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Antibiotika

Pressemitteilung 11.05.2020
FREIE WÄHLER Bayern fordern: Arzneimittelproduktion muss wieder nach Europa und Deutschland verlagert werden – Abhängigkeit gegenüber Monopolisten China und Indien soll gebrochen werden

Bayern und Deutschland müssen Lehren aus Krisen ziehen. Davon ist der Landesvorstand der FREIEN WÄHLER Bayern überzeugt. Ein zentraler Punkt – aus Sicht des Vorstandes zwingend – ist die Rückkehr zur regionalen Herstellung und Versorgung mit Schutzgütern in Bayern. Dazu zählen besonders auch Arzneimittel.

In den vergangenen Jahren/Jahrzehnten hat der Bund die Medikamentenproduktion ausgelagert – insbesondere die Herstellung von Antibiotika.
Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender FREIE WÄHLER Bayern, verkündet als einstimmiges Ergebnis nach der Sitzung des Landesvorstandes die Position, „dass die Versorgung mit gesellschaftlich relevanten Gütern in Bayern und in den bayerischen Kommunen zukünftig besser gesichert werden muss“. Dazu stellen die FREIEN WÄHLER Bayern fest: Der Freistaat darf in wichtigen Branchen wie im medizinischen Bereich nicht abhängig von asiatischen Ländern sein.

Insbesondere bei der Versorgung mit lebenswichtigen Antibiotika sehen die FREIEN WÄHLER die Abhängigkeit zu China kritisch. Seit Ende der 1980er Jahre begann die Verlagerung der Medikamentenproduktion nach China. In Deutschland hat die letzte Antibiotika-Fabrik in Frankfurt-Höchst 2017 die Produktion eingestellt. Damit ist die Bundesrepublik größtenteils abhängig von China und Indien. Allgemein ist die weltweite Produktion von Antibiotika auf wenige Hersteller außerhalb der EU verteilt. Besonders in Bezug auf China kann nicht immer von Versorgungssicherheit ausgegangen werden, Engpässe – wie in der Coronakrise – sind realistisch.

Susann Enders, Generalsekretärin FREIE WÄHLER Bayern, betont: „Gerade die Medizinbranche muss abgesichert sein. Eine Lehre aus der Coronakrise zeigt, dass die Versorgung mit Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Medikamenten nicht ausreichend war. Das muss sich ändern!“
Die FREIEN WÄHLER Bayern betonen, dass durch das schnelle Handeln der Bayerischen Staatsregierung, allen voran von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, im Bereich neue und eigene Produktion von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln Schlimmeres verhindert werden konnte. Der Landesvorstand formuliert, dass in Zukunft eine regionale Produktion im Land nachverfolgt werden muss. Ebenso müssen Arzneien wie Antibiotika versorgungssicher in Deutschland und Europa produziert werden. Die bisherige Abhängigkeit von Monopolisten wie China und Indien muss gebrochen werden.
Die FREIEN WÄHLER Bayern verfolgen seit Jahren ein Konzept der starken Kommunen. Die FREIEN WÄHLER stehen weiter für den Erhalt von regionalen Apotheken und Krankenhäusern ein.

PRESSEMITTEILUNG
Bitte aus Landshut findet Gehör
Thema Mikroverunreinigungen auf der Agenda

