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Glauber, Schreyer und Weigert:

Flächensparen gezielt voranbringen

Vier Gütesiegel an “Flächenbewusste Kommunen” verliehen


Mit dem staatlichen Gütesiegel “Flächenbewusste Kommune” schafft der Freistaat Anreize für Kommunen, das Thema Flächensparen zielgerichtet voranzubringen. Die Preisträger erhalten das Gütesiegel für ein aktives Flächenmanagement und innovative Ansätze und Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs. Das betonten Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber,Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer und Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert anlässlich der Auszeichnung von vier Preisträgern mit dem Gütesiegel. Glauber: “Boden ist nicht vermehrbar, daher ist der Schutz von Böden und Flächen wichtiger denn je. Böden sind bedeutend für unsere Ökosysteme, sie speichern CO2 und Wasser und sind die Grundlage für Biodiversität. Flächensparen bedeutet, fruchtbaren und kostbaren Boden zu erhalten und unsere einzigartigen Landschaften zu schützen. In Partnerschaft mit den Kommunen wollen wir den Flächenverbrauch in Bayern deutlich senken. Flächenschutz geht nur gemeinsam. Gleichzeitig gilt: Die Kommunen sollen weiterhin Entwicklungschancen nutzen und dabei Flächenressourcen schonen. Wir brauchen intelligente Lösungen zur besseren Flächennutzung, etwa durch Entsiegelung, Flächenrecycling und die Belebung von Ortskernen. Die ausgezeichneten Kommunen zeigen mit ihren Ideen, wie es geht.”

 Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer: “Als Bauministerin ist es mir besonders wichtig, dass die Menschen überall in Bayern leben können. Wohnraum für alle zu schaffen ist die soziale Frage der Zukunft. Dabei müssen wir das große Thema Flächensparen klug mitdenken. Mein Haus kümmert sich seit Jahren sehr intensiv um die Fragestellung Flächensparen und setzt auf qualitätsvolles Wachstum. Flächenverbrauch zu reduzieren und neuen Wohnraum zu schaffen, muss sich nicht ausschließen. Wohnraum ist gerade in ländlichen Gebieten oft bereits da oder durch Umnutzung von Leerstand flächenschonend möglich. Qualitätsvolles Wachstum im Sinne des Flächensparens heißt auch, dichter, höher und ökologischer zu bauen! Das Bauministerium unterstützt die Kommunen bei Ihren Bemühungen insbesondere im Rahmen der Städtebauförderung. Es freut mich daher sehr, dass drei der Preisträger mit Mitteln der Städtebauförderung unterstützt werden.”

 Wirtschaftsstaatssekretär Weigert unterstrich: “Mit der 2019 durch Staatsminister Aiwanger initiierten, ressortübergreifenden Flächensparoffensive der Bayerischen Staatsregierung haben wir ein deutliches Signal gesetzt. Wir möchten unsere Heimat aktiv schützen, um kommenden Generationen Entwicklungsspielräume und ein lebenswertes Umfeld zu sichern. Für eine nachhaltige Zukunft des Freistaats müssen zentrale Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel, Energiewende, Wirtschaftsentwicklung, Wohnraumnachfrage und Flächensparen gemeinsam gedacht werden. Ein wichtiger Stellhebel hierfür ist die Innenentwicklung. Den Kommunen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie kennen die konkrete Situation vor Ort und können im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern das Bewusstsein sowie die notwendige Akzeptanz für das Thema Flächensparen schaffen. Die Preisträger des Gütesiegels ‘Flächenbewusste Kommune’ zeigen dabei herausragende Eigeninitiative und sind Vorbilder für andere Kommunen.” 
Die Preisträger sind: 
Markt Wolnzach, Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm,
Oberbayern:
 Mit einem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) wurde im Markt Wolnzach 2017 ein Prozess angestoßen, der zu einem ganzheitlichen Umdenken im Umgang mit Grund und Boden geführt hat. Leerstand, Verdichtung und Flächenressourcen bilden ein eigenes Handlungsfeld, mit dem Ziel der optimalen Nutzung von Flächenressourcen. Die Bürger sind dabei in die Prozesse intensiv eingebunden. Auf der Grundlage des Ergebnisses eines städtebaulichen Realisierungswettbewerbs wird ein innerörtliches Gewerbegebiet höherwertig zu einem Wohnquartier umgewandelt. In einem ursprünglich geplanten reinen Einfamilienhausgebiet am Ortsrand entstehen jetzt unterschiedliche Gebäudetypen mit einem Wohnungsangebot für alle Lebenslagen.

