerinitiativen, Anti-Atom-Aktiven und anderen ehrenamtlichen Aktiven an den Standorten mit Atommüll in Bezug auf die Debatte über die Sicherheit im Umgang mit radioaktiven Abfällen?
  2. Mit welchen Maßnahmen und Initiativen wird die Bundesregierung darauf hinwirken, dass auch an anderen Standorten mit Atommülllagern künftig Di- alogprozesse mit dem Ziel, einen gesellschaftlichen Konsens im Umgang mit dem Atommüll zu erreichen, stattfinden können und die sicherheitsorientier- ten Aktivitäten von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden und aktiven Einzelpersonen unterstützt werden?

Aufgrund des inhaltlichen Zusammenhangs werden die Fragen 3 und 4 gemein- sam beantwortet.

Die Bundesregierung setzt gerade im Bereich der Zwischenlagerung und Entsor- gung radio-aktiver Abfälle auf Transparenz. Beispielhaft hierfür ist die Beteili- gung der Öffentlichkeit im Rahmen des Programms für eine verantwortungsvolle und sichere Entsorgung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle (Na- tionales Entsorgungsprogramm). Die Bundes-regierung ist an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den betroffenen Anwohnern und vor Ort ansässigen Initia- tiven interessiert und trägt dafür Sorge, dass die Informationen, die für einen of- fenen Dialog notwendig sind, zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sorgt auch der gesetzliche Rahmen, z. B. durch das Standortauswahlgesetz, dafür, dass die Öffentlichkeit beteiligt wird und ihr alle notwendigen Informationen über die Sicherheit von geplanten Anlagen zur Behandlung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle zugänglich sind.

Im Übrigen obliegt die Beteiligung der Öffentlichkeit insbesondere auch den Ge- nehmigungs- und Aufsichtsbehörden der Länder und nicht zuletzt auch den Be- treibern der einzelnen Ein-richtungen.

  1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den konsensorientierten Dialogprozess zwischen HZG und der Begleitgruppe im Rahmen der Stillle- gung der ehemaligen Atomforschungsanlagen der GKSS in Geesthacht?
  2. Wie bewertet die Bundesregierung den konsensorientierten Dialogprozess zwischen HZG und Begleitgruppe bei der Stilllegung der ehemaligen Atom- anlagen der GKSS?
  1. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung vergleichbare Dialogprozesse an anderen bundesdeutschen Standorten von Atomanlagen?Wenn ja, in welcher Weise sind diese aus Sicht der Bundesregierung ver- gleichbar, und welche Unterschiede gibt es jeweils?
  2. An welchen Standorten mit Atomanlagen gibt es nach Kenntnis der Bundes- regierung derzeit Bürgerdialoge oder ähnliche Angebote seitens staatlicher Stellen oder seitens der Betreiber von Atomanlagen?

Die Fragen 5 bis 8 werden aufgrund ihres inhaltlichen Zusammenhangs gemein- sam beantwortet.

Wie bereits in den Antworten zu den Fragen 1 bis 4 dargestellt, liegen die Geneh- migungs-verfahren zur Stilllegung kerntechnischer Anlagen wie auch die Öffent- lichkeitsbeteiligung im Rahmen dieser Verfahren in der Zuständigkeit der jewei- ligen Genehmigungsbehörden der Länder. Detaillierte Kenntnisse zu solchen Prozessen liegen der Bundesregierung deshalb in der Regel nicht vor.

Die Bundesregierung hat in Einzelfällen Kenntnis von solchen über die gesetzli- chen Anforderungen hinausgehenden Dialogprozessen. Eine systematische Er- fassung solcher Prozesse durch die Bundesregierung erfolgt nicht.

9. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass Dialogangebote von (priva- ten) Betreibern bzw. staatlichen Stellen an Bürgerinnen und Bürger und Öf- fentlichkeit mit einer „Konsensorientierung“ einerseits und der Bereitschaft zur Befassung auch „geschichtlicher Aspekte“ des Betriebs der jeweiligen Anlage – wie bei „HZG im Dialog“ – andererseits, das Gelingen solcher Pro- zesse wesentlich verbessern kann, im Vergleich zu reinen Informations- und Transparenzangeboten?

Wenn nein, warum nicht?

Wenn ja, in welcher Weise wird die Bundesregierung darauf hinwirken, dass es solche konsensorientierten Prozesse an möglichst vielen Standorten geben kann?

Die Bundesregierung begrüßt alle Maßnahmen, die zu einer erhöhten Transpa- renz und mehr Vertrauen zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Betreibern und den behördlichen Stellen führen. Die Dialogangebote, die über die gesetzlich vorge- schriebenen Maßnahmen hinaus-gehen, können ein vertrauensvolles Verhältnis stärken.

Die Bundesregierung sorgt im Rahmen der zuständigen Bund-Länder-Gremien für einen Austausch der Erfahrungen – auch mit solchen Dialogprozessen – zwi- schen den Ländern.

10. In welcher Weise kann sich die Bundesregierung vorstellen, den konsensori- entierten Dialogprozess in Geesthacht zu unterstützen,

a) hinsichtlich des gemeinsamen Prozesses zwischen HZG und Begleit- gruppe und

b) zur Unterstützung der ehrenamtlichen Begleitgruppe?

Die Bundesregierung begrüßt den freiwilligen konsensorientierten Dialogprozess in Geesthacht. Die Zuständigkeit für das Genehmigungsverfahren für die Stillle- gungsprojekte des HZG und damit auch für die gesetzlich vorgeschriebene Öf- fentlichkeitsbeteiligung und die darüber hinaus gehenden Beteiligungsprozesse liegt jedoch bei der Landesbehörde.

11. Ist seitens der Bundesregierung oder anderer staatlicher Stellen vorgesehen, sich durch direkte Gespräche über die Arbeit des konsensorientierten Dia- logs in Geesthacht zu informieren?

Wenn ja, in welcher Weise? Wenn nein, warum nicht?

Die Bundesregierung wird u. a. im Rahmen der Sitzungen der für die Stilllegung zuständigen Bund-Län der-Gremien über den Stand der laufenden Genehmigungsverfahren und damit auch über Dialogprozesse in einzelnen Verfahren informiert.page8image248

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Vorabfassung – wird durch die lektorierte Version ersetzt.

Die CSU-Stadtratsfraktion besichtigte anlässlich ihrer wöchentlichen Sitzung das Ottonianum und die darin untergebrachte Jugendherberge.
Herr Thomas Rogler, der kommissarische Leiter, gab sowohl einen Einblick in das Gebäude, die aktuelle Entwicklung und die Struktur der Jugendherberge.
Die einzelnen Optionen über die Zukunft des Hauses wurden im Anschluss an die Führung ausführlich gemeinsam diskutiert. Die Fraktion vertrat mit Herrn Rogler gemeinsam die Ansicht, dass baldmöglichst wegweisende Entscheidungen über die weitere Nutzung des Hauses in reizvoller Lage (Blick über die Stadt und vor allem auf die Burg und die Martinskirche) getroffenen werden sollten. Wenngleich diese sicher nicht leicht fallen dürften.
Weitere Themen wie das Hochwasser 2013 und die mögliche Ausbaggerung der Großen Isar wurden behandelt und teilweise als Anträge formuliert. So will Lothar Reichwein erreichen, dass noch vor der Sommerpause durch das Wasserwirtschaftsamt erhoben wird, ob weitere Ausbaggerungen sinnvoll wären.
Rudolf Schnur brachte ein weiteres Mal das Thema Atommüll vor den Toren der Stadt auf die Tagesordnung und wurde mit einem entsprechenden Antrag beauftragt.
Stadtrat Ludwig Zellner stimmte die Mitglieder des Verkehrssenates auf dessen Tagesordnung ein.
Stadtrat Maxi Götzer berichtete über die Inhalte des bevorstehenden Jugendhilfeausschuss aus Sicht des Verwaltungsbeirates für die Jugend.