Wie steht es um die Wasserwerte der Isar hinsichtlich Mikroverunreinigungen? Das herauszufinden war Gegenstand einer Messung vor gut einem Jahr, welche die Stadtwerke und das Referat für Gewässerschutz bei der kommunalen und häuslichen Abwasserentsorgung des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz (LfU) vorgenommen haben. Ein wesentliches Ergebnis: Arzneimittelrückstände fallen im Vergleich zu Modell- und Messwerten an anderen Kläranlagen in Landshut tendenziell höher aus – vermutlich aufgrund der derzeit noch eingesetzten alten Verfahrenstechnik. Die Stadtwerke und das LfU gehen daher davon aus, dass sich die Werte nach dem Umbau der Kläranlage in eine einstufige Biologie, die derzeit geplant wird, deutlich verbessern werden.
Wesentlich bemerkenswerter war allerdings die Erkenntnis, dass die Verbesserungsmaßnahme in Landshut in der Gesamtschau kaum ins Gewicht fällt. Das LfU kommt zum Schluss: „Die Ergebnisse der Stoffflussmodellierung zeigen, dass die Situation der Isar auf Höhe Landshut geprägt ist von den Einleitungen des Ballungsraums München. Die Einträge der Kläranlage Landshut sind zwar nicht zu vernachlässigen, aber im Vergleich untergeordnet.“ Das bedeutet: Die Einträge aus dem Großraum München müssen zuvorderst reduziert werden, sonst sind die Erfolge der Landshuter Mühen marginal.

In einem gemeinsamen Werk- und Umweltsenat Ende April 2019 beschlossen Oberbürgermeister Alexander Putz und Stadträte deswegen, das LfU und die Landshuter Landtagsabgeordneten zu bitten, dass diese auf den Freistaat und die Stadt München einwirken. „Um die Belastung der Isar mit anthropogenen Spurenstoffen auf ein unbedenkliches Niveau zu reduzieren, ist es unumgänglich, die Einträge aus dem Großraum München zu reduzieren“, schrieb Oberbürgermeister Alexander Putz an die Abgeordneten und das LfU. Freistaat und die Landeshauptstadt sollten daher gemeinsam für eine Entlastung der Mikroverunreinigungen im Großraum München sorgen. Denn eine vierte Reinigungsstufe ist teuer. Für sie gibt es derzeit noch keine gesetzliche Verpflichtung. Es handelt sich um eine freiwillige Maßnahme aus Vorsorgegründen. In Folge gibt es auch (noch) keine Fördermöglichkeiten.

Die Bitte aus Landshut fand Gehör: Die Landtagsabgeordneten bekundeten ihre Bereitschaft, sich für die bessere Reinigung von Mikroverunreinigungen in Gewässern einzusetzen. Das LfU und das Staatsministerium für Umwelt und
Verbraucherschutz erarbeiten derzeit ein Konzept für die Nachrüstung ausgewählter Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe. Das LfU schreibt dazu: „Ein wesentliches Kriterium für die Kläranlagenauswahl ist dabei die im Verhältnis zum erforderlichen Aufwand erreichbare Verminderung der Spurenstofffracht und der dadurch erzielbare Effekt im Gewässer. Die Münchner Kläranlagen nehmen dabei eine zentrale Rolle für mögliche Maßnahmen an der Isar ein.“ Und auch der Stadtentwässerung München ist die Problematik bewusst. Um die Herausforderung konkret angehen zu können, ist allerdings zunächst der Gesetzgeber gefordert, klare Vorgaben zu machen, Grenzwerte festzulegen und Fördermöglichkeiten zu regeln.
Oberbürgermeister Alexander Putz dankt allen Beteiligten für ihren Einsatz im Sinne des Gewässerschutzes. Um die Mikroverunreinigung nachhaltig zu verringern, bedarf es einer ganzheitlichen Lösung: „Von der Quelle bis zur Mündung – hier braucht es die Solidarität und die Anstrengungen eines jeden Anliegers.“

Soweit die Pressemitteilung der Stadt Landshut und nachstehend der Anstoß dafür:


 

 

 

 

Pressemitteilung

Herzspezialist gibt Empfehlungen / Endokarditis-Ausweis für Patienten

(Frankfurt a. M., 5. September 2019) Die infektiöse Endokarditis, eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut, ist unbehandelt lebensbedrohlich. Der bevorzugte Ort der Entzündung sind die Herzklappen. Besonders anfällig für eine Endokarditis sind defekte und künstliche Herzklappen. Es kommt zu einer Auflagerung von Bakterien und kleinen Blutgerinnseln, die die Herzklappen im weiteren Verlauf zerstören. Wenn die Herzklappen nicht mehr schließen, wird das Herz überlastet und es kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen (Infos unter www.herzstiftung.de/Herzklappenerkrankung- Sonderband). Die akute Endokarditis kann sich innerhalb weniger Tage bis Wochen entwickeln und schreitet schnell voran. Nicht selten entwickelt sie sich jedoch schleichend über mehrere Wochen.

