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Neue Welterbestätten 2021

Bis zum 31. Juli tagt das das Welterbekomitee und entscheidet, welche Stätten 2021 in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen werden. Wir zeigen Ihnen, wer den Titel tragen darf.

Bedeutende Kurstädte Europas (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Tschechien, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland)

Das europäische Kur-Phänomen hatte seine stärkste Ausprägung zwischen 1700 und den 1930er-Jahren. „Auf Kur zu gehen“ beinhaltete dabei sowohl das Baden in als auch das Trinken und Inhalieren von Wasser aus Mineralquellen, um die herum sich alle Kurstädte entwickelten. Darüber hinaus gab es ein eng geplantes Tagesregime, das medizinische und sportliche Elemente ebenso berücksichtigte wie Muße, Unterhaltung und Sozialleben. Dieser ganzheitliche Ansatz brachte eine Architektur aus einzigartig vernetzten Innen- und Außenräumen hervor, deren Kernelemente sich auf dem ganzen Kontinent wiederfinden. Aus den hunderten Kurstädten Europas wurden die dynamischsten und internationalsten ausgewählt: Spa (Belgien), Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen (Deutschland), Vichy (Frankreich), Montecatini Terme (Italien), Baden bei Wien (Österreich), Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně (Tschechien) sowie Bath (Vereinigtes Königreich).

Porträt

Ein heller Säulengang in der Kuranlage Mariánské Lázně

Quanzhou: Markt- und Handelsplatz der Song-Yuan-Dynastie (China)

In einer Blütezeit des asiatischen Seehandels zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert wuchs Quanzhou zu einem Handelszentrum von Weltbedeutung heran. Grund dafür war eine äußerst vorausschauende und ganzheitliche Stadtplanung, die neben territorialen und institutionellen auch soziokulturelle Faktoren berücksichtigte. Hinzu kamen die Entwicklung eines einzigartigen Produktions- und Transportwesens. Dementsprechend setzt sich die Welterbestätte aus zahlreichen unterschiedlichen Einzeldenkmälern zusammen. In ihrer kongenialen Verbindung zueinander zeigen sie den großen Beitrag Quanzhous für die Entwicklung Ost- und Südostasiens auf.

Dacheng Palasthalle von Innen

Mathildenhöhe Darmstadt (Deutschland)

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein gründete 1899 auf der Mathildenhöhe Darmstadt eine Künstlerkolonie als Zentrum der damals neu entstehenden Reformbewegung in Architektur, Kunst und Handwerk. Die experimentelle Wohn- und Arbeitsstätte wurde von den Künstlern selbst gestaltet und im Zuge von vier internationalen Ausstellungen 1901, 1904, 1908 und 1914 erweitert. Das Ensemble der Mathildenhöhe ist ein außerordentliches Zeugnis von Architektur und Landschaftsgestaltung an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Sie steht stellvertretend für die in und an ihr arbeitende Künstlergemeinschaft, deren wegweisende Visionen für Wohn- und Arbeitswelten als Vorläufer der architektonischen Moderne gelten können.

Porträt

Luftaufnahme von der Mathildenhöhe in Darmstadt

Leuchtturm von Cordouan (Frankreich)

1584 auf einem Felsplateau vor der Gironde-Mündung errichtet, ist der Leuchtturm von Cordouan bis heute in Betrieb. Sein Bau sollte die Tradition berühmter Leuchttürme der Antike fortsetzen und der französischen Monarchie zu einem bedeutenden Machtsymbol verhelfen. Im 18. Jahrhundert wurde der Turm auf 67 Meter erhöht und modernisiert, wobei sowohl die technischen Änderungen in der Lichtkammer als auch die Steinschnittarbeiten auf höchstem Niveau umgesetzt wurden. Damit verdankt sich die heutige Berühmtheit des Leuchtturms von Cordouan der künstlerischen, handwerklichen und technologischen Meisterschaft seiner Erbauer. Zudem wurde er über die Jahrhunderte mehrfach für Versuche herangezogen, die Navigationsunterstützung durch Leuchttürme insgesamt zu verbessern.