SPIEGEL ONLINE

20. April 2015, 12:00 Uhr

Hochradioaktiver Atommüll

“Endlager erst in hundert Jahren”

Wo wird der hochradioaktive Abfall aus deutschen Atomkraftwerken untergebracht? Die Einrichtung eines Endlagers werde länger dauern und teuer für den Steuerzahler, mahnt eine Regierungskommission.

Die bundesweite Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll und dessen Bau könnten sich nach Ansicht von Experten um Jahrzehnte verzögern und deshalb deutlich teurer werden. Eine Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission sagt nach einem Bericht der “Frankfurter Rundschau” in einem jetzt vorgelegten Papier voraus, dass das Projekt möglicherweise erst Mitte des nächsten Jahrhunderts abgeschlossen sein werde.

Demnach erwarten die Experten das Einbringen des letzten Atommüll-Behälters erst “zwischen 2075 und 2130” und den “Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks zwischen 2095 und 2170 oder später”.

Der Kommissionsvorsitzende Michael Müller (SPD) sagte der Zeitung, die Kosten dafür könnten deshalb in den nächsten Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro steigen. Die Rückstellungen der vier Stromkonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, die diese für Abriss der Atomkraftwerke, Zwischen- und Endlagerung gebildet haben, liegen derzeit bei etwas unter 40 Milliarden Euro. “Auf den Staat kommen erhebliche finanzielle Risiken zu, wie das auch die Untersuchungen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen”, meint Müller.

Gefahr in Zwischenlagern

Die Bundesregierung ist angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der vier AKW-Betreiber in Sorge, dass die Verpflichtungen zum Kraftwerksabriss sowie zur Endlagerung des Mülls nicht mehr erfüllt werden könnten. Befeuert wurden die Bedenken durch die Aufspaltung des E.ON-Konzerns, der sich auf zukunftsträchtigere Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien konzentrieren will. So kam die Frage auf, was bei einer Pleite einer Betreibergesellschaft der Kraftwerke mit den Rückstellungen geschieht und wie man Risiken abwenden kann.

Auch ein deswegen von der Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten sieht erhebliche Gefahren für den Steuerzahler und empfiehlt einen öffentlichen Fonds für den AKW-Abriss, in dem ein Teil oder die gesamten Rückstellungen fließen sollten. Zudem will das Wirtschaftsministerium die Jahresabschlüsse der AKW-Betreiber einem sogenannten Stresstest unterziehen, um zu sehen, ob die in den Bilanzen verankerten Rückstellungen auch verlässlich verfügbar sind.

Michael Sailer, Mitglied der Endlagersuchkommission, warnte in der “Frankfurter Rundschau” vor andauernder Übergangslösung: “Ohne zügige Abwicklung der Endlagersuche könnte Atommüll in einigen Zwischenlagern bis nach 2100 bleiben”, sagte er. Es bestehe die Gefahr, dass große Mengen Radioaktivität freigesetzt würden, da die oberirdischen Lager eher gefährdet seien als ein Endlager – etwa durch Krieg oder Terrorismus.

Atommüll ins Ausland?

“Die Zwischenlagerung als Quasi-Dauerzustand hinzunehmen, würde künftige Generationen unverantwortlich belasten”, mahnte Sailer, der auch Chef der Entsorgungskommission des Bundes ist.

Die 33-köpfige Kommission aus Politikern, Fachleuten und Vertretern der Zivilgesellschaft hatte im Mai 2014 die Arbeit aufgenommen. Sie soll bis 2016 die Kriterien der Suche erarbeiten. Bis 2031 soll ein Endlager gefunden sein. Grund sind die Zweifel an dem seit 1977 als einzige Option im Fokus stehenden Salzstock Gorleben.

Bisher haben sich nur Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bereiterklärt, hochradioaktiven Atommüll zwischenzulagern – nötig ist mindestens ein drittes Land, das sich aber nicht findet. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) plant, die Behälter nun bundesweit unterzubringen. Zuletzt hatte ein Energiemanager aus Baden-Württemberg vorgeschlagen, ein Endlager für deutschen Atommüll im Ausland zu suchen.

 

boj/dpa/Reuters/AFP

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

Im Folgenden eine wichtige Information, die in USA zwar Schlagzeilen machte, hier aber weitgehend unbekannt ist.

Es geht um einen schleichenden GAU in der Pilotanlage zur Lagerung von “schwach- bis mittelradioaktivem Müll” WIPP, ein Salzbergwerk im US-Bundesstaat New Mexico. Darauf machte der 81jährige franco-kanadische
Physiker Hubert Reeves jetzt mit einem Artikel “Atomkraft – nein danke” in der französischen Presse aufmerksam:

http://www.lepoint.fr/invites-du-point/hubert-reeves/hubert-reeves-le-nucleaire-non-merci-14-06-2014-1836186_1914.php

Er bezieht sich auf die Ausgabe der amerikanischen Zeitschrift “Nature” vom 15.5.2014:

http://www.nature.com/news/an-accident-waiting-to-happen-1.15214

Die Wissenschaftler gehen also davon aus, daß diese Sache dramatisch ist.

WIPP (Waste Isolation Pilot Plant) bezeichnet ein Salzstock-Lager in New
Mexico, in dem die militärischen Atomwaffenlabors, vorneweg Los Alamos, ihre
radioaktiven Abfälle deponieren. Bei dem Unfall am 14.2. (ein Freitag)
wurden unter Tage erhebliche Mengen an Plutonium und Americium freigesetzt.
Über das Ventilationssysten gelangten angeblich geringe Mengen in die
Umwelt, kontaminierten aber 21 Arbeiter, offenbar alle, die zu der Zeit dort
arbeiteten. Gegen 23 Uhr hatte es Radioaktivitätsalarm gegeben. Trotzdem
ließ die Firmenleitung die Samstagsschicht am nächsten Morgen zur Arbeit
antreten.

Es wird vermutet, daß mindestens ein Faß oder Behälter durch
Wärmeentwicklung geplatzt ist. Bei weiteren 368 Fässern droht sich Ähnliches
zu ereignen, da sie auf gleiche Weise konditioniert sind.

Das Lager enthält bereits 90.000 Kubikmeter “schwach- bis
mittelradioaktiven” Atommüll (doppelt so viel wie Asse), darunter 5 Tonnen
Plutonium (wahrscheinlich 50 mal so viel wie Asse). WIPP ist 15 Jahre in
Betrieb. Ein Unfall wie dieser hätte sich in 10.000 Jahren nicht ereignen
dürfen. Die Anlage wurde vorerst geschlossen; es wird Monate dauern, bis
überhaupt das Ausmaß der radioaktiven Kontamination ermittelt ist.

Bei WIPP handelt es sich um ein Lager ähnlich Asse, wobei die Region dem
lieben Gott und den westlichen Alliierten danken darf, daß sie eine deutsche
Atomwaffenproduktion nicht erlaubt haben. Will man ähnliche Probleme
vermeiden, die schnell nicht mehr zu lösen sind, dann darf man mit der
Rückholung der Assefässer nicht noch 20 Jahre warten, sondern man muß das
Problem sofort und ohne Zeitverlust angehen. Dazu müssen das
Bundesumweltministerium und alle anderen mit dem Thema befassten
Verantwortlichen als erstes aufgeweckt, aufgeschreckt, aufgescheucht werden.

