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AKW

Die ehemals grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg hat dem AKW-Betreiber EnBW 2014 von der Öffentlichkeit unbemerkt Preisnachlässe in Millionenhöhe bei den Wassergebühren für seine Reaktoren eingeräumt. Demnach pro tieren sowohl das AKW Philippsburg als auch das AKW Neckarwestheim seit 2011 von einem um 25 Prozent ermäßigten Satz bei der Kühlwassernutzung aus Rhein und Neckar. Grund ist ein Passus im Wassergesetz des Landes, der of ziell hochef zien- te Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) begünstigen soll. Demnach müssen Kraftwerksbetreiber, die eine solche Anlage neu errichten, 15 Jahre lang weniger Wassergebühren bezahlen. Die Ermäßigung erstreckt sich allerdings, wie jetzt herauskam, nicht nur auf das Fernwärme auskoppelnde Kraftwerk selbst, sondern auf alle Kraftwerke des jeweiligen Konzerns. Die AKW Philippsburg-2 und Neckarwestheim-2 gehören mit Wirkungsgraden von knapp über 30 Prozent zu den ineffizientesten Kraftwerkstypen überhaupt.

Quelle:  .ausgestrahlt Magazin Ausgabe 40 Aug/Sept/Okt 2018

Foto: klartext.LA (stellt AKWs dar, aber nicht die im Text genannten AKWs)

wenn sich eine Chance bietet, ein AKW schneller abzuschalten, dann sollten wir diese gemeinsam nutzen. .ausgestrahlt möchte dazu beitragen, Atomkraftwerke schneller vom Netz zu bekommen. Und in den letzten Wochen ergeben sich gleichzeitig an verschiedenen Standorten neue Chancen.

Das ist gut, schafft aber ein Problem: Mit den vorhandenen Ressourcen kann .ausgestrahlt nur unzureichend an verschiedenen Standorten gleichzeitig handeln. Wir würden gerne mehr machen – uns fehlt dafür aber schlicht das Geld, kurzfristig etwa 25.000 Euro. Wenn Du unsere Arbeit jetzt mit einer Spende unterstützt, kannst Du dazu beitragen, den Druck für einen schnelleren Atomausstieg zu steigern.

Hier kannst spenden: https://www.ausgestrahlt.de/chancen/

Es tut sich was:

Das Atomkraftwerk Brokdorf ist seit dem 4. Februar vom Netz. Weil Brennstäbe rosten und die Gefahr besteht, dass sie undicht werden, macht die Atomaufsicht in Kiel Druck: „Erst, wenn die Ursache geklärt und ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt, kommt ein Wiederanfahren des Kernkraftwerks in Betracht“, erklärte der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Wir wollen, je nach Lesart, Habeck den Rücken stärken oder ihn daran hindern, hinter diese eindeutige Aussage zurückzufallen.

Das Atomkraftwerk Philippsburg 2 ist seit dem 23. Dezember vom Netz. Laut dem baden-württembergischen Umweltministerium ist das AKW seit Jahrzehnten nicht gegen Erdbeben und Flugzeugabstürze gesichert. So wie es gebaut wurde, hätte es nie genehmigt werden dürfen. Sowohl der Betreiber EnBW als auch die Atomaufsicht gingen über drei Jahrzehnte von völlig falschen Sicherheitsvoraussetzungen aus. Derzeit wird umgebaut und die Atomaufsicht schaut in den Bauplänen, was sich da sonst noch findet. Auch hier gilt es, die Verantwortlichen zu motivieren, sehr genau hinzuschauen.

Das Atomkraftwerk Gundremmingen verstößt gegen die gesetzlichen Anforderungen. Die notwendigen Voraussetzungen zur Störfallbeherrschung sind nicht gegeben. Das Not- und Nachkühlsystem des AKW ist nicht erdbebensicher. Im Falle eines Erdbebens wäre eine Kernschmelze nicht auszuschließen. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens von anerkannten Reaktorsicherheits-Experten im Auftrag der Grünen, das Anfang März veröffentlicht wurde. .ausgestrahlt fordert gemeinsam mit Bündnispartner*innen und vielen Aktiven: „Wer B sagt, muss auch C sagen“, damit die beiden noch laufenden Blöcke B und C in Gundremmingen noch 2017 abgeschaltet werden.

