Home Allgemein EIN EHEMALS LANGJÄHRIG ENGAGIERTER CSU-POLITIKER GING VON BORD

EIN EHEMALS LANGJÄHRIG ENGAGIERTER CSU-POLITIKER GING VON BORD

Bildtext: Da war die Welt der CSU noch in Ordnung: Der damalige Ortsvorsitzende Rudolf Lauchner verstand sich mit Personen aus der Führungsebene der Partei gut und hielt engen Kontakt. Hier mit dem ehem. Bayerischen Staatsminister Dr. Thomas Goppel bei einem Besuch in Altfraunhofen im Jahre 2017

Ein ehemals langjährig engagierter CSU-Politiker ging von Bord

Rudolf Lauchner quittierte seine Parteizugehörigkeit

Bildtext: Da war die Welt der CSU noch in Ordnung: Der damalige Ortsvorsitzende Rudolf Lauchner verstand sich mit Personen aus der Führungsebene der Partei gut und hielt engen Kontakt. Hier mit dem ehem. Bayerischen Staatsminister Dr. Thomas Goppel bei einem Besuch in Altfraunhofen im Jahre 2017

Rudolf Lauchner , beruflich als selbständiger Konstrukteur im Maschinenbau tätig, ist am 18.5.1988 in die CSU eingetreten. Im CSUKreisverband Erding und im CSU-Ortsverband Fraunberg fand er seine erste politische Heimat. Der damalige Generalsekretär der CSU, hieß Gerold Tandler. Im Jahre 1993 fand ein Umzug zum CSU-Kreisverband Landshut-Land statt. Lauchner arbeitete ab 2013 als stellvertretender Vorsitzender aktiv im Ortsverband Altfraunhofen, ab 2014 als kommissarischer Vorsitzender mit und wurde 2015 zum 1. Vorsitzenden des CSU-Ortsverbandes Altfraunhofen gewählt. Zur Wahl eines CSUVorsitzenden im Jahre 2019 trat Rudolf Lauchner nicht mehr an.Lauchner war zudem Gründungsmitglied des AKE Bezirksverbandes Niederbayern. Auch im AKU-Kreisverband Landshut-Stadt, dann Landshut-Land, war er Mitglied. Sein Fachwissen im Bereich Energie und Umwelt, konnte der Lauchner Rudi besonders als Vorstandmitglied im AKU und AKE Bezirksverband Niederbayern einbringen.

Sein Parteiaustritt erfolgte am 9. September diesen Jahres.

Rudolf Lauchner gab KLARTEXT.LA zu seinem Austritt aus der CSU ein Interview:

KLARTEXT.LA :

Herr Lauchner, Sie haben am 9.9.2019 ihren Austritt aus der Partei der CSU vollzogen. Wie lange haben Sie darum gerungen und wie lange haben Sie sich schon damit beschäftigt?

Rudolf Lauchner:

Zu diesem Schritt habe ich mich, nach dem Wechsel des Parteivorsitzenden, schweren Herzens entschlossen. Habe ich anfangs noch den Standpunkt vertreten, durch einen Austritt das Lager derer zu schwächen, die so denken wie ich selbst, habe ich die Einsicht gewonnen, es gibt nur diese zwei Möglichkeiten, entweder alles hinzunehmen, was die Parteiführung als zielführend betrachtet, oder in der Partei zu opponieren. Da es innerparteilich inzwischen zwei Strömungen gibt, die trennend auf eine Partei wirken können, wollte ich aber nicht, mich an einer solchen Spaltung beteiligen. Meine eigene Meinung werde ich aber nicht verleugnen, nur um mich einer sich veränderten Meinung der Partei unterzuordnen.

KLARTEXT.LA :

Was waren die entscheidenden Gründe, die Partei zu verlassen?

Rudolf Lauchner:

Der „Konservative Aufbruch“ und die „Werte-Union“ zeigen, dass in der Union ein Widerstand gegen die Politik der Frau Dr. Merkel entstanden ist. Nachdem eine neue Vorsitzende der CDU einen Kurs einleiten will, diese Spaltung zu verhindern und einen MP Dr. M. Söder mit ins Boot holen konnte, sehe ich die Ausrichtung mehr nach links als nach rechts zu tendieren.

KLARTEXT.LA :

In wieweit spielt die „neue Partei AfD“ eine Rolle?

Rudolf Lauchner:

Nun, die AfD vertritt Positionen, die ich auch vertreten kann. Vor allem, in der Klimadebatte, Energiewende und Flüchtlingsfrage. Was das Lager der ultrarechten Szene betrifft, da habe ich kein Verständnis, aber ich denke, dass das auch nur hingenommen wird, weil es einfach Wählerstimmen bringt, die man nicht vermissen will. Inwieweit die CSU solche Stimmen jemals bekommen hat, die heute sicher auch fehlen, kann ich nicht beurteilen, aber danach hat sicher noch niemand gefragt. Im Gegensatz aber, werden in der AfD solche Stimmen innerparteilich auch berücksichtigt und das ist der entscheidende und abstoßende Unterschied.