18.03.2014

Libbe HaLevy: Nuclear Hotseat # 143

Strahlenfreisetzung aus der Pilotanlage zur Endlagerung
von Atommüll aus Atomwaffen (WIPP) in Carlsbad, New Mexico

Interview mit Don Hancock
vom 
Southwest Research and Information Center
Teil 4

Fran WilliamsVizedirektorin von URS (Hauptsubunternehmer des Energieministeriums, welchem der Betrieb der Anlage von WIPP übertragen wurde), ist Chefin der Abteilung Umweltschutz, Gesundheit und Qualitätssicherung. Zuvor hatte Fran Williams 28 Jahre für die Firma Westinghouse Savannah River Company gearbeitet. Im Rahmen einer Bürgerversammlung im Rathaus von Carlsbad beschreibt sie unter anderem die Methode zum Aufspüren inkorporierter Plutonium- und Americiumpartikel in der Lunge eines Menschen (es werden Detektoren an den Brustkorb angelegt; die Detektoren müssen aber auf den jeweiligen Körper geeicht sein. Da Messungen an Kindern zur Zeit nicht vorgesehen sind, fehlen die entsprechenden Einstellungen). Einer Mutter, die verzweifelt versucht, ihre Kinder testen zu lassen, antwortete siefolgendermaßen: Das mit der Strahlung sei fürchterlich kompliziert, sie wolle ganz unwissenschaftlich den Sachverhalt anhand einer Analogie erklären. Zwei der häufigsten Unfallquellen in den USA für Privatpersonen und in der Industrie seien Elektrizität und der Autoverkehr. Wenn auch sie selbst, Frau Williams also, daher niemals an einer Hochspannungsleitung arbeiten würde, denn Strom sei tödlich, so lade sie doch jeden Abend ihr iPhone und iPad an einer Steckdose auf – ja, sie könne das Kabel sogar ablecken, ohne dadurch Schaden zu nehmen. Fran Williamsfährt fort:

[…] Die Strahlungsniveaus am Gelände von WIPP sind gerade einmal über der Hintergrundstrahlung. Wir erwarten also nicht, dass diese Messungen bei Ihnen oder Ihren Kindern – oder bei irgend jemandem sonst – eine Belastung in der Lunge aufzeigen werden. Es ist so wenig, wie wenn Sie am Ladegerät ihres iPhones lecken würden. Und ich versuche nicht, spaßig zu sein. Ich versuche, Strahlenbelastung mit etwas zu vergleichen, was Sie verstehen können.“ (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=uM5wwQFkRFI&feature=player_detailpage#t=2973 | ab 55:48)

Titelmelodie:

Nuclear Hotseat –
Was denken sich diese Leute eigentlich dabei?
Nuclear Hotseat –
Ist das alles Ergebnis einer Riesensauferei?
Nuclear Hotseat –
Das Corium, es ist entzwei!
Die Zeit, die uns zum Handeln bleibt, ist bald vorbei!
Aber: Die Aktivisten lassen’s laufen, sie sind so frei!

Nuclear Hotseat –
Es ist … die Bombe!

Libbe HaLevyDie Strahlenfreisetzung im Atommüll-Endlager WIPP (Waste Isolation Pilot Plant) in Carlsbad in New Mexico ist möglicherweise in den Massenmedien kein Thema mehr – beim Nuclear Hotseat ist das anders. Wir haben neuerlich Don Hancock kontaktiert, der für dasSouthwest Research and Information Center in Albuquerque, New Mexico arbeitet, eine Vereinigung zur Überwachung von Atomanlagen und mehr. Er war uns eine zuverlässige Informationsquelle über die unkontrollierten Freisetzungen am 14. Februar. Wir kommen nun zu den neuesten Erkenntnissen. Bitte bringe uns auf den derzeitigen Stand der Dinge. Welche Informationen sind in den letzten zwei Wochen über den Störfall in WIPP hinzugekommen?

Don Hancock: Nun, wir kennen die Antworten auf all die wichtigsten Fragen immer noch nicht, wie beispielsweise, was der Auslöser war, welche giftigen radioaktiven Stoffe unter Tage freigesetzt wurden, welche auf der Erdoberfläche. Wir haben ein paar zusätzliche Daten über die Filter, in der Hinsicht, wie viele Proben genommen wurden. Das ist uns bekannt. Das Energieministerium (Department of Energy, DoE) hat die meteorologischen Daten herausgegeben, wir wissen nun etwas mehr über die Windverhältnisse. Es gibt also in einigen Zusammenhängen bessere Informationen, aber, wie bereits erwähnt, die wichtigen Fragen sind immer noch ungeklärt.

Wir wissen nun, dass mindestens 17 Arbeiter kontaminiert wurden. 135 Arbeiter werden Tests unterzogen, es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass sich herausstellen wird, dass mehr als 17 Arbeiter verseucht wurden. Aber es gibt noch viel herauszufinden. Die Anlage ist weiterhin außer Betrieb, es war immer noch niemand im Bergwerk selbst, um herauszufinden, was dort eigentlich passiert ist. Ein paar Informationen sind also hinzugekommen, aber sehr vieles wissen wir nach wie vor nicht.

Libbe HaLevy: Gehen wir ein paar Punkte genauer durch, denn die Hörer unserer Sendung sind genau daran interessiert. Was wird derzeit über die Ursachen dieses Unfalls vermutet? Welche Theorien sind die plausibelsten?

Don Hancock: Früher sagte das DoE, dass auf Grund der Ausgangssituation, nämlich, dass zum Zeitpunkt des Unfalls niemand in der Mine war, es sich daher um keinen Irrtum bei den Arbeitsvorgängen und auch kein Problem mit der eingesetzten Ausrüstung handeln kann. Es bleiben also zwei Möglichkeiten, beide ziemlich unglaublich, da ihre Eintrittswahrscheinlichkeit mit einem Mal in 10.000 Jahren angegeben wurde (nun, da haben sie sich wohl geirrt). Die Szenarien beinhalten entweder den Einsturz einer Verwerfungslinie – es handelt sich ja um eine Salzmine, ein möglicher Unfall wäre also der Einsturz einer Saaldecke, die Trümmer, die auf die Behälter stürzen würden dann zu den Freisetzungen führen; oder aber, es ist bei einem oder mehreren der Behälter aus irgend einem Grund zu einer Explosion gekommen. Das sollte aber eigentlich gar nicht möglich sein, denn es gibt in den Behältern keine Sprengstoffe und die Behälter besitzen Filter, sodass es auch nicht zu einer Ansammlung von Wasserstoff kommen kann. Das DoE will also keine Spekulationen darüber abgeben, ob es zu einem oder beiden dieser Abläufe gekommen ist. Die Informationen, die wir bisher darüber erhalten haben, was in die Umwelt gelangt ist, und was von den Filtern abgefangen wurde, hilft uns nicht wirklich dabei, zu verstehen, was nun tatsächlich vorgefallen ist. Es scheint so, dass die Menge an Strahlung, die wir feststellen, aus mehr als einem Behälter stammen muss, es sind somit mehrere Behälter involviert. Der Umstand, dass sich einige der freigesetzten Partikel vom vermuteten Ort der Freisetzung durch die Stollenanlage und durch den Abluftschacht über ca einen Kilometer hinweg fortbewegt haben, deutet darauf hin, dass es wohl irgendeine Energiequelle, eine treibende Kraft hinter dieser Freisetzung gegeben haben muss – aber noch einmal, wir haben nach wie vor keinen tragfähigen Hinweis, und wenn es sich herausstellt, dass die Ursache in etwas ganz anderem besteht als einem Deckeneinsturz oder einer Explosion mit Feuerentwicklung, dann ist das nur ein weiterer Beweis dafür, dass Situationen eintreten können, die niemals vorhergesehen wurden.

Libbe HaLevy: Ich habe irgendwo gelesen, dass es vor zwei Jahrzehnten im Rahmen von Belastungsproben zu Einstürzen gekommen ist. Sind Ihnen diese Fälle bekannt?

