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Entwertung des Friedensnobelpreises

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Entwertung des Friedensnobelpreises

 

Von Peter Helmes

 

Wir erinnern uns: Der Stifter des Nobelpreises, eben jener Alfred Nobel, beschrieb in seinem Testament die Voraussetzung für die Verleihung des Friedenspreises sehr deutlich: „Der Preis soll vergeben werden an jemanden, der im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht hat.“

War schon die Verleihung dieser einst renommierten Auszeichnung an Obama eine Farce, so drohte die Vergabe an Institutionen wie die Europäische Union oder das IPCC (Weltklimarat) endgültig den Willen des Gründers auf den Kopf zu stellen. Es ist auch eine Frage, nebenbei bemerkt, ob Institutionen überhaupt in den Genuß einer Preisverleihung kommen sollten; denn Nobel verfügte die Vergabe an „jemanden“ – in der Regel also an Persönlichkeiten.

Es soll gewiß nicht bezweifelt werden, daß die „Organisation für das Verbot chemischer Waffen“ (OPCW) segensreich tätig ist. Doch wofür hat sie diesen stolzen Preis verdient? Man setzt die Leistung dieser Organisation nicht herab, wenn man klarstellt, daß das OPCW faktisch eine Art ausführendes Organ der internationalen Politik ist, mehr nicht. Das kann man bestens an ihrem Einsatz in Syrien sehen – womit das Preis-Komitee vermutlich wieder einmal ein politisches Harmonie-Signal setzen wollte: Das OPCW soll nun in Syrien kontrollieren, ob und wie sich die Syrer an die Abmachungen zum Abbau ihrer Chemiewaffen halten. Ein löbliches Unterfangen. Aber damit tut die Organisation nur ihre – ordentlich bezahlte – Pflicht. Und dafür den Friedensnobelpreis?

 

Warum nicht Misereor oder Krankenschwestern?

Wenn der „befohlene“ Einsatz reicht, um eine solche Ehrung zu erlangen – oder noch deutlicher: Wenn allein die Existenz einer Organisation ausgezeichnet wird – warum werden dann nicht wirklich freiwillige, zum größten Teil ehrenamtlich tätige Organisation wie die Welthungerhilfe, Misereor oder die Kolpingsfamilie usw. ausgezeichnet? Warum geht der Preis nicht z. B. symbolisch an zwei Krankenschwestern – eine für den Einsatz in Kriegsgebieten, die andere für ihre Arbeit im zivilen Bereich –, stellvertretend für die vielen Helfer im Gesundheitswesen, in Lazaretten oder bei der Alten-Betreuung?

Bekommt die OPCW den Friedensnobelpreis ob ihrer realen Existenz? Eigene Leistungen, also nicht ihr verordnete, sieht man kaum. Russen und Amerikaner verfügen weiterhin über große Chemiewaffenbestände, ohne daß bisher von einem Eingreifen der jetzt so gelobten Organisation zu hören wäre.

Die diesjährige Preisverleihung läßt den Nobelpreis zu einer Art Alibi-Funktion verkommen, zu einem Placebo zur Beruhigung des schlechten, internationalen Gewissens. Hat das Alfred Nobel gewollt?

 

13. Oktober 2013