Die ursprüngliche Mitte-rechts Position, entgegen der Warnungen von FJS, wird heute der AfD überlassen und stärkt diese trotz der Bemühungen diese als neue NPD zu diffamieren. Wenn dann, wie in Sachsen, die AfD, 27,5 %, also mehr als ¼ der Wählerstimmen, diese nicht ernst genommen werden, und dann nur ein Bündnis mit Linken in Betracht kommt, dann frage ich mich allen Ernstes, ob hier der Wählerwille noch beachtet wird, denn die AfD ist nicht verboten. Wenn dann bei Befragungen wie am Wahlabend, links stehende Politiker alles unkommentiert sagen dürfen, fällt auf, dass die Befragung bei Leuten der AfD so ein Gespräch wie ein Verhör klingt.

KLARTEXT.LA :

Kann es nicht sein, dass eine solche Verweigerung genau das Gegenteil bewirken wird, was die Entscheidung erbringen soll?

Rudolf Lauchner:

Ich denke, ja. Nur in Regierungsverantwortung hätte diese Partei die Möglichkeit, zu zeigen, ob sie zu den erwarteten und geforderten Anforderungen steht oder nicht. In der Opposition wird sie sich nur als stark erweisen und vor allem, die Wähler noch mehr überzeugen können, dass die sog. Etablierten sich nicht treu sind. Ganz davon abgesehen, dass ein so entgegen gerichtetes Denken in einem Dreierbündnis nur sehr schwer die politische Ausrichtung klar zum Ausdruck bringen kann. Ich darf erinnern, dass eine Zusammenarbeit mit den Grünen einmal kategorisch ausgeschlossen wurde, so wie heute mit der AfD.

Nur gut, dass wir hier in Bayern noch die Freien Wähler haben, um nicht mit der SPD oder gar den Grünen regierungsfähig sein zu müssen. Dem Hubert Aiwanger wünsche ich viel Erfolg bei seiner Arbeit, dass es ihm gelingen mag, auch im Bund Fuß zu fassen, denn der Mann redet noch Klartext, was man von SPD und Grünen von keinem ihrer Akteure, um nicht Agitatoren zu sagen, behaupten kann.

KLARTEXT.LA :

Wie sollten, Ihrer Meinung nach, die Unionsparteien reagieren?

Rudolf Lauchner:

Schlimm, wenn die Union sich von den eigenen Anhängern abwendet und sich mehr an den politischen Gegner anpasst, als es dem eigenen Lager entspricht. Wenn ein Michael Glos, ehem. BM f. Wirtschaft und Energie, vor der Bundestagswahl 2005 sagt, die Kernkraftwerke werden weiter in Betrieb bleiben, wenn wir einen Regierungswechsel herbeiführen können, dann ist das eine Kernaussage, die dann von einer Bundeskanzlerin wegen einer Naturkatastrophe und der Wahl in BW radikal geändert wird. Kein Widerstand aus der Partei. Eine damit eingeleitete Energiewende, die derzeit mit der Abschaltung von Kohlekraftwerken weiter geführt wird und wegen einer völlig irrsinnigen Klimarettungsdebatte begründet wird, sind nicht hinnehmbare Entscheidungen, die ich nicht unterstützen kann und werde. Wenn eine Frau, die das Kanzleramt anstrebt, vor der Wahl folgende Aussage macht, CDU-Parteitag 2003: „…manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der Zuwanderungsdiskussion in die rechte Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen. Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern.“

Im Amt als Bundeskanzlerin wird das BAMF angewiesen, das Abkommen von Dublin außer Kraft zu setzen, und so die ungehinderte Aufnahme von Flüchtlingen zu legalisieren, und dabei eine Ausweispflicht ungültig zu erklären, so ist das ein Rechtsbruch, der widerspruchslos hingenommen wird.

Die CSU hat hier einen schweren Standpunkt, denn als bundesweit 6% Partei, da wird es einer CDU bei derzeitiger Ausrichtung nicht schwer fallen, auch anstelle der CSU die Grünen als Partner zu betrachten. Aber ein eigenes Profil lässt sich bei der CSU aus meiner Sicht nicht mehr erkennen. Das war einmal ganz anders.

KLARTEXT.LA :

Wie reagierten ehemalige Parteikollegen und –Kolleginnen auf Ihre Kündigung bei der CSU?

Rudolf Lauchner:

Ein Kollege, der auch vor kurzem bei der CSU ausgetreten ist, schrieb mir folgendes: „ Lieber Rudi, ich teile Deine Motivation und die Gründe für Deinen Parteiaustritt uneingeschränkt und bin Dir, wie Du weißt, mit meinem Parteiaustritt viele Monate zuvorgekommen. Man muss nicht jeden populistischen Unfug, jedes Wellenreiten und jedes Ignorieren der eigentlichen Probleme auf ewig mitmachen – und erst recht nicht, wenn man Erfahrungen mit den Akteuren gemacht hat. Wenn die ehemals überzeugten CSU-Mitglieder – zumal jene mit Fachkompetenz – nach und nach das Feld räumen, bleiben wohl nur die unkritischen “Parteisoldaten” übrig. Und da sind mir sehr viele als “Mandatsträger” oder protegierte “Hoffnungsträger” begegnet, die alles auf eine “Karriere” in der Partei setzen, weil sie ihren Futternapf dadurch weit, weit über das heben können, was sie jemals mit ihrer eigentlichen Ausbildung erreichen könnten. Das sind “Karrieren”, die zu dem Zustand beitragen, in dem sich unser Land befindet.“

Danke, Herr Rudolf Lauchner, für ihre Ausführungen:

 

Die Fragen stellte: h.j.lodermeier

 

Foto: Lauchner

Bitte teilen