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“POLITIK VERDIRBT NICHT DEN CHARAKTER, ES GIBT ABER CHARAKTERE, DIE DIE POLITIK VERDERBEN — CDU-Politiker Wolfgang Bosbach referierte bei der Jungen Union Landshut-Stadt in Landshut-Salzdorf

„POLITIK VERDIRBT NICHT DEN CHARAKTER, ES GIBT ABER CHARAKTERE, DIE DIE POLITIK VERDERBEN“

CDU-Politiker Wolfgang Bosbach referierte bei der Jungen Union Landshut-Stadt im Reisacher Hof in Landshut-Salzdorf

 

Ludwig Schnur, der Initiator und Moderator des Abends

 

Ludwig Schnur, der Vorsitzende der JU-CSU-Landshut Stadt konnte im Reisacher Hof in Salzdorf, eine Riesenschaar von CSU-Anhänger und politisch Interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Vortrag des CDU-Politikers Wolfgang Bosbach willkommen heißen.

Ein humoriger Wolfgang Bosbach, der über sich selbst sagt, dass er von seiner Einstellung her 100 prozentiger Rheinländer und bei seiner Dienstauffassung ein hundertprozentiger Preuße sei, bedankte sich herzlich für die Einladung und für den berauschenden Empfang im Saal des Reisacher Hofes. Nachdem Bosbach bereits in der Vergangenheit einen Termin, der ihn nach Landshut führen sollte aus diversen Gründen absagen musste, war es für ihn eine besondere Freude der Einladung der Jungen Union jetzt endlich Folge leisten zu können. Bezugnehmend auf die Bemerkung er sei hundertprozentiger Rheinländer, deutete er auf den Unterschied der einzelnen Landsmannschaften in Deutschland hin mit der Feststellung: „Ein Bayer steht in der Frühe auf und sein erster Gedanke ist, was mache ich heute?“ Der Rheinländer steht in der Frühe auf und sagt: „Was mache ich heute Abend?“

Es wird sehr oft gesagt und geschrieben, dass das Volk politikverdrossen sei. Der CDU Politiker Wolfgang Bosbach glaubt, dass dies nicht ganz präzise sei sonst würden sich zu dieser Abendzeit nicht so viele Menschen die Zeit nehmen ihm zuzuhören und sich über die Lage der Nation und die Lage der Union zu informieren. „Wir haben ein hohes Maß an Parteien- und Politikerverdrossenheit, das stimmt, so Bosbach. Lediglich 2,8 Prozent der Bevölkerung im Lande sind Parteimitglieder, das ist eine traurige Zahl. Es gibt viele politisch interessierte Menschen, die aber dennoch keine Lust haben sich in irgendeiner Partei zu engagieren. Es liegt auch daran, dass sich das Sprichwort: „Politisch Lied ist ein garstig Lied“, sehr in den Hirnen der Bürgerinnen und Bürger eingeprägt hat. Eine weitere Aussage heißt: „Politik verdirbt den Charakter.“ Das behauptet Bosbach, ist im Gegensatz zum ersten Zitat nicht von Goethe, sondern  Blödsinn. Politik verdirbt nicht den Charakter sondern es gibt Charaktere, die die Politik verderben.

In den dreiundzwanzig Jahren seiner Bundestagszugehörigkeit und den sechs Bundestagswahlen, die Wolfgang Bosbach mitgemacht hat, ist es ihm immer entscheidend darauf angekommen, dass es nach einer Wahlperiode niemals geheißen hat, er hat uns getäuscht oder er hat uns enttäuscht. Wenn man das Vertrauen der Bevölkerung erworben hat, so ist es die Aufgabe der Politiker durch persönliches Verhalten jeden Tag dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Das sei der Grund, warum er Politik macht und wie er sie macht. Der CDU-Politiker Bosbach bleibt gerne bei seiner politischen Überzeugung, auch wenn die Mehrheit in seiner Fraktion oder in seiner Partei zu anderen Ergebnissen gekommen ist. Nicht aus Bockigkeit und nicht aus Sturheit, bleibt er bei seiner Überzeugung. Es ist die Aufgabe einer Volkspartei, auch einmal unterschiedliche Meinungen auszuhalten. „Ich zucke immer zusammen, wenn ich das Wort alternativlos höre, eine Alternative gibt es immer wieder, es bleibt dann nur die Frage, welche Alternative ist die beste.“

Eins geht nicht, nach Auffassung Bosbachs: “Pass auf was Du sagst, wenn aus Dir noch was werden soll!“ Man kann sich heute nicht hinstellen und sagen, das und das und das sind meine politischen Überzeugungen und bei Gegenwind  sagen: „Ich habe auch andere“!

