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Fukushima in Deutschland jederzeit möglich?

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AKW-Brokdorf: Deutschlands “Fukushima” jederzeit möglich

Kernkraftwerk_Borkdorf 

Wer in unserem Land nach der schnellen Kehrtwende von großer Überzeugung für Atomkraftwerke bis hin zum Atomausstieg meint, daß die ständig anhaltenden Gefahren damit gebannt seien, der wird eines Besseren belehrt werden müssen. Nicht nur, daß ohnehin alte noch am Netz befindliche AKWs tickende Strahlenbomben darstellen, im hohen Norden, im ca. 55 km nordwestlich von Hamburg gelegenen Brokdorf lauert die atomare Gefahr eines Super-GAUs, kann vielmehr Deutschlands “Fukushima” jederzeit möglich sein.

Doch davon wollen die Verantwortlichen nichts wissen, die E.ON-Kernkraft Gmbhsetzt dem lieber vollmundig entgegen, daß seit über 25 Jahren das AKW-Brokdorf eine Nettoleistung von 1.370 Megawatt betreibt und ca. 10,5 Milliarden kWh Strom in die Versorgungsnetze speist. Beeindruckendes Zahlenbeispiel mit dem winzig dramatischen Schönheitsfehler eines Restrisikos für die Bevölkerung, was angesichts der hohen Profite nonchalant in Kauf genommen wird.

 

Brokdorfs AKW von Beginn an ein Dorn im Auge wachsamer Bürger

Dabei hatte sich von Anfang an eine breite Öffentlichkeit gegen die Pläne zum Bau dieses Druckwasserreaktors gebildet, bei dem sowohl Urandioxid-Brennelemente als auch Mischoxid-Brennelemente eingesetzt werden. Nach anfänglich erster Demonstration im Jahre 1976 folgte zunächst ein per Gerichtsbeschluß verhängter Baustop. Gerüchte einer möglichen Aufhebung führten am 28. Februar 1981 in der Wilstermarsch zur bis dahin größten AKW-Demo in der BRD, wobei etwa 100.000 Menschen teilnahmen, denen die Staatsmacht 10.000 Polizisten gegenüberstellte. Obwohl das Bundesverfassungsgericht im Nachhinein das Demonstrationsverbot im Brokdorf-Beschluß als verfassungswidrig erklärte, wurden die Bauarbeiten letztlich fortgesetzt, die Atomlobby hatte gewonnen. Auch der Rücktritt des damaligen Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose, der sich der Übermacht in weiten Teilen der AKW-Befürworter innerhalb der SPD gegenüber sah, änderte nichts daran. Selbst der Tschernobyl-Super-GAU konnte das Brokdorf-Bauvorhaben zusammen mit weiteren Groß-Demos nicht stoppen, es ging schließlich am 08. Oktober desselben Jahres ans Netz.

 

Der Hamburger Kessel führte zum Berufsverband “Die Kritischen”

Wir kennen Sie alle noch, die dramatischen Bilder und Berichte von Großdemonstrationen, die zur APO-Zeit ihren Beginn hatten, weil eben die mündigen Bürger es Leid waren, ständig völlig unkritisch alle Handlungsweisen abzunicken und wie dümmliche Schafe deren Folgen hinzunehmen. Und da Polizisten auch Menschen sind, selbst wenn bestimmte Kräfte meinen, sie allesamt verteufeln zu müssen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn direkt nach dem “Hamburger Kessel” betroffene Polizisten den verfassungswidrigen Einsatz selber hinterfragten und zu dem Ergebnis gelangten, sich zusammenzuschließen. Ein gutes halbes Jahr später wurde am 18. Januar 1987 die BAG, “Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger Signal) e.V.” gegründet, wobei es bezeichnenderweise nie zu  einer Zusammenarbeit  mit der Polizeigewerkschaft kam. Sie setzt sich heute z.B. für eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten ein.

 

Ein Klima der Verunsicherung führt zu weiteren Spannungen

Anstatt die historische Chance wahrzunehmen, die der AKW-Ausstieg mit sich bringen kann, wird einfach an den alten, uneinsichtigen AKW-Denkmustern störrisch festgehalten. Nahezu vierzig Jahre heftiger Protest der Bevölkerung konnte keinerlei Einsicht bei den Befürwortern und Machern der AKW-Technik initiieren, ganz im Gegenteil, die Dekadenz der Energieversorger scheint keine Grenzen zu kennen. Da diese weiterhin an der Lüge von technisch dichten und somit als unbedenklich einzustufenden Castor-Behältern festhalten, obwohl längst eine Neutronenstrahlung von 4,5 Mikrosievert pro Stunde sogar aus einer Entfernung von 14 Metern, also nicht in unmittelbarer Nähe der Behälter nachgewiesen wurde, rollen sie immer wieder weiter  durchs Land, als ob nichts wäre!

Und die Gefahr eines deutschen Fukushima belastet all diejenigen im Umfeld von Brokdorf bis hinein nach Hamburg, doch die Bundesregierung hat kein Problem damit, dieses  AKW bis 2021 am Netz zu lassen. Während am 20. August im Hamburger „Abaton“ der Film “Das Ding am Deich” Premiere feierte und nunmehr in deutschen Kinos zu sehen sein wird, stehen bereits Aktionen gegen das AKW-Brokdorf und seine Alltagsgefahr fest, die dann vom 05. bis 11. November dieses Jahres in Deutschlands Norden an vielen Orten stattfinden.

Hat die Politik nichts dazu gelernt trotz aller Proteste, Warnzeichen und eindeutigen, weltweiten Störfällen? Müssen noch mehr Super-GAUs den Globus nachhaltig belasten, bis auch der Letzte begreift, wie gefährlich die Kernenergie die gesamte Umwelt in Mitleidenschaft zieht?

Ihr

Lotar Martin Kamm

Bildquelle:

http://de.wikipedia.org

Urheber:

derivative work: Neokortex (talk)

Kernkraftwerk_Borkdorf.JPG: Alois Staudacher

 

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