Home Allgemein Lächeln im Angesichts des Todes

Lächeln im Angesichts des Todes

Landshut, 11. Dezember 2013

“Ich kämpfe schon sehr lange gegen den Krebs und ich weiß das ich den Kampf irgendwann verlieren werde. Vor dem Tod habe ich keine Angst weil es gibt ein Leben danach, nur wie das aussieht weiß ich leider nicht. Da es mir wahnsinnig schwer fällt meine Kinder zurück zu lassen stehe ich immer wieder auf wenn es mir schlecht geht und ich denke das es zu Ende geht. Ich hänge sehr an meinem Leben und an meinen Kindern, das gibt mir die Kraft weiter zu machen. Ich finde sowieso das jeder sein Leben intensiv Leben sollte weil man nie weiß wann es zu Ende ist. Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu ob wir das wollen oder nicht. Ich würde so gern bei der Einschulung meiner kleinen Tochter 2015 dabei sein, ob ich das schaffe steht noch in den Sternen. Vielleicht darf ich als Engel bei meiner Familie bleiben, so wie man es oft in Filmen sieht 🙂 Der Mittelpunkt meiner Gedanken sind meine Kinder, denn ich will sie nicht alleine lassen. Ich treffe schon viele vorkehrungen damit ich beruhigter bin und weiß was danach passiert bzw wie es weiter geht für meine Kinder und meinem Mann.”

Marion Glashauser               mglashauser@googlemail.com

Wer Marion Glashauser und ihrer Familie einen Gefallen tun möchte kann spenden. Die Spende kommt garantiert – dafür übernehmen ich die persönliche Verantwortung dafür – in voller Höhe bei Frau Glashauser an!

Frau Glashauser wünscht sich beispielsweise Aromatherapien gegen die Schmerzen und einen Wäschetrockner für die Familie, damit mehr Zeit füreinander bleibt.

Konto-Nummer: 822 469 bei der Sparkasse Landshut, BLZ 743 500 00.

Stichwort “Marion Glashauser”

Rudolf Schnur

 

 

 

sueddeutsche.de Bayern

9. August 2013 17:59 Brustkrebs

Lächeln im Angesicht des Totes

Von Dietrich Mittler

Der Brustkrebs ist zurückgekommen. Bereits zum zweitem Mal ist Marion Glashauser erkrankt, ihr bleibt womöglich nicht mehr viel Zeit. Doch unterkriegen lässt sich die Mutter zweier Töchter nicht – noch während der Chemotherapie plant sie ihren Urlaub.

Marion Glashauser schlüpft aus ihren roten Schuhen, gleitet behände in einen Liegestuhl aus grauem Kunstleder und lässt den Blick kurz zur Fensterfront des Behandlungszimmers im Klinikum Landshut streifen, durch die die Mittagssonne hereinscheint. Doch mit den Gedanken ist die 35-Jährige ganz woanders.

Mit einer Luxuslimousine ist sie abgeholt worden – sie, ihr Mann, ihre Töchter. Die Limousine fuhr los, Marion Glashauser wusste nicht wohin, und als sich die Wagentür öffnete, standen da alle ihre Schwestern, die Freunde, die ehemaligen Kollegen vor ihr. Kurz darauf deutete eine ihrer sechs Schwestern auf Fotos aus dem spanischen Urlaubsort Alicante. Dort wird die zweifache Mutter mit ihrer Familie nun Urlaub machen.

Alle haben für sie Geld gesammelt. “Ich könnte immer noch weinen, wenn ich daran denke”, sagt sie. Eine Krankenschwester nickt. Dann prüft sie die Ampullen, die Marion Glashauser auf die Chemotherapie vorbereiten sollen.

Der Krebs ist zurückgekommen, wieder in die rechte Brust. Die Ärzte im Klinikum Landshut haben ihrer Patientin eröffnet, sie könnten außer der Chemotherapie nichts mehr für sie tun. Die Krankheit lasse sich nur noch aufhalten. “Wie lange ich damit leben kann, weiß niemand”, sagt sie. Aber sie sei schon immer eine Kämpferin gewesen.

