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MANGELWARE AZUBI – Agentur für Arbeit, Handwerkskammer und Unternehmer zur Lage auf dem Arbeitsmarkt

Pressemitteilung

 

Mangelware Azubi

Agentur für Arbeit sieht zusammen mit Vertretern der Handwerkskammer und Unternehmen Bilanz zur Lage auf dem regionalen Ausbildungsmarkt

 

Die Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen, die Handwerkskammer (HWK) Niederbayern-Oberpfalz und die Bäckerei Mareis haben am Donnerstag über die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt in der Region informiert. „Die Zahlen zeigen deutlich, dass der Kampf um die besten Köpfe für die Unternehmen immer härter wird“, sagte Robert Maier, stellvertretender Leiter der Arbeitsagentur. „Auf einen Bewerber kommen 20 offene Lehrstellen. Wir haben in der Region nicht mehr das Potenzial, alle Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Gerade im Handwerk könnten sich die Jugendlichen mittlerweile die Stellen und Betriebe aussuchen, sagte stellvertretender HWK-Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt. „Aber es ist auch spürbar, dass sich die Betriebe Mühe geben, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.“ Denn die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse sei im Vergleich zum Vorjahr praktisch nicht mehr gesunken. „Bei der Konkurrenz zur Industrie, in der das Handwerk steht, ist das ein gutes Ergebnis.“ Wie es erfolgreiche Betriebe in der Praxis anstellen, Nachwuchs zu gewinnen und zu halten, beschrieb der Bäckermeister Anton Mareis: „Wir bauen auf vier Säulen: die Zusammenarbeit mit den Mittel- und Realschulen, eine enge Kooperation mit der Berufsschule Landshut, gute Rahmenbedingungen für die jungen Leute im Unternehmen und eine intensive Elternarbeit.“Für die Azubis in seinem Betrieb heißt das zum Beispiel konkret, dass sie in einem familiären Umfeld arbeiten dürfen, intensiv auf die Prüfungen vorbereitet werden, eine Jobgarantie erhalten und den Führerschein bezahlt bekommen. Das wiederum zahlt sich aus. „In den vergangenen beiden Ausbildungsjahren an der Berufsschule Landshut kamen jeweils die besten Bäcker und Verkäufer von uns“, sagte Mareis. In der derzeitigen Zuwanderung der vielen Flüchtlinge sehen Arbeitsagentur, HWK und Mareis grundsätzlich eine Chance für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. „Aber das Handwerk braucht gute Leute und kann sicher nicht das Auffangbecken für Geringqualifizierte sein“, sagte Schmidt. Das Ziel der Arbeitsagentur ist laut Maier, möglichst viele Einwanderer durch Ausbildungsprojekte auf Facharbeiterniveau zu bringen. „Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.“ Mareis kann vielleicht schon bald erfolgreich mit einem Flüchtling zusammenarbeiten – ein junger Syrer macht bei ihm nun ein Praktikum. „Wir sind gespannt, wohin unser gemeinsamer Weg führt. “Wer mehr über die Ausbildung und Arbeit in der Bäckerei Mareis erfahren möchte, kann sich beim Azubi-Infotreff am 14. November von 14 bis 16 Uhr im Bäckereicafé an der Alten Regensburger Straße in Ergolding (neben TÜV) informieren.

Robert Maier präsentierte die ausführlichen Informationen zum Ausbildungsmarkt in der Region: Nahezu 350 Lehrstellen blieben am Bilanzstichtag unbesetzt, die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz ist im Vergleich zum Jahr 2014 um 5 auf 17 gesunken. Das ist die Bilanz zum Abschluss des Berufsberatungsjahres 2014/2015. „Von den 2.507 Bewerbern haben bis auf 17 alle den Einstieg in die Ausbildungswelt geschafft oder eine Alternative ergriffen“, teilte Maier mit. Für manche Betriebe war und ist es auch heuer nicht einfach gewesen, für die angebotenen Ausbildungsplätze Azubis zu gewinnen, was die Zahl von 345 unbesetzten Ausbildungsstellen zum Stichtag 30.09.2015 beweist. Das sind 24 oder 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen insgesamt um 212 auf 3.360 im gleichen Zeitraum gesunken ist. Dies sind 5,9 Prozent weniger als im Beratungsjahr 2013/2014.

