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Familien heute im Umgang mit widersprüchlichen Anforderungen

Beständige Flexibilität: Familien heute im Umgang mit widersprüchlichen Anforderungen

Dienstag, den 8. Oktober 2013 um 19:00 Uhr im Seniorenpflegezentrum „Matthäusstift“ in der Sandnerstraße 8, 84034 Landshut

Im Anschluss an den Vortrag findet eine öffentliche Mitgliederversammlung des Lokalen Bündnisses für Familie – Stadt und Landkreis Landshut e.V. statt.

 

Die Referentin: Prof. Dr. Barbara Thiessen

Beständige Flexibilität: Familien heute im Umgang mit widersprüchlichen Anforderungen

Das Familienleben hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich verändert. Hierfür sind sowohl veränderte äußere Rahmenbedingungen – Stichworte: Globalisierung, ökonomischer Wandel, Flexibilisierung und Mobilität – als auch innere Umgestaltungen von Bedeutung – Stichworte: Leitbild der Partnerschaftlichkeit, höhere Ansprüche an Beziehungsqualität, spätere Familiengründung, höhere Anteile nichtehelicher Kinder, mehr Trennungen und Patchwork-Konstellationen.

Augenfällig sind gestiegene Erwartungen an Familien: Kinder sollen den komplexen Aufgaben der Wissensgesellschaft gewachsen sein und zukünftige Leistungsträger werden. Kranke und alte Menschen sollen versorgt und gepflegt werden, die Ehe oder Partnerschaft soll dauerhaft beglückend sein, verwandtschaftliche, nachbarschaftliche und gemeindebezogene Netzwerke sollen gepflegt und weiter entwickelt werden. Der Alltag soll mit den ebenfalls zunehmenden Erwartungen an Lebensqualität gemanagt werden. Familie steht somit zwischen den Anforderungen einer hochindividualisierten Wissensökonomie und den anspruchsvoller gewordenen Fürsorgeaufgaben. Wie ist dies zu bewerten? Pauschaldiagnosen von „Familie heute“ reichen nicht aus, um die vielfältigen Veränderungen verstehen zu können und um nicht bei Verlustdiagnosen stehen bleiben zu müssen.

 

Im Vortrag wird nach einer knappen Bestandsaufnahme zum Familienleben vor allem die Frage nach die Bedarfe von Familien im Spannungsfeld der Vereinbarkeit von Fürsorgeaufgaben und Anforderungen der Erwerbsarbeit diskutiert. Dabei wird auch die Frage gestellt, wie eine geschlechtergerechte Verteilung von Familien- und Berufsarbeit gelingen kann.

Kritisch aufgegriffen werden die zunehmenden wirtschaftspolitischen Ansprüche an Flexibilität und Mobilität. Denn damit entziehen Unternehmen und Einrichtungen langfristig der Familie jene Ressourcen, auf die sie gleichzeitig aufbauen. Gleichzeitig werden Chancen und Grenzen von Familienfreundlichkeit für Unternehmen und Einrichtungen aufgezeigt.

 

Deutlich wird, dass Familie weniger denn je eine gegebene Form ist. Sie muss biografisch immer neu begründet und im Alltag herstellt werden und das in einer Welt, die zunehmend weniger Rücksicht nimmt auf die Anforderungen, die ein „gutes Leben“ in Familien braucht.

 

Angaben zur Person:

Barbara Thiessen, geb. 1965, Dr. phil., Dipl. Sozialpädagogin und Supervisorin, Professorin für Gendersensible Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut, Arbeitsschwerpunkte: Genderdynamiken in intersektioneller Perspektive, Familie und Familienpolitik im sozialen Wandel, Soziale Ungleichheitslagen und Migration, Leitbilder von Elternschaft, Professionalisierung in personenbezogenen Dienstleistungen

 

Aktuelle Publikationen:

Thiessen, Barbara (gemeinsam mit Karin Jurczyk, Andreas Lange) (Hg.) (2013): Doing family – Familienalltag heute: Warum Familienleben nicht mehr selbstverständlich ist, Weinheim und München: Juventa

Thiessen, Barbara (2013): Vom Versuch private Care-Arbeit öffentlich zu steuern. Entwicklungen und Herausforderungen der Familienpolitik. In: Dorothea Christa Krüger, Holger Herma, Anja Schierbaum (Hg.), Familie(n) heute. Entwicklungen, Kontroversen, Prognosen, Weinheim und Basel: Juventa, 175-188

Thiessen, Barbara (gemeinsam mit Eva Sandner) (2012): Familienleitbilder bei Professionellen: Bei „Risikofamilien“ besser weniger Diversität? In: Effinger, Herbert et al. (Hg.): Diversität und Soziale Ungleichheit. Analytische Zugänge und professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit. Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit, Band 6, Opladen: Barbara Budrich, 142-154

 

Kontakt: barbara.thiessen@haw-landshut.de