Wie kommt es zu einer infektiösen Endokarditis?

„Die Gefahr besteht immer dann, wenn größere Mengen von Bakterien in den Blutstrom gelangen. Am häufigsten gelangen Bakterien aus der Mundhöhle und von infizierten Hautstellen ins Blut. Zu einer Einschwemmung größerer Mengen von Bakterien kommt es meist bei Eingriffen in der Mundhöhle oder an der bakteriell infizierten Haut“, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Herzspezialist der Deutschen Herzstiftung. „Nicht selten sind auch infizierte Injektionskanülen, dauerhafte Venenkatheter und Implantate der Auslöser“, ergänzt der Kardiologe und Pharmakologe. Mit vorbeugenden Maßnahmen kann das Risiko der Bakterieneinschwemmung bzw. einer infektiösen Endokarditis deutlich vermindert werden. Zu diesen Maßnahmen gehören beispielsweise auf Haut- und Mundhygiene zu achten, Wunden gründlich zu desinfizieren, die konsequente Antibiotikatherapie nach ärztlicher Anordnung bei bestimmten bakteriellen Infektionen und der Verzicht auf Piercings und Tattoos. Diese Empfehlungen gelten für alle Menschen. Besonders wichtig sind sie für die Patienten, die ein erhöhtes Risiko haben. Tipps und weitere Empfehlungen sind zusammengefasst im Faltblatt „Ist Endokarditis vermeidbar?“, das über www.herzstiftung.de/Endokarditis-Prophylaxe.html bestellt werden kann.

Für wen ist eine vorbeugende Antibiotikabehandlung notwendig?

Nur Hochrisikopatienten sollten vor bestimmten Eingriffen eine vorbeugende antibiotische Therapie erhalten. Dazu zählen Patienten mit künstlichen Herzklappen, Patienten nach Wiederherstellung von Klappen (Klappenrekonstruktion), Patienten, die mit einer kathetergestützten Klappentherapie (TAVI, MitraClip) behandelt wurden. Zu den Patienten mit hohem Risiko zählen auch diejenigen, die bereits in der Vergangenheit an einer infektiösen Endokarditis gelitten haben. Auch Menschen mit angeborenen Herzfehlern gehören zu den Hochrisikopatienten, wenn sie operiert oder mittels Kathetertechnik behandelt wurden.

Bei welchen Eingriffen vorbeugend behandeln?

Grundsätzlich sollte die Behandlung mit Antibiotika für Hochrisikopatienten bei allen Eingriffen im Bereich der Mundhöhle erfolgen, bei denen Bakterien in den Blutstrom gelangen können. Zum Bespiel bei der Zahnreinigung, der Wurzelbehandlung, dem Zahnziehen und dem Einsatz von Implantaten. Eine Vorbeugung mit Antibiotika ist auch notwendig, wenn Infektionen im Bereich der Haut operativ behandelt werden.

Tipps: Der Ausweis zur Endokarditis-Prophylaxe und das Faltblatt „Ist Endokarditis vermeidbar?“ kann kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung bestellt werden über: www.herzstiftung.de/Endokarditis-Prophylaxe.html oder bestellung@herzstiftung.de (Stichwort: Endokarditis-Ausweis) und telefonisch unter 069 955128-400.

