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IN DER REGION VERHAFTET, FÜR DIE ZUKUNFT GEWAPPNET — Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besucht Lederfabrik Kilger

In der Region verhaftet, für die Zukunft gewappnet

Traditionsunternehmen auf dem Sprung in die Zukunft: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besucht Lederfabrik Kilger

 

Landshut / Viechtach. In der Lederfabrik Kilger verbinden sich Tradition und Moderne. Anton Kilger liefert in seinem Unternehmen in Viechtach das Leder für hochwertige Schuhe, Sättel und Trensen für den Reitsport. Sein Sohn Michael ist inzwischen auch in das Unternehmen eingestiegen und stellt unter dem Label “MK Ledermanufaktur” hochwertige Gürtel, Taschen und Accessoires in Handarbeit her.  Der Rohstoff dafür kommt komplett aus dem 160 Jahre alten Betrieb. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich hat das Unternehmen, das 15 Mitarbeiter beschäftigt, besucht: „Ich wollte diese traditionsreiche Firma mit innovativen Ansätzen unbedingt kennen lernen”, so der Bezirkstagspräsident.

 

Seit 1856 wird in dem Betrieb in Viechtach Leder gegerbt, stellte Firmenchef Anton Kilger dem Bezirkstagspräsidenten sein Unternehmen vor. Die alten Mauern der Gerberei sind inzwischen modernen Räumlichkeiten gewichen. Die Tradition aber ist im Gerberstüberl, dem Aufenthaltsraum, bestehen geblieben: Hier besteht zum Beispiel der Boden aus alten Gerberfässern. Die Kilgers gehen in Viechtach einem uralten Handwerk nach. „Doch das Gerben ist auf dem Rückzug. 1960 gab es noch rund 700 Gerbereien in Deutschland – jetzt sind es noch um die 20. Das liegt an dem schwierigen Umgang mit Chemikalien”, erklärte Anton Kilger.

 

Dieses Problem gebe es bei ihm im Betrieb nicht. Denn der Prozess von der rohen Kuhhaut hin zum Leder geschieht in Viechtach ausschließlich durch den Einsatz von natürlichen Stoffen: Rinden und Holzextrakte wie Eichenrinde und Kastanienholzextrakt werden verwendet. Der Gerbprozess mit natürlichen Stoffen wird vegetabile Grubengerbung genannt. Durch die langsame und schonende Grubengerbung von bis zu zehn Wochen und aufgrund der sehr guten Rohmaterialien von süddeutschen Kühen sei es möglich, auf nachhaltige und umweltbewusste Weise Leder von höchster Qualität zu produzieren. „In letzter Zeit wird viel für Bio-Leder geworben. Wir stellen dieses schon immer her”, so Juniorchef Michael Kilger.

 

Die Firma kaufe vor allem die Haut von Simmentaler Rindern, also den Tieren aus Süddeutschland. Diese sei eigentlich Abfallprodukt: „Wegen uns stirbt kein Tier”, erklärte Michael Kilger. Verwendet wird quasi nur die Haut von glücklichen Kühen: „Das Leder, das wir brauchen, muss eine gewisse Dicke haben. Deshalb kaufen wir die Haut von Rindern, die im Sommer draußen auf der Weide und im Winter drinnen im Stall sind. Durch die Außenhaltung wird deren Haut ganz einfach dicker.” Diese Haut wird von einem externen Betrieb entfleischt und enthaart, so dass dieser aufwändige Produktionsschritt für das Viechtacher Unternehmen wegfällt: „Wir hätten sonst eine immens teure Kläranlage errichten müssen, da dieser Arbeitsschritt unglaublich viel Wasser erfordert.” In Viechtach kommt das Leder in die Gerbgrube, wird per Hand jeden Tag bewegt, um eine gleichmäßige Gerbung zu erreichen, und dann ebenfalls in Handarbeit weiter behandelt. „Wir sehen erst nach der Gerbung die Qualität. Dann werden zum Beispiel Narben auf der Haut sichtbar und wir müssen dann entscheiden, was wir mit dem Material herstellen wollen”, so Michael Kilger.

 

Der Vater beliefert vor allem den Reitsport mit Englisch- und Westernsättel sowie edlen Trensen: „Wir haben eine Exportquote von 70 Prozent”, so Anton Kilger. Die Firma berge auch einige Nischenprodukte – so wird zum Beispiel Leder für Cricket-Bälle gegerbt und rot eingefärbt, bevor es an den Verarbeiter geliefert wird. Auch die Nachfrage nach den Ledergürteln seines Sohnes Michael, der nach einem Marketingstudium eigentlich Quereinsteiger ins Unternehmen ist, sei im Ausland groß: „Die Asiaten liefern die Billigprodukte zu uns, wollen aber selber Hochwertiges.” Mit Hilfe mehrerer Ledernähmaschinen, darunter ein Modell, das fast 100 Jahre alt ist, fertigt Michael Kilger seine Mode mit der Hand. Besonderheit sind zum Beispiel bunte Nähte an den Gürteln, die er mit einem Pinsel einfärbt. Die Produkte haben eine lebenslange Garantie: „Sie gehen nicht kaputt.” Das Geschäft laufe sehr gut: „Ich schaffe diesen Betriebszweig nicht mehr allein, ich muss jemanden einstellen”, erzählt der Junior.

Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich zeigte sich nach dem Unternehmergespräch und einem ausführlichen Betriebsrundgang beeindruckt: „Ich finde es faszinierend, wie hier der Spagat in die Zukunft gemeistert worden ist. Dass die Firma nun in der sechsten Generation weiter geführt wird, finde ich großartig. Ich bin stolz auf unsere innovativen Unternehmer in Niederbayern. Dieser Betrieb zählt unbedingt dazu, und ich freue mich über so viel Beständigkeit, aber auch moderne Schaffenskraft.” Unter anderem von den Gürteln aus Viechtach war der Besucher so angetan, dass er sich nach seinem Besuch einen Gürtel aus Viechtach gewünscht hat – ein Wunsch, den ihm seine Schwiegereltern als nachträgliches Geburtstagsgeschenk erfüllt haben.

 

– eb –

 

Bildunterschriften:

 

Anton (links) und Michael Kilger (Mitte) zeigen dem Bezirkstagspräsidenten Dr. Olaf Heinrich die hochwertigen Sättel, die von Viechtach aus zu 70 Prozent ins Ausland exportiert werden

 

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (rechst) informiert sich bei Juniorchef Michael Kilger (Mitte) und einem Mitarbeiter über die Handarbeit im Betrieb