Die Atomkraftwerke Brokdorf und Lingen bremsen den Ausbau der Windenergie. Sie liegen in Gebieten, in denen der Zubau von Windkraftanlagen laut Netzausbaugebietsverordnung gedeckelt wird, da die Übertragungsnetze überlastet sind. Wären die AKW abgeschaltet, könnte der Wind-Ausbau beschleunigt werden. Das hat auch die Umweltminister*innen-Konferenz erkannt und schlägt vor, die Reaktoren zu drosseln, wenn der Wind kräftig weht. Sieben Bundesländer gehen noch weiter und fordern, dass auf Brokdorf und Lingen keine Reststrommengen aus anderen Kraftwerken übertragen werden dürfen. Das würde dazu führen, dass in Brokdorf statt Ende 2021 schon zwei Jahre früher Schluss wäre. Und Lingen würde statt Ende 2022 schon Mitte 2021 vom Netz gehen. Nötig wäre dazu eine Änderung des Atomgesetzes. .ausgestrahlt will sich dafür einsetzen.

Die Brennelementesteuer wurde Ende 2016 abgeschafft. Seither lohnt sich der Betrieb der Atomkraftwerke wieder für die Betreiber. In den Entwürfen für die Wahlprogramme von SPD und Grünen wird die Wiedereinführung der Steuer in Aussicht gestellt. Das könnte dazu führen, dass das eine oder andere AKW wegen fehlender Wirtschaftlichkeit früher vom Netz geht. Doch Wahlprogramme sind geduldig. .ausgestrahlt ist es nicht. Wir wollen dafür streiten, dass dieses Versprechen umgesetzt wird, wenn eine oder beide Parteien der nächsten Bundesregierung angehören.

All diese Chancen sind nicht riesig. Die atompolitischen Beharrungskräfte sind groß, bis weit in die nominell atomkritischen Parteien hinein. Doch wir wollen nichts unversucht lassen. Wenn Du ermöglichen willst, dass .ausgestrahlt diese Chancen nutzt, dann kannst Du hier spenden: https://www.ausgestrahlt.de/chancen/

Die Ressourcen von .ausgestrahlt werden derzeit auch deshalb knapp, weil wir ja zusätzlich noch an vielen anderen Themen und Projekten dran sind, wie etwa die große Menschenkette am 25. Juni von Tihange bis Aachen, der Widerstand gegen Castor-Transporte auf dem Neckar oder Aufklärung in Sachen Atommüll-Standortsuche.

Ab und an werden wir ja gefragt, ob uns eigentlich angesichts des Atomausstiegs die Arbeit ausginge. Derzeit fühlt es sich genau umgekehrt an: Weil .ausgestrahlt Chancen nutzen will, wird die Arbeit derzeit immer mehr. Nur mit Deiner Unterstützung können wir es schaffen: https://www.ausgestrahlt.de/chancen/

Du möchtest nicht über unsere Webseite spenden? Dann kannst Du auch selbst überweisen an .ausgestrahlt e.V.
IBAN: DE 5143 0609 6720 0930 6400
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Stichwort: “Chancen nutzen”

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomkraft-erdbebensicherheit-von-akw-gundremmingen-angezweifelt-a-957292.html

 

 

Medienerklärung II 7.3.14

 

 

 

Spiegel online berichtet, dass staatliche GRS feststellte:

AKW Gundremmingen erfüllt Sicherheitsanforderungen nicht

 

Wie heute spiegel online berichtet, beklagt die staatliche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), dass das AKW Gundremmingen die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall nicht erfüllt.

Kritisiert wird auch, dass Deutschlands größtes und gefährlichstes AKW keine im Ernstfall ausreichende Anzahl von Not- und Nachkühlsystemen hat.

Unsere Bürgerinitiative schreit: Unsere Sicherheit ist wichtiger als das Geschäftsinteresse von RWE/LEW!

 

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

 

Medienerklärung v. 7. März 14

 

 

 

Bayerische Atomaufsicht zögert schuldhaft

Abschalten bis Sicherheitsnachweise vorliegen!

 

Existenzielle Sicherheitsnachweise fehlen dem AKW Gundremmingen. Und dennoch greift die verantwortliche Bayerische Atomaufsicht nicht ein. Ohnehin gilt dieses größte Kernkraftwerk Deutschlands wegen seiner zwei veralteten Siedewasserreaktoren als das gefährlichste AKW Deutschlands. Es muss zum Schutze der Menschen mindestens so lange abgeschaltet werden, bis die Sicherheitsnachweise vorliegen.