Rutschgefahr: Besser aufwaschen als Keime züchten (Foto: pixelio.de/Gabi Eder)

Hochinfektiöse Erreger wie MRSA, VRE und C. difficile kommen dort vor
Arlington/Cleveland (pte001/02.03.2017/06:00) – Vor allem die Bodenbeläge in vielen Krankenhäusern in den USA weisen eine erhebliche Keimbelastung auf. Die Association for Professionals in Infection Control and Epidemiology http://apic.org hat eine Studie veröffentlicht, in der 159 Krankenhauszimmer in Cleveland auf ihre Sauberkeit überprüft wurden – mit alarmierenden Ergebnissen.

Mehr Augenmerk notwendig

“Bemühungen, Krankenhäuser keimfrei zu machen, konzentrieren sich meist auf Oberflächen, die häufig von den Händen der Mitarbeiter oder Patienten berührt werden”, führen die Studienautoren aus. “Obwohl die Böden von Krankenanstalten häufig stark verschmutzt sind, wird ihrer Desinfektion wenig Aufmerksamkeit beigemessen, da sie selten berührt werden. Unsere Studie zeigt auf, dass die Böden in Krankenhauszimmern eine vernachlässigte Quelle für die Verbreitung von Krankheitserregern sind.”

Viel zu oft fanden die Forscher die Keime MRSA, VRE (welche bereits Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika entwickelt haben) und C. difficile auf den Böden vor, wobei C. difficile der häufigste vorgefundene Erreger war. Auch von Händen (mit und ohne Handschuhe) und oft berührten Oberflächen wurden Proben entnommen und im Labor Kulturen davon herangezüchtet.

Jeder zweite Raum verseucht

Von 100 Räumen verfügten 41 Prozent zumindest über ein Objekt, das häufig berührt wurde – und zugleich auch mit dem Boden in Kontakt war. Darunter fielen persönliche Gegenstände, medizinische Geräte und Versorgungsgüter. Neun Prozent dieser Gegenstände waren mit gefährlichen Keimen verschmutzt, die sich schließlich auch auf die Hände des Personals und der Patienten ausbreiteten.

pte20140820012 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie
Verschreibung von Clarithromycin von Wissenschaftlern verurteilt
Tabletten: schaden womöglich mehr als sie nutzen (Foto: pixelio.de/Verena Münch)
Tabletten: schaden womöglich mehr als sie nutzen (Foto: pixelio.de/Verena Münch)

Kopenhagen (pte012/20.08.2014/11:39) – Das Antibiotikum Clarithromycin führt zu einem um 76 Prozent erhöhten Risiko, einen Herztod zu erleiden. Das berichten dänische Forscher des Statens Serum Instituthttp://ssi.dk/English.aspx in Kopenhagen. Das Antibiotikum ist das in England am fünfthäufigsten verschriebene und wurde mit seinen Konkurrenten Penicillin V und Roxithromycin verglichen.

160.000 Menschen zwischen 40 und 74 Jahren, die eine siebentägige Clarithromycin-Kur erhalten haben, wurden mit 4,4 Mio. Menschen verglichen, die Penicillin V erhalten haben und 590.000 Patienten, die Roxithromycin bekamen. Während bei Clarithromycin-Gabe 18 Menschen wegen Herzproblemen verstarben, waren es bei Penicillin V 235 und bei Roxithromycin 32.

Giftstoffe beanspruchen Herz

Clarithromycin wird für die Behandlung bakterieller Erkrankungen, wie zum Beispiel Lungenentzündungen, verwendet. “In Bezug auf das absolute Risiko ist Clarithromycin für geschätzte 37 zusätzliche Todesfälle bei einer Mio. Verschreibungen verantwortlich”, berichten die Forscher. Weder bei Penicillin V noch bei Roxithromycin ist das Risiko erhöht.