Don Hancock: Es gab schon immer Probleme mit der Stabilität in diesem Bergwerk. Die Annahmen über Salz, wie schnell es sich bewegt, wie es sich bewegt, und was zu tun ist, dass es zu keinen Einstürzen kommt, war immer schon ein Problem. Soweit es um detaillierte Studien von Einstürzen von Verwerfungslinien geht: Es gab keine. Die Hauptsorge galt immer einem Deckeneinsturz, bei dem Arbeiter, Atommüll oder sowohl die einen wie auch das andere innerhalb einer Sektion betroffen sind. Die Tatsache, dass es mit der Stabilität unter Tage größere Probleme gibt, ist die Ursache dafür, dass drei der sieben Kammern im ersten Trakt (panel), dem ersten Abschnitt, in dem Atommüll eingelagert wurde, niemals verwendet wurden. Man hatte Bedenken wegen der Instabilität der Decke. Es wird angenommen, dass es in diesem ersten Trakt auch bereits zu Einstürzen gekommen ist. Da dieser Trakt aber bereits versiegelt wurde, wissen wir nicht genau was sich dort wann abspielte. Der Umstand, dass Decken einstürzen können, ist also bekannt – aber es sollte nicht bereits jetzt so weit kommen. Wenn sich dieser Deckeneinsturz in Trakt 7 ereignete, so wie das DoE auf Grund der Messstation, die den Alarm ausgelöst hat, vermutet, so handelt es sich hier um einen Trakt, der eben erst ausgeschachtet und freigegeben wurde. Wenn es also dort zu einem Deckeneinsturz gekommen sein sollte, dann würde dies darauf hinweisen, dass im DoE nicht einmal ein grundlegendes Verständnis darüber besteht, was in der Mine vor sich geht. Wenn Kammern, die eben erst fertiggestellt wurden und als sicher erachtet wurden, sodass mit der Mülleinlagerung begonnen wird, kurz daraufhin einstürzen, dann haben sie offensichtlich keine Ahnung.

Libbe HaLevy: Was die Strahlenfreisetzungen angeht: Am Anfang hieß es, dass die Verbreitung maximal vielleicht einen Kilometer betragen könnte. Andererseits habe ich Berichte darüber gelesen, dass die Strahlung sich sogar in Carlsbad über die Hintergrundstrahlung hinaus erhöht hätte. Was sind die derzeitigen Erkenntnisse, inwieweit ist Carlsbad von der Strahlung betroffen?

Don Hancock: Es gibt nur eine Luftmessstation in Carlsbad und die ist ca 40 km von der Anlage entfernt. Was diese Messstation also anzeigt oder nicht anzeigt kann kein Maßstab dafür sein, was in 40 km Entfernung passiert ist oder auch, ob sie all das aufzeichnen konnte, was möglicherweise in Carlsbad angekommen ist. Nun, die aufgezeichneten Daten zeigen eine erhöhte Strahlung im Vergleich dazu, was normalerweise als Hintergrundstrahlung gemessen wird. Als das DoE diese Daten in einer ersten Analyse in ihren Labors untersucht hatte, wurde in einem ersten Statement gesagt, dass sie keine Anzeichen für Atommüll aus WIPP finden konnten; sie haben uns aber nicht mit all den Daten versorgt, die wir gerne überprüft hätten. Eines der vielen Probleme, die dieser Zwischenfall aufzeigt, besteht darin, dass die Überwachungsmessungen in der derzeitigen Form nicht ausreichen. Möglicherweise waren sie ausreichend, als es – soweit wir das wissen – zu keinen Freisetzungen kam. Als es nun die Freisetzung gegeben hat, dann könnte es sein, dass diese auch bis Carlsbad vorgedrungen ist, oder dass sie Menschen zwischen der Anlage und Carlsbad erreicht hat. Wie ich sagte, die verfügbaren Kontrollmessungen sind unzureichend. Wir wissen ja nicht einmal, wie viele Arbeiter auf der Anlage selbst kontaminiert wurden, weniger als einen Kilometer von der Stelle entfernt, an der die Freisetzung angeblich stattfand. Wenn wir also nicht wissen, wie viele Arbeiter betroffen sind und welche Auswirkungen dort zu verzeichnen waren, so ist das enttäuschend, aber nicht wirklich eine Überraschung. Wir haben von Anfang gefordert, dass zusätzliche Messstationen eingerichtet werden sollten, das wäre hilfreich. Was aber wirklich notwendig wäre, ist eine aussagekräftige Untersuchung von Erdproben innerhalb und außerhalb der Anlage, um eine klareres Bild davon zu bekommen, was da nun im Boden ist. Wenn man in der Erde etwas entdeckt, dann bedeutet dies, dass Material durch den Wind verfrachtet wurde. Die Winde ändern sich aber, der Staub kann neuerlich verblasen werden. Wir sollten also darüber Bescheid wissen, ob sich etwas im Erdreich befindet, sodass man eventuell auch Säuberungsmaßnahmen durchführen kann und eine bessere Vorstellung von den Richtungen hat, die der Wind einschlug.

Noch eine Anmerkung zu dieser Sache: die Luftmessstationen sind im Großen und Ganzen nahe der Anlage: Im Westen, im Nordwesten und eine weitere im Südosten. Sollte der Wind die Partikel also nach Norden oder Nordosten getragen haben, so gibt es in dieser Richtung keine Messstationen, mit denen man ein Vorbeiziehen bemerken würde. Wenn man sich das Zeitfenster ansieht, während dessen es anscheinend zu den Freisetzungen kam, dann ist auch das ein schwerwiegendes Problem. Also noch einmal: es ist zwar wichtig, was die Luftmessstationen anzeigen, aber es wäre von noch größerer Bedeutung, dass eine gründliche Untersuchung von Bodenproben durchgeführt wird. Es wurden zwar einige Proben genommen, man hat aber noch keine Resultate verlautbart, wir wissen also nicht sehr viel darüber. Es gab Berichte darüber, dass es zu Evakuierungen und Verseuchungen in einiger Entfernung von der Anlage gekommen sei, aber es gab keine angeordneten Evakuierungen jenseits der Anweisung, keine Arbeiter zurück auf die Anlage zu lassen. Außerhalb der Anlage kam es somit zu keinerlei Evakuierungen. Wie ich also sage: Die Daten sind derart spärlich zum jetzigen Zeitpunkt, dass wir nicht wissen können, wie weit sich die Verseuchung ausgebreitet hat.

Libbe HaLevy: Sie könnten die Antwort auf diese Frage bereits gegeben haben, aber ich möchte noch einmal folgendes nachfragen: Der Direktor des Carlsbad Environmental Research and Information Center Russell Hardy hat ausgesagt, dass radioaktive Partikel nicht bis Carlsbad vorgedrungen sein können, da es sich um relativ schwere Partikel handelt, die nur 25 oder 30 km weit kommen würden; Carlsbad sei jedoch über 40 km von der Anlage entfernt.

Don Hancock: Nun, dies, wie so viel anderes, das Russell gesagt hat, sind Annahmen, die nicht bewiesen werden können. Jedenfalls sind241Americium, 241Plutonium und 240Plutonium, die bei in den atmosphärischen Atomtests erzeugt wurden, nach ihrer Entstehung sehr viel weiter gewandert als 30 oder 40 km. Russell kann diese Behauptung nicht belegen. Zwar hat Russell in der Vergangenheit einige gute Arbeit geleistet, er hat aber andererseits in der Vergangenheit auch noch weitere Aussagen gemacht, die ich hinterfragt habe, und er konnte sie nicht belegen. Beispielsweise hat er am 15. Februar bekanntgegeben (was man ihm zugute halten muss), dass eine Messstation damals Freisetzungen angezeigt hat. Er sagte, dass es sich dabei wohl um kleine Mengen an Strahlung gehandelt haben müsse, die wohl freigesetzt wurden, bevor das Filtersystem ansprang. Als ich ihn danach fragte, woher er denn das wisse, sagte er, dass er es nicht wissen würde, dies sei lediglich eine Hypothese. Ich würde also meinen, alles, was er darüber aussagt, wie weit sich diese Partikel ausbreiten können, ist eine Hypothese – nichts, was beweisbar wäre.