 

Die am 12. November 13 veröffentlichte Studie „Schwachstellen und Risiken des Kernkraftwerks Gundremmingen unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung“ hat kurzzeitig die Bayerische Atomaufsicht wach gerüttelt. Bald wurde sogar die Regierung informiert. So berichtete am 10. Dezember 13 die Nachrichtenagentur dpa über die Ansicht des Ministerpräsidenten zu den Gundremminger Gefahren: >> Eine Leistungsausweitung wäre „sehr problematisch, auch wegen der ganzen Sicherheitsinformationen, die wir jetzt über Gundremmingen haben, „ sagte der CSU-Chef.<< Daraufhin zog RWE den bereits seit 1999 laufenden Antrag zur Ausweitung der Leistung zurück. Der AKW Betreiber befürchtete eine Ablehnung durch die Behörde oder spätestens vor Gericht eine Niederlage. Mit PR-Wortgeklingel deckte die RWE-Presseabteilung diesen Rückzug nach 14 Jahren.

 

Die Studie zeigt schwerwiegende Mängel und Gefahren des Gundremminger AKW auf: Die Reaktordruckbehälter sind in einer kritischen Weise konstruiert worden, wie man es heute auf keinen Fall mehr täte. Die beiden Reaktoren verfügen nicht über die für den Ernstfall notwendige Anzahl von Not- und Nachkühlsystemen. Weiterhin wies der Physiker und Professor am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Wiener Universität darauf hin, dass für das AKW Gundremmingen keine ausreichenden Nachweise vorliegen, dass auch extreme Hochwassersituationen und mögliche starke Erdbeben überstanden werden, ohne dass Radioaktivität freigesetzt wird.

 

Eine Bundestagsanfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl brachte zudem Anfang 2014 ans Licht, dass seit Jahren das AKW Gundremmingen Nachweise schuldig ist, dass die heiklen Sumpfsiebe eines Notkühlsystems im Falle einer Leckage im Hauptkreislauf ausreichend funktionieren.

 

Aber die Bayerische Atomaufsicht reagiert nicht. Sie spielt mit dem atomaren Feuer. Wir fordern, dass die beiden Reaktoren wenigstens so lange abgeschaltet werden, bis sie die notwendigen Sicherheitsnachweise vorweisen können! In einem Hochhaus sperrt man auch den Lift, wenn Sicherheitsnachweise fehlen. Wie viel notwendiger ist dies dann bei Deutschlands gefährlichster Industrieanlage!

 

Joachim Radkau | Lothar Hahn 2013:

„Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft“

(Rubriken: Inbetriebnahme, Führungskonzern, Abgeschrieben n. 19 J. von R.K.)

Tabelle 4: Die ABSCHALTZEITPUNKTE der deutschen AKW

 

AKW Inbetrieb-

nahme

Typ* Führungs-

konzern

Abgeschrie-

ben n. 19 J.**

Rot-Grün

2000***

Laufzeitverläng-

Union/FDP 2010

Energie-

wende 2011

Differenz zu

Rot-Grün 2000

Emsland 1988 DWR RWE 2006 2020 2034 2022 + 2
Isar 2 1988 DWR EON 2006 2020 2034 2022 + 2
Neckarwestheim 2 1989 DWR ENBW 2007 2022 2036 2022
Brokdorf 1986 DWR EON 2004 2019 2033 2021 + 2
Grohnde 1984 DWR EON 2002 2018 2032 2021 + 3
Gundremmingen C 1984 SWR RWE 2002 2016 2030 2021 + 5
Philippsburg 2 1984 DWR ENBW 2002 2018 2032 2019 + 1
Gundremmingen B 1984 SWR RWE 2002 2015 2030 2017 + 2
Grafenrheinfeld 1981 DWR EON 1999 2014 2028 2015 + 1
Neckarwestheim 1 1976 DWR ENBW 1994 2010 2019 2011  
Brunsbüttel 1976 SWR Vattenfall 1994 2012 2020 2011  
Isar 1 1977 SWR EON 1995 2011 2019 2011  
Krümmel 1983 SWR Vattenfall 2001 2019 2033 2011  
Philippsburg 1 1979 SWR ENBW 1997 2012 2020 2011  
Unterweser 1978 DWR EON 1996 2012 2020 2011  
Biblis A 1974 DWR RWE 1992 2010 2020 2011  
Biblis B 1976 DWR RWE 1994 2011 2020 2011  

 

* SWR = Siedewasserreaktor   DWR = Druckwasserreaktor

** gilt für die Hauptkomponenten http://www.steuernetz.de/aav_steuernetz/steuern/afa/12.xhtml;jsessionid=92946FBAD62277906EE353FD71478898 [18.9.13]

*** im Schnitt sollten die AKW nach 32 J. Produktion abgeschaltet werden. Durch Stillstände, also produktionslose Zeiten, sollte sich dies verlängern.

