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HANS-DIETRICH GENSCHER, „EIN MACHTPOLITIKER UND BEGEISTERNDER WITZEERZÄHLER“

Bildtext von links: Autorin Bettina Schaefer, Alexandra Straßberger, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

 

HANS-DIETRICH GENSCHER, „EIN MACHTPOLITIKER UND BEGEISTERNDER  WITZEERZÄHLER“

„Genscher: Man muss mit den Menschen reden, auch mit der Faust in der Tasche.“ Er war ein absoluter Machtpolitiker, der auch Macht ausüben wollte“

 

Liberale Frauen Niederbayern luden zusammen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung bzw. Thomas-Dehler-Stiftung zum ersten „Liberalen Salon“ im Kleinen Theater Landshut zum Thema „Mensch Genscher“ ein. Die Autorin Bettina Schaefer stellte ihr Buch mit gleichem Titel vor. Der “Liberale Salon” ist in Zukunft eine ständige Einrichtung der Liberalen Frauen.

Hans Dietrich Genscher war ein deutscher Politiker, der am 21. März 1927 in Reideburg/Saalkreis geboren wurde. 1946 trat er in die Liberal Demokratische Partei (LDPD) ein. Genscher verlässt im Jahre 1952 die DDR und siedelt in die Bundesrepublik nach Bremen über. Er tritt in die Freie Demokratische Partei (FDP) ein.

Genscher war insgesamt 23 Jahre lang unter den Kanzlern Willi Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl Bundesminister und Vizekanzler. Als Außenminister setzte er sich für eine Entspannung des Verhältnisses mit der UdSSR, für ein Zusammenwachsen der Europäischen Gemeinschaft sowie für die Wiedervereinigung Deutschlands ein.

 

In ihrem Buch „Mensch Genscher“ wies Bettina Schaefer (Bild) darauf hin, wie wichtig Genschers Leben und Wirken in der Deutschen Außenpolitik war. Mit Beiträgen von Barbara Genscher, Michail Gorbatschow (die Autorin hat ihn in Moskau besucht und interviewt und wurde dort von „Gorbi“ herzlich empfangen), James Baker, Klaus Kinkel, Alexander Graf Lambsdorff, Friede Springer und vielen anderen beschrieb Schaefer, sein nicht nur politisches Leben. Ihr Buch wirft einen detaillierten Blick auf den großen Außenpolitiker Hans-Dietrich Genscher und zeigt erneut, wie wichtig sein Leben und Wirken in der deutschen Außenpolitik war und welch große Rolle er bei der Deutschen Einheit spielte.

 

Bettina Schaefer, Autorin des Buches „Mensch Genscher“, las Sequenzen aus ihrem verfassten Buch vor. Basierend darauf diskutierte man in einem Podiumsgespräch, hervorragend moderiert von der Vorsitzenden der Liberalen Frauen Alexandra Straßberger, mit ihr und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der Bayerischen FDP-Politikerin und langen Weggefährtin von Hans Dietrich Genscher.

Für Leutheusser-Schnarrenberger war Hans-Dietrich Genscher ein Politiker mit viel Charme und Humanität, dennoch konnte er seinen Machthunger nicht verbergen. Genscher habe eine Entwicklung genommen, die keiner erwartet hat, denn auf der Beliebtheitsskala, war er nun nicht gerade ganz oben angesiedelt. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, wo ihm das politische Kunststück gelungen war, nämlich das Umfeld so zu bereiten, dass es zur Deutschen Einheit kommen konnte. Leutheusser Schnarrenberger habe Genscher, als sie 1990 gerade mit Ach und Krach, wie sie es beschrieb, in den gesamtdeutschen Bundestag einzog, als ihren Mentor erlebt. Als Außenminister war Genscher natürlich etwas entrückt und stand auf einem anderen Podest. Er war mit den Vertragsverhandlungen, über den  Nachbarschaftsvertrag und den Verhandlungen zwei plus vier voll absorbiert. Leutheusser-Schnarrenberger kann sich sehr gut daran erinnern, wie er sich bei den Gesprächen bei diesen Verhandlungen sehr zu Wort gemeldet hat, besonders bei den Grundrechten, wenn es um Eigentumsrechte ging. Als Justizministerin wurde Schnarrenberger von Genscher stark unterstützt.

Genscher war ein absoluter Machtpolitiker, der auch Macht ausüben wollte und natürlich nicht immer auf jede Interessensgruppe Rücksicht nehmen konnte. Deshalb war es nicht immer gemütlich, wenn man mit ihm zusammensaß. Er wäre ein Mensch gewesen, der auch gerne getwittert, gepostet und alle Möglichkeiten der medialen Welt ausgeschöpft hätte, wenn er die Möglichkeit damals schon gehabt hätte. Er beherrschte trotzdem die Medien. Die Außenminister vieler Länder, gingen bei Genscher ein und aus. Sie wollten sich immer einen guten Rat bei ihm abholen. Kommunikation war ein absolutes Muss für ihn. Der Draht nach Moskau (Gorbatschow), und Amerika (Baker) war ihm in der Nachwendezeit besonders wichtig. „Man muss mit den Menschen reden, auch mit der Faust in der Tasche”, war Genschers Credo. Genscher war Meister, indem er versuchte, über nicht nur rein politische Themen Zugang zu Leuten zu finden, so dass er schnell eine seelische Wellenlänge entwickeln konnte, wie es bei Gorbatschow der Fall war.

Genscher schuf die ersten Grundlagen für den Umweltschutz. Leutheusser-Schnarrenberger sei sich absolut sicher, dass sich gleich bei Beginn der Aktion Fridays for Future, Genscher mit den Aktionisten in Verbindung gesetzt hätte, um mit ihnen über das Problem der Klimaveränderungen zu reden. Er hätte sicher nicht alles geteilt mit den Aktionisten, denn er war sich bewusst, dass man nicht mit dem Kopf durch die Wand kann. Dennoch hätte er alles getan, um daraus eine eigene FDP-Position zu entwickeln und Ökologie und Ökonomie zusammen zu bringen.

Die Moderatorin der Diskussionsrunde Alexandra Straßberger verlangte zum Schluss der Runde von der Politikerin Leutheusser-Schnarrenberger eine Antwort darauf, wie die frühere Umweltpartei FDP in Zukunft die Fragen in der Umweltproblematik behandeln wird, um die nicht gerade berauschenden Zahlen der Partei wieder etwas zu heben. Auf diese Frage hin, gab es ein verhaltenes Gelächter im Theatersaal. „Es wäre natürlich für den 15. März 2020 für die Kommunalwahlen in Bayern der Knüller, wenn ich eine Antwort darauf hätte“, so das FDP-Mitglied. Sie wies darauf hin, dass man ein Themenfeld nicht wieder besetzen sollte, wenn es mit der Partei nicht verbunden wird.

Anmerkung zum Politiker Hans-Dietrich Genscher:

Er war nicht nur ein machtvoller und potentieller Politiker sondern ein sehr geselliger Mensch, der gerne Gäste in sein Haus an einen langen Tisch einlud. Er liebte es dabei Witze zu erzählen und das konnte er genau so gut wie Politik zu betreiben. Nicht nur eine, sondern meist zwei Stunden gab er Witze zum Besten. Genscher liebte es auch geehrt zu werden. Gern nahm er auch in der närrischen Zeit die diversesten Orden und Ausstattungen entgegen, denn er wusste, dass man sich in der öffentlichen Gesellschaft Popularität ergattern kann.

 

-hjl-

 

Fotos: h.j.lodermeier