Nicht unterkriegen lassen

Als Sechsjährige sei sie von einem Auto angefahren worden, und damals hätten die Ärzte ihrer Mutter bedeutet: “Sie müssen jetzt drei Tage warten – entweder sie schafft es, oder sie schafft es nicht.” Die Konfrontation mit dem Tod ist für Marion Glashauser etwas Vertrautes. “Und heute stehe ich immer noch da”, sagt sie, “ich lasse mich vom Krebs nicht unterkriegen. Ich bin viel zu jung für das Ganze.”

Brustkrebs ist mit fast 32 Prozent aller Neuerkrankungen die mit Abstand häufigste Tumorerkrankung. Aus dem erst vor wenigen Monaten präsentierten Bayerischen Krebsbericht geht hervor, dass im Jahr 2010 im Freistaat 10 067 Fälle bekannt wurden – in der weit überwiegenden Mehrzahl bei Frauen. Die Überlebenschancen sind im Vergleich zu früher relativ hoch, 2011 starben in Bayern 2672 der an Brustkrebs erkrankten Patientinnen – das sind 17,9 Prozent. Dass die Zahl nicht höher ist, ist größtenteils ein Verdienst der Früherkennung und der weiterentwickelten Behandlungsmethoden.

Bis zum Jahresende läuft noch die Kampagne der Staatsregierung gegen den Krebstod. Gesundheitsminister Marcel Huber ist der festen Überzeugung, dass mehr Leben gerettet werden könnten. “Bislang nimmt nur knapp jede zweite Frau dieses Angebot wahr”, sagt er. Alle Frauen im Alter von 50 Jahren an, so appelliert er, sollten das “maßgeschneiderte Screening-Angebot nutzen”.

Aber auch jüngere Frauen will Huber in den nächsten Monaten noch für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen gewinnen. Marion Glashauser war 25 Jahre alt, als sie unter der Dusche bemerkte, dass sich bei ihr die rechte Brustwarze nach innen wölbte. Ihre erstgeborene Tochter Celina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal acht Monate alt. Die junge Mutter ging sofort zum Arzt, kurz darauf wurde der Tumor operativ entfernt.

Alle drei Wochen musste Marion Glashauser danach zur Chemotherapie ins Krankenhaus fahren, es folgten Bestrahlungen und eine Hormonbehandlung. Die nachfolgenden Kontrollen im Krankenhaus gaben ihr Zuversicht: keine Metastasen gesichtet, auch die Lymphknoten waren frei. “Ich habe meine Therapie bis zum Schluss durchgezogen und war dann acht Jahre lang krebsfrei”, sagt sie.

Dann, zwei Jahre nachdem ihre zweite Tochter Eva auf die Welt gekommen war, kehrte der Krebs zurück. Diesmal war es ein quälender Husten, der die junge Frau aufmerksam werden ließ. Sie ging zum Arzt, und der sagte: “Das sind die Bronchien.” Da dachte sie sich im ersten Augenblick: “Gott sei Dank.” Dann im nächsten Moment: “Das sind nicht die Bronchien, ich habe Lungenkrebs.” Kurz darauf entdeckte sie an der rechten Brust eine kugelförmige Ausbuchtung. Bei der Mammografie stellte sich heraus: Der Krebs war zurückgekehrt. Und mehr noch: Es hatten sich Metastasen gebildet, zwischen den Lungenflügeln, in der Lunge, in der Leber, im Bauchfell und an der Wirbelsäule.

Die Frage “Warum ich?” hat sich Marion Glashauser nie gestellt. Groll auf das Leben? “Nein, gar nicht”, sagt sie. Nachdem die Krankenschwester den Raum verlassen hat, winkelt sie die Beine an und macht es sich auf dem Behandlungsstuhl bequem. Es wird Stunden dauern, bis die Chemo vorbei ist. Kurz verharrt sie in der Stille. Tropfen um Tropfen gleitet aus der Glasampulle über das Infusionsbesteck hinab zu ihren Venen. Die 35-Jährige schaut ihnen aufmerksam zu. “Es gibt kein Warum”, sagt sie. Solange sie noch auf der Welt sei, wolle sie alle negativen Gedanken von sich und der Familie fernhalten. Schon deshalb, damit sich ihr Mann und die Kinder an gute Zeiten erinnern können.