3. November 2013

Seit dem 26. Okt. 2013 stieg die in die Luft „entsorgte“ Radioaktivität aus dem Block 2 des Atomkraftwerk Neckarwestheim massiv an, zeitweise bis auf das 23fache des Üblichen, und pendelt sich erst langsam wieder auf den „normalen“ Stand ein. Das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn fordert Transparenz und sofortige Maßnahmen.

AKW Neckarwestheim-2: Aktivitätsrate der an die Umwelt abgegebenen EdelgaseAKW Neckarwestheim-2: Aktivitätsrate der an die Umwelt abgegebenen Edelgase 

Seit 21.09. war das Kraftwerk GKN 2 für die jährliche Revision (u. a. Brennelement-Wechsel) heruntergefahren und wurde dann am 12.10. wieder hochgefahren. Am 23.10. veröffentlichte die EnBW eine Pressemitteilung [1] man plane gemäß „ihrem sicherheitsgerichteten Verhalten“ eine Reaktorabschaltung wegen Verdacht auf Brennelementdefekt. Es gibt hierzu keinerlei weitere Informationen oder Warnungen, weder von der EnBW noch von der Atomaufsicht.

Undichtigkeiten von Brennelementen können z.B. Ergebnis von hitze- oder korrosionsbedingten Verformungen der Brennelemente sein. Verformungen können sogar dazu führen, dass sich Brennelemente verklemmen. Das Problem ist anscheinend aus Sicht der EnBW so gravierend, dass sie den Reaktor heruntergefahren haben, um die Sache zu prüfen und nach dem defekten Element zu suchen.

Konkrete Zahlen: GKN 2 gibt üblicherweise pro Stunde Edelgase mit einer Aktivitätsrate von ca. 310 Millionen Becquerel ab (der stillgelegte Block 1 meistens noch ein paar Prozent mehr). Am Anfang der Revisionen, also bei Öffnen des Reaktordruckbehälters, stieg diese Menge in der Vergangenheit meistens auf etwa die doppelte Höhe. Aktuell zeigte sich am 26.10., mutmaßlich nach dem Öffnen des Druckbehälters, ein anhaltender Anstieg auf etwa das Vierfache und am 27.10. sogar auf das 23fache, nämlich bis 7,244 Milliarden Becquerel pro Stunde. [2]

  • Wir sehen darin den Beweis, dass tatsächlich ein Brennelementschaden bestand. Der Zeitpunkt lässt vermuten, dass ein Fehler bei der Revision dazu geführt haben könnte.

Hintergrund: Das Atomrecht erlaubt AKW-Betreibern ein ständiges Hinausblasen von radioaktivem Material (Gase, Aerosole, Partikel) über die an jedem Standort extra gebauten Giftkamine. Diese Erlaubnis missachtet das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Anwohner. Der Trick besteht in der Festlegung hoher „Grenzwerte“ zum Schutz des AKW-Betriebs. Die durch die Kinderkrebsstudie nachgewiesene äußerst hohe Wahrscheinlichkeit für vermehrte Krebsentstehung in der Nähe von AKWs dürfte hauptsächlich von dieser Freisetzung radioaktiver Stoffe kommen.

“Selbst die massive Erhöhung insbesondere am 27.10. ist noch von den laschen Tages- und Jahresgrenzwerten gedeckt”, beklagt Franz Wagner vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn, “Es ist ein Skandal, dass der Gesetzgeber in Form der Grenzwerte quasi festlegt, wie viel Krebs ein AKW erzeugen darf. Diese amtliche Verseuchungserlaubnis gilt auch anschließend für stillgelegte AKWs wie GKN Block 1 und erst recht für die schmutzigen Abrissarbeiten.”

“Es darf nicht sein, dass das Umweltministerium und die EnBW hier vertuschen und verharmlosen” kritisiert Daniel Knoll vom Aktionsbündnis Energiewende das Land und den Betreiber: “Warum wurde die Bevölkerung nicht vor der absehbaren Radioaktivitätssteigerung gewarnt? Hier geht wohl doch Profit vor Sicherheit.”

  • Wir fordern sofortige Aufklärung, Schadensbegrenzung und Vorsorge:
  • Wie viel und welches radioaktive Material wurde insgesamt zusätzlich in die Umwelt abgegeben und wann?
  • Wie viele Brennelemente sind defekt? Neue oder schon ältere? Uran- oder Plutonium-Brennelemente (MOX)?
  • Was ist die Ursache des Defektes?
  • Sind Form und Stabilität des oder der beschädigten Brennelemente beeinträchtigt?
  • Gab es erhöhte Korrosion?
  • Wie ist die radioaktive Mehrbelastung des Wassers im Primärkreislauf einzuschätzen und welche Folgen hat diese?
  • Welche Maßnahmen wurden zur Behebung getroffen?
  • Welche Maßnahmen werden zur Vorsorge gegen Wiederholung ergriffen?
  • Warum wurde der mutmaßliche Brennelementeschaden noch nicht veröffentlicht?
  • Warum ist bisher keine Einstufung als meldepflichtiges Ereignis erfolgt?
  • Ist es zu verantworten, dass das Land gleichzeitig Besitzer und Aufsicht der EnBW ist?

