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Pestizide und die Folgen: Argentinien

Quelle: ORF 2013 Oktober

GaReMed informiert!!

Liebe Patienten,Freunde,  Mitstreiter und Resthirnbesitzer!

Wann sagen wir dieser Lobby den Krieg an?? Wie lange wollen wir noch das alles dulden? Wollen wir zusehen wie wir „alle“ an Krebs erkranken, für unsere Kinder und Kindeskinder die letzten Lebensräume und somit Lebenszukunft genommen wird? Und glaubt ja nicht das Argentinien weit weg ist. Vom Burger bis zur Wurst – vom Marsriegel bis zu….. den vielen „Lebensmitteln“ die uns als Schweinefraß und must have täglich angeboten werden. Und immer wieder taucht ein Name auf: „MONSANTO“

Wir müssen handeln und zwar sofort – sind viel zu lange auf unserm faulen und gleichgültigen Hintern gesessen.

Betrachtet das Bild des kleinen Mädchen und bildet euch ein Urteil.

Fehlbildungen und erhöhte Krebsrate

Einst war Argentinien bekannt für sein hochwertiges Fleisch von mit Gras gefütterten Rindern. Doch Mitte der 90er Jahre begann der US-Biotech-Konzern Monsanto damit, gentechnisch verändertes Saatgut zu vermarkten. Das Versprechen: viel höhere Erträge bei viel geringerer Anwendung von Chemikalien. Argentinien ließ sich darauf ein und wurde rasch zum weltweit drittgrößten Produzenten von Soja, das nun zur Rindermast verwendet wurde. Doch gegen die verwendeten Pestizide wurden Unkraut und Insekten zunehmend resistent, woraufhin immer größere Mengen eingesetzt wurden. Und weil deren Einsatz in vielen Provinzen keinerlei Regelungen unterliegt, müssen die Einwohner den bitteren Preis dafür zahlen.

Wer nun  glaubt dass das bei uns nicht passieren kann, glaubt sicher noch ans Christkind!

Pestizide kontaminieren Anbaugebiete

Seit fast 20 Jahren gilt Argentinien als einer der wichtigsten Sojaproduzenten der Welt. Um die Anbauflächen zu schaffen, wurden riesige Regenwaldbestände gerodet. Zu Anwendung kommt in großem Maße gentechnisch verändertes Saatgut. Die Folgewirkungen der eingesetzten Pestizide sind jedoch enorm – erhöhte Krebsraten und angeborene Fehlbildungen gelten als alarmierende Zeichen.

In der Provinz Santa Fe, dem Herzen von Argentiniens Sojaindustrie, liegt die Rate der Krebserkrankungen zwei- bis viermal über dem nationalen Durchschnitt. Seit langem warnen Ärzte, dass unkontrollierter Einsatz von Pestiziden hinter den wachsenden Gesundheitsproblemen unter den zwölf Millionen Menschen stehen könnte, die im breiten Agrargürtel des Landes leben.

Der Weg zur Sojamacht

Bevor sich die Politik des Landes dazu entschlossen hatte, auf den Sojaanbau zu setzen, war Argentinien für sein schmackhaftes und hochwertiges Rindfleisch grasgefütteter Tiere bekannt. Doch seit 1996, als der US-Biotechkonzern Monsanto mit der Vermarktung seines gentechnisch veränderten Staatguts begann, setzte die enorme Transformation der Landwirtschaft ein. Monsanto hatte große Versprechen mit im Gepäck, durch die Anwendung ihres Anbaumodells wurden viel schnellere und deutlich umfangreichere Erträge bei geringerer Anwendung von Chemikalien in Aussicht gestellt.

 

AP/Natacha Pisarenko

Für die riesigen Anbauflächen wurden viele Wälder gerodet

Und tatsächlich: Der Aufstieg zur Sojamacht glückte, der Anbau weitete sich auf eine Fläche von 19 Millionen Hektar aus und verdreifachte sich damit – als Futter für das Vieh dient nicht mehr Gras, sondern Mais und Soja. Gegenwärtig werden nur noch herbizidresistente Sojabohnen (Gensoja) angebaut, auch Mais, Weizen sowie Baumwolle sind in großem Umfang modifiziert.

