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Fukushima und die Folgen

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18.11.12 www.heute.de/ZDF/zdfportal/web/heute-Nachrichten/4672/25318058/2049dd/Fukushima-Strahlensch%C3%A4den-bei-Kindern.html

Fukushima: Strahlenschäden bei Kindern

Schilddrüsenerkrankungen sprunghaft angestiegen

Anderthalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima belegt eine Studie: Bei Kindern stieg die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen sprunghaft an. Doch offiziell mag keiner der Experten einen Zusammenhang mit der Strahlung herstellen. Viele Japaner glauben, die Regierung spiele die Folgen der Katastrophe herunter, berichtet ZDF-Korrespondent Johannes Hano.  Video Fukushima: Dramatische Folgen für Kinder (18.11.2012)

Unser japanischer Gast, Herr Kobayashi, hat uns letzte Woche erzählt, wie korrumpierte Ärzte in Japan zu „Strahlenexperten“ gemacht werden. Auch hat Herr Kobayashi aus Tokio uns in der vergangenen Woche in Ulm und in Augsburg bewegend dargestellt, wie in Japan ein unheilvolles Dreierbündnis aus regierenden Beamten, abhängigen Politikern und Konzernen weiter den Atomkurs steuert. Und wie schlimm es ist, dass die Medien fast ausschließlich im Sinne dieses Dreieratombündnisses im Fernsehen und in den Zeitungen berichten.

Bei uns ist es besser. Zwar schürt die Augsburger Allgemeine mit ihren Lokalausgaben weiter über eine verlogene Strompreisdiskussion das Unbehagen an der Energiewende und läßt Kritik an der Atomenergie nur selten ins Blatt – aber es gibt auch andere Medien. Früher war die Augsburger Allgemeine mit ihrer Monopolstellung stark. Jetzt schrumpft ihre Macht von Jahr zu Jahr. Andere Medien und das Internet machen dies möglich. Natürlich kam niemand von der AZ zu den Veranstaltungen mit Herrn Kobayashi. Deswegen nachstehend ein Bericht aus Hessen und einer aus der Schweiz:

12.11.12  www.fr-online.de/kreis-offenbach/fukushima–was-seid-ihr-fuer-verbrecher-,1473032,20851872.html

 


Kreis Offenbach

Fukushima “Was seid ihr für Verbrecher”

Von Juliane Mroz


Ein Polizist erteilt Fukushima-Demonstranten in Tokio Anweisungen.  Foto: dpa

Japaner sind immer freundlich und zurückhaltend. Kazuhiko Kobayashi ist das nicht. Er ist Atomkraftgegner. In Langen informiert er über die Lage in Fukushima anderthalb Jahre nach dem Reaktorunfall und sammelt Spenden für ein Krankenhaus.

Der Stadtverordnetensitzungssaal im Langener Rathaus war am Freitagabend voll besetzt. Anlass war der Besuch des japanischen Atomkraftgegners und Buchautors Kazuhiko Kobayashi bei der Initiative Langen gegen Atomkraft. Er berichtete über die Lage in Japan mehr als eineinhalb Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima.

Hohe Strahlung

Das Erdbeben am 11. März 2011 löste die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima aus.

Die Kraftwerksruine ist bis heute nicht unter Kontrolle. Hohe Strahlung erschwert die Arbeit.

Atomkraftkritiker befürchten einen Supergau im Falle eines weiteren schweren Erdbebens.

Von 4000 Kindern in der Region haben 40 Prozent Symptome einer Schilddrüsenerkrankung.

„Jeder kleine Junge, jedes kleine Mädchen in Japan weiß, dass dort jederzeit ein großes Erdbeben kommen kann“, sagt Kobayashi. „Ich war sehr wütend, als die Verantwortlichen von Tepco sagten, die Explosion sei durch die Naturgewalt gekommen, die weit über unsere Vorstellung hinausgegangen sei.“

Immer mehr Wut

Mehr und mehr Japaner scheinen diese Wut zu teilen und verleihen ihr inzwischen auch Ausdruck. Seit Juni 2012 versammeln sich jeden Freitagabend Tausende Menschen am Haus des Premierministers in Tokyo, im Stadtpark Yoyogi-Kōen demonstrierten Mitte Juli rund 170.000 Menschen, 200.000 nahmen Ende Juli an einer Kerzen-Demonstration teil.