 Gemeinde Kirchanschöring, Landkreis Traunstein, Oberbayern:

 Die Gemeinde Kirchanschöring betreibt in vorbildlicher Weise ein aktives Flächenmanagement. Mit dem Aufbau einer Flächenmanagement-Datenbank erhält sie einen guten Überblick über die Baulücken, untergenutzte Flächen und Althofstellen. Kirchanschöring setzt auf Information und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung, beispielsweise mit der Internetplattform “Suchst du noch oder wohnst du schon?” zur Vernetzung von Interessenten für Baugemeinschaften. Die Bewohner von Kirchanschöring werden aktiv eingebunden. Mit dem “Haus der Begegnung” konnten durch die gemeindeeigene Wohnbaugesellschaft zwei Leerstände in der Ortsmitte aktiviert werden. Dadurch konnten barrierefreie Wohnungen für Senioren, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft inklusive eines Gemeinschaftsraums und eine Praxis für einen Allgemeinarzt eingerichtet werden.

 Stadt Ludwigsstadt, Landkreis Kronach, Oberfranken:

 Ludwigsstadt erlebt seit der Wiedervereinigung einen wesentlichen Strukturwandel mit einem Bevölkerungsrückgang um rund 20 Prozent. Um die knappen Flächenressourcen sparsam zu verwenden, bedurfte es einer strategischen Ausrichtung der Stadtentwicklung. Aufbauend auf ein Interkommunales Städtebauliches Entwicklungskonzept wurden vorbereitende Untersuchungen zur Stadtsanierung für den Ortsteil Lauenstein und den Stadtkern Ludwigsstadt durchgeführt und in weiteren Konzepten (u.a. Einzelhandels- und Versorgungskonzept) weiter vertieft. Die Stadt Ludwigsstadt betreibt ein aktives Leerstands- und Bauflächenmanagement. Hierzu werden systematisch Leerstände und Baulücken erfasst. Ein kommunales Förderprogramm unterstützt Investitionen von Privateigentümern in Bestandsgebäude. Die Stadt Ludwigsstadt selbst hat mehr als ein Dutzend sogenannte Schrottimmobilien erworben und beseitigt.

 Allianz Oberes Werntal (10 Gemeinden, davon 9 im Landkreis Schweinfurt, Gemeinde Oerlenbach im Landkreis Bad Kissingen) Unterfranken:
 In der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal arbeiten seit fast zwei Jahrzehnten zehn Gemeinden erfolgreich zusammen. Die Oerlenbacher Erklärung etwa mit dem Bekenntnis zum Flächenmanagement und zur Innenentwicklung ist ein Leitbild der Allianz und Vorbild für ähnliche Projekte. In der Bauhütte Obbach wurden Abriss, Sanierung und Neubau modellhaft erprobt. Mit dem Modellprojekt “Flächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit” (FLIZ) wurden erstmals alle Baulandpotenziale erfasst, Eigentümer angesprochen und eine Flächenmanagement-Datenbank entwickelt. Diese ist der Vorläufer der Flächenmanagement-Datenbank des Landesamts für Umwelt, die allen Kommunen in Bayern kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Ein großer Teil der erfassten Innenentwicklungspotenziale sind mittlerweile wieder genutzt, 50 Hektar Neuausweisungen im Außenbereich wurden vermieden.
  Mit dem staatlichen Gütesiegel “Flächenbewusste Kommune” werden vorbildliche Kommunen ausgezeichnet. Voraussetzung für die Verleihung des Gütesiegels ist das Vorhandensein eines aktiven Flächenmanagements sowie die Umsetzung von innovativen Ansätzen und Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs. Dazu zählen beispielsweise der Ankauf von innerörtlichen Grundstücken, die Rücknahme von Bauflächen, die Renaturierung und Aufwertung von Ortskernen sowie weitere Maßnahmen zur Umsetzung des Grundsatzes Innen- vor Außenentwicklung. Auch kommunale Grundstücks- und Leerstandsbörsen mit kostenlosen Sanierungsberatungen sind ein gutes Instrument zum Flächensparen. Ein bewährtes Hilfsmittel für Kommunen zur Erfassung, Bewertung und Aktivierung von innerörtlichen Flächen ist die Flächenmanagement-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Mit der Datenbank unterstützt der Freistaat Kommunen dabei, ungenutzte Flächen wieder zu nutzen. Regelmäßig wird sie auch im Rahmen der Dorferneuerung und integrierten ländlichen Entwicklung eingesetzt.

 Der Flächenverbrauch in Bayern liegt aktuell bei 11,6 Hektar pro Tag. Erfasst werden dabei Siedlungs- und Verkehrsflächen. Nur rund 50 Prozent davon sind tatsächlich versiegelt. Weitere Informationen unter www.flaechensparen.bayern.de.
© Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz – www.stmuv.bayern.de
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