Libbe HaLevy: Soweit die Arbeiter betroffen sind: Wir wissen nun schon von 17, dass sie kontaminiert worden sind, und dass weitere Arbeiter getestet werden. Wurden diese Untersuchung nun durch die URS in Auftrag gegeben, durch jene Firma, welche die Anlage betreibt, durch das DoE oder aber durch die Stahlarbeitergewerkschaft, die ihre eigenen Teams losgeschickt hat, um Tests durchzuführen.

Don Hancock: Bisher sind alle Stuhlproben, die bei den 17 Arbeitern eine Kontamination angezeigt haben, von der Betreiberfirma genommen worden, Nuclear Waste Partnership, wobei URS, die du erwähnt hast, so etwas wie die leitende Firma vor Ort darstellt. Wir haben nach den tatsächlichen Werten der Daten gefragt, die in den Feces aufgefunden wurden. Es wird weiterhin behauptet, man habe nichts im Urin aufgefunden und es gäbe auch keine Hinwiese auf möglichen Lungenkrebs in den durchgeführten Untersuchungen. Soweit ich weiß, haben die Gewerkschaften, die natürlich auch die Privatsphäre der Arbeiter schützen wollen, weder irgendwelche Daten veröffentlicht noch angegeben, welche unabhängige medizinische Unterstützung sie organisiert haben, was aber meiner Meinung nach der Fall ist. Die Tests wurden durch die Betreiberfirma angeordnet, in manchen Fällen könnten die Arbeiter einer zusätzlichen Prüfung unterzogen werden, aber das wurde nicht bekannt gegeben.

Libbe HaLevy: Wir alle sind daran gewöhnt, von Beamten stets nur schönfärberische Informationen zu erhalten, wenn in einer Atomanlage etwas passiert ist, aber ich fand die Aussage dieser Sprecherin von URS, dem Betreiber von WIPP, bemerkenswert: Sie verkündete, dass jedwede Freisetzung, ich zitiere: „gleich niedrig sind, wie wenn man das Ladegerät von seinem Iphone ableckt.“

Don Hancock: Nun, das ist keine medizinisch haltbare Aussage. Da wir die Messwerte nicht kennen, können wir auch nicht sagen, wie hoch das Belastungsniveau ist. Mediziner, die mit Strahlung zu tun haben, würden aber wohl in so einem Fall sagen: „Setze dich keiner Strahlung aus, wenn du nicht unbedingt musst, egal, wie nieder die Dosis auch sein soll. Jede zusätzliche Belastung erhöht das Risiko.“ Man tut also so etwas einfach nicht, es sei denn, es ist unvermeidbar. Was die Belastung der Arbeiter angeht, so war dies aber vermeidbar, es war insbesondere nicht notwendig, dutzende Arbeiter am Samstagmorgen, dem 15. Februar, kommen zu lassen, da man zu diesem Zeitpunkt von den Freisetzungen unter Tage bereits wusste, also mehr als 100 Arbeiter potenzieller Verseuchung ausgesetzt hätte. Es ist weiterhin unrichtig, dass Ärzte, welche die Arbeiter untersuchten deren Testergebnisse vorliegen hatten und weitere Tests anforderten, gesagt hätten, dass für diese Leute keine Gefahr bestünde. Ich bin also darüber besonders besorgt, dass die Betreiber… Es war unrichtig für alle 13 Arbeiter, die in jener Nacht des Valentinstages über Tage in der Anlage ihren Dienst verrichteten, also zu dem Zeitpunkt, als die Freisetzung begann. Alle diese 13 Menschen wurden kontaminiert, obwohl ihnen gesagt worden war, sie seien nicht kontaminiert worden. Erst 12 Tage später, am 26. Februar wurden sie darüber informiert, dass sie sehr wohl kontaminiert worden waren. Dann wurden am Samstag weitere Arbeiter auf die Anlage geholt, am 15. Februar. Es ist klar, dass dies absolut inakzeptabel ist. Der Betreiber sollte also, anstatt zu behaupten, dass die Freisetzungen klein seien und keine Auswirkungen hätten, sich viel mehr bei den Arbeitern entschuldigen, sollten nicht vorschlagen, weitere Arbeiter in die Anlage zu bringen (was sie aber weiterhin machen) und sollten für gründliche Untersuchungen aufkommen; auch dies haben sie nicht getan. Es geht auch nicht nur um eine gründliche Abklärung bei den Arbeitern, sondern auch um deren Fahrzeuge, Wohnstätten und Familienangehörige, denn wenn sie von innerer Kontamination betroffen sind, dann ist es höchst unwahrscheinlich dass all diese Kontamination in ihren Nasen und damit in ihren Lungen gelandet ist, um daraufhin ausgeschieden zu werden – oder auch nicht. Sehr wahrscheinlich haben sie etwas mitgetragen. Die anderen Arbeiter, die am 15. Februar kontaminiert wurden, bekamen die Nachricht, bei ihnen wäre eine innere Kontamination festgestellt worden, erst am 9. März, also erst drei Wochen später.

Die Art, wie hier mit den Arbeitern umgegangen wurde, ist meiner Ansicht nach völlig inakzeptabel. Die Firmensprecherin sollte also, anstatt von keinem Risiko zu sprechen, Geldmittel für eine gründliche Untersuchung der Arbeiter, deren Fahrzeuge, Wohnungen und Familienangehörigen zur Verfügung stellen, um sicher zu gehen, dass die Kontamination sich nicht auch noch auf diesem Weg ausgebreitet hat.

Libbe HaLevy: Wo stehen wir heute in Bezug auf die Frage, wie Arbeiter ohne Sicherheitsrisiko in die Stollen vordringen können, um feststellen zu können, welche Schäden vorliegen?

Don Hancock: Die Betreiberfirma hat verlautbart, sie hätten einen Plan. Dieser wird nun vom DoE überprüft. Es sollen bald ein paar Arbeiter losgeschickt werden, vielleicht schon nächste Woche, um sicherzustellen, dass das Ventilationssystem unter Tage funktioniert, dass die Stabilitätsprobleme, die möglicherweise vorhanden waren, vermieden oder behoben werden können, um den Grund für die Verseuchung festzustellen, und wie man ihn beheben oder abschwächen kann, ihn isolieren kann oder was auch immer. Meine Vermutung – wenn auch nicht mein Wunsch – besteht darin, dass recht bald einige Arbeiter unter Tag geschickt werden. Ich glaube, dass dies wahrscheinlich verfrüht ist. Das Niveau der Radioaktivität in den Filtern und bei den Messgeräten ist zwar viel niedriger, aber höher, als es vorher im Untergrund und an der Erdoberfläche war. Ich glaube also, dass es einige triftige Bedenken dagegen gibt, Arbeiter in das Bergwerk zu beordern.

Das ist die eine Seite. Andererseits können wir nicht annähernd so viel erfahren, wie wir aber darüber erfahren wollen, was denn da unten passiert ist, wenn wir keine Leute hinunterschicken.

Ein weiterer Grund dafür, nicht mehr Leute auf die Anlage zu lassen, als zum Betrieb absolut notwendig sind, ist der, dass mehr als 140 m³ in der Anlage abgestellt sind. Wenn, was wir ja nicht wissen, Teil des Problems unter der Erde darin bestand, dass ein Behälter undicht wurde oder explodierte, dann ist der Umstand, dass Behälter in verschiedenen Bereichen der Anlage abgestellt sind ein weiteres Problem. Aus meiner Sicht sollten wir besonders sorgfältig vorgehen, insbesondere die Betreiberfirma und das DoE, die sie derart viele Fehler im letzten Monat begangen haben.