Chemikalien unkontrolliert eingesetzt

Aber weil im Laufe der Zeit Unkraut und Insekten zunehmend resistent gegen die eingesetzten Pestizide geworden sind und bis zu drei Ernten im Jahr erzielt werden sollen, mischen die Bauern immer häufiger giftigere Chemikalien bei. Insgesamt werden heute in Argentiniens Landwirtschaft achtmal so viel Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt wie im Jahr 1990.

 

AP/Natacha Pisarenko

Leere Pestizidcontainer werden als Auffangbehälter für Regenwasser benutzt

Doch es gibt auch andere Probleme: Monsantos „Roundup“-Pestizide verwenden den Inhaltsstoff Glyphosat, einen der weltweit am häufigsten eingesetzten und an sich weniger giftigen Unkrautkiller. Nach dem Urteil der US-Umweltschutzbehörde (EPA) und vieler anderer Regulierer ist Glyphosat sicher, wenn es korrekt und gemäß den Vorschriften angewendet wird. Nach Berichten der Nachrichtenagentur AP gibt es aber zahlreiche Fälle, in denen das nicht geschieht und Chemikalien leichtsinnig, fahrlässig und gesetzeswidrig eingesetzt werden.

Vielfach fehlen Vorschriften

Das gilt etwa für die Einhaltung von Regeln, bis zu welchem Abstand von Wohngebieten Pestizide versprüht werden dürfen. Sofern es solche Regeln gibt: In einem Drittel der 23 argentinischen Provinzen existiert so etwas erst gar nicht. Die Folgewirkungen sind fatal: Wenn etwa Pestizide bei windigen Wetterverhältnissen eingesetzt werden, gelangen sie leicht in Gebäude oder verseuchen das Trinkwasser. Die Untersuchung der Agentur ergab unter anderem auch, dass Gifte unbeaufsichtigt von Arbeitern gemischt werden, in bewohnten Gebieten und ohne Schutzkleidung, und Einwohner Wasser in leeren Chemikalienbehältern aufbewahren.

 

AP/Natacha Pisarenko

Fabian Tomasi trug nie Schutzkleidung, wenn er Unkrautvernichtungsmittel in Sprühflugzeuge pumpte. Heute, 47 Jahre alt, zeigt er die Folgen.

Nach zunehmenden Beschwerden setzte Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner 2009 eine Kommission ein, um die Auswirkungen der Pestizide auf die Gesundheit zu studieren. In einem ersten Report forderte das Gremium „systematische Kontrollen der Konzentration von Herbiziden und derer Komponenten“. Seit 2010 ist die Kommission jedoch nicht mehr zusammengetreten.

Veränderte Krankheitsbilder

Kinderarzt Medardo Avila Vazquez ist Mitbegründer einer Organisation, die übersetzt etwa „Ärzte in chemikalisch besprühten Städten“ heißt. Er ist überzeugt davon, dass die geänderten Methoden bei der Agrarproduktion das „Krankheitsbild“ im Land verändert haben. „Wir sind von einer ziemlich gesunden Bevölkerung zu einer mit einer hohen Rate von Krebs, Geburtsfehlern und Krankheiten geworden, die wir vorher selten erlebt haben“, meint der Arzt.

 

AP/Natacha Pisarenko

Mit dem Wind gelangen die Pestizide in bewohnte Gebiete

In der stark betroffenen Gemeinde Avia Terai gab knapp ein Drittel der Befragten an, dass sie ein Familienmitglied haben, das an Krebs leidet oder litt. Im Dorf Charadai, das sich auf Viehzucht stützt, sind es dagegen drei Prozent. In Chaco, Argentiniens ärmster Provinz, haben sich die Fälle von Geburtsfehlern binnen einer Dekade vervierfacht. Eine Untersuchung in sechs Städten ergab eine höhere Zahl von Erkrankungen in Gebieten, die von Anbauland umgeben sind, als in anderen.

