Home Bürgerbriefe Innenminister beschliessen größere Evakuierungszonen

Innenminister beschliessen größere Evakuierungszonen

Es kursieren Gerüchte, dass einige Fachleute in der internationalen Atomenergie-Kommission einen weiteren Supergau eines Atomreaktors innerhalb der nächsten 25 Jahre für wahrscheinlich halten!  Wieso ? In einigen Uraltreaktoren verschiedener Länder sind bereits Mikrorisse in den Reaktordruckbehältern festgestellt worden!  Was machen die verschiedenen Regierungen,  anstatt die Stilllegung dieser Schrottreaktoren zu veranlassen, wurden Laufzeitverlängerungen auf Druck der Betreiber ausgesprochen.

Zur Erinnerung: Durch den Reaktorunfall in Tschernobyl wurde ein Gebiet von über 300.000 Quadratkilometer verseucht. In diesem Gebiet lebten aber nur knapp 200.000 Menschen!  Zum Vergleich Deutschland hat ein Gebiet von rund 360.000 Quadratkilometer und in diesem Gebiet leben über 80.000.000 Menschen.

Lesen Sie bitte den Bericht von „ausgestrahlt“, was unsere Innenminister dazu beschlossen haben …

Neue Fluchtpläne

Innenminister beschließen größere Evakuierungszonen. Die zumutbare Dosis bleibt fünfmal so hoch wie in Japan !

Rundbrief 25  –  2014  –  www.ausgestrahlt.de

Evakuieren! Wie war nochmal der Plan?  Die Landkreise im Umkreis von AKW müssen ihre Katastrophenschutzpläne drastisch überarbeiten. Mehr als drei Jahre nach Fukushima haben die Innenminister im Juni beschlossen, die Evakuierungszonen rings um die AKW von zehn auf 20 Kilometer zu erweitern. Noch bis in 100 Kilometer Entfernung vom AKW soll die Bevölkerung per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert werden, sich im Ernstfall tagelang im Haus zu verkriechen. Die Minister folgten damit entsprechenden Empfehlungen der Strahlenschutzkommission (SSK). ausgestrahlt hatte deren Überlegungen im Herbst 2013 öffentlich gemacht und die Politik damit unter Druck gesetzt.

Doch auch die von der SSK als Konsequenz aus Fukushima nun empfohlenen Evakuierungsradien sind noch zu klein: Das Bundesamt für Strahlenschutz etwa hielt bei einer Simulation eines Unfalls im AKW Pilippsburg mit realen Wetterdaten schon eine Evakuierungszone von 25 Kilometer für nötig – und das, obwohl es bei der Rechnung davon ausgegangen war, dass lediglich zehn Prozent des radioaktiven Inventars des AKW überhaupt freigesetzt worden seien.

Die SSK blieb zudem dabei, dass Evakuierungen erst dann erfolgen sollen, wenn mit einer Belastung von 100 Millisievert (mSv) binnen sieben Tagen zu rechnen ist. In Japan galt beim Super-GAU von Fukushima demgegenüber ein Eingreifwert von 20 mSv; nach dem Super-GAU von Tschernobyl 1986 wurde bereits ab 10 mSv evakuiert. Die Innenminister und die Strahlenschutzkommission nehmen also Zigtausende Strahlenopfer mehr in Kauf als Japan oder die Sowjetunion.

Auch bei anderen Annahmen trickst die SSK. So geht sie davon aus, dass bereits nach nur 50 Stunden keine Radioaktivität mehr aus dem havarierten Meiler entweicht – eine Annahme wider besseren Wissens:  In Tschernobyl etwa hielten die Freisetzungen elf Tage an, in Fukushima sogar 25.

Abgesenkt haben SSK und Innenminister lediglich den Eingreifwert für die langfristige Umsiedlung: Die soll künftig nicht erst ab einer zu erwartenden Jahresdosis von 100 mSv, sondern schon ab 50 mSv erfolgen – immer noch zweieinhalb mal so viel wie die in Japan geltenden 20 mSv. Bei japanischen Grenzwerten, so das Bundesamt für Strahlenschutz, würden selbst Gebiete in 170 Kilometer Entfernung vom AKW noch dauerhaft unbewohnbar.

Und selbst den japanischen Grenzwert sehen viele StrahlenschützerInnen noch als zu gefährlich an. Denn immerhin erkennt sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO inzwischen an, dass es keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen Strahlung gesundheitlich unbedenklich wäre.