Libbe HaLevy: Welche Vorkehrungen wurden getroffen, um weiteren Freisetzungen über die Abluftauslässe zu verhindern?

Don Hancock: Sämtliche Luft sollte aus dem Abluftschacht ausgeblasen werden. Eines der Dinge, die wir nicht wissen, ist, ob das auch tatsächlich so ist, denn die anderen drei Schächte sind nicht mit Messgeräten versehen. Wir wissen also nicht, ob irgendwas über diese Route in die Umwelt freigesetzt wird.

Was den Abluftschacht betrifft, so wird die Luft normalerweise an der Oberfläche über drei große Rohrleitungen abgelassen. Alle drei sollten nun, da die Anlage im Filterbetrieb arbeitet, abgeriegelt sein. Die Luft aus dem Untergrund wird also nicht mehr direkt in die Umwelt geblasen, sie durchläuft zuvor diesen Filterprozess mit Hilfe der Hochleistungsfilter (HEPA-Filter). Das DoE hat ursprünglich konsequent behauptet, dass alles nach Plan funktionieren würde. Erst drei Wochen später haben sie gesagt, dass ein Arbeiter ausgeschickt wurde, um Schaum auf den Abgasklappen der drei Leitungsschächte zu applizieren, den die Klappen waren nicht ganz geschlossen, sondern nur fast ganz geschlossen – es hat dort also ein Leck gegeben. Es ist also wiederum zu einer Freisetzung von Radioaktivität jenseits dessen gekommen, was durch die Filter abgegeben wurde. Jetzt behauptet das DoE, diese Klappen wären dicht, alle Abluft müsse also die Filter passieren. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass Proben mit Hilfe eines speziellen Teilsystems gezogen werden, die mächtigen Filter wurden selbst aber nicht ausgetauscht. Im Laufe der Zeit sammelt sich in ihnen also mehr und mehr Material an, und wenn sich zu viel angesammelt hat nimmt der Wirkungsgrad ab. Auch das sind wieder Faktoren, über die man nichts weiß, die aber ein Grund für die Besorgnis der Menschen darüber sind, was da weiterhin vor sich geht.

Libbe HaLevy: Was diese Besorgnisse angeht: Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung vor Ort in Bezug auf diesen Störfall?

Don Hancock: Ich selbst bin in Albuquerque, 480 km weit weg. Ich weiß also nur über Gespräche mit anderen Leuten, wie die Stimmung rund um Carlsbad ist, ich selbst war seit diesem Störfall nicht mehr vor Ort. Soweit der allgemeinen Berichterstattung zu entnehmen ist, die Sie und viele andere gesehen haben werden, sind die Menschen nun mehr besorgt, als sie es traditionell angesichts der Anlage von WIPP waren. Im Allgemeinen gibt es aber immer noch große Unterstützung für die Anlage und die Arbeiter. Einige der Arbeiter können es anscheinend kaum erwarten, wieder auf die Anlage zu kommen usw. Manche der Arbeiter dürften wohl nicht so sehr daran interessiert sein.

Ich würde also zwei Sachen sagen: Carlsbad steht auf Seiten der Betriebsleitung von WIPP. Es war an diesem Ort immer schwer, etwas gegen die Anlage zu sagen. Wenn dann etwas schlimmes in so einer Stadt passiert, dann ist die erste Reaktion der Leute vor Ort immer, dass sie sich einigeln und sich gegenseitig Mut zusprechen, dass man auch diese Situation bewältigen werde. Ich denke, dass entsprechend den Informationen, die bekannt werden, etwa der Anzahl von kontaminierten Arbeitern, wie hoch ihre Kontamination ist, wie hoch die Kontamination auf der Anlage ist, wie hoch die Kontamination außerhalb der Anlage ist, ob in Carlsbad oder an anderen Orten, das wird großen Einfluss darauf haben, was die Menschen denken.

Libbe HaLevy: Nur noch zwei weitere Fragen: Wie beurteilen Sie die Berichterstattung durch die Medien?

Don Hancock: Im Allgemeinen nicht sehr gut, jedenfalls von meinem Blickwinkel aus gesehen. Das ist teilweise verständlich. Es gibt eine Lokalzeitung, den Current Argus, ein kleines Blatt, das nicht über große Ressourcen verfügt. Sie haben so ziemlich alle Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, auf diese Geschichte angesetzt. Einerseits ist das wohl gut, andererseits standen sie meist hinter WIPP, sodass die meisten ihrer Geschichten bis zu dem Störfall und auch die danach im Grunde aus Presseaussendungen des Energieministeriums bestehen.

Sie haben also nicht ausreichend Ressourcen, um mit dieser Situation fertig zu werden. Andere Medien sind aufgetaucht und wieder verschwunden. Natürlich bin ich über jegliche Berichterstattung froh, sei es in der New York Times oder in anderen Medien im Land, wie demAlbuquerque Journal oder den Fernseh- und Radiosendern. Da WIPP aber nicht für längere Zeit im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, gibt es nicht sehr viele Reporter, die über die Story etwas detaillierter informiert sind. Es gibt nur wenige Reporter, die sich zum Thema Radioaktivität auskennen, dem Thema Strahlenkontamination, daher ist weder der Umfang noch die Gründlichkeit der Berichterstattung nicht so, wie wir das gerne sehen würden. Ich hoffe weiterhin, dass es noch zu einer genaueren Berichterstattung und größerer Aufmerksamkeit kommen wird, aber wie Sie und Ihre Hörer wohl wissen, wird immer weniger Geld in unserem Land in die Medien investiert, daher sind fachkundige Reportagen vor Ort rar geworden, das ist bei einer Reihe von Themen so, und auch dieser Vorfall wird nicht annähernd so sorgfältig berichtet, wie es eigentlich notwendig wäre.

Libbe HaLevy: Noch eine persönliche Frage: besitzen Sie einen Geigerzähler und wenn ja, haben Sie diesen in Gebrauch?

Don Hancock: Meine Organisation arbeitet viel auf dem Gebiet der Überwachung, sehr viel wird im Nordwesten und Nordosten von New Mexico gemacht, ebenso im östlichen Arizona, wo es zu eine erhebliche Belastung durch Uran gibt, aus dessen Abbau und der weiteren Verarbeitung herstammend. Wir haben 5 Mitarbeiter in unserem Team, die mit Strahlenmessgeräten ausgestattet sind und diese auch regelmäßig bei ihrer Arbeit einsetzen. Wir haben also diese Möglichkeit. Ich selbst habe kein Strahlenmessgerät in meinem Büro in Albuquerque eingesetzt und habe auch keinen Grund zu glauben, dass die Notwendigkeit dafür besteht. Wir könnten, wenn wir es müssten, aber noch einmal: wir sind von WIPP ziemlich weit entfernt, es gibt keine Anzeichen, dass die Kontamination sich bis hierher ausbreiten konnte. Unglücklicherweise sind einige unserer Leute regelmäßig an sehr stark verseuchten Orten. Ein Teil unserer Arbeit besteht darin, Wohnstätten von Navajos zu überprüfen, einschließlich solcher von schwangeren Frauen, Neugeborenen, und so zu versuchen, dass diese Menschen es vermeiden, in einem verseuchten Umfeld zu wohnen. Leider leben einige dieser Leute sehr nahe an versuchten Orten. Die Konzerne und auch die Bundesregierung haben in der Vergangenheit die gigantischen Verschmutzungen durch radioaktives Material und Schwermetalle nicht saniert, welche durch den Uranabbau in den 50ern, 60ern, 70ern und 80ern zurückgeblieben sind.

