Home Allgemein Jutta Widmann: Umweltsau – Satire darf eine Gesellschaft nicht spalten

Jutta Widmann: Umweltsau – Satire darf eine Gesellschaft nicht spalten

„Satire darf viel, aber nicht alles. Vor allem aber darf sie die Gesellschaft nicht spalten. Schon gar nicht im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, sagt Freie Wähler-Landtagsabgeordnete und Rundfunkrätin Jutta Widmann aus Landshut zur Diskussion um einen Video-Clip, den der Westdeutsche Rundfunk am vergangenen Freitag auf seiner Facebook-Seite geteilt hatte und der seit Tagen für Diskussionen sorgt.In dem Video, das der Sender mittlerweile wieder gelöscht hat, singt ein Kinderchor zur Melodie  des bekannten Kinderlieds „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ unter anderem Textzeilen wie diese: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad. Das sind 1000 Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ne alte Umweltsau!“

Dazu Jutta Widmann: „Mit Beiträgen wie diesen, auch wenn sie satirisch gemeint sind, wird die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben. Dass das Video von einem öffentlich-rechtlichen Sender, der von allen Steuerzahlern in diesem Land finanziert wird, publiziert wurde, ist nicht hinnehmbar.“

Und weiter: „Die Generation, die nach bestem Wissen und Gewissen den Wohlstand erarbeitet hat, von dem wir jetzt profitieren, auf diese Weise pauschal zu verurteilen, ist geschmacklos und ein Skandal.“ Der Intendant des Senders habe dafür die Verantwortung zu tragen.

Widmann weiter: „Wenn ich an meine Oma denke: Die hat sich gar nichts gegönnt, sparsamst gelebt, sieben Kinder alleine groß gezogen, nachdem ihr Mann im Krieg gefallen war und ist auch nie in den Urlaub gefahren.“ Sie sei aber bestimmt kein Einzelfall gewesen. In Deutschland wäre es vielen Familien so ergangen.

„Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ist es, möglichst neutral und wahrheitsgemäß zu berichten, die Bevölkerung zu informieren und natürlich auch zu unterhalten. Das schließt satirische Beiträge natürlich mit ein. Satire soll zum Nachdenken anregen und auch provozieren. Sie darf aber nicht beleidigen, pauschal verurteilen, spalten oder hetzen.“

Die Kinderlied-Parodie des WDR habe ganz eindeutig diese Grenze bei Weitem überschritten. „Vor dem Hintergrund einer aufgeheizten Klima-Debatte hätte klar sein müssen, was so ein Beitrag für eine Wirkung erzielt“, so Widmann. Der Vorfall zeige, dass viele Journalisten in öffentlich-rechtlichen Sendern mittlerweile ihr eigenes Weltbild transportieren würden und vergessen hätten, was ihr eigentlicher Auftrag sei: „Rundfunkanstalten sollen die Bürger auf Basis von Fakten informieren und die Menschen in diesem Land in die Lage versetzen, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Eine ganze Generation pauschal als Umweltsäue zu beschimpfen, gehört nicht zu diesem Auftrag und muss Konsequenzen haben.“

Als Rundfunkrätin des Bayerischen Rundfunks werde sie penibel darauf achten, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Bayern seine eigentlichen Aufgaben nicht vergesse, so Widmann. Die Freien Wähler würden sich zudem dafür einsetzen, dass die Herausforderungen der Zukunft, vor allem auch die des Klimawandels, gemeinsam von der Gesellschaft angepackt und gemeistert werden. „Für eine erfolgreiche Zukunft müssen wir zusammenhalten. Jeder muss sich überlegen, welchen Beitrag er dafür leisten kann.“