Die Forscher bestätigen, dass Giftstoffe, die in Clarithromycin enthalten sind, sich negativ auf das Herz auswirken – ein Nebeneffekt, der tödlich verlaufen kann. “In der Analyse von Untergruppen scheint das gesteigerte Risiko stark mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung zu stehen”, warnen die Wissenschaftler. Jedoch sei noch mehr Forschung notwendig, um die Ergebnisse abzusichern.

Keine Änderung bei Verschreibungen

“Es gibt viele gute Gründe, um unnötigen Gebrauch von Antibiotika zu vermeiden, wie beispielsweise zu versuchen, dass keine resistenten Bakterien entstehen. Aber ich denke nicht, dass die Studienergebnisse eine Veränderung in der Verschreibung von Clarithromycin erfordern”, wird Tim Chico, Dozent an der University of Sheffield http://sheffield.ac.uk , in der Zeitschrift “Daily Mail” zitiert.

Medikamenten-Entsorgung: Verbraucherwissen mangelhaft

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Arzneimittelrückstände im Wasser sind ein weltweites Umweltproblem. Auch in Deutschland werden mehr als 150 verschiedene Wirkstoffe in nahezu allen Gewässern nachgewiesen, bis hin zum Grund- und Trinkwasser. Die Spurenstoffe aus Schmerzmitteln, Antibiotika, blutdrucksenkenden Mitteln oder Psychopharmaka stammen meist aus häuslichen Abwässern – doch viele Verbraucher wissen gar nicht, dass sie die Verursacher sind. Eine repräsentative Befragung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat große Wissenslücken im Umgang mit Arzneimitteln ausgemacht.

Es ist ein unerwünschter Nebeneffekt beim Gebrauch von Medikamenten: Der Wirkstoff wird nicht vollständig vom Körper abgebaut und über den Urin direkt oder als Abbauprodukt wieder ausgeschieden. Über das Abwasser fließen die Arzneimittelwirkstoffe in die Kläranlagen, wo die Vielzahl an chemischen Verbindungen nicht vollständig entfernt werden kann. Mit dem Ablauf aus den Kläranlagen in die Flüsse und Seen finden die Rückstände so wieder zurück in die Umwelt und den Wasserkreislauf. „Knapp der Hälfte der 2000 vom ISOE befragten Deutschen ist überhaupt nicht bekannt, dass allein schon durch die Einnahme von Medikamenten Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen“, sagt ISOE-Forscher Konrad Götz. „Erstaunt haben uns bei der Befragung aber vor allem die großen Wissenslücken bei der richtigen Entsorgung von flüssigen Medikamentenresten.“

Wissenslücke Arzneimittelrückstände – Risiken für die Umwelt

47 Prozent der Deutschen entsorgen flüssige Medikamentenreste falsch, nämlich über die Spüle oder die Toilette. „Damit hat sich die Wissenslücke bestätigt, die wir bei einer ähnlichen Befragung 2007 festgestellt haben“, sagt Konrad Götz. Laut einer Medienanalyse des ISOE werde der richtige Umgang mit Spurenstoffen zwar häufig thematisiert, beim Verbraucher komme das aber seit Jahren nicht richtig an. „Nur 15 Prozent der VerbraucherInnen entsorgen ihre Medikamente richtig, das heißt – entsprechend der von der Bundesregierung empfohlenen Praxis – über den Restmüll“, sagt Konrad Götz. Der Restmüll wird heute nicht mehr auf Deponien gelagert, sondern verbrannt. Dadurch ist die vollständige Zerstörung der Wirkstoffe gewährleistet. „Die Entsorgung über den Hausmüll ist deshalb derzeit zwar der umweltfreundlichste Weg – weil viele Verbraucher das nicht wissen, ist es aber genaugenommen nur der zweitbeste“, folgert Götz. „Am verbraucherfreundlichsten wäre es, zur alten Praxis zurückzukehren.“ Bis 2009 konnten Medikamente in den Apotheken zurückgegeben werden, wo sie professionell entsorgt wurden.