Es gibt keinen Bedarf mehr für den Weiterbetrieb der AKWs. Dieser ist unverantwortlich und muss sofort beendet werden. Jeder weitere Tag bedeutet: mehr Gefahren, mehr freigesetzte radioaktive Stoffe, noch größerer Müllhaufen bei Abschaltung und Abriss. Schluss jetzt!

[1] http://www.enbw.com/unternehmen/presse/pressemitteilungen/presse-detailseite_45718.html
[2] www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/71644/kurven_gkn2_abluft.csv

  • AKW Neckarwestheim: Schlampereien gehen weiter
    24. Oktober 2013 – Offenbar ist das Atomkraftwerk Neckarwestheim Block 2 bereits abgeschaltet – und wird nicht erst morgen “vorsorglich” vom Netz genommen. Erneut meldet Betreiber EnBW eine Panne, die auf ungeheuerliche Schlampereien während der Wartungsarbeiten hinweisen.
  • Weiterhin kein Terrorschutz für AKW Neckarwestheim
    23. Oktober 2013 – Das Vorhaben, sämtliche Atomkraftwerke in Baden-Württemberg besser vor Terrorpiloten zu schützen, verzögert sich. Um denen die Sicht “zu vernebeln”, sollen Anlagen mit “Blitznebel” installiert werden. Doch das Atomkraftwerk Neckarwestheim bleibt vorerst schutzlos.
  • Neckarwestheim: Block 2 muss vom Netz
    23. Oktober 2013 – Nur neun Tage nach der Wiederinbetriebnahme muss Block 2 des Atomkraftwerks Neckarwestheim wieder vom Netz. Grund ist ein vermutetes defektes Brennelement im Reaktor. Parallel meldet der Betreiber auch einen neuen Störfall. Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung des Meilers.
  • Blindflug bei GAU: Neckarwestheim weiter ohne Notfallpläne
    31. Juli 2013 – Am Atomstandort Neckarwestheim soll Block 2 noch bis 2022 in Betrieb bleiben. Doch überarbeitete Notfallpläne für den Super-GAU gibt es bis heute nicht. Atomkraftgegner fordern daher die sofortige Stilllegung des Meilers.
  • Rückbau des AKW Neckarwestheim ohne Bürgerbeteiligung
    18. Juni 2013 – Der Energieversorger EnBW hat vor einigen Wochen den Antrag für den ersten Rückbauschritt des stillgelegten Atomkraftwerks Neckarwestheim I beim Landesumweltministerium eingereicht. Nun wird am 4. Juli 2013 ein “Scoping-Termin” im Umweltministerium stattfinden – trotz möglicher Bürgerbeteiligung ohne die Initiativen vor Ort.

Quelle: PE Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn, 01.11.2013

 

Am 30. März 1988 stürzte ein Mirage der französischen Luftstreitkräfte weniger als eine Flugsekunde neben den beiden Atomkraftwerken Isar 1 und Isar 2 nahe Reichersdorf in ein Waldstück. Der damals erst 26-jährige Pilot Thierry Millet kam dabei ums Leben. Am 22. September 2013 wurde der Besuch französischer Soldaten bei befreundeten deutschen Reservisten zum Anlaß genommen, zunächst in der Kirche von Niederaichbach, dann am Marterl am Waldrand und später auch an der Absturzstelle selbst dem Geschehen würdig zu gedenken. Der Umstand, dass der Pilot nicht mit dem Schleudersitz ausgestiegen ist, lässt vermuten, dass er das Kampfflugzeug in der letzten Sekunde seines Lebens von den Atomreaktoren weggesteuert hat und damit eine Katastrophe nicht nur für Niederaichbach und Reichersdorf, sondern für unsere Heimat Niederbayern verhindert hat. Diese Version wurde von allen Rednern als die wahrscheinlichste dargestellt. Es lässt sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn der Absturz Isar 1 getroffen hätte.

Da die mittlerweile drei atomtechnischen Anlagen (Isar 1, Isar 2 und das Zwischenlager BELLA) im An- und Abbflugbereich des Großflughafens Franz-Josef-Strauß und nach wie vor unmittelbar neben einer NATO-Tiefflugzone liegen, ist die Gefahr immer noch alltäglich gegeben.