Die wenigen Tage zur Wahl am 24. September sind in der Geschichte der Menschheit ein Wimpernschlag und in der Politik ein unendlich langer Zeitraum. Das hat die SPD in der Wahlkampfzeit bereits erleben müssen, so Bosbach. So schnell, wie Herr Schulz reduziert worden ist, sei bezeichnend dafür. Wolfgang Bosbach glaubt, es gibt nur einen Punkt warum die SPD so fröhlich war. Es war die Erleichterung darüber, dass Siegmar Gabriel nicht als Kanzlerkandidat angetreten ist. Die Freude darüber war so groß, dass sie sich sogar über Martin Schulz gefreut haben.

„Lassen sie sich nicht täuschen von dem großen Vorsprung den die Union zurzeit hat.“ Zum ersten Mal seit Jahrzehnten haben sieben Parteien eine realistische Chance in den Bundestag zu kommen. Sie würden dann sechs Fraktionen bilden. Man kann natürlich zu dieser Konstellation sagen: „Zu einer großen Koalition reicht es immer!“ Wenn es zu einer schwarz-gelben Koalition kommen soll, muss diese Koalition stärker sein als die vier anderen Fraktionen im Bundestag zusammen und das wird sehr knapp werden. Und sollte die SPD sagen Rot-Rot-Grün machen wir auf keinen Fall, „so glauben sie der SPD bitte kein Wort“, betonte und  bekräftigte Bosbach eindringlich. Es soll auch kein Nichtwähler nach der Wahl daherkommen und sagen: „Wenn wir das gewusst hätten, dann wären wir zur Wahl gegangen“! Ein paar Tausend Stimmen können die Wahl entscheiden. Für die nächsten Tage heißt es darum für die CDU/CSU noch fleißig zu arbeiten, um dieses Schlamassel nicht zu erleben.

Unter dem Titel „Worauf es jetzt ankommt“, gab Wolfgang Bosbach weiter einen Einblick in die Thematik des Wahlkampfes.

Wolfgang Bosbach unternahm einen Streifzug durch die innenpolitischen Themen der Bundesrepublik. Komplexe Sachverhalte wurden von ihm kurzweilig aufgearbeitet, von der Wiedervereinigung bis zu den Themen der vergangenen vier Jahre. Ein Punkt von vielen war die Sicherheit, wie sie in den Bundesländern gehandhabt wird. Das Risiko, Opfer einer Straftat in Bayern zu werden ist deutlich geringer, als z.B. im bis jüngst von Rot-Grün regierten Nordrhein-Westfalen. Dies hängt in erster Linie von den Wertvorstellungen der regierenden Parteien ab. Diese Wertvorstellungen sind entscheidend für das Handeln. Ebenso gelingt erfolgreiche Bildungspolitik in erster Linie in konservativ regierten Bundesländern. In Zeiten der Digitalisierung, in der Kreativität und solides Wissen entscheidend sind, ist erfolgreiche Bildungspolitik die Grundvoraussetzung für künftigen Wohlstand.

Langanhaltender Applaus war der Lohn für den rhetorisch brillanten Vortrag.

Einige Fragen aus dem Publikum wurden von Wolfgang Bosbach noch beantwortet, wobei er bei der Frage nach seinem Verhältnis zu Angela Merkel dem Zuruf eines Zuhörers zustimmte: „ Es ist eine Liebe ohne Leidenschaft.“

JU-Vorsitzender Ludwig Schnur überreichte Wolfgang Bosbach das obligatorische Landshuter Buchs-Kranzl und bedankte sich im Namen aller Zuhörer. Der Vortragende reiste noch an diesem Abend an den Chiemsee, wo er übernachtete und am nächsten Tag einen weiteren Vortrag hielt, um der CSU in Bayern Hilfestellung bei ihrer Wahlkampagne zu leisten.

-hjl-

 

Fotoquelle: Lodermeier