Home Allgemein NEUER PFLEGEBEDÜRFTIGKEITSBEGRIFF — Beachtliche Verbesserung für Pflegebedürftige

NEUER PFLEGEBEDÜRFTIGKEITSBEGRIFF — Beachtliche Verbesserung für Pflegebedürftige

 

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff bringt beachtliche Verbesserung für Pflegebedürftige

 

„Mit dem Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II am 1. 1. 2017 werden endlich die Belange der bundesweit rund 1,6 Millionen Menschen mit einer dementiellen Erkrankung bereits bei der Einstufung in die Pflegeversicherung gleichberechtigt berücksichtigt” stellte der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Franz Wölfl, fest. Körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen würden gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen, fuhr Franz Wölfl fort.

Der Seniorenbeirat befasste sich in seiner November-Sitzung mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und dem neuen Begutachtungsverfahren. Als Referentin konnte Beate Keßler, Teamkoordinatorin beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Bayern gewonnen werden. Sie wies darauf hin, dass es in der Begutachtung durch den MDK künftig nicht mehr darum gehe, bei dem pflegebedürftigen Menschen einen in Minuten gemessenen Zeitaufwand für alltägliche Verrichtungen, wie etwa den Toilettengang, zu ermitteln, sondern darum, wie selbständig er bei der Bewältigung seines Alltags ist. Um dies festzustellen, würden in sechs Bereichen, wie beispielsweise körperliche Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten oder die Vornahme wichtiger Handlungen im Alltag, die individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen erfasst. Danach würde unter Anwendung eines gesetzlich vorgegebenen Punkte- und Gewichtungssystems der Pflegegrad festgelegt. Künftig gäbe es anstelle von drei Pflegestufen fünf Pflegegrade.

Diskutiert wurde auch die rentenrechtliche Absicherung pflegender Angehöriger. Künftig zahle die Pflegeversicherung Rentenbeiträge für alle Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen im Pflegegrad 2 bis 5 zu Hause pflegen, wenn sie dies mindestens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage tun. Keine Rentenbeiträge werden gezahlt, wenn die Pflegeperson bereits eine Vollrente wegen Alters bezieht. Dies sei bedauerlich, so einige Sitzungsteilnehmer, weil für pflegende Angehörige im Rentenalter eine wenn auch geringe Aufbesserung der Altersbezüge eine Anerkennung für die geleistete Pflege wäre.

Um die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes und die damit verbundenen Leistungsverbesserungen zu finanzieren, steigt der Beitragssatz der Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 % bzw. 2,8 % für Kinderlose. Richard Kiermeier, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirates, befürchtete abschließend, dass diese Beitragssatzsteigerung nicht ausreichend sei, um mittel- bis langfristig die neuen Leistungen zu finanzieren.