„Doch viele ahnungslose Bürger glauben noch, was die Behörden sagen. Sie wollen nicht kritisch hinterfragen.“ Zum einen gelte Gehorsam in der japanischen Kultur als Tugend, was ebenso historisch bedingt sei wie die Tatsache, dass die Regierung felsenfest hinter den Konzernen stehe. Des Weiteren habe Japan wenig Chancen gehabt, wissenschaftlichen Nutzen aus den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki zu ziehen. „Die Amerikaner forschten an den Strahlenopfern, japanischen Wissenschaftlern war das nicht erlaubt.“

Propaganda gegen Allergie

Später habe die Regierung versucht, die „Allergie“ der Japaner gegen Atomenergie mit Propaganda für angeblich sichere und saubere Atomkraftwerke zu bekämpfen. „In japanischen Physikbüchern steht nichts über die Gefahren der Atomenergie.“ Eine Folge dieser Politik sei auch, dass es in Japan kaum Spezialisten gebe, die sich mit Strahlenschäden auskennen. Das bestätigt auch die Dietzenbacher Ärztin Dörte Siedentopf, die den Abend moderierte und die im Sommer 2012 die Region Fukushima besucht hat. „Die Ärzte in Japan haben keine Ahnung, die Gefahr wird vertuscht, Menschen erfahren ihre Befunde nicht.“ Aus diesem Grund sei es auch sinnvoll, Geld für ein von der Regierung unabhängiges Krankenhaus in der Präfektur Fukushima zu sammeln – eines der Ziele von Kobayashis Europatour – und zwar, obwohl Japan ein so hoch entwickeltes und wohlhabendes Land sei.

Die Spenden, die er auf seiner Reise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz sammelt, will Kobayashi nutzen, um die Verantwortlichen in Fukushima an ihrer Ehre zu packen. „Ich werde sagen, europäische Bürger zeigen sich solidarisch und haben gespendet, und was habt ihr bisher für die Betroffenen getan? Nichts. Was seid ihr für Verbrecher!“

12.11.12  Winterthur www.landbote.ch/detail/article/warnende-worte-aus-fukushima/gnews/99213611/

 

 

Warnende Worte aus Fukushima

Ein japanischer Atomkritiker ist zurzeit auf Vortragsreise durch Europa. Gestern machte er im Weinland Station.

Kazuhiko Kobayashi liess kaum ein gutes Haar an seiner Regierung, als er gestern in der Benkemer «Sonne» über die Folgen von Fukushima referierte. Gekommen war er auf Einladung von fünf atomkritischen Vereinen aus der Region, allesamt Gegner des geplanten Atommüll-Endlagers (siehe auch Hauptartikel oben).

Benken ist eine von 25 Stationen auf der Vortragsreise des japanischen Journalisten und Atomstromgegners durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Nach dem Unglück in Fukushima habe ihn der Entscheid Deutschlands, aus der Atomener­gie­­ auszusteigen, motiviert, in diesem Land die Leute stärker zu mobilisieren und damit indirekt auch Druck auf die japanische Regierung auszuüben, erläuterte der Redner seine Motivation in perfektem Hochdeutsch. Kobayashi hatte nach seinem Germanistikstudium fast dreissig Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet. «Nur fürs Geld zu arbeiten, hat mich jedoch nie glücklich gemacht», sagt er. Er habe sich schon immer auf eine Art engagieren wollen, die ihm seelisches Wohlbefinden bringe.

Im Frühling 2011, als sich das verheerende Erdbeben ereignete, befand sich Kobayashi im Arbeitszimmer seiner Wohnung in Tokio. «Als ich die Erde beben spürte, rannte ich ins Wohnzimmer und versuchte, meine Mutter zu schützen. Ich dachte, ich überlebe das nicht», berichtet er mit Tränen in den Augen. Er habe den Fernseher eingeschaltet und gesehen, wie die Explosion im Kernkraftwerk von den Verantwortlichen mit dem Erdbeben erklärt wurde. «Ich war wütend und gleichzeitig wie gelähmt.»

Referat als Bestätigung

In Japan wisse ein Grossteil der Bevölkerung noch immer nicht, wie gefährlich die Auswirkungen des Unglücks in Fukushima seien. Den Grund dafür sieht er in drei Faktoren, welche die japanische Gesellschaft stark prägten. Zum einen herrsche die Idee vor, dass ein Land nur regiert werden könne, wenn das Volk gehorsam sei. Zweitens beeinflusse die amerikanische Politik die Forschung der japanischen Ärzte; so ist die Forschung an Japanern aus verseuchten Gebieten in Hiroshima nach wie vor nur amerikanischen Ärzten erlaubt. Der dritte Faktor sei ein Bündnis zwischen Beamten und Konzernen. Dieses kontrolliere die den Japanern zugängliche Information und mache sie unter anderem glauben, dass die Kontamination ausserhalb eines Perimeters von 20 Kilometern rund um Fukushima nicht mehr gefährlich sei. «Das ist Quatsch!»

Mut macht dem Japaner, dass sich wöchentlich bis zu 200 000 Atomkraftgegner in Tokio zu friedlichen Demonstrationen versammeln. Zudem sammelt er mit seinen Vorträgen Spenden, die ein unabhängiges Ärztebündnis unterstützen sollen. Dieses plant eine Klinik für Kinder, die an den Folgen des Fukushima-Unglücks erkrankt sind. Für die Endlagergegner im Weinland war das Referat eine Bestätigung, an ihrem Widerstand festzuhalten.

Deborah Stoffel