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Obdachlosigkeit im Blickpunkt des Sozialausschusses

Die Mitglieder des Sozialausschusses hatten kürzlich die Gelegenheit, sich zusammen mit Vertretern der Verwaltung um Sozialreferent Dr. Matthias Kurbel bei einem Ortstermin ein Bild von der Situation im Nikolausheim zu machen.

PRESSEMITTEILUNG                                                                                                    21.07.2020

Bei einem Ortstermin im Nikolausheim machten sich Stadträte ein Bild von der Situation in der Unterkunft: Zustand zwar „besser als gedacht“, dennoch „besteht Handlungsbedarf“

Der Sozialausschuss hat sich im nichtöffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung eingehend mit der Situation der Obdachlosen in der Stadt Landshut befasst. Im Mittelpunkt stand dabei das Nikolausheim: Dort sind bekanntlich zahlreiche Obdachlose untergebracht; über den Zustand des in die Jahre gekommenen Gebäudes und nötige Sanierungsmaßnahmen hatte der Stadtrat in den vergangenen Jahren wiederholt diskutiert. Bei einem Ortstermin, der auf Initiative des Ausschussvorsitzenden Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger zustande kam, machten sich zehn Stadträte nun selbst ein Bild der Lage. Danach waren sich die Ausschussmitglieder über alle Parteigrenzen hinweg weitgehend einig: Der Zustand des Nikolausheims sei zwar erfreulicherweise „besser als gedacht“, dennoch seien das Gebäude und vor allem die Innenausstattung natürlich nicht mehr zeitgemäß.

„Es besteht in der Tat Handlungsbedarf“, fasste Haslinger die Stimmung unter den Stadträten zusammen, betonte aber die positiven Aspekte: „Es ist wichtig, dass der Sozialausschuss nun auch vor Ort gesehen hat, was ehrenamtliche Helfer, die Verwaltung und insbesondere das Sozialreferat für die Obdachlosen in unserer Stadt tun. Die Kritik, unsere Mitarbeiter würden sich nicht ausreichend um Betroffene kümmern, ist daher fehl am Platz.“ Mit diversen Anträgen hatte CSU-Fraktionschef Rudi Schnur das Thema Obdachlosigkeit bereits in der vergangenen Wahlperiode in den Blickpunkt gerückt und es nun über einen Berichtsantrag erneut auf die Tagesordnung des Sozialausschusses gesetzt. In einer neunseitigen Verwaltungsvormerkung, die ab sofort auch im Bürgerinformationsportal der Stadt unter www.landshut.de einsehbar ist, stellten Sozialreferent Dr. Matthias Kurbel und Heidi Lehrhuber, Leiterin des Sozialamts, ausführlich die Angebote der Stadt für Obdachlose vor und gingen außerdem auf die Unterbringungssituation ein. Stadtrat Schnur sieht „die umfangreiche und aufschlussreiche Vorlage der Verwaltung“ als Startschuss für wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Obdachlosenfürsorge in der Stadt Landshut an, die nun zeitnah umgesetzt werden müssten.

Grünen-Stadtrat Tobias Weger-Behl verwies in dem Zusammenhang auf den Bedarf an dauerhaften Unterbringungsmöglichkeiten für Wohnungslose: „Neben einer vorübergehenden Unterkunft wie dem Nikolausheim brauchen wir noch mehr städtische Wohnungen zur langfristigen Bekämpfung von Obdachlosigkeit.“ Die Grünen schlagen dafür laut Weger-Behl das Modell „Housing first“ vor. Dieses werde seit einigen Jahren erfolgreich in vielen europäischen Ländern umgesetzt. „Dabei werden dauerhafte Wohnverhältnisse mit professioneller Begleitung geschaffen.“
Der CSU schwebt laut Haslinger dagegen eher das „Freisinger Modell“ vor, das bereits im April 2018 auf Initiative von Stadtrat Rudolf Schnur im Stadtrat vorgestellt worden war. Schnur hatte bereits vor über 20 Jahren als Bediensteter der Stadt Freising dieses erfolgreiche Modell in die Wege geleitet.
Ende Mai 2020 waren insgesamt 210 von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen in städtischen Liegenschaften untergebracht, die meisten davon in städtischen Wohnungen. Im Nikolausheim selbst stehen derzeit 35 Zimmer zur Verfügung, wobei die Kapazität laut Lehrhuber allerdings nicht voll ausgeschöpft werden kann, denn: „Zwei bis drei Zimmer müssen stets für Notfälle und Durchreisende freigehalten werden.“ Das zweite Obergeschoss wiederum könne aus Brandschutzgründen nur mit maximal zehn Personen belegt werden. Momentan seien im Nikolausheim 21 Personen untergebracht, und zwar 17 Männer und vier – ebenfalls alleinstehende – Frauen. Generell werden alle Obdachlosen, die in städtische Wohnungen oder ins Nikolausheim eingewiesenen wurden, über die gesamte Dauer ihrer Einweisung sozialpädagogisch betreut. Bei Bedarf ist auch eine Vermittlung zu speziellen Unterstützungsangeboten wie Schuldnerberatung oder Suchtberatung vorgesehen. Ziel ist es, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und gemeinsam mit ihnen Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Zudem würden die Eingewiesenen bei der Wohnungssuche unterstützt und auf passende Angebote aufmerksam gemacht. Auch Besichtigungstermine bei potentiellen Vermietern würden in der Regel gemeinsam wahrgenommen: „Wir versuchen, Eigentümer zu ermutigen, mietfähigen Personen auch einen Mietvertrag anzubieten“, so Lehrhuber. Insgesamt sei diese engmaschige sozialpädagogische Betreuung zwar sehr zeitintensiv. Es habe sich aber gezeigt, dass nach einem gewissen Vertrauensaufbau selbst bei längerer Obdachlosigkeit in Einzelfällen große Erfolge erzielt werden könnten.

Die Initiativen der Fachstellen der Verwaltung und das Engagement der eingesetzten Sozialpädagogen wurden von den Mitgliedern des Sozialausschusses über die Parteigrenzen hinweg begrüßt. „Wir haben gesehen, dass es eigentlich nicht an Angeboten mangelt – sei es von der Stadt, sei es von Verbänden oder privaten Initiativen“, so Stadtrat Rudi Schnur, der appellierte, die Hilfsmöglichkeiten und die zuständigen Ansprechpartner dem betroffenen Personenkreis noch besser bekannt zu machen und zu koordinieren. Ein geeignetes Mittel sei der von ihm vorgeschlagene und vom Sozialausschuss bereits beschlossene Flyer. Dieser wird nun aktualisiert und demnächst verteilt.

Foto: Stadt Landshut