Das gute Verhältnis zwischen den französischen Soldaten und den deutschen Reservisten zeigt in erfreulicher Weise, dass sogar “Erbfeinde”, wie sich Frankreich und Deutschland noch vor weniger als 100 Jahren gegenseitig bezeichneten, eines Tages befreunden können, die Greuel der Weltkriege in guter Absicht wach halten und gemeinsam für eine friedliche Zukunft eintreten.

Mögen die Verantwortlichen aus dem Absturz endlich auch ihre Lehren ziehen!

Rudolf Schnur

Die tiefgründige Dialektik
des Umweltministers Trittin

Realsatire
Zusammengestellt und garniert
von Thomas Ebermann
und Rainer Trampert

Die Originalzitate von Umweltminister Trittin sind hier in grauwiedergegeben.

 

Minister Trittin hatte versprochen, möglichst schnell aus der Atomwirtschaft auszusteigen:
“Der Ausstieg muß noch in dieser Legislaturperiode beginnen.”

Dann kamen die langen Winterabende und kurz vor Weihnachten sagte er, er würde sich “mit einem Ausstieg binnen 20 Jahren zufrieden geben.”

Der Kanzler, der das nicht hören mochte, wünschte sich “mehr Fischer und weniger Trittin.”

Da versank Minister Trittin in tiefe Nachdenklichkeit und fand die Lösung: Keine Anlage “soll länger als 25 Jahre laufen.”

Als er merkte, daß der Kanzler noch immer unzufrieden war, erhöhte er schnell, als säße er in einer Skatrunde, auf “28” .

Nun drohte die Industrie mit dem Ausstieg aus dem Bündnis für Arbeit. Der Minister kam wieder ins Grübeln und erkannte bald: “30 Jahre – 30 Jahre gehen auch ohne Konsens. Dabei gehen wir keinerlei rechtliches Risiko ein.”

Das war’s, dachte er, und schlug beim Frühstück beiläufig das Hamburger Abendblatt auf. Da stand, er sei noch immer “der einsame Reiter und der sarkastische Asket.”
Der Schreck fuhr ihm derart in die Glieder, daß er seinen “grünen” Delegierten so laut er konnte zurief: “32 Jahre sind ein gutes Ergebnis.”

Der Parteitag spendete tosenden Applaus und viele “Grüne” mit Rang und Namen fielen ihm vor Dankbarkeit um den Hals. Sie mochten auch nicht aufhören, ihn zu herzen, als er hinzufügte, daß 32 Jahre durchaus keine 32 Jahre seien.
“Die Unternehmen können teure Nachrüstungen sparen, wenn diese sich für ein Kraftwerk nicht mehr lohnen und stattdessen Laufzeit und Strommenge auf ein anderes übertragen”, das in diesem Falle natürlich viel länger in Betrieb sein dürfe als 32 Jahre. Vielleicht auch 40 Jahre. Wieder spendeten die “Grünen” ihm tosenden Applaus, weil sie nun endlich das Wesen der Realpolitik verstanden hatten: Man kann nicht alles haben. Wer einen Atomausstieg will, der darf nicht zusätzlich noch verlangen, daß ausgestiegen wird. Mit diesem Schachzug, verkündete er landauf landab, sei es ihm gelungen, “die Blockade der Industrie zu brechen.”

Die Industrie hatte sich tatsächlich bereit erklärt, in einem “Atom-Konsens”-Papier den Satz zu unterschreiben: “Wir akzeptieren den Primat der Politik.”

Sich der ganzen Tragweite des historischen Augenblicks bewußt, sagte der Minister: “Aber natürlich birgt der Satz, den die Energieversorger unterschrieben haben – ‘wir akzeptieren den Primat der Politik’ – eine tiefe Wahrheit.”
Die Wahrheit lag wirklich tief. Die Atomanlagen durften nun solange laufen, wie sie es selber nicht aushalten, und dafür hatte die Industrie sich breitschlagen lassen, den Parlamentarismus zu akzeptieren. Der Minister betrachtete sein Werk mit Wohlgefallen und plauderte über seine wahre Mission: “Ich hatte tatsächlich alle Hände voll zu tun mit dem Atomkonsens (und nun) erwarte ich ein Abflauen der Proteste von Atomkraftgegnern.”

