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Ehemaliges Landgerichtsgefängnis in Landshut

Ungekürzter Bürgerbrief zum Artikel „Weg mit der JVA!“ in der LZ vom 5. August 2014 Artikelansicht ePaper – asr0000008477722

Der von Frau Neumaier verwendete Titel hätte heißen müssen „Stadtplanung und Denkmalschutz – wie geht das zusammen?“. Stattdessen hat die Journalistin in der Manier eines Boulevardblattes den Titel „Weg mit der JVA“ gewählt. Von mir stammt dieser Satz nicht; das möchte ich klarstellen. Der teilweise fehlerhafte Bericht erzeugte bereits Reaktionen wie den Leserbrief des Heimatforschers Heinrich Egner, der mit Recht moniert, dass der Bau der alten JVA an dieser Stelle keinesfalls von Kaiser Wilhelm angeordnet worden sein könne. Er bestätigt im Übrigen meine Auffassung mit dem Zitat „Der Standort stieß unter den Landshuter Bürgern auf viel Kritik“ und der damalige Oberbürgermeister Otto Marschall schrieb, dass sowenig der Gefängnisbau in diese Gegend passen mag, dieser möglichst an das Stadtbild anzupassen sei.

Ich bin der Überzeugung, dass diejenigen, die heute sehr um den Erhalt dieses Zweckgebäudes bemüht sind, sich damals vehement gegen die Errichtung des unattraktiven Gefängnisbaus, an diesem seinerzeit beschaulichen Ort, gewehrt hätten. Ich würde diesem Ort gerne etwas von der Beschaulichkeit zurückgeben. Wie in anderen bayerischen Städten auch, sollte das Vorfeld außerhalb einer historischen Stadtmauer weitgehend von einer Bebauung freigehalten werden.

Um meinen Entwurfsgedanken verständlich zu machen – der mehr auf den Denkmalschutz des Altstadtensembles mit seinem gotischen Stadtgrundriss und weniger auf den fragwürdigen Denkmalschutz der alten JVA als Einzelobjekt Rücksicht nimmt – habe ich in meinem Vortrag die Entwicklung des Areals von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute dargestellt.

Es stellt sich ja die Frage, warum das alte Gefängnis erst zu dem Zeitpunkt unter Denkmalschutz gestellt wurde, als ein Architektenwettbewerb angestrebt wurde? War es die Angst Einiger davor, die Sehgewohnheiten ändern zu müssen, wenn dort etwas Neues, nicht Vertrautes entsteht?

Gemäß Flächennutzungsplan sollte von der Jugendherberge bis hinab zur Isar eine Grünvernetzung zustande kommen. Nach Abschluss des Verfahrens bestand kein Zweifel daran, dass das alte Gefängnis beseitigt werden kann. Eine Absicht, die schon in den vorbereitenden Untersuchungen für das Sanierungsgebiet „Innere Münchener Straße“ dokumentiert wurde. Es wäre eine Chance für Landshut, wenn da nicht die unerwartete Eintragung des Gebäudes in die Denkmalliste wäre.

Der Denkansatz meiner Studie stellt einen Kompromiss dar, nämlich die Teile des alten Gefängnisses zu bewahren, die den viel zitierten Paradigmenwechsel im Strafvollzug von damals dokumentieren, um gleichermaßen den städtebaulichen Fehler von damals wiedergutzumachen.

Ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, in dem viele Ideen zusammen getragen werden, ist für mich die einzig sinnvolle Vorgehensweise, diesen für Landshut signifikanten Ort im unmittelbaren Umfeld des Zentrums von Landshut zu überplanen. Die Auflagen der Denkmalschutzbehörde sollten dabei äußerst großzügig interpretiert werden dürfen.

B. Hanseder