Libbe HaLevy: Nun, das weist auf eine ganz andere Geschichte hin, die wir ein anderes Mal besprechen können.

Don Hancock: Selbstverständlich.

Libbe HaLevy: Vorerst aber wieder einmal meinen herzlichen Dank, Don, dass Sie uns derart ausführlich informieren. Wir werden uns bei Ihnen für weitere Aktualisierungen wieder melden!

Don Hancock: Sehr gerne! Ich danke Ihnen!

Libbe HaLevy: Don Hancock vom Southwest Research and Information CenterWir werden bei Don weiterhin nachfragen, um von den neuesten Entwicklungen bei WIPP zu hören.

Übersetzung und Lektorierung: nepomuk311 für www.afaz.at
Quelle: Nuclear Hotseat #143: NM Radiation Leak Update w/Don Hancock update http://www.nuclearhotseat.com/blog/
Dieses Schriftstück steht unter GFDL, siehe www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html. Vervielfältigung und Verbreitung – auch in geänderter Form – sind jederzeit gestattet, Änderungen müssen mitgeteilt werden (email: afaz@gmx.at).     www.afaz.at März 2014 / v1

Castor-Behälter – unsicher seit Anfang an

Seit Jahren schon wird die Sicherheit der CASTOR-Behälter in Zweifel gezogen. Auch beim vergangenen Transport musste davon ausgegangen werden, dass bei einem Unfall die Gefahr besteht, dass die Behälter so beschädigt werden könnten, dass sie undicht werden.

Die transportierten CASTOR HAW 20/28 Behälter sind lediglich mit einem sog. „Primärdeckel“ verschlossen; der „Sekundärdeckel“ wird erst im Zwischenlager Gorleben aufmontiert. Im Behälter mit den hochradioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung befinden sich radioaktive Gase, deren Druck ca. 2 bar (etwa so hoch wie der eines Autoreifens) beträgt. Im Primärdeckel befindet sich eine zusätzliche Öffnung, über die bei der COGEMA in Frankreich Messungen im Behälter- Innenraum vorgenommen werden. Diese Öffnung stellt ein bisher überhaupt nicht betrachtetes Sicherheitsrisiko dar, wenn bei einem Unfall – so könnte der Behälter mit dem Deckel gegen die Spitze eines Felsens krachen – dieser Bereich getroffen werden würde. Die radioaktiven Gase würden durch den inneren Überdruck kurzfristig in die Atmosphäre freigesetzt werden – mit unvorstellbaren Folgen. Bekanntlich sind bislang noch keine Fallversuche mit dem Original-CASTOR-Behälter vorgenommen worden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) schreibt hingegen diese Versuche vor, die sogar so ausgelegt sein müssen, dass sie den „größtmöglichen Schaden“ verursachen. Dabei ist ein Fallversuch aus 9 m Höhe gefordert. Bei dem Aufprall eines Behälters auf ein „unnachgiebiges Fundament“, so die IAEA-Vorschrift, beträgt die Aufprallgeschwindigkeit knapp 48 km/Stunde – weniger als die Hälfte der Geschwindigkeit, mit der die Lok des Todeszuges in Frankreich Sebastièn erfasst hat! Und auch in Deutschland raste der 600 m lange und 2300 t schwere Zug mit Höchstgeschwindigkeit auf normalen Bahngleisen durch Städte, Dörfer und belebte Bahnhöfe! Die „Zeitfenster“ zwischen den sonstigen Güter- Personen- und ICE-Zügen müssen schließlich eingehalten und Verspätungen aufgeholt werden, damit die Polizei in ihrer Abschlusspresseerklärung vermelden kann: „Somit erreichte der Transportzug unter der 24-Stunden-Grenze sein Ziel und lag in der polizeilichen Zeitplanung“.

Fallversuche mit Originalbehältern hatte bereits vor Jahren der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, für erforderlich gehalten, diese aber nie durchgesetzt. Bisher wurde – und wird – immer wieder auf „Berechnungen“ verwiesen, mit denen die „Sicherheit“ der Behälter nachgewiesen worden sein soll.

Diese Berechnungen basieren aber nicht auf gewonnenen Versuchsdaten aus Fallversuchen, weil nie abgeflachte Stoßdämpfer, wie sie bei „CASTOR-HAW-Transporten“ am Behälter angebracht sind, getestet wurden. Es handelt sich lediglich um Luftrechnungen der Betreiber und Prüfbehörden.

Solche Berechnungen werden allerdings auch noch wie ein Staatsgeheimnis behandelt, und sind für die Öffentlichkeit und kritische Wissenschaftler nicht einsehbar.Wen wundert’s, sind doch immer wieder gravierende Mängel in den mathematisch-physikalischen Ansätzen und grobe Rechenfehler bekanntgeworden. Angeblich „unabhängige“ Gutachten werden vom Behälterhersteller GNB bezahlt, und unterliegen damit deren „Sicherheits“- Kriterium, nämlich deren Einschätzung von „Firmengeheimnissen“.

Vor einigen Wochen wurde von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) in Berlin eine internationale Konferenz zu Atommülltransporten und deren „Sicherheit“ veranstaltet. Dabei wurde ein neues Versuchsgelände in Horstwalde bei Berlin in Betrieb genommen. Dort soll man in der Lage sein, Falltests gemäß IAEA-Vorschriften durchzuführen. So wurde den anwesenden internationalen Wissenschaftlern ein Fallversuch mit einem japanischen Transportbehälter der Firma Mitsubishi präsentiert. Außerdem wurde ein Falltest mit dem als CASTOR-Nachfolger vorgesehenen Billig-Behälter „CONSTOR“ durch- CASTOR-Behälter – unsicher seit Anfang angeführt. Diesen Versuch durften die Tagungsteilnehmer allerdings nicht „live“ verfolgen; lediglich per Video-Übertragung durften sie den 9-m-Fall ansehen. Welche Schäden am Behälter und am Stoßdämpfer möglicherweise auftraten, konnte niemand selbst begutachten. Und das, obwohl der „neue“ Behälter, anders als der CASTOR, mehr als doppelt so dick in Stoßdämpfer „eingepackt“ ist. Bei einem Behältergewicht von rund 125 t wiegt jeder seiner Kopf- und Fußstoßdämpfer mit einem Durchmesser von 3.51 m allein rund 28 t. Die Gorlebener CASTOR-HAW 20/28 Behälter hingegen sind mit erheblich kleineren „Stoßdämpfern“ fast ungeschützt. Und dabei sind diese an den Seiten jeweils so weit abgeflacht, dass zwischen der Behälterwand teilweise nur noch die Blechverkleidung vorhanden ist – sonst könnten die Behälter beim Umladen mit dem Traggeschirr des Krans an den seitlichen Tragzapfen nicht befestigt werden! Der Bodenstoßdämpfer weist nur ein Gewicht von 3.5 t auf ; das ist 1/8 des Gewichts des CONSTOR-Stoßdämpfers.

Nicht auszudenken ist, welche Folgen bei einem Zugunglück das Auftreffen dieser ungeschützten Bereiche auf ein „unnachgiebiges Fundament“, einen Felsen, einen Brückenpfeiler oder so haben könnte… Aber:Was nicht berechenbar ist, kann nicht eintreten. Niemals. Und was berechnet wurde, kann nicht falsch sein. Ein weiterer Höhepunkt der Irreführung von Öffentlichkeit und Genehmigungsbehörden ist nun darin zu sehen, dass der neue BAMVersuchsstand bei Horstwalde so angelegt wurde, dass der Behälter nicht gemäß IAEAVorschriften getestet werden kann, weil die Größe des „unnachgiebigen Fundamentes“ dafür zu klein ausgelegt ist, und nicht ausreicht, um schräg fallende CASTOR-Originalbehälter vollständig auftreffen zu lassen.