Monsanto beruft sich auf falschen Einsatz –

und immer sind die anderen Schuld…

Zahlreiche Ärzte fordern unabhängige Langzeitstudien. Regierungen müssten von der Industrie den Nachweis verlangen, dass die Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel die Menschen nicht krank machten. Monsanto betont, dass das Unternehmen „den Missbrauch von Pestiziden oder die Verletzung jedweder Pestizidgesetze nicht gutheißt“. Das Unternehmen nehme seine Verantwortung für die Produkte ernst, „und wir kommunizieren regelmäßig mit unseren Kunden, was den korrekten Einsatz unserer Produkte betrifft“, hieß es in einer Stellungnahme des Konzerns.

Unabhängige Untersuchungen gefordert

Die Landwirtschaft in Argentinien steht unter großem Produktionsdruck, schließlich will man die Stellung als einer der führenden Sojaproduzenten nicht verlieren. Um erfolgreiche Ernten zu garantieren, werden raue Mengen an Pestiziden eingesetzt – vielfach gibt es keine Vorschriften und Kontrollen. Die Folgen für die Menschen in den Anbaugebieten sind enorm.

Besonders entlang der Anbaugebiete gibt es drastisch erhöhte Krebsraten. Immer häufiger kommen Kinder mit Fehlbildungen zur Welt. Der Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden ist zwar offiziell nicht bewiesen, die Verbreitung in den Anbaugebieten ist jedoch augenscheinlich. Experten und Ärzte fordern seit Jahren unabhängige Untersuchungen.

 

AP/Natacha Pisarenko

Das zweijährige Mädchen Camila Veron leidet seit seiner Geburt an einer schweren organischen Behinderung. Der Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden im nahen Umfeld ist zwar nicht belegt, die behandelnden Ärzte gehen jedoch davon aus.

 

AP/Natacha Pisarenko

Leere Container des Monsanto-Produkts „Roundup“. Der Einsatz von chemischen Mitteln hat sich in Argentinien seit 1990 fast verzehnfacht. Pro Hektar wird in Argentinien rund zehnmal mehr Glyphosat – Schlüsselbestandteil von „Roundup“ – eingesetzt als in den USA.

 

AP/Natacha Pisarenko

Die Zwillingsschwestern Erika und Macarena aus Avia Terai in der Provinz Chaco leiden unter einer chronischen Erkrankung der Atemwege. Die leeren Pestizidcontainer werden für den häuslichen Gebrauch oft als Auffangbehälter für Regenwasser benutzt – dieses wird etwa zum Wäschewaschen verwendet oder gelangt über Nutztiere in die Nahrungskette.

 

AP/Natacha Pisarenko

Ezequiel Moreno leidet seit seiner Geburt an Hydrocephalus, auch Wasserkopf genannt. Auch er lebt in der besonders betroffenen Provinz Chaco. Seit dem Einsatz von Pestiziden haben sich die Fälle von angeborenen Defekten in der Provinz vervierfacht.

 

AP/Natacha Pisarenko

Kinder beim Spielen neben einem Sojaanbaufeld in der Provinz Chaco.

 

AP/Natacha Pisarenko

Leere Pestizidcontainer in einer umzäunten Ablagerungsstätte. Der ständige Kontakt mit diesen Problemstoffen ist gefährlich. Offiziell werden die Behälter recycelt, aus ihnen sollen Plastikschläuche gemacht werden.

 

AP/Natacha Pisarenko

Seit Jahren regt sich Protest von Bürgern gegen die Bedingungen der Sojaproduktion. „Stopp den Plünderungen und Verunreinigungen! Monsanto raus aus Argentinien und Cordoba“, heißt es auf einem Schild. Es hängt an einem Zaun der größten Monsanto-Produktionsstätte Argentiniens.

Publiziert am 24.10.2013