Die Mädchen wissen um die Krankheit ihrer Mutter. Die Kleine versteht noch nicht wirklich, um was es geht. “Die Große schon”, sagt Marion Glashauser, “sie hat vor drei Jahren ihre Oma väterlicherseits durch Krebs verloren.” Sie weine oft – “auch in der Schule”. So weit es nur geht, hat die junge Mutter vorgesorgt, damit ihre Familie nicht ins Leere fällt – “wenn ich nicht mehr bin”. Am liebsten hätte sie gemeinsam mit ihrem Mann auch gleich noch bei einem Bestattungsunternehmer alles in die Wege geleitet. “Aber das ist einfach zu viel für ihn”, sagt sie.

Ihre Stimme klingt selbst bei diesen Worten ungebrochen. “Man kann da eh nichts ändern”, sagt sie. Manchmal überfallen sie extreme Schmerzen. Einmal waren diese durch die Metastasen im Rücken so heftig, dass sie dachte: Bitte Herr, lass mich sofort tot umfallen! “Aber das macht er ja ned”, sagt sie im niederbayerischen Tonfall.

Keine Krebsgene wie bei Angelina Jolie

Als sie 25 Jahre alt war, hatte Marion Glashauser die Operateure angefleht: “Bitte, nicht die Brust entfernen.” Nach der zweiten Krebsdiagnose entschied sie sich anders, mehr dem inneren Bedürfnis als Erfahrungswerten folgend: Bei bis zu zehn von 100 Brustkrebs-Patientinnen kommt es nach brusterhaltenden Operationen – also Eingriffen, bei denen allein der Tumor entfernt wird – nach zehn Jahren zu neuerlichem Krebsbefall. Wird die Brust ganz entfernt, kehrt der Tumor im Schnitt bei etwa fünf von 100 Frauen zurück.

Marion Glashauser ist bis heute davon überzeugt, dass sie richtig gehandelt habe. “Hätte ich die Brust gleich abnehmen lassen, wäre der Krebs vielleicht anderswo aufgetreten”, sagt sie. An der Brust könne man ihn wenigstens schnell entdecken. Die bei Angelina Jolie gefundenen Krebsgene, welche die US-amerikanische Schauspielerin dazu bewegt hatten, prophylaktisch ihre gesunden Brüste entfernen zu lassen, wurden bei Marion Glashauser nicht entdeckt. “Dafür bin ich dankbar, schon meiner beiden Töchter und der sechs Schwestern wegen”, sagt sie.

Die noch bleibende Zeit will sie bis zum Schluss ausschöpfen – dem Krebs zum Trotz. Zu ihren krankheitsbedingten Einsichten gehört auch, sich selbst mehr Zeit zu schenken und nicht immer nur an die Pflichten zu denken. “Das Leben genießen, das ist das A und O”, sagt sie. Große Sprünge lässt das Familieneinkommen allerdings nicht mehr zu, seitdem sie als Mitverdienerin ausgefallen ist. Es sind kleine Freuden, die sie sich noch leisten kann: mal eine Tasse Kaffee in der Sonne, mal ein Familienausflug in den Biergarten.

Als 25-Jährige hatte Marion Glashauser den Krebs als Zeichen gewertet: Sie beendete umgehend eine unglückliche Beziehung. “Jetzt aber habe ich eine phantastische Familie, ich habe super Kinder, habe einen tollen Mann geheiratet – was soll ich da ändern?”, fragt sie und lacht auf: “Da gibt es nichts zu ändern!”, sagt sie. Jedoch noch vieles zu entdecken – nun erst einmal Alicante. Die Koffer sind gepackt.

URL: http://www.sueddeutsche.de/bayern/brustkrebs-laecheln-im-angesicht-des-todes-1.1742616

Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH

Quelle: SZ vom 09.08.2013/dayk