Auch die Zahl der gemeldeten Bewerber hat sich im letzten Jahr verringert. Im Zeitraum von Oktober 2014 bis September 2015 haben sich 2.507 Jugendliche bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen als Bewerber für eine Ausbildung registrieren lassen. Dies sind im Vergleich zum vorausgegangen Berichtsjahr (Oktober2013 bis September 2014) 5,1 Prozent bzw. 135 Bewerber weniger. Dies ist insbesondere auf den Trend zu höheren Schulabschlüssen zurückzuführen. Trotz des breiten Angebots an Ausbildungsplätzen müssten auch die Jugendlichen Alternativen zum Wunschberuf ins Auge fassen. Fast die Hälfte der Jugendlichen beschränke sich bei ihren Bewerbungen auf nur zehn Berufe. „Karrieremöglichkeiten in vermeintlich weniger beliebten Berufen werden unterschätzt“, sagte Jochen Weber, Leiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen. Weniger gefragt sind Berufe wie Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Koch oder Bäcker, hier gibt es noch mehr unbesetzte Lehrstellen als bei anderen Berufen. Betrachtet man die gefragtesten Lehrstellen, die sogenannten Top 10 der Berufe, ist festzustellen, dass es seit Jahren nahezu die gleichen sind. Bei den männlichen Bewerbern ergibt sich folgende Reihenfolge:

Kfz-Mechatroniker-PKW-Technik (9%), Industriemechaniker (7%), Kaufmann im Einzelhandel (6 %), Fachkraft – Lagerlogistik (4 %), Elektroniker für Betriebstechnik (4 %), Elektroniker Energie-Gebäudetechnik (3%), Verkäufer (3%), Tischler (3%), Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung (3%) und Kaufmann Büromanagement (3%), 55 Prozent der Bewerber strebten eine Ausbildung in anderen Berufen an. Bei den Mädchen ist die Lehre zur Kauffrau Büromanagement mit 11 Prozent die beliebteste Ausbildung. Die Kauffrau im Einzelhandel folgt mit 10 Prozent auf Platz zwei. Danach kommen die Industriekauffrau (8%), die Medizinische Fachangestellte (7%), die Verkäuferin (6%), die Friseurin (3%), die Bankkauffrau (2,7%), die Zahnmedizinische Fachnagestellte (2,6%), die Fachkraft Lagerlogistik (2,5%) und die Verwaltungsfachangestellte-Kommunalverwaltung mit 2%. 54 Prozent der Bewerberinnen suchten eine Ausbildung in den übrigen Berufen.

Die meisten Stellenangebote wurden von den Arbeitgebern für Kaufleute im Einzelhandel (5,5%), für Kaufmann/frau Büromanagement (5%), für Verkäufer (3,8%), für Industriemechaniker (3,6%), für Elektroniker für Betriebstechnik (3,3%), für Fachkräfte Lagerlogistik (3,3%), für Zahnmedizinische Fachangestellte (3,3%), Metallbauer Konstruktionstechnik (3,2%), für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk Fleischerei (2,8%) und für Kfz-Mechatroniker-PKW-Technik (2,7%) gemeldet.