Patienten wünschen sich umweltfreundliche Alternativen

Denn wenn die Wirkstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, können sie Tier- und Pflanzenwelt gefährlich werden: Hormonreste der „Pille“ haben nachweislich zur Verweiblichung männlicher Fische beigetragen. Auch sind Nierenschäden bei Fischen durch das schmerzstillende Mittel Diclofenac beobachtet worden sowie Verhaltensänderungen durch Psychopharmaka. „Um mögliche Gefahren für die Umwelt zu verhindern, muss endlich eine wirksame Informationskampagne zur Entsorgung durchgeführt werden“, ist sich ISOE-Forscher Götz sicher. Wichtig sei aber auch, dass sich Ärzte über die Problematik von Medikamentenresten im Wasser und über umweltfreundliche Medikamentenalternativen informieren. Vonseiten der Patienten sei die Bereitschaft da: Fast 90 Prozent der Befragten wünschen sich von ihrem Arzt – bei gleicher Wirksamkeit – umweltfreundliche Alternativangebote.

Die Repräsentativbefragung zur Medikamenten-Entsorgung wurde im Projekt „TransRisk – Charakterisierung, Kommunikation und Minimierung von Risiken durch neue Schadstoffe und Krankheitserreger im Wasserkreislauf“ durchgeführt. TransRisk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des BMBF-Schwerpunktes „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf“ (RiSKWa) gefördert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Thomas Ternes, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz.

ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main

Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität sowie Bevölkerungsentwicklung und Versorgung.

Ansprechpartner:

Dr. Konrad Götz
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Tel. +49 69 707 69 19-21
goetz@isoe.de

 

Experten weisen Medikamenten-Cocktail in Alster-Zuflüssen nach

 

 

Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/wandsbek/article118914131/

 

Arzneimittel-Müll belastet Alster-Zuflüsse

 

Medikamentenrückstände in den Alster-Zuflüssen – Experten weisen 17 Wirkstoffe nach. Schmerzmittel, Betablocker, Antibiotika – Werte häufig doppelt so hoch wie die EU-Norm

 

Von Edgar S. Hasse

 

Hamburg. In der Alster und den kleinen Flüssen Ammersbek, Kollau und Osterbek schwimmen nicht nur Algen und Fische, sondern Reste von Schmerzmitteln, Betablockern, Antidepressiva und Antibiotika. Und das schon seit Jahren. Fast eine ganze Apotheke kommt da zusammen, wie Abendblatt-Recherchen jetzt ergeben haben. Allein in der Ammersbek hat das Institut für Hygiene und Gesundheit 17 Medikamenten-Wirkstoffe kontinuierlich nachgewiesen – vom Lipidsenker bis zum Röntgenkontrastmittel.

 

Verursacher ist der Mensch, der viele Medikamente schluckt, biologisch nicht aufgenommene Substanzen ausscheidet und darüber hinaus Pillen unsachgemäß in die Toilette kippt. Aus diesen Gründen liegt die über einen langen Zeitraum gemessene Arzneimittel-Konzentration im Einzugsgebiet der Alster über der EU-Qualitätsnorm. Besonders auffällig ist das beim Schmerzmittel Diclofenac.

Während die EU-Umweltqualitätsnorm im Jahresdurchschnitt bei 0,1 Mikrogramm/Liter liegt, wurden bei der Einmündung der Ammersbek in die Alster 0,2 Mikrogramm gemessen. Zum Vergleich: In der Elbe bei Seemannshöft sinkt der Wert auf 0,05 Mikrogramm. Politiker und Naturschützer sind nun alarmiert. Nabu-Gewässerschutz-Experte Eike Schilling: “Die relativ hohen Konzentrationen können die Fische schädigen.” Und der Alstertaler CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thilo Kleinbauer fordert dringend weitere Sachinformationen. “Da schwimmt schließlich ein ganzer Medikamenten-Cocktail.” Er sehe aber keinen Grund, in Panik zu verfallen.

