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PHILOSOPH Prof. Dr. MICHAEL REDER BEMÄNGELT STREITKULTUR IM POLITISCHEN LEBEN – bei Vortragsreihe der Landshuter Zeitung und des Straubinger Tagblattes im “Bernlochner” Landshut

“Wie Frieden schaffen”, so lautet die Vortragsreihe der Mediengruppe Landshuter Zeitung und des Straubinger Tagblattes!

Prof. Dr. Michael Reder aus München philosophierte im vollbesetzten Bernlochner Saal in Landshut über das Thema “Wie Frieden schaffen”! In seiner Betrachtung dieses Themas, hatte er in erster Linie zuerst an die Konflikte der vergangenen Jahrzehnte gedacht. Die Bilder dieser Konflikte sind allgegenwärtig für uns, Afghanistan, Irak, Syrien oder auch in der Ukraine sowie in vielen afrikanischen Ländern, die in den letzten Jahren vom Krieg gebeutelt wurden. Wie sollen wir mit diesen Konflikten, die uns in den Medien und in verschiedenen Publikationen gezeigt und beschrieben werden, umgehen? Vor allem, weil sich die Strukturen dieser Konflikte in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert haben. Der Konflikt z. Bsp. in Syrien, ist ein so komplexer Konflikt, man weiß doch schon gar nicht mehr welche Gruppe gegen welche Gruppe kämpft. Es sind längst schon keine zwischenstaatlichen Konflikte mehr, so wie es früher meist der Fall war. Die Frage, die Prof. Reder stellen möchte, ist eine philosophische. Die Philosophen, so meinte er, sind meist abstrakt denkende Menschen und schweben gerne über den Dingen. Die Philosophie kann aber speziell zu diesen politischen Themen auch etwas beitragen.  Philosophen versuchen letzten Endes unsere Vorurteile und die gängigen Denkstrukturen, die wir alle so lieb gewonnen haben, ein Stückchen wachrütteln. Sie greifen sich gerne einen Begriff heraus und fragen “was meinst Du eigentlich wenn Du diesen Begriff verwendest”? Begriffe wie Frieden, der Konflikt, der Krieg, Begriffe, die uns alltäglich erscheinen, möchte die Philosophie durchleuchten um damit eine tiefere Dimension zu verstehen. Die Philosophie ist keine Wissenschaft, die fertige Lösungen anbietet.

Vor diesem Hintergrund sind drei Dinge zu beachten und herausuzugreifen. Um was geht es eigentlich, wenn wir über Frieden reeden? Als zweiten Schritt griff er den Philosophen Immanuel Kant heraus, einer der ganz Großen, der über den ewigen Frieden philosophierte und als dritten Schritt, wie kann die Philosophie die heutigen Konflikte bewerten und sehen.

Bilder aus den Medien bestimmen die Gemütslage der Menschen. Auf Regenbogen-Bildern sieht man nur fröhliche, hüpfende und springende Menschen, Kriegsbilder dagegen sind in schwarz weiß oder grau gehalten. Man sieht viel militärisches Gerät und Menschen, die viel leiden. Hieraus ist zu sehen, wie diese Bilder emotional besetzt sind. Wie wird nun über Krieg und Frieden gesprochen. In der Geschichte wird meist von Krieggeschichten erzählt, man erkennt kaum mehr die Friedensphasen dazwischen. Krieg ist eine Konstante und ein etwas Unüberwindbares, was den Menschen beherrscht. Es scheint, er mag den Frieden gar nicht, denn der Mensch braucht ihn aus verschiedenen Gründen, weil er Güter haben möchte, weil er Land gewinnen möchte oder aus verschiedenen sonstigen Gründen. Auf der anderen Seite ist der Frieden ein ewiger Traum der Menschheit, der Mensch sehnt sich nach dem Paradies. Meint man beim Beschreiben des Friedens den inneren Frieden oder den Frieden zweier Staaten untereinander? Frieden sei, so ein Friedensforscher in den Achtziger Jahren, nicht erforschbar. Frieden herrscht dann, wenn die physische Gewalt nicht mehr zu spüren ist. Frieden ist die Abwesenheit von Gewalt.

Die Zeit Immanuel Kants war geprägt von den unterschiedlichsten Kriegen, vor allem von der Französischen Revolution. Freiheit, Gleichheit , Brüderlichkeit waren die neuen Ideale. Immanuel Kant, ein ungemein scharfsinniger Denker (kategorischer Imperativ), der in Königsberg saß, schreibt in dieser Zeit: “Wenn jeder der nachdenkt und seine Vernunft einsetzt, würde er darauf kommen, dass er so handeln soll, dass sein Handeln gleichzeitig ein allgemeines Gesetz für Alle sein könnte”! Das Grundgesetz oder das Bürgerliche Gesetzbuch könnte in “Einem sein”, so dass es keine Gesetze zu geben braucht. Kant glaubte daran, wenn alle Länder Demokratien wären, gäbe es keinen Krieg mehr. Es wären sozusagen paradisische Zustände, also der ewige paradisische Friede würde herrschen. Ausserdem dachte er an einen Föderalismus oder einen Staatenbund, so wie wir es heute als UN kennen.