Gute Chancen, für 2015 noch eine Ausbildungsstelle zu finden, bestehen im Verkauf und Handel, in den Ernährungsberufen sowie im Bereich der Hotellerie. Nicht jeder Bewerber hat eine betrieb liche Ausbildung begonnen. Gut 1.600 junge Menschen sind in eine Ausbildungsstelle eingemündet. 314 haben sich im Lauf des Bewerbungsverfahrens entschlossen, eine weiterführende Schule zu besuchen, 26 haben ein Studium aufgenommen. Es gab aber auch 66 junge Menschen, die stattdessen eine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben. Neben weiteren Einmündungsalternativen gab es aber auch 274 frühere Bewerber, die trotz mehrmaliger Rückfragen keine Rückmeldung zum Verbleib gegeben haben. Bei all der Freude über die in den Ausbildungsmarkt eingemündeten Jugendlichen darf nicht vergessen werden, dass es eine Reihe von jungen Menschen gibt, denen es trotz des guten Marktes nicht gelungen ist, auf Anhieb in eine Ausbildung zu starten. Sie werden über eine Einstiegsqualifizierung (Langzeitpraktikum in einem Betrieb) oder über die berufsvorbereitenden Maßnahmen der Agentur für Arbeit fit gemacht. Hier werden fachliche wie persönliche Kompetenzen trainiert und erweitert, um heuer oder im Folgejahr im Wettbewerb um eine Ausbildungsstelle erfolgreich zu sein. Gefragt sind Strategien zur Bewerberakquise Wolfgang Eberl, Leiter des ArbeitgeberService, appelliert an die Arbeitgeber, auch leistungsschwächeren Bewerbern eine Chance zu geben. „Oft haben die Unternehmen hohe Erwartungen, die die Bewerber nicht immer erfüllen können“, sagte Eberl. Auch schwächere Jugendliche haben individuelle, vielleicht nicht sofort sichtbare Potentiale, keiner ist völligtalentfrei. Mancher benötigt jedoch Unterstützung. Hier kann die Agentur für Arbeit mit einem „Nachhilfeunterricht“ für die Berufsschule und ggf. sozialpädagogischer Begleitung für die Ausbildung, den sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen, oder der assistierten Ausbildung unterstützen. Als Herausforderung der Zukunft sehen die Arbeitsmarktexperten auch die Integration der jungen Asylbewerber, die derzeit in Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen über zwei Jahre hinweg die deutsche Sprache erlernen und an den deutschen Ausbildungsmarkt herangeführt werden. Derzeit gibt es vier Entlass- und acht Vorentlassklassen, die in den nächsten zwei Jahren idealerweise eine Ausbildung beginnen werden.

Innerhalb nur weniger Jahre hat sich der Ausbildungsmarkt sehr stark gewandelt. Er bietet für die jungen Menschen heutzutage vielfältigste Chancen, die Betriebe jedoch müssen inzwischen um die guten Jugendlichen buhlen. Hans Schmidt, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkammer Niederbayern-Oberpfalz weiß: „Die Betriebe im ostbayerischen Handwerk bieten noch zahlreiche Ausbildungsplätze quer durch alle Berufssparten an. Interessierte Bewerber sind geradegefragt wie nie. Um den potentiellen Handwerksnachwuchs für sich zu begeistern, müssen die Ausbildungsbetriebe sich auf den Weg machen, ihr Ausbildungsmarketing weiter zu verbessern. Sie müssen die Jugendlichen erkennen lassen, welche Möglichkeiten und Perspektiven eine handwerkliche Ausbildung zu bieten hat“. Das Handwerk bietet beste Perspektiven für jeden Karrieretraum. Für junge Menschen sind die Chancen auf eine passende Lehrstelle hervorragend. Und wer nach der Ausbildung Lust auf mehr hat, für den ist vieles möglich: ob eine Weiterbildung zum Meister, die Selbstständigkeit oder ein anschließendes Hochschulstudium. Darüber hinaus müssen in den nächsten zehn Jahren rund 200.000 Handwerksbetriebe in Deutschland an gut ausgebildete Nachfolger übergeben werden.

Anton Mareis, Inhaber der Bäckereien Mareis, ist ein Unternehmer, der die Zeichen der Zeit bereits erkannt hat und sich schon einiges hat einfallen lassen, um Jugendliche für eine Ausbildung bei ihm im Betrieb zu begeistern, da es gerade für die handwerklichen Berufe immer schwerer wird, gute Auszubildende zu bekommen. „Wir bauen auf vier Säulen, um uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und interessant für die Jugendlichen und ihre Eltern zu sein“, sagte Mareis. Die erste Säule ist die Zusammenarbeit mit Mittel- und Realschulen in Nieder- und Oberbayern. Gemeinsam organisieren das Unternehmen und die Schulen Praktikumsmöglichkeiten und Projekte, in denen sich die Schüler über die Berufsmöglichkeiten informieren können. Säule Nummer zwei ist die enge Kooperation mit der Berufsschule Landshut. Die Bäckerei unterstützt die Schule, indem sie zum Beispiel Prüfer und Ausbilder stellt. „Dadurch wissenwir genau, welche Inhalte und Fertigkeiten in den Prüfungen gefragt sind und wir könnenunsere Azubis damit sehr gut auf die Prüfungen vorbereiten“, sagte Mareis. Dritte Säule sind die Rahmenbedingungen, die das Unternehmen für die Nachwuchskräfte schafft. Mareis: „Wir legen viel Wert auf eine gründliche Einarbeitung und ein angenehmes Betriebsklima. Bei guten schulischen Leistungen bezahlen wir unseren jungen Leuten auch den Führerschein und wir können eine Jobgarantie nach dem Abschluss geben.“

Die vierte Säule ist eine intensive Elternarbeit. Weil der Betrieb auf eine familiäre Atmosphäre setzt, sollen auch die Mütter und Väter der Lehrlinge einbezogen und über die Tätigkeiten und Fortschritte ihrer Kinder informiert werden. „Das machen wir zum Beispiel bei einem Azubi-Elternabend, bei dem wir uns austauschen und somit gemeinsam Verantwortung für die Jugendlichen übernehmen“, so Anton Mareis. Der nächste Azubi-Infotreff für interessierte Jugendliche und Eltern findet am 14. Novembervon 14 bis 16 Uhr im Bäckereicafé Mareis an der Alten Regensburger Straße in Ergolding (neben TÜV) statt.

 Der Ausbildungsmarkt nach regionalen Gesichtspunkten:

Im Zeitraum vom 1.10.2014 bis 30.9.2015 haben Betriebe aus Stadt und Landkreis Landshut der Agentur für Arbeit 1.699 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das waren 59 weniger als im Berichtsjahr 2013/2014. 1.333 Jugendliche waren in diesem Zeitraum Bewerber um eine Ausbildungsstelle (zwei mehr als im Vorjahr). Von diesen haben am 30.September 2015 8 noch nach einer Ausbildungsstelle gesucht. Gleichzeitig gab es noch 149 unbesetzte Ausbildungsplätze. Das entspricht einem Verhältnis von 18,6 Berufsausbildungsstellen je unversorgten Bewerber.

Im Landkreis Dingolfing-Landau waren von den insgesamt 783 gemeldeten Ausbildungsstellen noch 62 zum Stichtag unbesetzt. Im Vorjahr waren insgesamt 39 Stellen mehr gemeldet. Trotz dieser Vielzahl an Ausbildungsstellen verfügten drei Bewerber am 30.9.2015 weder über eine Ausbildungsstelle noch über ein Alternativangebot. Insgesamt waren 546 Jugendliche als Bewerber bei der Agentur für Arbeit Dingolfing-Landau gemeldet. Das waren 5,4 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Landkreis Rottal-Inn waren 878 und damit 114 Berufsausbildungsstellen weniger gemeldet als im Vorjahr. Davon konnten bis auf 134 alle besetzt werden. Die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz im Landkreis Rottal-Inn ist ebenfalls um 106 auf 628 zurückgegangen. Sechs Jugendliche waren am 30.9.2016 noch mit Hilfe der Agentur für Arbeit Pfarrkirchen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz Pressestell

Bildunterschrift:

Umdenken müssen viele Betriebe, vor allem im Handwerk, um auch künftig Nachwuchskräfte zu bekommen. Anton Mareis (rechts) von der Bäckerei Mareis berichtete Robert Maier (links), stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen, und Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, wie er sein Unternehmen aufstellt, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

 

 

-hjl-

 

 

 

 

 

 

 




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