 

Dass dieses Thema jetzt an Brisanz in der Politik gewinnt, hängt mit den Volksdorfer Teichwiesen zusammen. Seit einigen Jahren haben sie mit schlechter Wasserqualität zu kämpfen – zu viele Nährstoffe und zu viele Algen. Bei näheren Untersuchungen wurden nicht nur Nitrate, sondern offenbar auch Rückstände von Arzneimitteln entdeckt. Um der Sache auf den Grund zu gehen, befasst sich am Dienstag der Umweltausschuss der Wandsbeker Bezirksversammlung in öffentlicher Sitzung mit dem Thema “Arzneimittel im Alstereinzugsgebiet”. Ein Experte soll die Abgeordneten auf den neuesten Stand der Dinge bringen. “Zu diesem Thema sind wir aufgrund der Belastung der Volksdorfer Teichwiesen gekommen”, erklärt Claudia Simon (SPD), Vorsitzende des Umweltausschusses. “Dabei erfuhren wir nebenbei, dass hier auch Medikamente eine Rolle spielen.”

 

Tatsächlich sind bundesweit viele Gewässer mit den Rückständen von Arzneimitteln mehr oder weniger stark belastet. “Arzneimittel”, sagt Udo Rohweder vom Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt, “treten in nahezu allen Fließgewässern auf.” Und das mit Langzeitwirkung. So zeigte eine mehrjährige Untersuchung am Rhein, dass durchschnittlich 25 Prozent der jährlich verwendeten Durchschnittsmenge der 20 am häufigsten gemessenen

Arznei- und Röntgenkontrastmittel die deutsch-niederländische Grenzmessstelle Lobith passiert.

 

Nabu-Gewässerschutz-Experte Eike Schilling steht am Ufer der Alster und zeigt sich besorgt. “Hier wurde gleich eine Reihe von Grenzwerten gerissen”, sagt er und verweist auf den Verstoß bei Diclofenac gegen eine Umweltqualitätsnorm der EU-Kommission vom Januar 2012. Gerade bei diesem Schmerzmittel hätten Experten nachgewiesen, dass bereits vergleichsweise geringe Konzentrationen wichtige Organe der Fische wie Leber, Niere und Kiemen teilweise stark schädigen können. “Auch wirken sich die Substanzen schädlich auf die Fortpflanzung von Organismen aus.” Zudem könnten durch die ständigen Arzneimitteleinträge Wasserpflanzen-Arten dezimiert werden. Sechs Medikamentenwirkstoffe wurden in der Alster gemessen, darunter mehrere Röntgenkontrastmittel und Lipidsenker. Ob er denn noch Fische aus der Alster essen würde? “Ja”, sagt Schilling, “aber nicht jeden Tag.” Was den Naturschützer besonders überrascht, ist die Tatsache, dass im Einzugsgebiet Klärwerke fehlen. Deshalb müsse jetzt genau nach der eigentlichen Ursache der Verunreinigungen gesucht werden.

 

Grundsätzlich sind die meisten Klärwerke in der Lage, das Abwasser in drei Stufen zu filtern. Dennoch lassen sich bundesweit rund 100 Arzneimittel im Abwasser nachweisen. Eine gesundheitliche Gefährdung für den Menschen sieht das Umweltbundesamt dennoch nicht. “Trinkwasserhygienisch sind diese Spuren zwar unerwünscht, für den Menschen besteht dadurch aber keine Gesundheitsgefahr.” Auch in der Umweltbehörde heißt es, die seltenen Befunde von Arzneistoffen im Trinkwasser seien “sehr weit unter therapeutischen Dosen”. Welche kleinen Gewässer darüber hinaus mit Arzneimitteln belastet sind, ist öffentlich noch nicht bekannt. In der Umweltbehörde hieß es lediglich, das Alstereinzugsgebiet werde ebenso wie andere Oberflächengewässer in Hamburg auf Arzneistoffe untersucht.