Hinter dieser These von Kant, steht: “Jeder Frieden braucht das Beenden der physischen Gewalt”! Er kann aber dennoch durch militärische Gewalt erzwungen werden. Leider sind diese Vorhaben gescheitert und haben zu keinem endgültigen Frieden beigetragen! Frieden ist aber mehr, als das Beenden von physischer Gewalt. Diese Unertscheidung hat auch ein Philosoph wie Kant, nicht thematisiert. Gewalt kann auch eine völlig andere Form annehmen, Gewalt kann  eine Art von Diskrimminierung sein. Es kann Armut sein, auch eine große “Arm-Reich-Schere” sein, so dass eine Gesellschaft aus dem Lot gerät. Konflikte berühren den ganzen Menschen, alle seine Gefühle, alle seine Gedanken, sie nehmen alles von uns und nehmen alles in Beschlag. Die Konflikte der Gegenwart zeigen uns dieses, und wir haben sie zu wenig beachtet. Sollte es wirklich das Ziel sein, alle Länder zu Demokratien zu machen? Es hat sich im letzten Jahrhundert gezeigt, dass gerade die “alten Demokratien” wie die USA und Großbritannien, die meisten Kriege und Auseinandersetzungen geführt haben und die meisten Gelder dafür ausgegeben haben. Demokratien führen Krieg, weil sie die anderen Völker zu Demokratien machen wollen, man denkt hier gerade an Präsident Busch, der es mit dem Irak so erzwingen wollte. Die meisten Hersteller und Exporteure von Kriegswaffen sind die USA, Großbritannien und auch Deutschland.

Eine öffentliche Zvilgesellschaft ist wichtig, damit Frieden entsteht. Es braucht positive Gruppierungen, es braucht Medien, Kirchen und die klassischen Nichtregierungs-Organisationen, die so etwas wie die “Schulen des Friedens” sind. Sie sind Ausdruck unserer Wertegemeinschaft. Jürgen Habermas, einer der größten lebenden deutschen Philosophen, behauptet, dass die informellen Bereiche der Zivilgesellschaften nötig sind um die Problemlagen, die Menschen im Alltag haben, mit zu nutzen; das ist ein wichtiger Baustein des Friedens.

Recht und Institutionen sind unbedingt notwendig, die völkerrechtlich verbindlichen Verträge zu garantieren und zu sichern, um  so Konflikte zu vermeiden oder mit ihnen besser umzugehen. Nur so kann ein stabiler Frieden geschaffen werden. Wenn wir eine stabile UNO haben, einen stabilen Welt-Sicherheitsrat, so ist es einfacher einen Kampf um Macht und Eigensicherung der Staaten entgegenzutreten. Wir brauchen Institutionen, die deutlich machen, dass Frieden mit Gerechtigkeit zusammenhängt. Denn wenn physische Gerechtigkeit abgeschafft ist, aber wir z.Bsp. nach wie vor ein großes Armutsproblem haben, dann wird dies früher oder später wieder zu Gewalt führen. Es muss auch verstanden werden, was in anderen Kulturen wertvoll ist. Wir sollten endlich anfangen über Gerechtigkeit und gemeinsame Praktiken der Konfliktbewältigung nachzudenken. Es sollten Praktiken entwickelt werden wo man gemeinsam beginnt, geminsame Strategien eines friedlichen Zusammenlebens entwickeln, jenseits eines institutionellen Arrangements!

Resümee von Dr. Michael Reder: Frieden entseht nicht wenn Gewalt beendet wird, sondern wenn eine Form der Aufarbeitung, der Erinnerung oder der Versöhnung angestoßen wird. Genau das wird oft vergessen.

Prof. Dr. Michael Reder stand nach seinem Vortrag noch weiter für Fragen der Besucher zur Verfügung. Verschiedene aktuelle Themen wurden angesprochen. Wie kann man den Frieden in der jetzigen politischen Lage behalten? Forscher und Politikwissenschaftler kamen zum Ergebnis, dass sozusagen durch die doch vielen Jahre der “Großen Koalition” beherrschte Politik, es die Menschen in unserem Lande verlernt hätten miteinander verbal zu streiten. Eine Streitkultur im politischen Leben, so meinte Prof.Reder, ist uns leider verloren gegangen und warum PEGIDA und ähnliche Gruppierungen so viel Zulauf hätten ist, weil mit diesen Gruppierungen nicht diskutiert worden ist und nicht wird. Nur in eine Ecke gestellt zu werden, ist der falsche Ansatz. Es ist gut, dass Bürger ihre Meinung offen äußern und nur so kann man, meinte Prof. Reder, bei Streitpunkten zu gemeinsamen Ergebnissen kommen.

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Prof.Dr. Balle von der Mediengruppe bedankte sich bei Prof. Dr. Reder herzlich für seinen “philosophischen” Vortrag, überreichte ihm ein Geschenk, und er wurde mit einem kräftigen Applaus verabschiedet!

H.J.Lodermeier

 

 

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