Und während er in Zufriedenheit schwelgte, fragte ihn ein Journalist, ob denn bis zur nächsten Bundestagswahl wenigstens ein AKW abgeschaltet werde. Ein typischer Rückfall in den Fundamentalismus, dachte der Minister und bot sein ganzes dialektisches Repertoire auf: “Ich sage, wenn man zwei Kraftwerke ein halbes Jahr früher stilllegt, 17 weitere aber drei Jahre länger laufen, dann ist dieser Preis die Symbolik nicht wert.”
Seine Dialektik war so tiefgründig, daß keiner mehr zu fragen wagte, warum denn 17 Anlagen drei Jahre länger laufen, wenn man zwei Anlagen ein halbes Jahr früher stilllegt. Nur Rudolf Scharping hatte sofort begriffen. Er würde in künftigen Kriegen nicht mehr Bilder hochhalten müssen, auf denen nichts zu erkennen war, sondern einfach sagen: Wenn man einen Krieg ein halbes Jahr früher beendet, dann laufen 17 andere Kriege drei Jahre länger und wer will das schon. – Als der Journalist nachfragte, ob denn nun oder ob nicht, wurde der Minister wütend.
“Es soll keiner glauben, mit der Abschaltung einer Anlage (…) würde der Ausstieg unumkehrbar.” Jede abgeschaltete Anlage “wäre schnell wieder betriebsbereit.”

Seine Dialektik wurde immer feiner. Was konnte er gemeint haben? Wenn ein Ausstieg mit der Abschaltung einer Anlage umkehrbar ist, wäre dann ein Ausstieg ohne jede Abschaltung von Anlagen unumkehrbar? Oder wollte er sagen: Die Abschaltung von Anlagen lohnt schon deshalb nicht, weil sie ja wieder angeschaltet werden können.
Vielleicht hatte der Minister auch nur subtil auf sein Prinzip aufmerksam machen wollen, nach dem er bisher immer gehandelt hatte: Auf jeden Ausstieg folgt ein Einstieg. Das war bei der Altauto-Verordnung genauso wie mit der Sommersmog-Novelle, wo er sich den Scherz erlaubt hatte, zunächst eine Novelle vorzulegen, in der es bei hohen Ozonwerten ein Tempolimit und das Verbot von Malerarbeiten und Rasenmähen geben sollte. Dann hatte er sie zurückgenommen und eine neue Novelle vorgelegt, in der es nun jedem erlaubt wurde, so schnell zu fahren und so oft Rasen zu mähen wie er lustig ist. Dazu hatte er lapidar erklärt:“Kurzfristige Maßnahmen brächten wenig, besser ist es, langfristig die Ozonvorläufersubstanzen zu bekämpfen.”

Wieder diese rätselhafte Dialektik. Ein Tempolimit würde die Ozonvorläufersubstanzen zwar bekämpfen, hatte er herausgefunden, weshalb der Verzicht auf ein Tempolimit langfristig die Ozonvorläufersubstanzen besser bekämpfen würde, oder so. – Er hatte den Journalisten ganz vergessen, der hartnäckig wissen wollte, ob denn nun oder ob nicht. Also, passen Sie mal auf, sagte der Minister: “Derzeit sind 9 von 19 Meilern an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Wenn der Rauch verflogen ist, werden die Kaufleute der Konzerne kühl kalkulieren und handeln.”
Damit hatte er eine noch tiefere Wahrheit angesprochen als vor ihm die Energiewirtschaft. Wenn jemand aussteigen würde, war es die Industrie selber. Mit ihm hatte das Ganze gar nichts zu tun. Daß er trotzdem wichtig war, erfuhr er dann von Bärbel Höhn, die erkannt hatte: “Strahlenden Müll kann man nicht einfach auf der Straße herumliegen lassen.”

Der Minister pflichtete ihr bei und handelte. “Wir haben fünf innerdeutsche Transportgenehmigungen erteilt,” sagte er, und der Müll aus Frankreich und England werde noch dazu kommen.
“Jeder weiß, wo die Abfälle herkommen: aus Deutschland; und jeder weiß auch, wo sie hinkommen: nach Gorleben.”
Einmal in Fahrt gekommen, forderte er die niedersächsische Regierung auf, “sich mit ihrer Ablehnung von CASTOR-Transporten (…) nicht zu weit aus dem Fenster zu hängen.”
Am nächsten Tag warf er beim Frühstück einen Blick in die Frankfurter Rundschau und war entsetzt über das, was er zu lesen bekam:
“Noch bevor auch nur ein einziges AKW vom Netz gegangen ist, werden die rollenden Castoren den Lüchow-Dannenbergern zeigen, was ein Atomausstieg im Zeichen der Realpolitik bedeutet. (…) Denn ausgerechnet der rot-grüne Atomkonsens wird es der Region Gorleben nun abverlangen, die Rolle als Atomklo der Nation zu akzeptieren.”