Leuchtturm im Meer vor der französischen Atlantikküste

Tempel von Kakatiya Rudreshwara (Ramappa), Telangana (Indien)

Der Rudreshwara-Tempel, im Volksmund Ramappa-Tempel genannt, ist das bedeutendste Shiva-Heiligtum eines großen Tempelkomplexes aus der Kakatiyan-Zeit von 1123 bis 1323. Reich geschmückt mit verzierten Balken und Säulen aus geschnittenem Granit und Dolerit, krönt ihn ein markanter pyramidenförmiger Vimana, ein horizontal gestufter Turm, aus sogenannten „schwimmenden Ziegeln“. Auf dem Tempelgelände – wie auch im gesamten Komplex – befinden sich zudem zahlreiche hochwertige Steinskulpturen. Der Komplex ist damit ein herausragendes Beispiel für die Entwicklung von Kakatiya-Tempeln im Rahmen groß angelegter Landschaftsgestaltung.

Geschnitzte figuren am indischen Ramappa Tempel

Transiranische Eisenbahn (Iran)

Die Transiranische Eisenbahn verbindet das Kaspische Meer im Nordosten mit dem Persischen Golf im Südwesten. Mit ihren 360 Brücken und 224 Tunneln überquert sie zwei Gebirgszüge sowie Flüsse, Hochland, Wälder und Ebenen über 1394 Kilometer und vier Klimazonen hinweg. Die Bahnstrecke wurde von der iranischen Regierung und 43 internationalen Bauunternehmen entworfen, 1927 begonnen und 1938 fertiggestellt. Im Gegensatz zu den meisten frühen Eisenbahnprojekten wurde ihr Bau durch nationale Steuern finanziert, um ausländische Investitionen und Kontrolle zu vermeiden. Ihre Fertigstellung war ein wichtiger Schritt zur Modernisierung des Landes und zur Verbindung von Zentralasien mit Westasien.

Eisenbahn auf einer Brücke zwischen Bergen und Wald

Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert (Italien)

Die Freskenzyklen befinden sich im alten Stadtzentrum Paduas, untergebracht in acht Gebäudekomplexen: der Cappella degli Scrovegni, der Chiesa degli Eremitani, dem Palazzo della Ragione, dem Palazzo Papafava dei Carraresi, dem Baptisterium sowie den angrenzenden Piazze, der Basilica di Sant’Antonio und dem Oratorio di San Michele. Inspiriert von Fortschritten der optischen Wissenschaft nutzten Giotto und andere Künstler des 14. Jahrhunderts hier erstmalig die räumliche Perspektive und stellten menschliche Figuren mit individuellen Zügen und Gefühlsäußerungen dar. Ihre Werke bezeugen das besondere prähumanistische Klima im Padua des frühen 14. Jahrhunderts und beeinflussten Freskoarbeiten weit über die Zeit der italienischen Renaissance hinaus.

Fresken in einer Kapelle in Padua

Kulturraum von Ḥimā (Saudi-Arabien)

Die Stätte liegt an der ältesten Zollstation einer historisch bedeutenden Karawanenroute im Südwesten Saudi-Arabiens. Reisende, die zu verschiedenen Zeiten die Wüste durchquerten, hinterließen hier Spuren in Form von Inschriften und Bildern auf den nahe gelegenen Felsen. Ihre gemalten, geschriebenen oder eingeritzten Äußerungen über Liebe, Bräuche, Religionen und Jagd sowie über Tiere und Pflanzen stellen eine einzigartige Chronik der letzten 7.000 Jahre menschlicher Kultur dar.

Petroglyphen an einem roten Felsen in Hima, Saudi-Arabien.

Paseo del Prado und Buen Retiro, Landschaft der Künste und der Wissenschaften (Spanien)

Die Madrider Landschaft der Künste und Wissenschaften ist ein herausragendes Beispiel für neue städtebauliche Modelle im aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts. Das Streben nach einer utopischen Gesellschaft illustrierend, vereinigt sie auf 200 Hektar Gebäude für Kunst, Wissenschaft, Industrie, Gesundheit und Forschung. Die für sie neuentwickelte Form einer Alameda, einer Allee, diente darüber hinaus als Inspiration für die spanisch-amerikanischen Vizekönigreiche, wo im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ähnliche Projekte umgesetzt wurden.

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