Home Allgemein CSU und FREIE WÄHLER für Deklaration von Duftstoffen im öffentlichen Raum

CSU und FREIE WÄHLER für Deklaration von Duftstoffen im öffentlichen Raum

Enders: MCS-Erkrankte wirksam vor unsichtbaren Aerosolen schützen

Das Statement von Susann Enders, gesundheitspolitische Sprecherin der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion:

„Wir FREIE WÄHLER setzen uns für eine Deklarationspflicht für Duftstoffe im öffentlichen Raum ein. Dies ist eine entscheidende Maßnahme für Betroffene von umweltbedingten Erkrankungen wie Multipler Chemikalien-Sensitivität (MCS). Besonders wichtig ist diese Deklaration für Geschädigte, die wegen unsichtbarer Aerosole täglich einem enormen Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Durch eine praktikable Ausgestaltung der Deklaration werden Betroffene wirksam geschützt – ohne dass dabei bürokratische Hürden für den Handel aufgebaut werden.“

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18. Wahlperiode 20.11.2019 Drucksache 18/4872 Antrag

der Abgeordneten Bernhard Seidenath, Tanja Schorer-Dremel, Klaus Holetschek, Barbara Becker, Dr. Ute Eiling-Hütig, Dr. Beate Merk, Martin Mittag, Helmut Radlmeier, Manuel Westphal CSU,

Florian Streibl, Dr. Fabian Mehring, Susann Enders, Prof. (Univ. Lima) Dr. Peter Bauer, Manfred Eibl, Dr. Hubert Faltermeier, Hans Friedl, Tobias Gotthardt, Eva Gottstein, Joachim Hanisch, Wolfgang Hauber, Johann Häusler, Dr. Leopold Herz, Alexander Hold, Nikolaus Kraus, Rainer Ludwig, Gerald Pittner, Bernhard Pohl, Kerstin Radler, Gabi Schmidt, Jutta Widmann, Benno Zierer und Fraktion (FREIE WÄHLER)

Umweltassoziierte Erkrankungen

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, die Umsetzung eines Konzepts zur Behandlung von Menschen, die an umweltassoziierten Erkrankungen (z. B. Multiple Chemikalien- Sensitivität – MCS, Elektrosensibilität – EHS etc.) leiden, im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel einzuleiten.

Dabei sind folgende Maßnahmen von großer Bedeutung:

  • ─  die Erstellung eines regelmäßig zu aktualisierenden Verzeichnisses durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) – mit Anlaufstellen und Spezialisten, die mit dem Thema umweltassoziierte Erkrankungen vertraut sind
  • ─  die Anregung an Universitätsklinika zur Schaffung „Medizinischer Kompetenzstellen“ (mit jeweils einem Arzt plus Sekretariat) in den Ambulanzen für Umweltmedizin Erlangen, München und künftig Augsburg
  • ─  die Ausweitung der Forschung zu umweltassoziierten Symptomkomplexen (z. B. MCS, EHS) z. B. an den „Medizinischen Kompetenzstellen“
  • ─  der Ausbau der ärztlichen Fortbildungen im Bereich der Umweltmedizin
  • ─  die Prüfung geeigneter Maßnahmen für Betroffene, wie beispielsweise eine praktikable Deklarationspflicht zur Erleichterung der Meidung der auslösenden FaktorenDarüber hinaus wird die Staatsregierung aufgefordert, sich auf Bundesebene dafür ein- zusetzen, die Umweltmedizin im Leistungskatalog der Krankenkassen aufzuwerten. So sollten beispielsweise fünf Basisleistungen für umweltassoziierte Symptomkomplexe – wie etwa MCS – eingeführt werden.

    Begründung:

    Für Menschen, die an einer umweltassoziierten Erkrankung leiden, gestaltet sich derzeit die Suche nach Ansprechpartnern und Ärzten, die auf eine solche Erkrankung spezialisiert sind und diese adäquat behandeln können, als schwierig bis unmöglich. Es liegen zudem keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Kenntnisse über umweltasso- ziierte Erkrankungen und den Umgang mit davon betroffenen Personen vor. Umweltassoziierte Erkrankungen zeigen vielfältige Symptome wie Atemwegsprobleme, Augenschwellungen, Knochen- und Gelenkschmerzen, wiederkehrende Infekte, Grippesymp- tomatik, Übelkeit, Schwindel, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Hautleiden, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Gereiztheit, Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Persönlichkeitsverän- derungen. Diese führen oftmals zu großen Einschränkungen der Lebensqualität und einer Isolation der Betroffenen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.

Es liegen zahlreiche Hypothesen zu umweltassoziierten Erkrankungen vor, aber keine gesicherten Erkenntnisse. Dies betrifft z. B. eine erhöhte individuelle Empfindlichkeit gegen in der Umwelt – in Luft, Wasser, Nahrungsmitteln, Innenräumen, Baustoffen, Textilien und vielen Verbrauchsprodukten – vorkommende, überwiegend synthetische Substanzen. Dabei kann die Empfindlichkeit gegenüber unterschiedlichsten Chemika- lien wie Lösungsmitteln, Pestiziden, Schwermetallen (Zahn-Amalgam), Verbrennungs- abgasen, Autoabgasen, Flammschutzmitteln, Weichmachern, Desinfektionsmitteln, Reinigungsmitteln und nicht zuletzt gegenüber Medikamenten aller Art bestehen. Zu- nehmend ist unter umweltassoziierten Erkrankungen auch eine erhöhte Elektrosensibi- lität zu verorten.

Auf dieser Basis gibt es aktuell keine wissenschaftlich begründeten somatischen Therapien. Insbesondere die Bezeichnung eines Beschwerdebildes als MCS hat rein de- skriptiven Charakter (aktuell Einordung in ICD-10 unter Code T78.4 Allergien).

Somit ist es zum einen wichtig, dass die Betroffenen nicht allein gelassen werden und zum anderen ist die Verbesserung der Datenbasis eine wichtige Aufgabe für die Zu- kunft. Es sollten die oben beschriebenen Maßnahmen unter Wahrung der Hochschul- autonomie und der Verantwortlichkeit durch die Selbstverwaltung vom Freistaat ergrif- fen werden, um den Betroffenen zu helfen und ihre Leiden zu lindern.

Zu den Basisleistungen für umweltassoziierte Symptomkomplexe:

Eine Erweiterung im Leistungskatalog der Krankenkassen um wenige Basispunkte im Bereich der Umwelterkrankungen wäre ein wichtiger Schritt. Die Vergütung der vom Gemeinsamen Bundesausschuss anerkannten neuen Diagnose- und Therapieverfah- ren wird dann ebenfalls im einheitlichen Bewertungsmaßstab festgelegt und würde die Bestrebungen der Landesärztekammer unterstützen, die Fortbildungen auszuweiten.