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GEMEINSAME GESCHICHTE ERSPÜRT — Jahresfahrt des Bayerischen Cimbernkuratoriums führte in die Karnischen Sprachinseln

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Gemeinsame Geschichte wurde erspürt.

Jahresfahrt des Bayerischen Cimbernkuratoriums führte in die Karnischen Sprachinseln.

Landshut/München. Von Velden über Landshut, München und die Brennerautobahn, Brixen und das Pustertal, Bruneck, Innichen, Sexten und über den Kreuzbergpass führte die Jahresfahrt des Bayerischen Cimbernkuratoriums zum ersten Aufenthalt nach Plodn, italienisch Sappada in der  Provinz Belluno. Herzlich empfangen wurde die 50-köpfige Busreisegruppe von Max Pachner, dem Koordinator der oberitalienischen 15 deutschen Sprachinseln. Der außergewöhnlich freundschaftliche Empfang auf dem Marktplatz wurde von den “Holzhockar” einer 20-köpfigen Trachten-und Folkloregruppe musikalisch und mit Tanzeinlagen umrahmt.

Kuratoriums-Vorsitzender Jakob Oßner mit Stellvertreterin Christine Fischer bei der Begrüßung durch die Mitglieder der Volkstumsgruppe “Holzhockar” in Plodn

Bereits bei der Begrüßung im Bus bei Antritt der 6-stündigen Anreise kündigte Vorsitzender Jakob Oßner an, dass die Cimbernjahresfahrt ein ganz besondere geschichtliches Zeitreise in die Vergangenheit von Baiern, bairischen Einwanderer und Österreichern der Habsburger Monarchie werden wird, da mit Dr. Reinhard Bauer und Dr. Jörg Ruthroff zwei hochkarätige Geschichtsforscher die Fahrt bereits bei der Hinreise im Bus fachkundig kommentieren werden.

Mit dem Amtsantritt Arnulf I., Herzog von Baiern im Jahre 907 beginnt das jüngere bairische Stammesherzogtum, das zwischen 952 und 976 seine größte Ausdehnung erreichte. Auf dem Reichstag zu Augsburg (952) wurde Baiern das langobardische Herzogtum Friaul samt der Hauptstadt Cividale, sowie die Markgrafschaften Verona, Istrien und Aquileia zugesprochen.

Besonders erfreut zeigte sich Oßner über die Fahrtteilnahme von stv. Landrat Alfons Satzl und den Altbürgermeistern Josef Nagl und Franz Xaver Gallecker. Bereits bei der Hinreise dankte Oßner seiner Stellvertreterin Christine Fischer für die akribische Vorbereitung der Jahresfahrt in die  deutschen Sprachinseln der italienischen autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien.

Viel zu früh für die Reisegruppe musste nach den Tanzeinlagen u.a. mit Schuhplattlern und Sternpolka der “Holzhockar” zur Besichtigung des malerischen Ortes, der von einem Kranz von hohen Berggipfeln eingerahmt ist und heute für Möglichkeiten für Winter-und Sommersportarten bietet, aufbrechen. Ortsteile von Plodn sind  ein bewohntes Museum und zeugen von einer reichen kulturellen Vergangenheit aus der Habsburger Zeit. Max Pachner erklärte in Bairisch ähnlichem Plodnerischem Dialekt die Geschichte des Ortes nahe der Piave-Quelle. Nach dem Mittagessen in Plodn wurde das Sporthotel Carnia bei Tolmezzo angesteuert welches für 3 Nächte Unterkunft bot.

Koordinator Max Ploder erkklärte in Bairisch-Plodnerischem Dialekt die Geschichte des Ortes Plodn nahe der Piave-Quelle

Am zweiten Tag stand der Besuch der fast 1400 m hoch gelegenen und 400 Einwohner zählende Gemeinde Zahre, ital. Sauris auf dem Programm. Die Auffahrt durch kilometerlange in Felsen gehauene Tunnels abverlangte gute Nerven der Fahrtteilnehmer und das ganze Können des Busfahrers. Das es hier oben eine große hochmoderne Fa. mit hochwertiger Schinkenproduktion gibt überraschte die Gäste. Natürlich gab es eine Kostprobe und von der Einkaufsmöglichkeit wurde reger Gebrauch gemacht. Am Nachmittag wurde Tischlbong, ital. Timau angesteuert. Der Ort liegt auf 820 m Höhe am Tal des Flusses Büt in Karnien am Fuße einer majestätischen Bergwand. Der Fluss wird größtenteils von der Quelle des Fontanone gespeist. Die Besiedelung erfolgte vom Gailtal und von Wissensee her in zwei Phasen, die erste um 1000, die zweite gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Von da her rührt auch die enge Verwandschaft mit der südbairischen und kärtnerischen Sprache. Der Auftritt der Brauchtumsgruppe “Da Jutalan” war ein weiterer kultureller Höhepunkt. Der nach dem zweiten Weltkrieg von den Dorfbewohnern in Eigenleistung erbaute großartige Dom zeugt von einer tiefen religiösen Tradition.  Am dritten Besuchstag stand bei wolkenlosem Himmel die Stadtrundfahrt mit Führung in der malerischen Habsburger Hafenstadt Triest mit San Giusto und die Besichtigung des Parks von  Erzherzog Maximilian erbaute Königsschloss Miramare  auf dem Programm.

 

Schloß Mira Mare – erbaut von Erzherzog Ferdinand Maximilian

Am letzten Besuchstag gab es viele nachdenkliche Gesichter bei der Ortsführung durch Gemona und Venzone. Am 06. Mai und am 08. September 1976 bebte die Erde zweimal im Friaul. Es starben dabei 1000 Menschen in den beiden Orten. Insgesamt waren 90 000 Menschen in der Gegend danach obdachlos. Eine gestartete gemeinsame Hilfsaktion in den europäischen Staaten und Italiens ermöglichte den außerordentlich gelungenen Wiederaufbau. Der herrliche Dom von Venzone und das historische Stadtzentrum mit den malerischen Gassen wurde originalgetreu wieder aufgebaut.

 

Der wiederaufgebaute Dom von VENZONE

Alle Fahrtteilnehmer waren sich bei der Ankunft um Mitternacht in der Heimat einig, eine besonders geschichtlich lehrreiche und spannende, aber auch durch viele lustige Beiträge der Fahrtteilnehmer aufgelockerte 4-Tages-Cimbernjahresfahrt erlebt zu haben.

 

 

Jakob Oßner

 

Fotos: Lodermeier