Begreifen die denn gar nichts, dachte der Minister und wühlte nervös in seiner dialektischen Trickkiste herum, bis er die Lösung gefunden hatte: “Zum Atomausstieg gehört nicht nur, daß Transporte vermieden werden, sondern auch, daß sich nicht alle vermeiden lassen.”
Scharping horchte wieder auf. Zum Frieden gehört nicht nur, daß Kriege vermieden werden, sondern auch, daß Kriege sich nicht vermeiden lassen. Das ist gut, dachte er, das ist wirklich gut.

Beseelt von seinem Auftrag, den Atom-Müll zu verteilen, eilte der Minister zur Polizei-Führungsakademie und lobte die versammelten Polizisten “für ihre Ruhe und Besonnenheit” und scherzhaft “auch für ihre sportive Leistung.” Er rief die Polizisten auf zu einer “fairen Streitkultur mit den Atomkraftgegnern.”
Aber der Inspekteur des Bundesgrenzschutzes war skeptisch:“Die Botschaft (…) habe ich wohl gern gehört. Allein, den Polizisten fehlt der Glaube. Am Ende geraten wir doch wieder zwischen die Steine. Was sollen wir denn nach Ihrer Meinung mit denen machen, die sich nicht an faire Spielregeln halten?”
Dem Minister hatte es schon lange gedämmert, daß beides nun mal nicht zusammen geht. Man kann nicht die Verantwortung für die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, ihre Techniken, ihre Wertvermehrung, ihre Eroberungsgelüste, für ihre Ordnung und ihre Polizeiapparate übernehmen und gleichzeitig dagegen sein. Also antwortete er: “Die Polizei soll Recht und Gesetz gegenüber jenen durchsetzen, die bei ihrem Protest gegen die Castor-Transporte die von dem Grundgesetz gezogenen Grenzen überschreiten.”

Soweit war er mit sich zufrieden – nur eines wurmte ihn:“Warum fragt mich keiner zur Rotbauchunke ?”

 

SPIEGEL ONLINE

09. Juli 2013, 11:14 Uhr

Leck im AKW Fukushima

Radioaktive Belastung des Grundwassers steigt dramatisch

Erneute Panne in Fukushima: Am zerstörten Atomkraftwerk hat sich die Konzentration radioaktiver Stoffe im Grundwasser stark erhöht. Die Betreiberfirma Tepco fahndet noch nach der undichten Stelle am Reaktor.

Fukushima – Aus einem noch unentdeckten Leck im japanischen Katastrophenreaktor Fukushima sind offenbar radioaktive Stoffe ins Grundwasser geraten. Die Cäsium-Belastung lag am Dienstag 90-mal höher als noch drei Tage zuvor. Díe Konzentration des mutmaßlich krebserregenden Cäsium-134 sei auf 9000 Becquerel pro Liter gestiegen, gab die Betreiberfirma Tepco am Dienstag bekannt. Der zulässige Grenzwert liegt bei 60 Becquerel.

“Wir wissen noch nicht, warum die Belastung in die Höhe geschossen ist”, sagte ein Tepco-Sprecher. “Wir versuchen, eine weitere Verunreinigung zu verhindern.”

Auch die Grundwasserbelastung mit Cäsium-137 schoss auf 18.000 Becquerel hoch, was 200-mal höher ist als erlaubt. Die Stoffe gelten als krebserregend, wenn sie sich in Muskeln und Knochen ansammeln. Auch die Belastung durch andere gefährliche Substanzen ist in den vergangenen Tagen angestiegen.

Im Juni hatte Tepco noch beteuert, das Grundwasser um das Kraftwerk sei durch Stahlböden und das Betonfundament geschützt. Lecks waren jedoch trotzdem immer wieder aufgetreten. Die Katastrophe von Fukushima infolge eines schweren Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 war das folgenschwerste Atomunglück seit Tschernobyl.

Die Vereinten Nationen hatten im Juni die gesundheitlichen Folgen des Reaktorunglücks untersucht und Entwarnung gegeben. Die Havarie wird demnach weder direkt zu Todesfällen noch zu einer erhöhten Zahl von Krebserkrankungen führen. Der Unfall habe damit keine direkten Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung, heißt es in der Studie. Grund dafür sei vor allem die schnelle Evakuierung der Region durch die japanischen Behörden.

Rund 160.000 Menschen waren in kurzer Zeit aus der Gefahrenzone gebracht worden. Die Strahlendosis für die Bewohner der Region sei dadurch auf ein Zehntel der Dosis gesunken, die sie abbekommen hätten, wenn sie geblieben wären, berichtete das Uno-Komitee für die Folgen von Strahlung (Unscear).

hda/AFP