Dieter Metk

Diese Medienerklärung gilt sinngemäß auch für das Zwischenlager Niederaichbach und die Lagerung von Brennelementen im

Abklingbecken von Isar 1.

 

 

Medienerklärung 3. Januar 2014

 

 

 

AKW Gundremmingen Bilanz 2013

Risiken nicht gelöst – Atommülldesaster wächst

 

Das AKW Gundremmingen hat im Jahr 2013 rund 20,5 Milliarden Kilowattstunden Strom geliefert. Der Stromexportüberschuss Deutschlands lag im selben Jahr mit einem Allzeitrekord bei über 30 Milliarden Kilowattstunden. Die desaströse Gundremminger Kehrseite ist die Erzeugung von etwa 45.000 Kilo hochradioaktiven Atommülls im Jahr 2013. Kein Kilo wurde entsorgt. Alles nur gefährlich oberirdisch zwischengelagert. Bei der notwendigen Sicherung des Zwischenlagers durch neue Atommauern wurden keine Fortschritte erzielt.

 

Im schwäbischen Gundremmingen zwischen Augsburg und Ulm läuft Deutschlands größtes und gefährlichstes Atomkraftwerk. Einzigartig in Deutschland, dass hier gleich zwei Reaktoren an einem Standort in Betrieb sind. Und einzigartig in Deutschland, dass sie vom alten Typ Siedewasserreaktor sind.

 

Diese beiden Reaktoren haben im Jahr 2013 rund 45.000 Kilogramm hochradioaktiven Atommüll erzeugt. Nicht die Masse ist das Problem sondern die tödliche Strahlung, die von diesem Müll ausgeht. Weniger als ein Tausendstel Gramm würden reichen, um einen Menschen zu töten.

 

Obwohl seit 1966 in Gundremmingen Atomstrom und somit auch Atommüll erzeugt wird, wurde noch kein Kilo entsorgt. Einiges wird in Ahaus, Gorleben, Lubmin und Sellafield zwischengelagert. Nahezu die Hälfte allen je in Gundremmingen erzeugten Atommülls lagert noch in Gundremmingen.

 

Im Jahr 2013 konnten aus den Abklingbecken keine verbrauchten Spaltelemente in Castoren umgepackt werden. Die Internationale Atomenergie Organisation IAEA hat die Bauweise der bisher verwendeten Castoren V/52 bemängelt. Jetzt gibt es keine zugelassenen Castoren mehr. Zulassung und Bau neuer Castoren haben sich verzögert.

 

So sind die gefährlichen zwei Abklingbecken in Gundremmingen sehr voll. Eigentlich haben sie bei Kompaktlagerung Platz für 3.219 Spaltelemente. Aber 784 Plätze müssen als Reserve für eine eventuelle Notentladung der Reaktoren frei gehalten werden. Von jeweils 2423 nutzbaren Plätzen sind jetzt 2086 bzw. 2176 Plätze belegt. Eigentlich sollen verbrauchte Spaltelemente nur etwa fünf Jahre im Abklingbecken bleiben. In Gundremmingen sind jedoch schon Spaltelemente länger als 15 Jahre in den Abklingbecken.

 

Und diese Gundremminger Abklingbecken liegen zwar im Reaktorgebäude aber nicht innerhalb des Sicherheitsbehälters. Bei allen anderen noch in Deutschland laufenden AKW werden die Abklingbecken durch die Sicherheitsbehälter („Containment“) der AKW zusätzlich geschützt.

 

Im Zwischenlager stehen 41 Castoren. Nach nicht öffentlich diskutierten Bedrohungsanalysen des Bundesinnenministeriums müssen heute Anschläge mit Tatmitteln einkalkuliert werden, denen die Castoren in den Zwischenlagern nicht standhalten. Aber man hat auch im Jahr 2013 keine bessere Sicherungstechnik gefunden.

 

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

www.atommuell-lager.de

Medienerklärung v. 18.12.13

Atomausweitung im AKW Gundremmingen

„Nicht genehmigungsfähig“

Der Antrag von RWE (LEW) und EON auf Ausweitung der Produktion von Atomstrom und Atommüll in Gundremmingen war nicht genehmigungsfähig.

Nachdem seit 1999 (fälschlich wird manchmal 2001 geschrieben) die zwei Atomkonzerne versucht haben, eine Ausweitung der Leistung in ihrem AKW Gundremmingen genehmigt zu bekommen, haben wir Umweltschützer im Frühjahr 2013 eine Petition gegen dieses gefährliche Vorhaben gestartet. Und wir haben bei einem anerkannten und sehr erfahrenen Fachmann eine Studie über die Risiken des AKW Gundremmingen in Auftrag gegeben.

12. Nov. 13   An der Universität Augsburg stellt Professor Renneberg die Studie „Risiken des Betriebs des Kernkraftwerks Gundremmingen unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung“ vor. Fazit: „Der Antrag auf Genehmigung der Leistungserhöhung ist nach vorliegender Aktenlage nicht genehmigungsfähig.“

9. Dez. 13     Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 beginnt mit der Sammlung von Unterschriften gegen die Gundremminger Atomausweitung.

10. Dez. 13   Im Bayerischen Landtag überreichen Bund Naturschutz und unsere Bürgerinitiative 27.000 weitere Petitionen und kommen so auf insgesamt 34.000 Petitionen. In diesen fordern wir den Landtag auf, sich gegen die gefährliche Leistungsausweitung auszusprechen und die Staatsregierung in die Pflicht zu nehmen.

13. Dez. 13   Die Bürgerinitiative FORUM fordert RWE (LEW) und EON auf, den Genehmigungsantrag für die Ausweitung der Atomproduktion in Gundremmingen endlich zurückzuziehen.

17. Dez. 13   RWE (LEW) und Eon ziehen den Antrag zurück.

Zusätzliche Gefahren verhindert – aber die Atomanlage in Gundremmingen wird immer riskanter

So konnten wir die zusätzliche Gefahr durch eine Atomausweitung abwenden. Aber die zwei alten Siedewasserreaktoren – die vier in Fukushima zerstörten Anlagen waren auch Siedewasserreaktoren – sind noch in Betrieb. Acht von früher zehn Siedewasserreaktoren wurden in Deutschland bereits still gelegt. Nur die zwei in Gundremmingen laufen noch. Und sie haben sehr schwerwiegende Sicherheitsmängel, wie die Studie von Professor Renneberg aufgezeigt hat: Die Stabilität des Reaktordruckbehälters und somit auch der Einführungen für die Steuerstäbe ist fraglich. Die beiden Gundremminger Blöcke verfügen nicht über die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven an Not- und Nachkühlsystemen. Beide Reaktoren könnten heute nicht mehr genehmigt werden. Bald sind sie 30 Jahre alt. Sie sind durch den Betrieb und gerade auch die Neutronenstrahlung abgenutzt und sie sind längst abgeschrieben.

Atommüllentsorgung seit 50 Jahren ungelöst

Man hat sich an das Umweltverbrechen gewöhnt, dass seit Inbetriebnahme des Blocks A in Gundremmingen im Jahr 1966 beim Spalten von Uran und Plutonium hochradioaktiver Atommüll erzeugt wird und noch kein Kilo entsorgt ist. Nimmt man die Radioaktivität als Maßstab, wird täglich in Gundremmingen dreimal so viel Atommüll neu erzeugt wie insgesamt in allen Atommüllfässern im Skandalbergwerk Asse zusammen enthalten ist. In Gundremmingen lagert jetzt gefährlich oberirdisch weit mehr Atommüll als an jedem anderen Ort Deutschlands. Und RWE (LEW) und EON finden seit fünfzig Jahren keine Entsorgung.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm