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LEBENDIGE WASSERADERN STATT ÖDER KANÄLE — Kernthema: EU-Wasser-Rahmenrichtlinien — Gewässernachbarschaftstag in Pfeffenhausen

Lebendige Wasseradern statt öder Kanäle

Gewässer-Nachbarschaftstag in Pfeffenhausen – Kernthema: EU-Wasser-Rahmenrichtlinie

Die gesetzlichen Vorgaben zur EU-Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL), der aktuelle Sachstand, sowie bereits umgesetzte und noch geplante Maßnahmen waren die Kernthemen eines Gewässer-Nachbarschaftstages für den Landkreis und die Stadt Landshut, der in der Marktgemeinde Pfeffenhausen stattfand. Seit über zehn Jahren sind solche Veranstaltungen im Landkreis Landshut fest etabliert, diesmal wurde der Informationstag erstmals gemeinsam mit Teilnehmern aus dem Nachbarlandkreis Kelheim abgehalten. Über 60 Vertreter von Kommunen und Behörden folgten der Einladung von Gewässer-Nachbarschaftsberater Helmut Naneder, der im Fachbereich Naturschutz und Landschaftspflege am Landratsamt Landshut tätig ist.

Die Gewässer-Nachbarschaftstage dienen dazu, nach Möglichkeit alle Bürgermeister, Gewässer-Fachleute und andere Ausführende an Gewässern zusammenzubringen, um einen regelmäßigen Informations- und Erfahrungsaustausch zu gewährleisten. Es geht darum, dass gemeinsam und fachübergreifend daran gearbeitet wird, die kleinen Fließgewässer in einen „guten ökologischen Zustand“ zu bringen, wie er von der Europäischen Union gefordert und mit Hilfe der Wasser-Rahmenrichtlinie erreicht werden soll.

„Die Umsetzung der Wasser-Rahmenrichtlinie ist  hochaktuell und von zentraler Bedeutung für die ökologische Entwicklung unserer kleinen Fließgewässer. Vieles wurde schon erreicht von den Gemeinden, die für die sogenannten Gewässer dritter Ordnung zuständig sind, doch vieles muss auch noch relativ zeitnah umgesetzt werden“, legte der Gewässernachbarschafts-Berater Helmut Naneder dar, der die Veranstaltung organisiert hatte und auch moderierte. Besonders hob er hervor, dass an diesem Nachbarschaftstag erstmals auch der Landkreis Kelheim beteiligt war, der nunmehr einen neuen Gewässer-Nachbarschafts-Berater erhalten hat. Dieser Berater,  Georg Maierhofer, stellte sich vor und sagte Dank dafür, dass die Teilnehmer aus dem Kelheimer Raum in Pfeffenhausen mit von der Partie sein konnten und somit von den großen Erfahrungen ihrer Kollegen aus der Region Landshut profitieren konnten.

Für einen landkreis-übergreifenden Gewässer-Nachbarschaftstag sei die Marktgemeinde Pfeffenhausen schon durch ihre geographische Lage ideal, führte Helmut Naneder aus. Pfeffenhausen sei aber auch deswegen ein hervorragender Ort für ein solches Treffen, weil auf dem Gebiet der Marktgemeinde „schon außerordentlich viel Gutes im Sinne der Umsetzung der EU-Wasser-Rahmenrichtlinie und des  Fließgewässerschutzes erreicht worden ist“, wie Naneder betonte.

Erfolge in Pfeffenhausen

Daran knüpfte Pfeffenhausens 1. Bürgermeister Karl Scharf natürlich gerne an: In seinem Grußwort an die Teilnehmer am Nachbarschaftstag sprach er die Gewässerentwicklung an, die in den letzten Jahren im Bereich seiner Marktgemeinde vorangetrieben worden sei und bei der eine Reihe von Renaturierungs-Projekten erfolgreich umgesetzt worden seien.

So sei es der Kommune zum Beispiel gelungen, im Laufe der Jahre viele gewässernahe Flächen im Talraum der Großen Laber zu erwerben und zudem Abschnitte am Marktbach und dem Hornbacher Bach anzukaufen und diese Flächen entsprechend aufzuwerten. Aktuell laufe in der Marktgemeinde das Umsetzungskonzept „Hydromorphologische Maßnahmen“ für den Flusswasserkörper „Große Laber bis Rottenburg, Lauterbach (zur Großen Laber), Talbach und Siegersbach“.

Pfeffenhausen sei dabei federführend, weil die Marktgemeinde den größten Anteil an diesen Gewässerläufen hat. Im Rahmen des Konzeptes werden Problembereiche am Gewässer lokalisiert und durch Planung und Durchführung entsprechender Maßnahmen und Projekte beseitigt, wie Bürgermeister Scharf erläuterte. Er dankte dabei den Fachleuten des Landratsamts Landshut und des Wasserwirtschaftsamts Landshut für ihre wertvolle Unterstützung, aber auch dem Landschaftsplaner Robert Schötz vom Planungsbüro „LandSchafftRaum“, das mit der Erstellung des Umsetzungskonzeptes beauftragt worden ist.

Zuviel Schadstoffeintrag

Die Koordinatorin der Gewässer-Nachbarschaften in Bayern, Eva Schnippering vom Landesamt für Umwelt, Fachreferat Gewässerentwicklung, hielt das erste Fachreferat zum Themenkreis WRRL. Die Referentin zeigte anhand von Beispielen zur WRRL auf, welchen Nutzen dieses EU-Gesetz für die Gewässer, Natur und Landschaft sowie für den Menschen bringt. Sie legte den Ablauf und den Zeitrahmen für die Umsetzung der WRRL dar, erläuterte, was die wichtigsten Belastungsbereiche der Gewässer sind und welche Maßnahmen eingeleitet werden müssen.

Als ein „Hauptbelastungsbereich“ in den bayerischen Flussgebieten gelten demnach die Nähr- und Schadstoffeinträge. Um die Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft zu verringern, sollten wirksame Maßnahmen ergriffen werden, sagte die Expertin: Namentlich nannte sie Mulchsaatverfahren, das  Anlegen von Grünstreifen sowie den Zwischenfrucht-Anbau. Oft sei auch der Erwerb von Grundstücken durch die öffentliche Hand sinnvoll und hilfreich, erklärte die Referentin. Bürgermeistersprecher Alfred Holzner gab demgegenüber zu bedenken, dass dies „in der aktuellen Situation am Grundstücksmarkt oft hochproblematisch“ sei, eine Ansicht, die auf viel Zustimmung unter den Zuhörern stieß.

Ein weiterer Hauptgrund für Belastungen und Verschlechterungen der Situation kleiner Fließgewässer sind nach den Worten von Eva Schnippering negative hydromorphologische Veränderungen. Dem setzte sie Schritte zur Verbesserung der Gewässerstrukturen und Auenbereiche entgegen, wie zum Beispiel Maßnahmen zur Wiederherstellung der biologischen Durchgängigkeit durch Beseitigung von Abstürzen. Und auch Projekte, die den Wasserhaushalt oder die Abflussverhältnisse verbessern und die zugleich dem Schutz vor Hochwasser dienten, seien dringend notwendig.

Viele Bachläufe renaturiert

Bayernweit sind aktuell nur 15 Prozent der „Flusswasserkörper“ in einem guten oder besseren ökologischen Zustand, konstatierte die Referentin vom Landesamt für Umwelt. Es gebe also noch eine Menge zu tun. Konkret stünden in Bayern laut Maßnahmenkatalog über 4200 Projekte an. Der Anteil der abgeschlossenen Maßnahmen liege im Bewirtschaftungszeitraum 2009 bis 2015 in den bayerischen Flussgebieten bei etwa  36 Prozent. Ebenso viele Maßnahmen befänden sich in der Umsetzung, erklärte Eva Schnippering. Gewässerentwicklungs- und Umsetzungskonzepte erwiesen sich dabei als große Hilfe für ein planvolles Vorgehen. Ausführlich ging die Referentin auch auf die Fördermöglichkeiten für Projekte zur Umsetzung der WRRL ein.

Im zweiten Vortragsblock des Vormittags zeigten Josef Lehner vom Wasserwirtschaftsamt Landshut und Gewässer-Nachbarschaftsberater Helmut Naneder viele gelungene Umsetzungsbeispiele in Stadt und Landkreis Landshut. Wie sie darlegten, wurden zum Beispiel hochfunktionelle Fischtreppen gebaut, viele Kilometer Bachläufe renaturiert und zahllose Abstürze beseitigt, um wieder biologische Durchgängigkeit zu schaffen. Josef Lehner gab den Teilnehmern einen detaillierten Überblick über die Baukosten der unterschiedlichen Projekte und darüber, welche staatlichen Fördermittel für die Maßnahmen geflossen sind.

„Im bayernweiten Vergleich ist die Fülle an bereits umgesetzten oder verbindlich geplanten Maßnahmen wirklich herausragend“, drückte Nachbarschaftsberater Helmut Naneder seine Anerkennung für das Engagement der Gemeinden im Landkreis Landshut sowie der Stadt Landshut aus. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden bei einer Exkursion am Nachmittag verschiedene Umsetzungsbeispiele besichtigt, wie die Fischtreppe an der Großen Laber sowie großräumige Renaturierungs-Maßnahmen im Bereich des Marktbachtales. Dadurch wurden die am Vormittag in der Theorie gewonnenen Eindrücke durch praktische Beispiel vertieft. Zugleich setzte vor Ort, angesichts der Ergebnisse konkreter Maßnahmen, ein reger Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern ein.

 

BILDTEXTE:

Über 60 Vertreter von Kommunen und Behörden aus Landkreis und Stadt Landshut sowie aus dem Landkreis Kelheim nahmen an einem Gewässer-Nachbarschaftstag teil. Helmut Naneder, Fachbereich Naturschutz und Landschaftspflege am Landratsamt Landshut, organisierte und moderierte die eintägige Fachinformationsveranstaltung, die mit einer Exkursion (Titelbild) abschloss.

 

 

 

 

Querschnitt eines Gewässers dritter Ordnung und seiner Uferstreifen, gestaltet nach ökologischen Gesichtspunkten.

 

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