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“GELLENDES PFEIFKONZERT VOR ST. MARTIN” — Leserbrief von Dr. Thomas Haslinger — Ein weniger schönes Ereignis in der Altstadt

Leserbrief zum Bericht „gellendes Pfeifkonzert vor St. Martin“ vom 19.06.2017 in der Landshuter Zeitung

 

Neben einer tollen Eröffnungsveranstaltung der Neustadt gab es am Samstag auch ein weniger schönes Ereignis in der Altstadt – eine Parteikundgebung samt Gegendemonstration.

Bei allem was ich bis heute beobachtet habe, halte ich die AfD inhaltlich als auch in der Wortwahl für eine rückwärtsgewandte, populistische Partei, die ihren Erfolg nicht zuletzt darauf gründet, den Menschen Angst vor der Zukunft zu machen. Ihre Wähler pauschal als rechtsextrem oder demokratiefeindlich zu verunglimpfen greift aber meines Erachtens zu kurz. Viele fühlen sich durch den Linksruck der konservativen Parteien in der letzten Dekade heimatlos und verfallen nun den scheinbar einfachen Lösungen von Demagogen in einer immer komplexer werdenden Welt.

Ich war in Landshut selbst vor Ort, um mir ein eigenes Bild zu machen. Meine Eindrücke möchte ich gerne der Öffentlichkeit schildern: Unabhängig davon, was man von der betreffenden Partei oder den agierenden Personen hält, müssen rechtsstaatliche Grundsätze befolgt werden. Ich habe kein Problem mit Gegendemonstrationen, Lichterketten oder Gegenkundgebungen an anderer Stelle. Einige Gegendemonstranten in Landshut verhinderten jedoch, anders als in der Berichterstattung dargestellt, die ordnungsgemäße Durchführung der Kundgebung durch massiven Lärm. So war es bis auf einzelne Sätze oder Aussprüche gar nicht möglich die Inhalte der Partei vor Ort zu hören und zu bewerten.

Zwei Dinge möchte ich hierzu anmerken: Erstens ist das Recht auf Versammlungs- und Redefreiheit in einer Demokratie nicht nur das eigene Grundrecht – es ist auch das Grundrecht von Andersdenkenden, so schwer es im Einzelfall zu ertragen ist. Dieses Recht haben einige Gegendemonstranten durch ihr Verhalten missachtet.

Zweitens war der Lärm der Trillerpfeifen und Trommeln in meinen Augen extrem laut und kaum zu ertragen, was nicht zuletzt die Tatsache untermauert, dass sich etliche Gegendemonstranten mit Gehörschutz präpariert hatten, während sie Polizeikräften und unbeteiligten Bürgern ins Ohr bliesen. Ich bin gespannt, was die Lärmschutzmessungen des Ordnungsamtes ergeben haben, die sonst bei jedem Verstoß gegen die Musiklautstärke in der Altstadt erfolgen. Auch die Martinskirche als Wahrzeichen unserer Stadt und die Art und Weise der Absperrung waren suboptimal gewählt. Mehrere Geschäftsleute und Bürger haben sich bereits zu Recht über den Ablauf am Samstag beschwert.

Landshut ist schöne und lebenswert. Mein Fazit – ich will als Landshuter Bürger solche Szenen wie am Samstag nicht mehr erleben. Solche Veranstaltungen und Verhältnisse sind unserer Stadt nicht zuträglich, vor allem wenn sie völlig Unbeteiligte schädigen.

Die Gegendemonstration war ein Selbstzweck und diente ausschließlich der Verhinderung der Kundgebung durch Lautstärke und Lärm. Und durch dieses Verhalten hat auch die AfD ihr Ziel erreicht – Aufsehen zu erregen und in die Opferrolle geschoben zu werden. Damit konnten beide Seiten – Populisten und Chaoten zufrieden sein – leidtragend war die überwältigende Zahl der Bürger, Besucher sowie die Geschäftsinhaber, die ihrer Arbeit nachgehen oder einfach einen schönen sonnigen Tag in der Einkaufsstadt Landshut genießen wollten.

 

Foto: Lodermeier